Mozilla Foundation knietief mit Firefox in WOT Web of Trust-Skandal verstrickt

Seit Jahren ein Problem mit dem großen Mozialla Firefox Add-on "WOT Web of Trust".

Kommentar – Die Mozilla Foundation, die hinter dem Firefox-Browser steckt und deshalb auch als Mozilla Firefox Foundation bekannt, ist knietief in den Skandal rund um „WOT Web of Trust“ vertrickt. Immerhin war es der Mozilla Firefox-Browser, welcher durch  jahreslanges Bereitstellen des Add-on die dubiose Web of Trust-Applikation, welche in den Firefox-Browser installiert werden muss, groß gemacht hat. Dabei sind die Probleme, die mit WOT Web of Trust in Zusammenhang stehen, größer, als bislang in der Öffentlichkeit angenommen.

Sich damit herauszureden, wie es nun die Mozilla Fundation tut, man habe nichts gewusst, und warte darauf, dass die umstrittene Applikation WOT Web of Trust überarbeitet werde, ist ein weiterer Skandal.

Der NDR hatte aufgedeckt, dass das über Mozilla Firefox als Add-on zur Verfügung gestellte WOT Web of Trust Daten, die es über den Browser bekommt, angeblich an Zwischenhändler verkauft habe. So schreibt der NDR:

„Eine zentrale Rolle spielen offenbar kostenlose Zusatzprogramme mit einer versteckten Ausspähfunktion. In den Recherchen des NDR fiel etwa eine Browser-Erweiterung der Firma ‚Web of Trust‘ (WOT) auf. WOT bietet eigentlich einen Service an, der dem Nutzer dabei helfen soll, sicher zu surfen… Im Hintergrund protokolliert und übermittelt die Erweiterung aber auch die Daten zum Surf-Verhalten des Nutzers an einen Server im Ausland. Dort wird ein Profil erstellt, bei dem Datum, Uhrzeit, Ort und angesteuerte Web-Adresse gemeinsam mit einer Nutzer-Kennung abgespeichert werden. Diese Daten gehen dann an Zwischenhändler. Von einem dieser Zwischenhändler haben Panorama und ZAPP ihren Datensatz bezogen.“

In WOT Web of Trust-Listen sollen neben zahlreichen Bundestagsabgeordneten unter anderem Journalisten sein, deren Browserverhalten Dank WOT sich für Käufer dieser Daten überwachen lasse.

Dass Mozilla Firefox sich nun hinstellt, als habe man von den Skandalen des finnischen Anbieter WOT Web of Trust nichts gewusst, ist dreist. So sagte die Mozilla Foundation:

Man entferne grundsätzlich Browser-Erweiterungen, wenn man feststelle, dass Add-ons die Mozilla-Richtlinien verletzten. Man habe nun „Beschwerden erhalten“, welche Veranlassung gäben, „Web of Trust“ erst einmal aus dem Mozilla App-Store zu entfernen. Man warte, bis die Probleme gelöst seien. Aha.

Verantwortlich für die 2003 in Kalifornien gegründete Mozilla Foundation sind die folgenden Führungskräfte: Board of Directors sind Mitchell Baker (Chair), Brian Behlendorf, Bob Lisbonne, Cathy Davidson, Ronaldo Lemos. Als „Emeritus Board Members“ werden Joi Ito und Mitch Kapor genannt.

Und was sagt Web of Trust zum Skandal selber: Man behauptet, man habe von dem Datenskandal angeblich nichts gewusst und wolle das nun prüfen. Ein IT-Fachmann sagte zum Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com aber:

„Jeder, der so etwas tut, wie Wot Web of Trust es getan hat, weiß ganz exakt, was er tut. Da gibt es nichts mehr zu prüfen. Das ist Hohn, jetzt so ein Zitat abzulassen.“

kriegsberichterstattung.com hatte schon vor fünf Jahren massive Kritik an WOT Web of Trust und der Mozilla Foundation wegen WOT geübt, wie es weltweit unzählige Blogger seit Jahren tun.

