Morddrohung gegen Ochsenknecht Junior: Eine aufgeblasene Medienente

BERLIN - APRIL 06: Soldiers of the German Bundeswehr depart after welcoming Albanian President Bamir Topi in an honour guard formation at Bellevue Palace on April 6, 2010 in Berlin, Germany. Opposition politicians in Germany are again calling into question the Bundeswehr's ISAF deployment in Afghanistan after an attack on April 2 by Taliban forces near Kunduz left three German soldiers dead. (Photo by Sean Gallup/Getty Images)
©istockphoto.com/GYI NSEA Sean Gallup

Ein Heißsporn der Bundeswehr postet auf seinem Facebook-Profil nach einem geschmacklosen und albernen Pro7-Film über die Bundeswehr im Ausland („Willkommen im Krieg“), er würde einen der Hauptdarsteller, Gonzales Ochsenknecht, „umbringen“, wenn er ihn in die Hände bekäme. Nun ermittelt also die Bundeswehr –möglicherweise sogar strafrechtlich, ist zu vernehmen. Doch die „Ermittlungen“ wirken eher danach, als suche die Bundeswehr nach einem Bauernopfer, das sie der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Allerdings agiert die Bundeswehr auch nicht unabhängig, sondern ist dem permanenten launischen Benehmen des Verteidigungsministeriums ausgesetzt, das sein Fähnchen bekanntermaßen stets nach dem öffentlichen Wind hängt. Das betrifft natürlich auch die aktuelle „Facebook-Affäre“. „Aufklären, abstellen, Konsequenzen ziehen“, ließ sich denn auch in gutsherrenartig arroganter Manier ein Ministeriumssprecher zitieren.

In Berlin sind solche Sprüche an der Tagesordnung

In Berlin sind Sprüche, wie „ich bring Dich um“, von Halbstarken an jeder zweiten Straßenecke zu hören. Jeder, der sich ein bisschen mit Gossensprache und Halbstarkensprache auskennt, weiß, was das bedeutet: „Komm mal her, ich will mit Dir was ausdiskutieren“, oder „Komm mal her, ich glaub ich hab noch ne Rechnung mit Dir offen“.

Keinesfalls aber bedeutet so ein Spruch, dass der, der das sagt, tatsächlich jemanden „umbringen“ möchte. Nun also nimmt die Bundeswehr ihre Ermittlungen auf und drohte dem oder den Soldaten, der oder die diesen Spruch auf Facebook gepostet haben, gar mit strafrechtlichen Konsequenzen, heißt es. Das ist peinlich und deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Allenfalls taugt ein halbstarker Spruch, wie „Komm her, ich bring dich um“, als zivilrechtlicher Tatbestand einer Nötigung. Und selbst das wirkt arg übertrieben…

Letztlich ist die ganze Diskussion um den von dem Soldaten geposteten Halbstarken-Spruch ein Sturm im Wasserglas der Medien, angefeuert durch einen dürftigen Jung-Schauspieler, der das Thema scheinbar vor allem zur eigenen medialen Profilierung ausnutzt.

Sonst hätte er ja auch längst öffentlich klarmachen können, dass er durchaus verstanden hat, dass die angeblichen „Morddrohungen“ via Facebook gegen ihn in Wirklichkeit wohl eher keine sind. So aber sonnt sich ein bis vor kurzem noch nahezu unbekannter Ochsenberg-Spross in der medialen Aufmerksamkeit. Ist natürlich besser als nichts.

Bundeswehr muss reagieren

Verständlich ist zwar, dass die Bundeswehr nach der hysterischen „Morddrohungs“-Berichterstattung in über 200 Medien, reagieren muss. Allerdings bleibt zu hoffen, dass sie hier Maß hält. Viel wichtiger ist es, dass sie ihren Soldaten und Soldatinnen, die für Deutschland Dienst machen, klar macht, dass öffentliche Postings eben auch Sprengkraft haben. Dass diese Sprengkraft darin liegt, dass Medien sie nutzen können und den Sinn des Postings entstellen können – und dass das jedem Soldaten, aber auch der Bundeswehr, massiv schaden kann.

