Schwindelt die Mozilla Foundation? Betrugs-Anbieter WOT Web of Trust 140 Mio. Mal heruntergeladen und nicht 900.000 Mal

Groß wurde WOT Web of Trust vor allem Dank der Hilfe durch die Mozilla Foundation. Dann kam auch Google Chrome hinzu. Über 140 Millionen Downloads gibt es Dank dieser prominenten Steigbügelhalter, wobei auch deutsche IT-Blogs wie CHIP oder COMPUTER BILD halfen.

Kommentar – Es ist ein Datenskandal, ein Betrug am Nutzer, in welchen die Mozilla Foundation, deren Webbrowser weltweit auf gut 30% aller Cokamputer installiert ist, knietief involviert ist. Deshalb hat der Skandal mindestens zwei Namen, eher aber mehr: „WOT Web of Trust-Skandal“ und „Firefox-Skandal“. Ebenso ist es ein „Medienskandal“. Denn es waren auch IT-Blogs, die WOT groß gemacht haben in ihrem Heischen nach Klicks.

Und jetzt das: Angeblich soll die in Kalifornien ansässige Mozilla Foundation behauptet haben, dass „WOT Web of Trust“ lediglich rund 900.000 Mal über den Mozilla-Browser Firefox installiert worden sei. Diese Angaben bezüglich WOT bezweifeln wir stark an und kommen zu dem Fazit: Sie können so nicht stimmen.

Denn das Add-on „WOT Web of Trust“ konnte man jahrelang primär über den Firefox-Webbrowser von Mozilla installieren. Erst später kamen dann auch Google Chrome hinzu und der Internet Explorer, Safari oder Opera. Ergänzend boten außerdem Stück für Stück weltweit Tausende IT-Blogs und IT-Nachrichten- sowie Testportale, darunter zahlreiche deutsche, „WOT Web of Trust“ an.

Sie alle suggerierten ihren Nutzern, wie es die Mozilla Fundation mit ihrem Firefox-Browser tat, als installiere man sich mit „WOT“, bekannt zudem als „MyWOT“, ein besonders gutes Stück an Internet-Sicherheit.

Denn „WOT Web of Trust“ verspricht vollmundig, ein Kompass im Web-Dschungel zu sein, der helfe, unseriöse Seiten von seriösen schneller zu erkennen. Wie eine Zensurbehörde markiert WOT Millionen Webseiten und jahrelang auch Millionen an Google Anzeigen oder Bing Anzeigen mit grünen oder roten Kreisen, die einem sagen sollen: Rot markierte Webseiten seien besonders schlechte, grüne seien besonders gute.

Dabei gibt es weltweit unzählige Blog-Artikel, die seit Jahren kritisierten, hier schwinge sich der schlimmste Bock selbst zum Gärtner auf. Aber Mozilla wollte das nicht wahr haben, auch Google Chrome nicht und all die anderen Internet-Pharisäer der Nachrichtenszene, die zwar gerne Portale oder Produkte „testen“ – wie Urlaubsportale – nur offensichtlich nicht ausreichend (wenn überhaupt) das, was sie Nutzern zum Downloaden in ihren App-Stores anbieten und teils vollmundig empfehlen.

Deutsche IT-Blogs und Nachrichtenseiten taten dies und tun dies in zahlreichen Fällen heute noch vor allem aus einem Grund: Sie sind auf der Jagd nach weiteren Klicks, die man dann in IVW Online oder AGOF angeben kann. Fakt ist aber:

Ohne die jahrelang alles überschattende Download-Unterstützung im Mozilla App-Store wäre das skandalöse Add-on „WOT Web of Trust“ nie so groß geworden wie es ist.

Mozilla-Angabe ist unglaubwürdig

Deutsche Medien schreiben, wonach Mozilla im Angesicht des Datenskandals rund um WOT nun gesagt habe, „WOT Web of Trust“ sei über Firefox circa 900.000 Mal installiert worden (eine entsprechende Pressemitteilung konnten wir allerdings im Pressebereich von Mozilla nicht finden, was darauf hindeutet, dass ein Mozilla-Sprecher die Zahl von angeblich nur 900.000 WOT-Installationen Journalisten gesagt haben könnte).

