Polizei Berlin: Rambo-Razzia im Bordell Artemis mit 900 Beamten?

Der FKK Saunaclub Artemis in Berlin, bekannt auch als Edelbordell.
Bild: www.fkk-artemis.de

Kommentar – Angeblich sollen 400 bis 900 Beamte – so viele wie äußerst selten bei einer Razzia in Deutschland – derzeit dabei sein, Berlins angeblich größtes und luxuriösestes Bordell, das Artemis, auf den Kopf zu stellen. Klingt nach einer Rambo-Razzia. Das Motto des Artemis lautet: „FKK Saunaclub“.

Angeblich seien vier Personen im Zuge der Razzia im Artemis verhaftet worden und sollen nun in U-Haft sitzen. Üblicherweise ist in solchen Fällen der Geschäftsführer von solchen U-Haften betroffen, sowie weitere Personen mit kaufmännischen Zugriffen.

Grund für die Großrazzia in Berlin: Man sehe Verbindungen zu illegalen Umtrieben in der Rockerszene und vermute Hinterziehung von Sozialabgaben in Millionenhöhe. Außerdem gehe es um den Vorwurf des angeblichen Menschenhandels.

Die Staatsanwaltschaft Berlin gehe, schreibt der Berliner Tagesspiegel, von der Hinterziehung von Sozialabgaben und Steuern in Höhe von bis zu 23 Millionen Euro aus.

Da fragt man sich aber auch: Seit wann bezahlen Prostituierte – umgangssprachlich von vielen als „Nutten“ bezeichnet – in Deutschland Sozialabgaben? Alleine im Internet bieten Tausende weibliche und männliche Prostituierte, auch als Escorts bezeichnet, in Berlin ihre Dienste auf diversen Portalen an.

Es wäre neu, dass irgendeine oder irgendeiner dieser Prostituierten in Berlin Steuern bezahlen würde. Dabei sind die Einnahmen für einige nicht schlecht: Die Stundenlöhne liegen zwischen 100 und 200 Euro. „Erfolgreiche“ weibliche oder männliche Prostitutierte kommen auf Tageseinnahmen von bis zu 3000 Euro, beziehungsweise auf Monatseinnahmen von bis zu 50.000 Euro.

Als besonders finanzstark gelten Transgender oder Transsexuelle, die in Bordellen arbeiten. Hier sind Einnahmen von bis zu 150.000 Euro in drei Monaten keine Seltenheit. Alleine auf dem größten Portal für Homosexuelle oder Bisexuelle in Europa, auf planetromeo.com, sind Hunderte „Escorts“ in Berlin gelistet.

An der Großrazzia im Berliner Edel-Bordell Artemis sollen angeblich auch Zoll und Steuerfahnder anwesend sein. Angeblich wurde gar die Autobahnzufahrt der Stadtautobahn in Richtung Funkturm gesperrt. Das ist eine der zentralsten Berliner Straßen. In den vergangenen 20 Jahren ist es nicht bekannt, dass die Polizei so rabiat eine Razzia in Berlin durchgeführt hätte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft, die in den vergangenen Jahren öfters mal Razzien in der Rockerszene machte – beispielsweise bei den Hells Angeles -, hatte bislang allerdings nicht sonderlich große Erfolge im Kampf gegen kriminelle Umtriebe unter Rockern vorzuweisen. Die meisten Razzien endeten mehr oder weniger nicht gerade mit viel.

Laut Berliner Polizei habe man die Razzia monatelang im Voraus geplant. Wie üblich, dürften während dieser Zeit Handys abgehört worden sein, E-Mails abgefangen worden sein, Bankkonten heimlich überprüft worden sein und Privatwohnungen ausspioniert worden sein. Nicht unwahrscheinlich auch, dass die Berliner Polizei im Artemis mit verdeckten Vermittlerinnen oder Ermittlern arbeitet.

Das Artemis befindet sich an der Halenseestraße am westlichen Ende des Kürfürstendamm. Also in sehr guter Lage. Angeblich arbeiten dort regelmäßig zwischen 70 und 120 Frauen.

Unangenehm dürfte die Razzia vor allem für die männlichen Besucher sein, die möglicherweise zu Beginn der Razzia gerade noch dabei waren, mit einer Frau sich im Bett, auf einer Liege oder in einem Pool zu vergnügen. Bei Razzien werden in aller Regel von allen Anwesenden die Personalien aufgenommen.

Sollten Drogen gefunden werden, müssen auch die Freier oder Prostituierten mit Strafverfahren rechnen – abhängig von der gefundenen Drogenmenge. Offiziell sagen jedoch alle Bordelle in Deutschland, dass Drogen in den Etablissements verboten sind. Ob im Artemis Drogen gefunden wurden, ist bislang nicht bekannt.

Das Artemis in Berlin ist weltweit bekannt und bietet seine Homepage deshalb auch gleich in englisch, chinesisch, auf italienisch, russisch, türkisch oder französisch an. Das Artemis ist normalerweise über die Homepage fkk-artemis.de erreichbar, war allerdings während der Großrazzia Mittwochabend zwischenzeitlich nicht mehr zu erreichen.

Das Artemis ist sehr exklusiv, mit vergoldeten Liegeflächen, einem edlen Swimmingpool, luxuriös ausgestatteten Zimmern und geht über mehrere Etagen. Der Stil erinnert an alte barocke Räumlichkeiten.

Im Artemis gibt es aber auch einen Fitnessraum, sowie einen Außenbereich. Nach Angaben der Homepage hat das Artemis normalerweise täglich geöffnet und zwar zwischen 11 Uhr morgens bis 5 Uhr nachts an 361 Tagen im Jahr. Der Zutritt ist aber erst ab 18 Jahren gestattet.

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