Gemacht worden ist nichts: Im Gegenteil. Hatte WOT Web of Trust 2011 noch unter 30 Millionen Nutzer, sind es Dank der Mozilla Foundation und ihres weit verbreiteten Browsers Firefox nun gut 100 Millionen weitere Webnutzer, welche sich das ADD-on WOT installiert haben – nicht wissend, dass es sich letztlich um eine Trojaner-ähnliche Applikation handelt.

Auf Grund der Brisanz des Vorgangs, veröffentlichen wir in Zitat-Form hier noch einmal komplett jenen Artikel, den wir bereits 2011 zu WOT Web of Trust und der Verstrickung der Mozilla Foundation und ihres Browsers Firefox, der in Deutschland immerhin einen Marktanteil von gut 30% hat, publizierten.

Der folgende Text zeigt ganz klar, dass es seit Jahren weltweit massive Kritik an WOT Web of Trust gibt – in Europa wie in den USA. Er zeigt aber auch, dass die Mozilla Foundation es bevorzugte, sich wegzugucken und Dutzende Millionen Nutzer einem solchen unseriösen Anbieter wie WOT vorsätzlich aussetzte. Deshalb ist der Wot Web of Trust-Skandal nicht nur ein Wot-Skandal, sondern auch ein Mozilla Foundation Skandal.

„WOT – Web of Trust: Die große Volksverarsche eines unseriösen Mozilla-Add-On-Anbieters“

Zitat Arikel vom 6. Dezember 2011:

„Der Seite ist kein Versprechen zu groß, keine Aussage plakativ genug: WOT nennt sie sich. Die Abkürzung steht selbstadelnd für Web of Trust. WOT – Web of Trust prahlt damit, weltweit bereits mehr als 28 Mio. Nutzer zu haben. Ist ja auch kein Wunder: Wird die Seite doch prominent vom Internet-Browser-Dienst Mozilla Firefox durch Best-Platzierungen in der Add-on-Liste dem Nutzer geradezu aufgedrängt.

Auch wenn das Anliegen von „WOT – Web of Trust“ durchaus ein berechtigtes ist – nämlich Orientierung im Web zu bieten, die Spreu vom Weizen zu trennen – ist die Umsetzung dennoch in einem geradezu skandalösen Ausmaß unseriös.

So zerrt „WOT – Web of Trust“ alle Webseiten über ein und dasselbe Raster. Das Mittel: Vier willkürliche Kriterien werden für die Webseiten abgefragt: Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit), Vendor reliability (Verkäufer/Händler-Zuverlässigkeit), Privacy (Einhaltung des Datenschutzes) und Child Safety (Kindersicherheit/Jugendschutz). Ob die Kriterien auch zu einer Webseite passen, spielt in der WOTler-Welt keine Rolle. Zu viel Differenzierung schadet beim raschen Web-Durchmarsch. Der Höhepunkt, der Verriss einer ganzen Webseite, muss schnell kommen.

„WOT – Web of Trust“ reitet deshalb sehr geschickt auf der Welle von Allgemeinplätzen und bedient sich auf Stammtisch-Niveau den üblichen Internet-Klischees, ganz nach dem Motto: Wer hat Angst vorm Schwarzen Web-Man? Damit die Grusel-Geschichten weltweit durchs Internet flattern, suggeriert „WOT – Web of Trust“ seinen Nutzern: Du kannst alles, vor allem alles beurteilen und verurteilen. „WOT – Web of Trust“ sei Dank.

Wer das Mozilla-Add-On einmal heruntergeladen hat, der kann aber nicht nur ver- und beurteilen, sondern dem steht künftig beim Aufruf einer jeden Seite mittels Firefox eine Internet-Zensurbehörde vor. Sie ist das Nadelöhr durch die jetzt jede Homepage muss. Beim Öffnen des Mozilla-Firefox-Browsers kreischen einem Willkürs-Benotungen entgegen. Sie suggerieren einem, sie basierten auf vermeintlich seriösen Beurteilungen.

Mit kräftigen Schwüngen schwarz und weiß pinseln

Die Internetwelt wird auf „WOT – Web of Trust“ mit kräftigen Schwüngen in schwarz und weiß gepinselt, die Welt in Gut und Böse unterteilt. Wenn eine Webseite eine bestimmte Anzahl negativer Votings hat, knallt sich ein dramatisches „Warnung!“-Plakat schrill über die gesamte Bildschirmfläche und vor die Linse des verunsicherten Webseiten-Besuchers. Das Ausrufezeichen hinter dem riesig geschriebenen Wort „Warnung! Diese Seite hat einen schlechten Ruf basierend auf Benutzerbewertungen“ erscheint dabei wie ein knallender Sheriff an einer Verkehrs-Kreuzung.