Für uns liegt nahe, dass die Mozilla-Angaben zu den angeblichen WOT-Downloads über Firefox so nicht zutreffen, folglich eine glatte Lüge sein könnten. Grund: Nach Aussagen von „WOT Web of Trust“ sei die Applikation weltweit über 140 Millionen mal heruntergeladen worden. Da es aber vor allem der Firefox-Browser ist, der weltweit mit die meiste Verbreitung hat, ist die Angabe von angeblichen 900.000 Downloads einfach nicht glaubwürdig.

Schon 2011 sprach WOT von knapp 30 Millionen Computern, auf welchen „WOT Web of Trust“ installiert sei (siehe unseren Artikel von damals: „Die große Volksverarsche“).

Warum erzählt Mozilla dann einen solchen kaum glaubhaften Unsinn? Möchte sich die kalifornische Mozilla Foundation versuchen aus dem Skandal zu winden, der nämlich nicht nur ein WOT-Skandal ist, sonder auch vor allem ein Mozilla-Skandal? Das wird nicht klappen.

Da Mozilla einen Marktanteil von 30% hat, kann die Angabe von nur 900.000 Nutzern, die über Mozilla WOT angeblich bezogen hätten, einfach nicht stimmen, glauben wir den Angaben von WOT, dass das Tool über 140 Millionen Mal auf Computern installiert ist (siehe Screenshot oben). Die 900.000 angeblicher WOT-Installationen dürften noch nicht einmal die realistische Zahl für Deutschland wiedergeben.

WOT ist seit Jahren in der Kritik – weder Mozilla hat das gestört, noch IT-Blogs wie CHIP oder Computer Bild

Und darum geht es beim Skandal: „WOT Web of Trust“ steht bei unzähligen – warscheinlich geschätzt Tausenden Webseiten-Anbietern und Firmen – seit Jahren weltweit im Verdacht unseriös zu arbeiten.

Grund: WOT clustert sehr zum Ärgernis vieler selbst neueste Seiten pauschal anhand nicht nachvollziehbarer Kriterien über ein Raster. Dabei werden Seiten recht willkürlich mit Zugangssperren belegt. Diese greifen, öffnet ein Nutzer die Webseite über Mozilla Firefox, sofern er Wot über Firefox installiert hat. Die Sperre muss der Nutzer dann erst einmal wieder aktiv wegklicken.

Dies ist so unseriös gemacht, dass es selbst Gerichtsverfahren dazu gab – unter anderem in den USA. Zwar konnte sich „WOT Web of Trust“ häufig vor Gericht herauswinden, doch klar ist auch: Ohne den Verweis, man werde von Firefox und in Folge dessen über die Jahre von Tausenden IT-Blogs zum Download angeboten – also regelrecht unterstützt – hätten Gerichte sich nicht so schnell sich auf die Seite von WOT geschlagen.

Dass die Mozilla Foundation nicht gemerkt hat, wonach es faktisch seriös nicht sein kann, wenn ein Anbieter wie „WOT Web of Trust“ von sich behauptet, er könne Hunderte Millionen Webseiten weltweit beurteilen, ohne offenzulegen, was die Beurteilungskriterien sind und wie viele Nutzer tatsächlich und nachweisbar eine Webseite beurteilt haben, ist als solches schon ein Skandal.

Das gilt auch für solche Nachzügler-Anbieter für „WOT Web of Trust“ wie Google Chrome oder Microsoft Internet Explorer, Safari oder Opera, die das Add-on ebenfalls fleißig ihren Nutzern zum Download angeboten haben.

Nicht besser sind bekannte IT-Medien wie CHIP (Hubert Burda Media) oder die COMPUTER BILD (Axel Springer SE), auch das US-Pendant „cnet“. Sie alle boten das WOT-Add-on unkritisch und offensichtlich ungeprüft jahrelang zum Download an. Im Falle des US-IT-Blogs cnet, der auch in Deutschland aktiv ist, wurde sogar noch geschrieben, die WOT-App sei „überragend“ zu empfehlen, weshalb man diese „sicher“ herunterladen könne.

Wie können etablierte Medien unseriöse APPs ungeprüft ihren Nutzern anbieten?

Wie können solch etablierten IT-Medien, die sonst gerne die Moralkeule über andere schwingen, trotz der seit Jahren weltweit existierenden äußert kritischen Blog-Berichte rund um „WOT Web of Trust“, einen solchen Daten-Trojaner ungeprüft und unkritisch ihren Nutzern zum angeblich „sicheren“ Download unterjubeln?

