Kriegsberichterstatter des Westens getötet / Todenhöfer fordert vom Westen Dialog statt Krieg

Sie haben hoch gepokert, sind illegal nach Syrien eingereist und mussten nun mit dem Leben dafür bezahlen: Zwei Kriegsberichterstatter aus jenen Ländern, die bereits in Libyen an vorderster Kriegsfront waren – den USA und Frankreich. 
Bei einem Granatenangriff in der hart umkämpften syrischen Oppositionshochburg Homs sind sie nun ums Leben gekommen. Getroffen hat es die US-amerikanische Kriegsberichterstatterin und Kriegsreporterin Mary Colvin, welche für die britische „Sunday Times“ schrieb und den französischen Fotoreporter Rémi Ochlik. Zudem sei eine Reporterin der französische Tageszeitung „Le Figaro“ verletzt worden. Alle drei gelten als äußerst erfahrene Kriegsberichterstatter.

Die Journalisten hatten sich auf das Abenteuer eingelassen, illegal gemeinsam mit Waffenlieferanten des Westens die syrische Grenze zu übertreten und wollten ein westliches Medienzentrum der Regime-Gegner in Homs besuchen. Dorthin waren sie von den Gegnern des regierenden syrischen Präsidenten Baschar Hafiz al-Assad (arabisch: ‏ بشار حافظ الأسد) illegal geschleust worden, heißt es. 
Todenhöfer kritisiert Westen
Derweil hat sich der angesehene Autor und Nahost-Experte Jürgen Todenhöfer kritisch über den Westen in einem Interview mit dem Online-Nachrichtenportal „derwesten“geäußert. So sagte er auf die Frage, wer besonders ein Interesse am Sturz des Regimes um Baschar Hafiz al-Assad habe: „Besonders die sunnitischen Länder des Nahen Ostens, allen voran Saudi-Arabien. Sie wollen die Macht der Schiiten in der Region eindämmen. Das Assad-Regime ist Partner des schiitischen Iran, der auch im Irak immer mehr Einfluss gewinnt. Iran hat ja den Irakkrieg gewonnen, ohne sich daran beteiligt zu haben.“

Todenhöfer sagte weiter: „Die Vereinigten Staaten wollen Iran schwächen und unterstützen die Rebellen. In Syrien geht es im Grunde um den Iran. Die Rechnung: Übernimmt die sunnitische Mehrheit in Syrien die Macht, verliert Iran seinen wichtigsten Verbündeten und auch den Einfluss auf die Hisbollah im Libanon. Damit wäre auch Israel geholfen. Aber diese Strategie ist gefährlich… Am Ende ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass nach einem Bürgerkrieg Fundamentalisten die Macht übernehmen. Eine weitere Bewaffnung der Rebellen würde zu Zehntausenden Toten führen. Wenn auch noch Iran angegriffen wird, haben wir die gefährlichste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.“ 

Im Gegensatz zu einer kriegstreiberischen Kommentatorin der ARD Tagesthemen, die in einem am 22. Februar 2012 veröffentlichten Kommentar zwischen den Zeilen einen NATO-Krieg gegen Syrien als eine zu verfolgende Option guthieß und damit wohl auch Tausende Tote in Kauf nehmen möchte, sagte Todenhöfer, der Weg hin zu einer Demokratie müsse in Syrien über einen Dialog erfolgen: „Selbst Assad hält Demokratie für unverzichtbar. Er hat angekündigt, im März ein Referendum über eine demokratische Verfassung und danach Parlamentswahlen abzuhalten. Außerdem ist er bereit, mit seinen politischen Gegnern in Moskau Gespräche zu führen. So wie es Russlands Außenminister Lawrow vorgeschlagen hat“.
Das ganze Interview mit Todenhöfer unter:
derwesten.de/politik/verhandelt-mit-assad-experte-warnt-vor-syrien-krieg-id6333611.html 
Foto: © istockphoto/Witold Ryka
 

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