„WOT – Web of Trust“ hat Dank Mozilla Firefox zugeschlagen und umhüllt die Seite zudem mit einem undurchdringlich erscheinenden dunkelgrauen Milchbrei-Schleier. „WOT – Web of Trust“ ist nicht nur eine Empfehlung zur Nutzung von Webseiten, sondern mutiert in viel zu vielen Fällen zu einer aggressiven Verleumdungs-Attacke, die vor allem eines verhindern soll: Dass Nutzer sich nicht voreingenommen über eine Webseiten ein Bild machen.

Wer jetzt ein kleines Schrittchen weiter geht, der rennt ins Verderben, ins Internetverderben einer Webseite, die eigentlich abgeschaltet gehört – so könnte man die „WOT – Web of Trust“-Keule deuten.

Doch ist das tatsächlich so? Niemand weiß es. Doch die selbst ernannte Internet-Zensurbehörde hat eine solch gebrandmarkte Webseite in die Rubrik der Outlaws, der Aussetzungen, befördert. Achtung, Berührung ist toxic, giftig. Es fehlt eigentlich nur noch der Totenkopf. Wie viele Votings wirklich vorliegen, wird nicht groß mitgeteilt.

Man hat den Eindruck, dass schon wenige Duzend Bewertungen genügen um eine Homepage – selbst bei Millionen Nutzern im Monat – ins vermeintliche Rotlichtmilieu zu befördern. „WOT – Web of Trust“ schlägt so dem alten sozialistischen Traum von der Diktatur weniger für alle einen Bann. Es ist die Diktatur des Web-Mobs. Denn seriös ist das alles nicht.

Manipulierung in jeder Hinsicht

Dabei dürfte es manipulierte einseitigen „Bewertungen“ bei „WOT – Web of Trust“ auch in „positiver“ Hinsicht geben: So beflügeln Marketing-Abteilungen ihre eigenen Homepages mit „WOT – Web of Trust“ gerne nach oben. Dann können plötzlich unseriöse Seiten jugendfreundlich sein und Abo-Abzockfallen händlerfreundlich.

Es wird also höchste Zeit „WOT – Web of Trust“ deutlich kritischer zu betrachten, als das bislang erfolgt ist. Es ist der Zeitpunkt da, wo gesagt werden muss: „WOT – Web of Trust“ gehört in seiner derzeitigen Form selbst in die Toxic-Kiste. WOT ist Bestandteil des unseriösen Internets geworden und ernährt sich wie ein Schmarotzer vom guten Mozilla-Firefox-Image. Das ursprüngliche Versprechen, für mehr „Vertrauen im Netz“ zu sorgen hat WOT nicht erfüllt

Doch nicht nur die Macher von „WOT – Web of Trust“ stehen umfangreich in der Kritik, sondern zunehmend auch deren Ernährer, Mozilla selbst. Denn Mozilla-Firefox ist es, welche „WOT – Web of Trust“ groß gemacht hat. Der härteste Knackpunkt und die größte Schwachstelle von „WOT“: Jeder kann eine Webseite beurteilen, auch dann, wenn er sie überhaupt nicht kennt. Jeder kann obendrein eine Webseite auch mehrmals beurteilen. Das führt dazu, dass die unter Neid-Leuten notorisch leidende Internetszene gerne alle Mittel nutzt, um Konkurrenten im Word Wide Web madig und schlecht zu machen.

Ein seriöses Benchmark sieht anders aus

Jedes Mittel ist dabei vielen recht. So soll es Freaks geben, die bereits Computerprogramme geschrieben haben, die automatisiert bestimmten Webseiten regelmäßig in „WOT – Web of Trust“ die schlechtesten Beurteilungen zukommen lassen. Ein seriöses Benchmark sieht anders aus. Nun könnte man natürlich sagen: In Facebook oder in Google kann doch auch jeder eine Bewertung vornehmen. Grundsätzlich stimmt das.

