Kai Diekmann und Die Kolleginnen die ich rief: Gefahrenherd Frau in der Karriere

BILD ist ohne Frauen in der Berichterstattung undenkbar. Ganz nach dem Motto: Und ewig lockt das Weib. Die Frage ist nur für so manchen: Wohin?

Kommentar – Lässt der Springer-Verlag in einem irren Intrigenspiel den langjährigen BILD-Chefredakteur und seit geraumer Zeit als Herausgeber der BILD-Gruppe fungierenden Kai Diekmann über die Klinge springen?

Diese Frage stellen sich derzeit viele, welche die Berichterstattung rund um den seit gut 20 Jahren allmächtigen BILD-Chef Kai Diekmann verfolgen. Springer gibt sich unschuldig. Zwischen Diekmanns Abgang bei BILD Ende Januar (den viele bei Springer, aber auch extern, bedauern) und der Berichterstattung bezüglich angeblicher sexueller „Belästigung“ bestehe kein Zusammenhang. Angerollt wurde der Ball jedenfalls durch den SPIEGEL.

Dass der SPIEGEL beim Thema vorangeht, ist auch wieder kein Wunder, schaut man sich die Chefetagen der Redaktionen von Springer an. Rauf und runter finden sich da mittlerweile Kolleginnen oder Kollegen von SPIEGEL, Süddeutscher & Co.

Angeblich sollen in der Vergangenheit sogar ehemalige SPIEGEL-Leute mit Verträgen, welche im Jahr mit Hunderttausenden Euro dotiert gewesen sein sollen, von Springer engagiert worden sein. Und damit sind nicht Chefredakteure gemeint. Alles nur Gerüchte oder Wahrheit? Wir wissen es nicht.

Das Haus Springer ist auch deshalb durchlässig geworden wie selten, da es seit der Ägide von Vorstandschef Mathias Döpfner medienübergreifend wie selten Autoren und Redakteure engagiert hat.

Das hat die journalistische Qualität durchaus gehoben. Aber auch Akzente gegen SPIEGEL, Süddeutsche oder ARD zunehmend eingeebnet.

Selten war Deutschland journalistisch ein solcher Einheitsbrei, wie es sich seit einigen Jahren andeutet. Alle sind der gleichen Meinung. Alle schreiben brav ab, was der andere Leithammel von sich gibt. Bloß nicht anecken.

Springer wurde politisch immer mehr wie das Boulevard-Kollegenportal spiegel-online oder die Süddeutsche. Oder spiegel-online wurde immer mehr wie BILD.

Doch so oder so: Der Einheitsdrall in der deutschen Medienszene ist spürbar, auch die Hetze gegen fast jeden, der nur im Verdacht steht, mit der AfD zu sympathisieren. Oder mit Russland. Oder mit Trump.

Das gerne bediente Schlagwort von „Rechtspopulisten“ gehört dabei zu Standardfloskeln vieler Journalisten, um recht simpel politische Gegner vermeintlich platt zu machen. Das hatte man sich schon in Österreich abgeschaut und wendet dieses Prinzip nun auch in Deutschland liebend gerne an.

Damit kann man so schön spalten, scheinen Journalisten wie Politiker zu meinen. Auch bei Springer. Die Auflagen von BILD, Welt & Co gehen ja eh seit Jahren in den Keller.

Die Einheitsberichterstattung deutscher Leitmedien wäre früher unter Axel Springer selber undenkbar gewesen. Er wollte lieber politisch polarisieren, statt auf CNN oder BBC O-Töne zu geben. Damit eckte der alte Axel Springer an. Doch seltsamerweise hatte er als Verleger ähnliche Erfolge wie der US-Präsident in Warteschleife, Donald Trump von den Republikanern.

Das Internet ist heute ein mediales gewichtiges Gegengewicht: Auf Twitter, Facebook, Instagram oder studivz.de machen nicht wenige unflätig und banausenhaft Meinung. Ohne Anstand. Ohne Würde. Ohne Respekt vor dem anderen.

Geradezu entgegengesetzt die Massenmedien in Deutschland oder den USA. Hier überschlägt man sich im Streicheln und Zelebrieren von political correctness. Nafri? Igitt. Ausländische Tatverdächtige? Rassismus. Manager? Sexismus, da es ManagerIn heißen müsste.

Doch was hat das alles mit der unappetitlichen Bade-Affäre von Kai Diekmann zu tun? Man kann das eine nicht versuchen zu verstehen, ohne das andere – die Medien – zu verstehen.

Deshalb kann man die Affäre um Kai Diekmann nicht verstehen, wenn man nicht den größeren Blick in den Karpfenteich der Medienhechte wagt.