Jeder Soldat, der auf Facebook privat postet, steht nun mal stellvertretend auch als Repräsentant der Bundeswehr. Das betrifft aber nicht nur die Bundeswehr, sondern gilt in letzter Konsequenz gerade auf Facebook für alle Berufsgruppen. Grund: Facebook ist öffentlich wie kein anderes Social-Media-Portal. Hier sind mehr als 25 Mio. Deutsche online. Es muss jeder wissen, dass auch der Arbeitgeber stets in den dortigen Profilen seiner Mitarbeiter unterwegs sein könnte – und dass das auch die Kunden des Arbeitgebers betreffen kann. In Facebook verschwimmen die privaten und beruflichen Grenzen. Damit steht Facebook als Massenportal aber singulär in der deutschen Social-Media-Landschaft.

Das bedeutet nicht, dass nicht auch Soldaten öffentlich ihre Meinung kundtun sollen. Das sollen sie und das dürfen sie. Das ist auch durch das deutsche Grundgesetzt gedeckt. Aber sie sollten es halt nicht öffentlich auf Facebook zu Themen machen, die eine Bundeswehrnähe darstellen. Sie sollten das ausschließlich im Schutze der Anonymität, beispielsweise im Kommentarbereich von Onlinemagazinen, wie dem pazifistisch ausgerichteten kriegsberichterstattung.com, machen. Hier ist der Raum, wo Meinungsäußerung nahezu uneingeschränkt möglich ist – sofern eben keine beleidigenden oder justiziablen Tatbestände begangen werden.

Offen mit den Soldaten sprechen…

Es bleibt zu hoffen, dass die Bundeswehr die von dem Heißsporn gepostete „Morddrohung“ nutzt, um offen und transparent mit ihren Soldaten und Soldatinnen über das Thema Social Media zu diskutieren. Dabei ist es sicherlich sehr hilfreich, wenn sie, wie sie nun wohl plant, von sich aus, als Hilfestellung für die Soldaten, Empfehlungen für Social-Media-Postings auf Facebook erlässt.

Diese sollten aber unter Zutun der Soldaten und Soldatinnen entstehen. Sie wissen am besten, was dort drin stehen sollte. Zudem sollten sie nur für Facebook gelten und auch einen Freiwilligkeits-Charakter, einen Empfehlungscharakter, haben. Es kann und darf nicht sein, dass das komplette private Verhalten im Internet durch den Arbeitgeber diktiert wird. Das gilt auch für die Bundeswehr. Privat ist immer noch privat. Das muss so bleiben – auch auf Facebook. Und wenn schon Social-Media-Verhaltens-Empfehlungen – dann nur für Facebook. Alles andere hat den Arbeitgeber, auch die Bundeswehr, nichts anzugehen.

Dass Social-Media-Hilfestellungen für Facebook notwendig sind, zeigt die aktuelle von den Medien aufgebauschte „Tötungs“-Drohung sehr eindringlich. Die Bundeswehr steht nun einmal seit dem Zweiten Weltkrieg unter verschärfter – oft auch absolut übertriebener – öffentlicher Beobachtung und Kontrolle. Das galt die vergangenen Jahrzehnte und wird auch in Zukunft der Fall sein.

Morddrohungen die keine sind…

Was bleibt aus den derzeit öffentlich diskutierten „Morddrohungen“, die eigentlich gar keine waren? Die Bundeswehr ist im digitalen öffentlichen Zeitalter angekommen. Das ist gut. Wir erfahren endlich mehr über die Bundeswehr, die Sorgen und Nöte der Jungs und Mädels, die da draußen, auch in Kriegsgebieten wie Afghanistan, für uns Dienst tun. Sie helfen wesentlich, dass Deutschland sicher ist.

Hängt man mal wieder die „Kleinen“ – oder was ist mit Guttenberg?

Der junge Soldat, der Ochsenberg-Junior in seinem Eifer die peinliche „Mord-Drohungen“ aussprach, sollte sich bei dem Schauspieler entschuldigen und klarstellen, dass er es so nicht gemeint hat. Damit sollte die Sache eigentlich erledigt sein – auch für die Bundeswehr. Ein strafrechtliches Verfahren setzt ein größeres öffentliches Interesse voraus.