Warum überprüfen solche Zeitschriften-Anbieter oder IT-Blogs ihre angebotenen Applikationen vorher nicht und fallen auf plumpe gelogene Produktbeschreibungen herein, wie sie „WOT Web of Trust“ seit Jahren verbreitet?

Seine eigenen Nutzen hier in die Falle laufen zu lassen, ist ebenfalls ein unglaublicher Medienskandal und erklärt, warum ausgerechnet die IT-Blogs derzeit eher still in der Berichterstattung sind, statt sich selbstkritisch zu hinterfragen, wie es soweit kommen konnte.

Warum mussten erst ein Medienmagazin wie ZAPP sowie ein politisches Magazin wie die ARD-Sendung PANORAMA vom NDR-Fernsehen kommen, um den Fachleuten der IT-Szene den ungeheuren Datenskandal von WOT nachzuweisen, der natürlich auch strafrechtsrelevanz hat?

Der WOT-Datenbetrug ist natürlich strafrechtsrelevanz

Denn erst das NDR-Fernsehen und deren Sendungen ZAPP sowie die ARD-Fernsehsendung „PANORAMA“ deckten auf, in welch ungeheurem Ausmaß, „WOT Web of Trust“ seinen Namen missbraucht und genau das Gegenteil von „Trust“, also „Vertrauen“ ist: nämlich ein einziger Anbieter von Datenmissbrauch, der niemals zum Download über die größten Webbrowser und IT-Medien hätte angeboten werden dürfen.

Dabei fragte sich so mancher in der IT-Stzene seit Jahren, wie sich der finnische Anbieter WOT überhaupt finanziere. Auf den Handel mit Daten ist scheinbar kaum einer gekommen. Eine zeitlang bot WOT ein angebliches „Trusted“-Seal zum Kauf an, also eine Art Webseiten-Award. Doch auf Nachfrage, was es damit auf sich hat und welchen Einfluss dieses seltsame „Siegel“ auf eine Bewertung einer Webseite hat, wollte sich WOT schon vor Jahren uns gegenüber nicht äußern.

Dabei war unser Verdacht: WOT könnte mit dem „Siegel“ Unternehmen und Webseiten, die schlecht bewertet sind, freikaufen lassen. Eine WOT-Branntmarktung könnte also durchaus auch etwas erpresserisches haben, damit die WOT-Macher darüber den Reibach machen.

Denn WOT kann für Unternehmen durchaus geschäftsschädigend sein: Durch „WOT Web of Trust“ rot gebranntmarkte Webseiten werden faktisch wie Spam behandelt und vom Nutzer folglich so wahrgenommen. So erhalten Millionen Nutzer beim Öffnen einer von WOT rot markierten Webseite einen riesigen roten Strafbanner. Er legte sich faktisch in Firefox wie ein Warnplakat über die Webseite.

Sich jetzt hinzustellen, wie es der WOT-Patron Mozilla Foundation tut, wir prüfen mal und warten ab, ob WOT nachbessere, ist ebenfalls skandalös.

Einen solchen Anbieter, der das Vertrauen von über 140 Millionen Nutzern dermaßen missbraucht hat, darf man künftig einfach nicht mehr anbieten. WOT hat seine Existenz als angeblich glaubhaftes Add-On eingebüßt.

Neben Mozilla drucksen auch deutsche Medien, die den Aufstieg von „WOT Web of Trust“ mit ermöglicht haben, herum.

Abwarten!? Damit ist es nicht getan!

So schreibt CHIP aus dem Hause Hubert Burda Media zwar einerseits, dass „kürzlich bekannt wurde“, wonach ‚Web of Trust‘ „offenbar Millionen Nutzer ausgespäht und Daten verkauft“ habe. Und auch „mehrere Millionen Deutsche von diesem Vorgehen betroffen“ sein sollen. Doch wolle man, „bis die Sachlage geklärt ist“, die Erweiterung nicht mehr zum Download anbieten.