Denn auch Kai Diekmann wurde im Laufe der Jahre immer angepasster. Ganz so, wie viele Medien von links und rechts immer mehr den Schulterschluss in der Berichterstattung suchten.

Vom einstigen Haar-Schleimi mit Gelhaaren nach hinten geschlonzt, zum zumindest äußerlich fast linksalternativen Grufti mit Rauschebart und Turnschuhen. Eigentlich war seine Entwicklung geil.

Neben dem im Laufe der Jahre äußeren Angepasstheit kam seine politische, vor allem gesellschaftspolitische Angepasstheit, hinzu.

Frauen in Führungspositionen, relativ egal, wie gut sie performen, war bei Axel Springer plötzlich ganz groß in Mode. Dank Döpfner, aber auch Dank Kai Diekmann, der mitziehen wollte (und musste). Bloß nicht als altmodisch und hinterwäldlerisch dastehen.

Schaut man sich bestimmte BILD-Regionalausgaben unter weiblicher Führung an, so hatte man nicht immer den Eindruck, als ob weibliche Führung im Boulevard pauschal besser wäre.

Die Frauenquote ist zwar zum hippen Alltagsgerede auch bei Springer geworden. Doch völlig ausgeblendet wird in der Debatte rund um Frauenquote und Frauenpower in Deutschland, ebenso in den USA, dass dies zu Problemen führen kann. Zu Problemen, wie sie nun scheinbar Kai Diekmann selber am Hacken hat.

Denn, wie eine Kollegin lächelnd nach Bekanntwerden von Diekmanns Shit an den Versen sagte: „Und ewig lockt das Weib“.

Der Goethsche Faust brachte es vor 200 Jahren 1808 auf den Punkt: Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los. Oder eben: Die Frauen und Kolleginnen, die ich rief, werd ich nicht mehr los.

Was genau nun am Badesee in Potsdam vorgefallen war, wissen wir nicht. Medien schreiben, der BILD-Herrscher soll die (BILD?)-Frau (???) beim Baden angemacht haben.

Dabei fragt man sich: Wie darf man sich das vorstellen? Diekmann in der Badehose? Und wie erregend war die Situation? Und wen hatte er da vor sich? Eine Volontärin oder eine BILD-Führungskraft? Bei Springer-Klausurtagungen sind eigentlich eher Führungskräfte und Kräftinnen anwesend – aus ganz Deutschland.

Der SPIEGEL schreibt jedenfalls: „Nach Informationen des SPIEGEL wirft ihm eine Mitarbeiterin des Unternehmens vor, sie nach einer Klausurtagung in Potsdam im Sommer beim Baden belästigt zu haben. Die dortige Staatsanwaltschaft bestätigte eine Strafanzeige und Ermittlungen in dieser Sache. Bei Springer hieß es, man kenne den Vorwurf, die Mitarbeiterin habe sich unmittelbar nach dem angeblichen Übergriff an das Unternehmen gewandt.“

Bei Springer scheint man, liest man den SPIEGEL weiter, dann die ganz große Keule herausgeholt zu haben und ein Riesenfass aufgemacht zu haben. Wirkt ganz so, als hätte man nach einem Grund gesucht, Diekmann an die Hose, oder eben seinen Anzug und damit an seine Position, zu gehen.

Dass man damit einen der profiliertesten Journalisten Deutschlands, einen der besten bei Springer selber und einen unendlich Verdienten, demontieren könnte, das hat man scheinbar nicht nur befürchtet, sondern in Kauf genommen. Sonst macht man nicht auf große Staatsaffären-Welle, weil eine Mitarbeiterin in der Freizeit sich angemacht fühlt (denn das scheint es letztlich gewesen zu sein; denn die Klausurtagung war bereits vorbei; zumindest glaubt man den Berichten).

Wusste Friede Springer von den Vorgängen im Haus? Die ganze Aktion fällt ja auch auf sie zurück. So viele Top-Leute gibt es nicht in ihrem Hause, die ein gewachsenes Vertrauens-Verhältnis zur Verlegerin an der Spitze haben. Friede Springer sagte von sich selbst einmal in einem Interview, das einzige, was sie verlege, sei ihre Brille. Dass sie da längst mehr verlegte, wusste sie. Und jeder um sie herum.

Einer von ihnen war auch Diekmann, der seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis zur Erbengemeinschaft bei Springer hat.