Doch: Hier müssen sich wenigstens Nutzer tatsächlich und nachweislich registrieren, um eine Bewertung abgeben zu können. Obendrein kann für eine konkrete Webseiten-Ausprägung nur ein Mal eine Beurteilung abgegeben werden. Und: Eine Bewertung geht nur ins Positive und nicht ins Negative. Das ist deutlich fairer, da es Missbrauch verhindert. Eine geringe Anzahl an positiven Vots ist schließlich auch eine Note…

Doch nicht nur hier eiert „WOT – Web of Trust“ selbst gehörig ins Seriositäts-Abseits. Ein weiterer erheblicher Schwachpunkt, der auch justiziabel ist, ist die Beliebigkeit der abgefragten Kriterien: Warum beispielsweise für Flugbuchungsportale die Kindersicherheit abgefragt wird, ist genauso rätselhaft und unseriös, wie eine generelle Abfrage nach einer nicht näher umschriebenen angeblichen „Glaubwürdigkeit“ einer Webseite, der „Verkäufer-Zuverlässigkeit“ oder der Einhaltung der „Privacy-Richtlinien“.

Alles über einen Kamm scheren

Aber auch hier wird schön alles über einen Kamm geschert. Eine normale Nachrichtenseite wurde von „WOT – Web of Trust“ als kindergefährdend verleumdet, eine Rätselseite kann nach WOT-Beurteilungs-Floskeln datenschutzrechtlich bedenklich sein. Ebenso muss eine Mondkalender-Seite, die überhaupt nichts verkauft, sich gefallen lassen, als unzuverlässiger Verkäufer im Netz rufschädigend von „WOT – Web of Trust“ beschmutzt zu werden. Tausende dürften dem WOT-Zensur-Gate Glauben schenken und es nicht durchschreiten. Die Geschäftsschädigung anderer Webseiten ist also das Tagesgeschäft von „WOT – Web of Trust“.

Die Kritik an „WOT – Web of Trust“ nimmt zu

Als ob das nicht der Unseriösität genug wäre, behauptet „WOT – Web of Trust“ auch noch dreist, die Ratings beruhten ausschließlich auf „Reputation… based on real User ratings“. Diese würden einem angeblich objektiv mitteilen, „how much other users trust this site“. Zwar versteckt „WOT – Web of Trust“ im Kleingedruckten hinter einem dünnen Link, dass die Bewertungen nicht wasserdicht repräsentativ sind, doch das dürfte sich fast keiner anschauen…. Es ist die berühmte Parabel vom Kriegs-Priester der Wasser predigt und im Zelt heimlich Wein säuft.

Es ist schade. „WOT – Web of Trust“ hat bislang noch nicht einmal das Niveau einer Toilettenwand erreicht: Hier kann wenigstens jeder alles hinschmieren. Bei „WOT – Web of Trust“ geht das nicht. Die Welt hört nach vier abgefragten Kriterien auf, die häufig eben nicht einmal zu einer Webseite passen. Die Mehrheit der Votings, wahrscheinlich über 80 Prozent, dürften Beurteilungen von Leuten sein, die eine Webseite gar nicht oder so gut wie nicht kennen und vom Hörensagen leben oder Leuten entstammen, die Konkurrenten schlecht machen möchten.

Gerüchte, wonach negative Votings mehr wiegen

Doch damit nicht genug: Testläufe von IT-Experten haben ergeben, dass beispielsweise Bewertungen von unterschiedlichsten Computern mit unterschiedlichsten IP-Nummern von unterschiedlichsten Standorten keinerlei Auswirkungen auf die Gesamtbewertung von Homepages gehabt hätten. Ihr Urteil: Es gibt möglicherweise und wahrscheinlich bei WOT Personen, deren Bewertungsgewicht deutlich über dem aller anderen Nutzer liegt. Sie könnten dadurch das Endergebnis massiv manipulieren. In den USA kursieren Gerüchte, wonach einer negativen Bewertung mindestens 15 positive folgen müssten.