Direkt unter dieser Stellungnahme verbreitet CHIP aber nach wie vor auch diese dreiste Produktbeschreibung von „WOT Web of Turst“:

O-Ton CHIP:

„WOT für Firefox. Das kostenlose Firefox-Add-on WOT will Sie vor unseriösen Webseiten schützen. WOT (Web of Trust) ist eine Internetnutzer-Community, die sich dem Kampf gegen Betrug im Internet verschrieben hat. Über die Firefox-Erweiterung und eine kostenlose Anmeldung können Sie ein Teil dieser Gemeinschaft werden.“

Zum WOT-Skandal führte unter anderem Deutschlands Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrem Onlineauftritt hingegen aus:

„Unter den detaillierten Daten von drei Millionen deutschen Internetnutzern, die nach Recherchen des NDR durch sogenannte Browser-Add-ons (Anmerkung: Also WOT) gesammelt und weitergereicht wurden, finden sich nach Angaben des Senders auch solche von zahlreichen Politikern auf Bundes- und EU-Ebene und sogar im Bundeskanzleramt. Die sensiblen Informationen umfassen etwa Daten zu Reisen und Terminen, zur Vorbereitung interner Sitzungen, zum Umgang mit Interessengruppen oder auch zu privaten Dingen wie Vermögensverhältnissen und Gesundheit.

Ein Fall ist etwa die grüne Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms. Ihre Browserdaten zeigen Reiseverläufe, geben Hinweise auf ihre Gesundheit, ihre Steuerdaten und lassen Einblicke in ihre politische Arbeit zu. ‚Natürlich kann es schaden. Man wird damit durchaus erpressbar“, sagte Wilms dem NDR. Sie fühle sich „nackt demjenigen gegenüber, der die Daten hat‘.“

Betroffen sei auch der deutsche CDU-Bundestagsabgeordnete Helge Braun, der Staatsminister bei Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (ebenfalls CDU) ist. So schreibt „Die Zeit“ online weiter:

„Über den Computer eines Mitarbeiters Brauns sind seine Informationen in den Datensatz gelangt, den die extra zu diesem Zweck gegründete Tarnfirma des NDR zur Verfügung gestellt bekommen hat. Den Politiker überrascht vor allem, ‚dass es oftmals ungeachtet der Unzulässigkeit des Datenabflusses schwierig ist, als Anwender diesen überhaupt nachzuvollziehen‘.“

Von dem WOT-Datenskandal betroffen sei auch ein Abgeordneter der Europaparlamentarier und agrarpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling.

Weitere Medien berichten davon, es seien zudem über das Auslesen der Browser-Historie Journalisten über „WOT Web of Trust“ ausspioniert worden und auch deren Daten verkauft worden. Darüber könne man namentlich Vermögensverhältnisse zuordnen, Krankheiten, Reisen, Login-Daten.

WOT behauptet, man habe nichts unrechtes getan – nur glaubt es niemand

„WOT Web of Trust“ soll die Daten dieser Personen und von Millionen weiterer einfach weiterverkauft haben, so der ARD-Fernsehsender NDR.

Während WOT behauptet, man verkaufe lediglich Daten in anonymisierter Form, sieht der deutsche Regionalfernsehsender der ARD, der NDR, dies anders. Demnach würden Nutzer von „WOT Web of Trust“ gezielt ausspioniert und deren Daten so weiterverkauft, dass sich Rückschlüsse auf konkrete dann namentlich bekannte Nutzer erstellen ließen.

Dies sei, zitiert der NDR den Hamburger Datenschutzbeauftragten, rechtlich nicht zulässig, also eine Straftat.

Die Frage steht aber auch im Raum: Wenn man Facebook strafrechtlich verfolgt, da man sagt, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sei für die Verbreitung von Volksverhetzung mitverantwortlich, dann muss dieses auch für die Mozilla Foundation, Google Chrome und die Tausenden deutschen und internationalen IT-Blogs gelten, welche „WOT Web of Trust“ ihren Nutzern als Applikation empfohlen haben und zum Download angeboten haben. Auch diese Anbieter sind Bestandteil des Datenbetrugs-Systems „Wot Web of Trust“.

Weitere Hintergrundberichte zum Betrug von „WOT Web of Trust“

NDR Pressemitteilung.

Code-Analyse WOT mit dem Urteil „critical“ vom 2. November 2016:

gist.github.com

wot-nein-danke.blogspot.com (vom 9. Juli 2014):

WOT NEIN DANKE – Erfahren Sie hier warum Sie WOT nicht nutzen sollten

kriegsberichterstattung.com vom 6. Dezember 2011:

WOT – Web of Trust: Die große Volksverarsche eines unseriösen Mozilla-Add-on-Anbieters

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