Papst Franziskus schasst Glaubenspräfekten Gerhard Ludwig Müller

Erst 2014 war Müller zum Kardinal erhoben worden - von Papst Franziskus. (Bild: YouTube-Video von Bistumregensburg)

Einer der ranghöchsten deutschen Vertreter beim aus Südamerika stammenden Papst Franziskus erhält von eben diesem nun die roten Karte: Der früheren Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, muss seine Sachen packen und gehen. Erst 2014 war Müller von Papst Franziskus zum Kardinal erhoben worden.

Müller zählte die Aufgaben des Glaubenspräfekten des Vatikans zu seinem Verantwortungsbereich. Das war schon immer ein heißer Stuhl. Doch er wurde noch heißer angesichts eines Papstes, der weder rote Papstschuhe tragen mag, noch im Papstpalast zu viel reichen katholischen Barock erträgt.

Papst Franziskus, 80, wählte ja nicht zufällig den Namen des Franziskus, als er 2013 in der vatikanischen Konklave zum Nachfolger des deutschen Papst Benedikt XVI berufen wurde. Also zum Nachfolger von Kardinal Joseph Aloisius Ratzinger, der heute 90 ist.

Mit seinem Namen machte der neue Papst Franziskus von Anfang an klar, wem er nahe steht: Dem Franziskanischen Orden.

Dieser Glaubenszweig hat aber nur wenig mit dem bekannten deutschen Franziskaner-Bier zu tun, auch wenn das beliebte alkoholische Gebräu fast zeitgleich mit der Ära der Namensvettern in der Katholischen Kirche aufkam, also um 1363.

Die Ordensregeln für die römisch-katholischen Franziskaner-Gemeinschaften hatte Franziskus von Assisi, der von 1181 oder 1182 bis 1226 lebte, klar vorgegeben. [1] So wollte Franz von Assisi, wie er auch bekannt ist, in vollständiger Nachfolge zu Jesus Christus leben. Deshalb trug er wie eine Monstranz ein zentrales Gebot des Evangeliums vor sich:

„Wer vollkommen sein will unter Euch, verlasse alles, und was er hat, gebe er den Armen, dann komme er und folge mir nach. (Mt 19,21 EU)“. [2]

Sätze, die noch heute so manchen luxusverwöhnten katholischen Kardinal im Vatikan erschaudern lassen. Denn von Armut ist die Kirche in Ländern wie Deutschland oder Italien so weit entfernt, wie der Mond von der Erde. [3]

Dass es mit einem solchen Papst, eben Papst Franziskus, zu Reibereien bei Mutter Kirche kommen musste, war klar.

So betont der aktuelle Papst gerne, wie sehr er sich in den Slums von Südamerika auskenne. Auch lässt der Argentinier kaum Gelegenheiten aus, darauf hinzuweisen, wie schön doch seine Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gewesen sei:

Hier habe er nicht mit einem Chauffeur seine Runden in die örtlichen Kirchen oder zu den verstoßenen Schäfchen Argentiniens vollzogen, sondern per schnödem Linienbus. Ein moderner Franziskaner eben.

Viele in Rom fragen sich angesichts eines solchen Entsagungs-Papstes irritiert: Soll der Vatikan etwa ein neuer Ort moderner Franziskaner werden? Gerade dort, wo alles so schön bequem, repräsentativ und üppig ausgestattet ist?

Ein Gedanke, der so manche Vatikans-Hofschranze verschrecken dürfte. Mindestens so sehr, wie gruseligen Szenen, die in den Vatikanischen Museen zu bewundern sind. Hier peinigen sich Franziskaner im Glaubenseifer in gruseligen Exzessen für ihren Glauben. Sie tun dies in zerfetzen grauen Lumpen und nicht im purpurnen Heiligen-Wams.

Die Hiobsbotschaft vom Rausschmiss Müllers aus dem Vatikan kommt für die Öffentlichkeit am Wochenende zwar absolut überraschend. Nicht aber für Insider und jenen, die sich mit den Machtspielen im Vatikan auskennen.

So berichten zahlreiche Medien über ein Zerwürfnis zwischen dem Papst und seinem deutschen Glaubenspräfekten. domradio.de hält sich in der Schilderung dezent zurück:

„Offensichtlich wurden gegensätzliche Auffassungen zwischen dem Müller und dem Papst bei der Interpretation des päpstlichen Schreiben ‚Amoris laeitita‘ vom April 2015. Mülller vertrat öffentlich die Auffassung, dass auch nach diesem Dokument der Kommunionempfang für geschiedene Katholiken, die zum zweiten Mal geheiratet haben, nur dann möglich sei, wenn sie in dieser Verbindung sexuell enthaltsam lebten. Der Papst hieß hingegen Interpretionen gut, die einen Kommunionempfang auch ohne eine solche Lebensweise in Einzelfällen gestatteten.“ [4]

Nun ist klar: Der Bruch mit dem ehemaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist scharf und hart. Denn alle fünf Jahre wird das Amt des Glaubenspräfekten turnusgemäß neu besetzt und jetzt wäre eine Verlängerung für Müller angestanden.

Beim Posten des Glaubenspräfekten handelt es sich um eine äußerst herausfordernde Tätigkeit, welche viel diplomatisches Geschick erfordert. Der Verlust einer solchen Berufung dürfte entsprechend den Betroffenen schmerzen und kalt erwischt haben.