Jedenfalls schreibt der SPIEGEL, dessen Redaktion ebenfalls nicht gerade dafür bekannt ist, dass alles zugeknöpfter Plüsch ist was so wirkt:

Springer habe den Bade-Fall „mithilfe externer Rechtsexperten eingehend untersucht“. Man habe aber „mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kein strafbares Verhalten feststellen können.“

Hat man das schon einmal so gehört?

Dass man gleich „mithilfe externer Rechtsexperten eingehend“ den Vorwurf der (BILD???)-Kollegin untersucht habe?

Hat man ein solches Verhalten eines Konzerns auf einer solchen Führungsebene gegenüber verdienten Managern schon einmal gehört? Eigentlich nicht.

Und das, wo über Springer CEO Mathias Döpfner selber in Wikipedia zu lesen ist:

„Döpfner und seine Ehefrau Ulrike, geborene Weiss – Tochter des ehemaligen Vorstandes (1979–1998) der Deutschen Bank Ulrich Weiss – haben drei gemeinsame Söhne. Mit Julia Stoschek hat er seit 2016 einen weiteren gemeinsamen Sohn.“

Doch damit nicht genug des irr wirkenden Springer-Verhaltens gegenüber Kai Diekmann, welches dem SPIEGEL zu entnehmen ist:

„Um den Vorwurf aber rechtsverbindlich klären zu lassen, habe man die Erkenntnisse mit dem Einverständnis Diekmanns an die Staatsanwaltschaft gegeben. Die Anzeige der Mitarbeiterin sei unmittelbar danach erfolgt. Diekmann bestreitet den Vorwurf.“

Mit solchen „Einverständnissen“ ist es ja auch so eine Sache: Was bleibt einem schon anderes übrig, als zuzustimmen, wenn ein solcher Druck aufgebaut wird?

Uff. So viel Othello-Müll nach Shakespeare-Vorlage zu bislang so wenig Inhalt. Wirklich einmalig.

Dass Kai Diekmann mit 52 Jahren exakt so alt ist, wie der britische Dichter und Sexaffären-Experte bei Hofe, William Shakespeare, wurde, ist eine weitere Groteske in dieser Bade-Posse. Verblüffend ist zudem die Nähe zu einem anderen Bade-Experten:

Zu Rudolf Scharping, dem ehemaligen SPD-Verteidigungsminister. Er war vor Jahren über Badebilder in der BUNTEN nicht nur gestolpert, sondern regelrecht Dank dieser Bilder im Badewasser untergegangen.

Ein Thema, über welches damals die BILD ausführlichst und gemein berichtete. Und nun Diekmann selber?

Bislang vom Scheinwerfer im Abwasser nicht erfasst wurde die Kollegin, die ihm die Affäre an seine makellose Top-Karriere heftete.

Im schlimmsten Fall könnte sie Diekmann, ohne dass wir es bislang wissen, selbst befördert haben. Denn Diekmann hat im Laufe der Jahre Hunderte Personen auf Posten gebracht oder wieder von dort entfernt. Doch nicht jeder ist loyal, den man einstellt oder befördert. Es gibt nicht umsonst das Boy-Networking in Konzernen ebenso, wie das Frauen-Networking.

Doch auch das wissen wir nicht eindeutig, ob also Diekmann die Frau, die ihn nun in die Schlagzeilen brachte, selbst eingestellt oder selbst befördert hat, oder nicht. Deshalb verbannen wir dieses Gedankenspiel bis auf weiteres ebenfalls ins Reich der nicht belegbaren Gerüchte, welche durch den Medienwald huschen. Gerüchte behaupten jedenfalls, das wollen wir nicht unterschlagen, Diekmann hätte sie vor zwei Jahren selber eingestellt.

Faszinierend an der Geschichte ist aber mal wieder: Der angebliche Täter wird breit in den Medien ausgewalzt. Und so mancher mag dabei denken: Oh Mann Kai, wie konntest Du nur!

Doch die Urheberin der Bade-Affäre, die Frau und Springer-Kollegin, bleibt schön im Hintergrund.

Sie wird von den Medien gedeckt. Wie damals die Ex von Jörg Kachelmann. Dabei fragt man sich: Wäre es nicht fair, wenn auch sie, die so massiv Diekmann beschuldigte und auch beschädigte, möglicherweise aus einer Lappalie eine Atombombe zündete, bekannt würde?

Denn wer hier Täter und Opfer ist, ist bis auf weiteres nicht klar. Bislang scheint es so: Kai Diekmann könnte das Opfer einer Frau sein, die es vorzüglich versteht, den einst Allmächtigen vor sich herzutreiben.

