Kritisches Israel-Gedicht: Nobelpreisträger Günter Grass wirft Medien Gleichschaltung vor und Westen Nibelungentreue

Deutschlands Friedensnobelpreisträger Günter Grass spricht aus, was viele schon im Libyen-Krieg kritisiert haben: Eine freiwillige Gleichschaltung vieler Medien in Deutschland. Vor allem dank des Internets schreibt einer vom anderen ab. So entsteht ein Einheitsbrei, ein mediales Einerlei. Das betrifft auch die gegenwärtige hitzige Debatte rund um Grass Kritik an Israels Angriffsplänen auf den Iran.

Doch Grass wäre nicht Grass, wenn er seine Meinung nicht auch im Angesicht eines medialen Sturmes verteidigen würde. Im Gegenteil: Erneut attackierte er die Regierung in Israel beispielsweise im Hinblick auf ihre Siedlungspolitik im Westjordanland, die den Palästinensern immer weiteren Lebensraum nehme.

„Ich hatte gehofft, dass es zu einer Debatte kommt. Aber was ich erlebe, ist eine fast wie gleichgeschaltete Presse. Ich bekomme haufenweise emails von Menschen, die mir zustimmen. Das dringt aber nicht an die Öffentlichkeit“, wird Grass am Donnerstagabend im „ARD-Tagesthemen“-Interview zitiert.

Grass sieht einen Präventivschlag Israels gegen den souveränen Staat Iran sehr kritisch und lehnt das ab: „Das ist das Aufkündigen des diplomatischen Verhaltens, das uns unter anderem über sechs Jahrzehnte Frieden in Europa garantiert hat: So lange geredet wird, wird nicht geschossen.“ Grass befürchtet zudem, dass ein israelischer Frontalangriff auf den Iran einen atomaren GAU nach sich ziehen könnte. „Es wäre die Ausweitung eines Konflikts in einer ohnehin instabilen Region und äußerst gemeingefährlich.“ Den Vorwurf, Grass sei Antisemitismus, weist er als absurd von sich.

Israel ignoriere UNO-Resolutionen

Des Weiteren wirft Grass in den „Tagesthemen“ vor, Israel begehe mit seiner ausufernden Siedlungspolitik im Westjordanland einen permanenten Verstoß gegen UNO-Resolutionen. So habe die UNO bereits sehr häufig und sehr deutlich gemacht, dass sie eine Ausweitung der Siedlungspolitik ablehne. Grass sieht vor allem einen Enteignungsprozess gegenüber den Palästinensern in einem unerträglichen Ausmaß.

Dass der Westen zu Israel stehe, egal wie gewaltsam das Land seine Interessen in der Region durchsetze, grenze „schon an Nibelungentreue“. Doch gerade diese mangelnde Kritik an Israel sei „das schlechteste, was man Israel antun könne“. Israel sei mittlerweile nicht nur selbst eine Atommacht – also genau das, was der Westen dem Iran verbieten wolle – sondern auch eine aggressive Besatzungsmacht, so Grass.

In seinem am Mittwoch in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Israel-Gedicht unter dem Namen „Was gesagt werden muss“ wirft Grass dem Wiegenland der christlichen Kultur vor, „den Weltfrieden“ zu gefährden. Grass befürchtet, Israel könne gar einen nuklearen Erstschlag gegen Iran planen, der „das iranische Volk auslöschen“ könnte. Grass wirft sich selber vor, hier „zu lange“ geschwiegen zu haben. Er habe verhindern wollen, dass geschehe, wessen er sich jetzt ausgesetzt sehe, nämlich dem Vorwurf des „Antisemitismus'“.

Grass stört Aufrüstung Israels durch Deutschland

Besonders stört Grass auch die kritiklose weitere Aufrüstung Israels durch Deutschland. So lehnt er beispielsweise die Lieferung eines sechsten U-Boots an Israel durch Deutschland ab. Mit seiner Kritik an Israels Kriegspolitik steht Grass jedoch nicht alleine. So sagte beispielsweise der Präsident der Künste, Klaus Staeck: „Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden.“

Derweil sieht der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, nicht gerade für eine versöhnliche Politik mit den Palästinensern und seinen Nachbarstaaten bekannt, in Grass Vergleich Israels mit dem Iran eine „schändliche“ Tendenz. Er, Netanjahu, bleibe dabei, dass er vor allem vom Iran eine Gefahr für den Frieden in der Region sehe. Zudem habe der Iran mehrmals erklärt, Israel von der Landkarte löschen zu wollen.

4 comments

  1. man braucht das Land Israel nur schräg anzugucken oder die Israelis, schon ist man ein Antisemit. Wage es jemand das offen anzusprechen, kann man das Ende vorhersehen.
    Ich hoffe, Herr Grass endet nicht wie der Gute Herr Möllemann, Barschel, Haider…

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