Libyen: Mord an Gaddafis Ex-Premier in Wien? Tot aus der Donau gefischt

Auch über 12 Stunden nachdem bekannt wurde, dass der Ex-Premier und Ölminister des mit Hilfe der NATO umgebrachten langjährigen libyschen Staatschefs Muhammed al Gaddafi tot in Wien aus der Donau gefischt wurde, ist die Polizei mit ihren Ermittlungen immer noch nicht wesentlich weiter.

Über den Tod rätselt nicht nur die Wiener Polizei, sondern auch die politische Fachwelt. So teilte die Wiener Polizei mit, sie habe bislang „keine Fremdeinwirkungen“ feststellen können. Dennoch glauben zahlreiche Fachleute eher nicht an die Suizid-These, sondern an Mord. Immerhin räumt das indirekt auch die Polizei als eine ernst zu nehmende Annahme ein. So sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger, dass, wenn beispielsweise jemand den libyschen Ex-Premier Moh Shokri Ghanem in die Donau geschubst habe, „es auch keine Gewaltspuren“ gäbe.

Zudem kennen Geheimdienste auch zahlreiche weitere Methoden, Menschen so umzubringen, dass selbst spätere Obduktionen dem kaum auf die Schliche kommen würden.

Etwas lächerlich wird die Wiener Polizei-Erklärung wenn sie davon spricht, dem Ex-Premier sei möglicherweise bei einem Spaziergang an der Donau „schlecht geworden“ und er könnte beispielsweise auch einfach in die Donau gefallen sein.
Für Mord spricht vieles: Die jetzige libysche Regierung hat schon in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie nicht in der Lage oder willens ist, Mord an Gaddafi-Anhängern zu verhindern. Das gilt auch für massenhaft in den Gefängnissen ausgeübte Folter, die ebenfalls bereits unzählige Tote gefordert hat.

Sollte also tatsächlich ein Mord begangen worden sein – und die gesamten politischen Umstände deuten darauf hin – so gibt es eigentlich nur vier tatverdächtige politische Gruppierungen.

Zunächst wäre da die jetzige libysche Führung, die mit Hilfe der NATO-Massenbombardements und der Tötung von geschätzten 50.000 Gaddafi-Anhängern vergangenes Jahr gewaltsam an die Macht gebracht wurde.

Dann wären da besonders die Geheimdienste jener Länder zu nennen, die besonders eifrig dabei waren, das Gaddafi-Regime entgegen Völkerrechts, zu eliminieren und schon im Libyen-Krieg 2011 gezeigt haben, dass sie auch vor Mord an Zivilisten nicht zurückschrecken: Die USA, Frankreich und Großbritannien. Am Rande engagierten sich auch Israelis in Libyen. Das Motiv dürfte dabei so alt sein, wie die Menschheit: Rache. Rache dafür, dass sich Gaddafi als Chef des reichsten afrikanischen Staates – Dank Öl – 40 Jahre lang dem Westen entzogen hatte und es auch immer wieder wagte, den Westen zu provozieren – teils auch mit terroristischen Akten.

Obgleich dabei gerne West-Medien unter den Tisch fallen lassen: Es waren die USA, die die Gewaltspirale mit Gaddafi in den 80er Jahren anheizten, als der damalige US-Präsident Ronald Reagan zwei libysche Militärschiffe samt Besatzungen einfach sprengen ließ. Das war der Beginn der gewaltsamen Kollision mit dem Westen. Geschätzte Tote auf der libyschen Seite damals: 500. Anschließend ließ Reagan Libyen bombardieren – was damals weltweit Millionen Menschen gegen die USA auf die Straße brachte – auch in Deutschland.

Rache als Mord-Motiv am jetzigen libyschen Ex-Premier ist deshalb sehr wahrscheinlich. Möglicherweise gönnte man Gaddafis Ex-Premier, der von 2003 bis 2006 in libyschen Staat ganz oben angesiedelt war, nicht, dass er im beschaulichen schönen Wien mit 69 Jahren gemeinsam mit seinen Kindern seinen Lebensabend verbrachte. Zwar hatte sich Moh Shokri Ghanem im Mai vergangenen Jahres offiziell von Gaddafi losgesagt, aber das heißt nicht, dass er nicht nach wie vor zahlreiche Feinde hatte – auch im Westen.

Dieses umso mehr, als dass er als Ölminister auch die Finger auf des vom Westens so dringend benötigten Golds, also dem Öl, hatte. Die vergangenen Monate arbeitete Moh Shokri Ghanem in Wien gemeinsam mit anderen ehemaligen OPEC-Ölministern in einer Öl-Beratungsfirma. Zudem warf man ihm vor, nach wie vor Zugriff auf libysches Geld zu haben.

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