Prostituierte: Webseiten-CEO von RentBoy.com muss ins Gefängnis wegen Online-Bordell

Da dürfte die Welt aus Sicht des Rentboy.com-Betreibers, Jeffrey Hurant, noch in Ordnung gewesen sein. Heute ist die Seite faktisch offline.

In den USA hat nun ein Richter den Betreiber einer Prostituierten-Vermittlungswebseite zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Seite selbst bezeichnet sich als Escort-Vermittlungsplattform.

Bei der Webseite handelt es sich um die in den USA einst viel frequentierte Internet-Seite rentboy.com. Bezirksrichter Margo K. Brodie wirft dem Betreiber vor, er fördere Prostitution, was in den USA illegal sei. Zudem erklärte er, es sei notwendig, hier ein klares Zeichen zu setzen, was legal und illegal sei.

Zusätzlich zur sechsmonatigen Haftstrafe muss der Betreiber von rentboy.com, Jeffrey Hurant, eine Geldstrafe von 7.500 US-Dollar bezahlen.

Das ist allerdings sehr niedrig. So rechnet das Gericht vor: Bis zur Verhaftung des Betreibers und der Beschlagnahmung der RentBoy-Website habe die Seite bis zu 500.000 Besucher am Tag gehabt.

Weiter führte das Gericht in New York an: Die Callboys, also Prostituierten, hätten bis zu 300 US-Dollar pro Monat bezahlt, um auf RentBoy mit ihren Kontakt-Inseraten und Fotos gelistet zu werden.

Alleine diese Inserate hätten in den vergangenen fünf Jahren 10 Millionen US-Dollar Umsatz dem Betreiber von rentboy.com eingespielt.

Ein Insider kommentiert diese Zahlen mit den folgenden Worten:

„Wenn alleine die Inserate schon 10 Millionen US-Dollar eingebracht haben, dann gehe ich davon aus, dass die dort gelisteten Jungs in den vergangenen Jahren garantiert bis zu über 100 Millionen US-Dollar durch nicht versteuerte Prostitution auf rentboy.com umgesetzt haben.“

Ein Berliner Escort, der tagsüber in einer Drogerie-Kette in Berlin arbeitet, erklärt:

„Ich verdiene in der Drogerie bei einem sehr anstrengenden Job um die 1000 Euro netto im Monat. Wenn ich Freitag- oder Samstagabend einen guten Kunden empfange und mit diesem unter Einnahme von Chems 600 Euro die Nacht cash mache, frage ich mich schon, wofür ich noch normal arbeiten gehe“.

Escorts, die „allerdings gut gebaut“ sein müssten, würden, so der Berliner, leicht täglich 500 bis 1000 Euro umsetzen können – vor allem am Wochenende. Top-Prostituierte brächten es auf monatlich bis zu 30.000 oder 50.000 Euro Umsätze.

Ein Nebenjob-Escort könne, vor allem „wenn er sehr gut“ aussehe oder „einen großen Schwanz“ habe, erklärt der Berliner, ebenfalls leicht 1000 bis 3000 Euro nebenher monatlich verdienen.

Fast immer gelte aber die Faustregel: „Je mehr Chems, desto mehr Geld mit den Kunden“. Grund: Über Drogen steige die Lust auf stundenlangen Sex, was für den Kunden entsprechend deutlich teurer werde.

Er selbst sei bei planetromeo.com – einer Art Pendant zu rentboy.com – gelistet.

Kein Wunder, dass das Bundeskriminalamt (BKA) seit Jahren vor wachsendem Drogenkonsum warnt. Gleichzeitig gehen mit der Einnahme von Chems, also Drogen wie Kokain, Chrystel Meth, Speed oder sonstigen Mitteln, die Krankheitsraten wieder nach oben:

„Denn wer im Drogenrausch ist, glaubt, er könne übers Wasser laufen, verliert seine Selbstkontrolle und steckt sich folglich auch viel schneller mit HIV, Syphilis oder Hepatitis an“, sagt ein Hamburger Arzt.

Auch auf dem einstigen Berliner Gay-Portal planetromeo.com sind, wie einst bei RentBoy, Tausende Escorts gelistet, allerdings hier neben ganz normalen Kontaktsuchenden in einer extra Rubrik.

Planetromeo ist ursprünglich vor über zehn Jahren in Berlin als gayromeo.com gegründet worden und wanderte dann aus rechtlichen Gründen – wohl auch wegen der Tausenden Prostituierten-Anzeigen – vor Jahren in die Niederlande ab.

Alleine in Berlin dürften geschätzt über 1000 Escorts auf planetromeo ihre Dienste anbieten.

Die New Yorker Staatsanwälte warfen dem Betreiber von RentBoy vor: Was er gemacht habe, sei letztlich das Äquivalent zu einem Bordell, es sei ein Online-Bordell. Die Umschreibung der dortigen Personen als „Escorts“ sei deshalb falsch und irreführend. Im Mittelpunkt stünde nicht die Begleitung von Personen, sondern der Verkauf von Sex.

Deshalb seien es letztlich ganz normale Prostituierte, die entweder haupt- oder nebenberuflich auf RentBoy ihre Dienste angeboten hätten.

Dass das Thema Prostitution im Vordergrund gestanden habe, so die Staatsanwälte, sehe man auch schon daran, dass fast alle Männer, die sich dort hätten listen lassen, Nacktfotos von sich gehabt hätten und oftmals eine Preisliste angegeben hätten.

Im Schnitt würde demnach ein Escort über rentboy.com zwischen 150 US-Dollar pro Stunde oder 3500 US-Dollar für ein Wochenende verlangt haben.

An der Schließung von rentboy.com war auch die Homeland Security beteiligt.

Einzelnachweise

Rentboy CEO gets light sentence for running gay prostitution site„, von Ross Toback und Emily Saul, in: New York Post vom 2.08.2017.

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