Eine nicht näher umschriebene WOT-Person hat sich zu diesen Gerüchten auf einem U.S.-Blog folgendermaßen gerechtfertigt: „Users have to earn the system’s trust before their ratings gain weight, which is why creating multiple accounts and spamming ratings for a site has very little impact on the reputation.“

Aha: Also entscheiden obendrein die WOT-Verantwortlichen, wer voten darf und wer nicht, welche Bewertung gewichtet wird und welche nicht. Das erinnert ein bisschen an den Umgang einer sozialistischen demokratischen Republik mit seinen Bürgern – die zwar wählen dürfen, aber deren Meinung die Staatsausrichtung nicht verändert.

WOT-Kooperation beendet

Dass vieles bei „WOT – Web of Trust“ nicht mit rechten Dingen zugeht, zeigt sich auch daran, dass Facebook eine ursprüngliche Kooperation mit der „Bewertungs“-Seite nach einem mehrwöchigen Testlauf wieder beendet habe, wie es heißt. So haben sich wohl zahlreiche Firmen bei Facebook beschwert, die Firmenseiten in dem Social Network angelegt hatten, dass bei einem Klick in Facebook auf ihren Link die recht willkürliche WOT-Bewertung Nutzer massiv verschreckt hätten.

So tauchte plötzlich bei seriösen Seiten ein fettes WOT-Warnschild in Facebook auf, das vor einer Seiten-Nutzung abriet. Damit wurde nicht nur die Firma, welche mit Facebook zusammenarbeitet, beschädigt, sondern auch Facebook selber und die Nutzer die unnötig mit WOT-Warnspam belästigt und in ihrem Internetverhalten gegängelt wurden.

Im Internet gibt es hunderte Millionen Webseiten – doch „WOT – Web of Trust“ scheint göttergleich alle zu kennen. Egal wohin man schaut: Überall werden mal grüne, dann wieder orange oder rote Empfehlungs- oder Warnschildchen verteilt – das geht hin bis zu Google-Anzeigen, die WOT selbstverständlich trotz täglich wechselnder Anzeigen-Keywords auch sofort einordnen kann. Der WOT-Größenwahn kennt scheinbar keine Grenzen. Man träumt von der Allmacht der bunten Web-WOT-Smarties. Mozilla Firefox machts möglich, fungiert der Browser doch als Steigbügelhalter nicht nur von seriösen Diensten sondern immer öfters auch von unseriösen.

In den USA bereiten derzeit, ist zu erfahren, mehrere Unternehmen eine Klage gegen „WOT – Web of Trust“ vor, um sich gegen die dubiosen Bewertungs-Machenschaften des Portals zu wehren. Auch in deutschen Unternehmen gibt es zunehmend solche Überlegungen. Einfach dürfte das nicht werden, da die Meinungsfreiheit bekanntlich weite Flügel hat. Das wissen auch die WOT-Drahtzieher und verstecken sich hinter dem grundsätzlich wichtigen Gut der Meinungsfreiheit und zusätzlich hinter einer juristisch schwer zu fassenden Gesellschaftsform, einer „Limited“ (Ltd.).

Trotz der weiteren drohenden Gerichtsverfahren konnte die WOT Services Ltd. nun einen ersten Teilerfolg in den USA, in dem Land, in dem bekanntlich alles möglich ist, feiern. So hatte ein Gericht im Bundesstaat Florida zumindest in einem Fall, in dem ein Unternehmer gegen WOT geklagt hatte, kein Fehlverhalten von WOT erkennen mögen.

Allerdings waren wohl auch diverse Verfahrens-Fehler den Klägern unterlaufen. Die Vorwürfe des Unternehmens lauteten gegen WOT u.a. Verleumdung (defamation), Verletzung von Rechten (violating rights), Dubiose Aktivitäten (conspiracy) und Manipulation des WOT-Bewertungs-Algorithmusses (manipulating algorithms).

„WOT – Web of Trust“ berief sich während des Verfahrens auf ein altertümliches U.S.-Internet-Gesetz aus dem Jahr 1996, konkret auf den „article 230 of the Communications Decency Act“. Der Artikel schützt Internetunternehmen und deren Content recht allumfassend und pauschal. Dabei ist das Urteil in der Branche durchaus umstritten, da das Gericht das WOT-System offensichtlich nicht durchgängig durchschaut hat. „WOT – Web of Trust“ bejubelte dennoch den Gerichtsentscheid mit den Worten, es sei „sehr wichtig für WOT, obwohl die Kritik an WOT“ sowieso „absolut haltlos“ (gewesen) sei.

