Ägypten: Botschaft von Saudi-Arabien geschlossen, Botschafter abgerufen

Saudi-Arabien hat nun seine Botschaft in Kairo in Ägypten geschlossen. Dem vorausgegangen waren diplomatische Schlagabtausche zwischen Kairo und Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Konkret geht es um einen in Saudi-Arabien inhaftierten Menschenrechtler.

Hunderte Ägypter hatten die vergangenen Tage massiv gegen das saudische Regime in Riad demonstriert und die Freilassung des inhaftierten Menschenrechtlers gefordert. Bei dem festgenommenen Menschenrechtler handelt es sich um den ägyptischen Anwalt Ahmed el Gesawi. Nach Angaben der Saudis habe der Anwalt versucht, Antidepressiva, also Medikamente zur Behandlung gegen Angstzustände, nach Saudi-Arabien illegal zu schmuggeln. Die Ägypter sagen hingegen, die Verhaftung sei nur deshalb erfolgt, da der Anwalt aus Sicht von Saudi-Arabien den saudischen König Abdullah beleidigt habe.

Derzeit versucht sich der Militärrat von Ägypten um Schadensbegrenzung mit seinem arabischen Nachbarn. Man sei, ließ der berühmte Feldmarschall Hussein Tantawi wissen, mit Saudi-Arabien in engem diplomatischem Austausch, um die Krise baldmöglichst beilegen zu können.

Beobachter halten jedoch die Schließung der saudischen Botschaft in Kairo für mehr als nur diplomatisches Geplänkel um die Inhaftierung eines Anwalts. Vielmehr offenbart dies tiefe Risse in den Beziehungen der einst verbündeten arabischen Staaten. Unter dem gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak waren die Beziehungen zwischen Ägypten und Saudi-Arabien sehr gut. Seitdem sich aber Saudi-Arabien immer stärker als politische und militante Großmacht in Szene setzt und massiv in die Angelegenheiten anderer arabischer Staaten einmischt – von Tunesien über Libyen bis hin nach Syrien – verschlechtern sich zusehends die Beziehungen beider Länder.

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