Das kann in dem aktuellen Facebook-Fall beim besten Willen nicht festgestellt werden. Nicht in einem Land, das die strafrechtlichen Ermittlungen gegen seinen Herrn Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gegen eine Zahlung von für ihn „läppischen“ 20.000 Euro eingestellt hat, obwohl dieser massiv in seiner Doktorarbeit geschummelt hat. Andere sagen auch, betrogen hat. Justizkreise ließen sich damals mit den Worten vernehmen, an einer längerfristigen Ermittlung und Verurteilung habe nicht unbedingt ein öffentliches Interesse bestanden. Da fragt man sich ja noch heute: Wenn nicht da wo denn dann??? Wenn der junge Soldat wegen seinen halbstarken Postings tatsächlich strafrechtlich belangt werden sollte, bleibt dazu nur noch ein Fazit zu sagen: Die Großen lässt man laufen, die „Kleinen“ hängt man. Der Imageschaden für die Bundeswehr wäre in diesem Fall nachhaltig.

Aufruf

Kriegsberichterstattung.com ist an dem aktuellen Facebook-Fall besonders interessiert, zumal auch wir den Pro7-Film „Willkommen im Krieg“, welcher am Ostermontag ausgestrahlt worden war, deutlich kritisiert hatten. Wir bitten sehr darum, uns hier auf dem Laufenden zu halten. Wir werden alle eingehenden emails grundsätzlich mit höchster Vertraulichkeit behandeln. Wichtig: emails sollten bitte nur von privaten Computern in privaten Räumen abgeschickt werden, keinesfalls von Räumlichkeiten der Bundeswehr. Adresse: redaktion@kriegsberichterstattung.com. Alternativ steht natürlich auch der Kommentarbereich unter diesem Artikel allen Lesern zur Verfügung. Auf Wunsch rufen wir auch für ein Hintergrundgespräch absolut vertraulich zurück.

Auwahl bisheriger kritischer Artikel zum Pro7-Film „Willkommen im Krieg“:

http://www.kriegsberichterstattung.com/id/1510/Warum-wir-deutsche-Soldaten-brauchen-und-warum-die-Politik-ihnen-mehr-Respekt-entgegenbringen-sollte/

2 comments

  1. Hey Ringo later, xxx BITTE KEINE JURISTISCHEN BELEIDIGUNGEN.

    ..

    lassen wir das.

    Selten so einen dämlichen Artikel gelesen du Vollpfosten.

  2. Meine Güte, jetzt kommt doch mal wieder runter von der Palme, allesamt!
    1. Es ist ja nicht so, als hätte dieser Wilson Gonzales da eine tragende Rolle gehabt. Es war nur eine von vielen Rollen. Andere, bessere Schauspieler standen weitaus mehr im Mittelpunkt.
    2. Wenn in den USA irgendeine Action-Komödie über das Militär gemacht wird, spielen auch nicht gleich alle US-Soldaten verrückt. Ich denke da nur mal an „Ich glaub mich knutscht ein Elch/ Stripes“ mit Bill Murray und Harold Ramis.
    Kann mich nicht erinnern, daß auch nur ein US-Soldat da gleich mit Mordbriefen losgelegt hätte, dabei kommt das Militär in dem Film (und nicht nur in diesem) ganz und gar nicht gut weg, bzw. wird das Soldatenleben sowohl in der Kaserne als auch „im Feld“ völlig anders, unrealistisch, dargestellt. Na und? Ist eben ein Film. Fertig.
    3. Sollten wir Deutsche uns allgemein mal langsam dran gewöhnen, nicht immer alles gleich todernst und bürokratisch und dramatisch zu sehen. Daß die Realität nun mal anders ist, weiß jeder intelligente Mensch, auch ohne daß gleich wieder ein Sturm im Wasserglas draus gemacht wird.
    4. Mich persönlich hat vor allem die Figur des „Horst“, den Daniel Zillmann spielte, sehr beeindruckt und auch das, obwohl ich weiss, daß die Wirklichkeit sich anders darstellt.

    Dieses ganze Pfui-Getue usw. erinnert mich immer wieder an einen alten Spruch meines Urgroßvaters: „Wat der Bur nit kennt, dat ät er nit“ / Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht). Ich hoffe nicht, daß ich die darin enthaltene Symbolik noch weiter erklären muss.
    So, und jetzt erschiesst mich.

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