WOT freut sich über U.S-Rechtssystem

Der Chief Executive Officer der WOT Services Ltd., Vesa Perälä, schrieb weiter, die U.S.-Gerichtsentscheidung würde „klar zeigen“, dass in den USA ‘Die Freiheit der Rede’ über allem trumpfe und deshalb sei das, was WOT tue, auch rechtens. Dass in den USA Gerichte kaum Grenzen ziehen im Bereich der Verbreitung von Meinungen oder Behauptungen, ist bekannt und gilt als großes Defizit im dortigen Rechtssystem: So müssen es sich beispielsweise Prominente oder Nicht-Prominente presserechtlich gefallen lassen, wenn Fotografen mit Fluggeräten über ihre Gärten fliegen und dort private Fotos machen, die anschließend in den Medien verbreitet werden.

In Ländern wie Deutschland ist das undenkbar. In seiner Stellungnahme zum U.S-Gerichtsentscheid bedauerte denn auch „WOT – Web of Trust“, dass die europäische Gerichtssprechung komplexer agiere als in den USA und dass hier eben nicht alles verbreitet werden darf. Da die Willkürlichkeit im „WOT – Web of Trust“-System offensichtlich ist, könnten Unternehmen, die sich beispielsweise in Deutschland gegen „WOT – Web of Trust“ wehren, bessere Chancen haben als in den USA.

WOT verkauft ein bis zu 598 € teures Siegel

Für Diskussionsstoff sorgt auch, dass „WOT – Web of Trust“ bis zu 598 € teure Siegel, das „WOT Trust Seal“ (mywot.com/en/trustseal/comparison), an Homepages verkauft. So kursieren im Internet Gerüchte, wonach sich Webseiten damit möglicherweise ein besseres Listing auf der WOT-Homepage erkaufen könnten. Ob das so ist, konnte nicht überprüft werden. Auf eine Anfrage reagierte WOT nicht.

Jedenfalls widersprach ebenfalls auf einem U.S.-Blog eine nicht näher umschriebene WOT-Person dieser Käuflichkeits-Vermutung vehement: „Reputations are not for sale. In fact, you can only buy a trust seal if your site has already earned a good reputation, and should the reputation go bad in future, you will lose the trust seal. WOT doesn’t rate websites and has no incentive to rate sites poorly in order to sell you something.“ Damit widerspricht sich „Wot-Web of Trust“ selber in erheblichen Ausmaß. Hieß es doch an anderer Stelle, WOT entscheide durchaus, welche Bewertung in die Gesamtpräsentation einer Homepage einfließt und welche nicht. Nämlich scheinbar nur jene, die WOT befürwortet und akzeptiert.

Der Bock schwingt sich zum Gärtner auf – WOT ist selbst zum Problem geworden

Fazit deshalb: Hier schwingt sich der Bock zum Gärtner auf. Das große Ausrufezeichen, das Wort „Warnung!“, muss „WOT – Web of Trust“ selbst verliehen werden. Die Seite wird von Mozilla Firefox zwar in guter Absicht angeboten, erfüllt aber ihr Versprechen nicht und ist sogar ein gefährliches, da unredliches und unseriöses Webgewächs.

Deshalb sollte sich Mozilla Firefox schleunigst von diesem unseriösen Add-On trennen. Dass der Wind, den man im Netz entfacht hat, als Sturm zurückschlagen könnte, ahnen wohl auch die Betreiber von „WOT – Web of Trust“ selber: So halten sie sich weit weg von den Internetzentren dieser Welt, in Helsinki in Finnland, auf. Dort, wo es bekanntlich häufig mehr dunkel als hell ist.“

Weitere kritische Artikel bereits aus dem Jahr 2011 rund um „Wot Web of Trust“ und die Verstrickungen mit der Mozilla Firefox Foundation:

http://www.ripoffreport.com/internet-services/web-of-trust/web-of-trust-my-web-of-trust-c34ad.htm

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