Wie hoch der Job aufgehängt ist, zeigt sich daran, dass der Vorgänger von Papst Franziskus, also Papst Benedikt, selbst Präfekt der Glaubenskongregation gewesen war – und zwar unter dem polnischen Papst Johannes Paul II.

Das bedeutet: Die Position gilt im Vatikan als vorzüglich um sich Sporen für weitere höchste Weihen zu verdienen. Bis hin zum Papst, dem aus katholischer Sicht offiziellen Vertreter Christi auf Erden.

Die Entlassung von Gerhard Ludwig Müller gilt deshalb zweifelsohne als Rückschlag für Papst Benedikt. Denn dieser hatte ihn 2012 ins Amt gehievt.

Kenner der katholischen Kirche sagen, dass der Rausschmiss von Kardinal Müller intern mit Ansage gewesen sei. So habe man beim Heiligen Stuhl schon seit Monaten über ein Zerwürfnis zwischen Papst und Müller geraunzt. Die vergangenen Wochen dürften zu Tage gebracht haben, dass der Vertrauensriss zwischen beiden nicht mehr zu kitten scheint.

Deshalb ist die Entlassung des als erzkonservativ geltenden Glaubenspräfekten Gerhard Ludwig Müller beim näheren Blick nicht so überraschend.

Ist dieses Buch der Anlass für den Bruch zwischen Autor Müller und dem Papst? Fakt ist: Das Buch ist erst wenige Wochen alt.

Müller gilt als ein Katholik, der die Bibel deutlich härter auslegt, als der aktuelle Papst. So steht der Heilige Vater im Ruf, die katholische Leere liberaler und weniger hierarchisch zu interpretieren, als Anhänger der Müller-Fraktion.

„Weniger sattelfest“?

Das Wochenblatt aus Regensburg wagt sogar die Aussage, der aktuelle Papst sei „in theologischen Fragen wenig sattelfest“. [5]

Müller ist aber mit seinem Abschied im Vatikan nicht alleine. Bereits vor einziger Zeit musste der amerikanische Kardinal Raymond Burke gehen. Er hatte den Titel des Kurienkardinal Präfekt der Apostolischen Signatur auf den Vatikanischen Hügeln inne.

Seit 2014 fristet er nun sein Dasein als Kardinalpatron des Malteserordens – ein weniger prestigeträchtiger Job – der es aber scheinbar in sich hat.

So berichtet ebenfalls das Wochenblatt aus Regensburg darüber, wonach hier derzeit eine Intrige tobe. Um was für ein Scharmützel es sich handelt, schreibt die in katholischen Fragen scheinbar gut informierte Wochenzeitung nicht. [5 ff]

Während die einigen sagen, Müller habe einen „messercharfen theologischen Verstand“ [5ff], rümpfen die anderen genervt die Nase und erklären, er sei ein erzkonservativer katholischer Knochen. Das meinte beispielsweise jemand, der aus nachvollziehbaren Gründen nicht genannt werden möchte, aus dem Priesterseminar in München zu kriegsberichterstattung.com.

Müller habe jedenfalls ein „diplomatisches Meisterstück“ hingelegt, so das Wochenblatt, indem er in der nicht unumstrittenen Entscheidung Franziskus bezüglich der Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion nicht zwischen die Fronten geraten sei. [5ff]

Doch viele fragen sich heute: Ist das wirklich so? Denn Müller stellte sich damals nicht unbedingt bedingungslos auf die Seite von Franziskus.

God’s Rottweiler versus franziskanische Lehre?

Das Wochenblatt aus Regensburg, welches zur Wochenblatt Verlagsgruppe Landshut gehört, wo seit vielen Jahren der Niederbayer Herbert Zelzer Herausgeber ist, führt weiter aus:

Des Papstes bisheriger höchster Hüter der katholischen Glaubenslehre, also Müller, könne nach Jahren des Arbeitens für Papst Franziskus nun zwar sagen, er sei ein ausgesprochener Kenner der Kirche Südamerikas.

Allerdings scheint ihn das nicht vor einer klassischen Karriere-Falle bewahrt zu haben.

Denn in seinem kürzlich erschienenen Buch „Der Papst – Sendung und Auftrag“ soll Müller dem geschiedenen Papst Benedikt XVI – der nicht zufällig den Namen „God’s Rottweiler“ hatte – ganze 12 Seiten gewidmet haben.

Für den aktuellen Papst Franziskus und dessen Blick auf die Kirche soll er aber nur Raum für sechs Seiten in seinem Buch eingeräumt haben. [5ff] Scheinbar war das keine gute Basis für ein Bewerbungsschreiben zur im Juli anstehende Ausrufung des Glaubenspräfekten der Heiligen Römischen-katholischen Kirche.

Einzelnachweise

Franziskanische Orden„, in Wikipedia
Franz von Assisi (Doku) 1/3„, von spacetomato23 in „YouTube“ vom 06. November 2010.
5,5 Milliarden: Erzbistum München ist noch reicher als alle anderen„, von sep/dpa in „Der Spiegel Online“, vom 20.06.2016.
Papst Franziskus trennt sich von Kardinal Müller. Keine Verlängerung“, von KNA in domradio.de vom 30. Juni 2017.
Papst Franziskus entlässt Glaubenspräfekten Gerhard Ludwig Müller“, von Christian Eckl, in Wochenblatt Regensburg vom 30. Juni 2017.

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