Es wirkt schmutzig, eklig. Nicht Diekmann, sondern die Affäre, welche diese Frau sicherlich bei vollem Bewusstsein in die Wege geleitet hat. Denn es wäre sicherlich nicht das erste Mal, dass Mann Mann ist und vielleicht einmal zu viele Komplimente macht. Deshalb aber gleich die große Welle fahren? Diekmann an höherer Stelle beschuldigen?

Selbst dann, wenn nicht viel vorgefallen ist, schon gleich gar nichts, was illegal wäre? Oder wenn es in der primären Freizeit geschehen sein sollte? Berichte sprechen von einem angeblichen Mitternachts-Vorfall im privaten oder privateren Rahmen angeblich in der Nähe von Diekmanns Haus. Doch ob das stimmt oder nicht, ist auch nicht klar.

Sex-Vorwürfe oder Anmach-Vorwürfe in großem Rahmen, gerade gegenüber dem Arbeitgeber, können abgründig sein im Motiv. Sie können die Qualität von Mobbing haben. Und es wäre es nicht das erste Mal.

Fakt ist aber leider: „Stets können sich solche Frauen und Kolleginnen sicher sein, dass es eine Hyänenschaft an Kolleginnen oder anderen Frauen gibt, auch von männlichen Kollegen, die sich auf die Seite der Frau schlagen. Egal, ob sie Opfer oder Täter ist.“ Das schreiben nicht wir, sondern das sagte ein Frau.

Dennoch fragt man sich so oder so: Wie konnte ein Kai Diekmann, sollten die Berichte stimmen, nur so blöd und naiv sein, mit einer Kollegin zu baden oder sich auch nur am Badesee mit einer solchen zu zeigen? Start-Ups haben das gemacht in den ersten Jahren: gemeinsames Grillen oder Baden am See. Um zu zeigen: Wir haben flache Hierarchien.

Doch flache Hierarchien gab es bei Springer nie und sie gibt es auch nicht. Deshalb sollte man in solchen Konzernen tunlichst alles unterlassen als Führungskraft, was auch nur in die Nähe von Badeseen kommt und nach flacher Hierarchie wirken könnte. Denn wenn alle gleich sind, fällt auch schnell der Respekt vor dem Chef.

Und deshalb bewerben sich bestimmte Leute in der Regel nicht in Häusern wie Springer, da hier starke Hierarchien so exzessiv ausgelebt werden, dass es manchem Magenschmerzen macht.

Früher war das selbst an den Stühlen zu erkennen: Einfache Sachbearbeiter durften in der Axel Springer AG keine Bürostühle mit Armlehnen haben. Das stand erst den Teamleitern zu.

Kai Diekmann am See mit Kolleginnen geht einfach nicht. Mit Kollegen ja, aber nicht mit Frauen.

Nicht in Zeiten, wo in den USA Manager mit Frauen nicht mehr einzeln Aufzug fahren und wo Gespräche zwischen einem Manager und einer Kollegin oder Kolleginnen oder mit einer Managerin oder mehreren Managerinnen immer öfter nur noch mit offenen Türen oder unter Zeugen stattfinden.

Nich um die Frau zu schützen, sondern den Mann und Manager. Vor der Frau und ihrer Macht, wenn sie anfängt, ihm zu unterstellen, er hätte sie belästigt.

Natürlich gibt es ätzende Belästigungen durch Männer Frauen gegenüber.

Es gibt aber mindestens so viele Fälle, in welchen Frauen ätzend versuchen, Männer, beziehungsweise Manager oder missliebige Kollegen, mit Dingen zu beschuldigen, die es gar nie gegeben hat oder die letztlich weitaus weniger dramatisch abliefen, als geschildert wird. Durchaus auch aus Karrieregründen.

Mit nichts kann man heute einem Vorgesetzten oder Kollegen so einfach, massiv und schnell schaden, wie mit solchen Vorwürfen.

Grund: Fast immer geht der Mann als Verlierer aus einem solchen Spiel. Gerade dann, wenn Konzerne so agieren, wie es das Springer-Top-Management scheinbar im Falle Kai Diekmann getan hat. Alles immmer unter dem Deckmäntelchen, man wolle ja angeblich „nur“ aufklären.

Diekmann hat bislang eine tadellose Weste. Doch ausgestanden ist diese Opera noch nicht. Warten wir mal ab, welche Schlange nun noch hervorkommt und zubeißt.

Wir möchten an der Stelle aber noch einmal klar sagen: Auch für Kai Diekmann gilt die Unschuldsvermutung! Sein Anwalt Otmar Kury sagte gemäß bild.de das folgende:

„Der gegen Herrn Diekmann erhobene Vorwurf ist haltlos, und wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Ermittlungsbehörden.“

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