Immobilienscout24 tue nicht genug gegen Immobilienbetrug ‚Rip Deal’ aus Italien

So sehen Betrüger-E-Mails auf Portalen wie immobilienscout24 aus.

Wer ein Haus oder eine Wohnung verkaufen möchte und dafür auf Portalen wie Immobilienscout24, Immowelt, Immonet, markt.de, oder Kalaydo inseriert, muss vor Immobilienbetrug, der Immobilienmafia, aufpassen. Die Rede ist von Rip Deals, die es in unterschiedlichsten Varianten gibt.

Uns liegt ein aktueller Fall vor, in dem ein Hausbesitzer aus Baden-Württemberg seine Immobilie für 800.000 Euro verkaufen wollte und zwar über eine Anzeige auf immoblienscout24.de.

Schon nach wenigen Tagen, nachdem der Hausverkäufer seine Immobilienanzeige online gestellt hatte, erhielt der Besitzer die folgende E-Mail aus Italien, angeblich aus Milan, Milano, beziehungsweise eben Mailand, und zwar von einer angeblichen Sekretärin Maria B., welche angeblich im Auftrag eines reichen Arabers aus Dubai handele.

Wir weisen darauf hin, dass es sich lediglich um einen Verdacht handelt, dass es sich dabei um kein übliches Geschäft handeln könnte, sondern dass viele der dort angesprochenen Koordinaten sich mit klassischen Rip Deals decken.

Diese Mail erhielt der Immobilienscout24.de-Kunde

In der Mail, welche direkt über „xxx…@nachrichten.immobilienscout24.de“ kam, hieß es an den süddeutschen Hausverkäufer:

„Sehr geehrte Damen und Herren ich Interessiere mich für ihre Immobilie. Ich bin ein privater Investor aus dem Arabischen Emiraten .

Ich investiere sehr viel Kapital in Immobilien in Europa habe ihre Immobilie in Internet angeschaut und ihre Immobilie entspricht meinen Vorstellungen . Möchte die Immobilie erwerben und mit ihnen die Einzelheiten und Zahlungsmodalität besprechen .

Ich bin jetzt zur Zeit in Italien in Mailand (Red.-Anmerkung: Milan, beziehungsweise Milano) Geschäftlich und werde mich hier paar Monate aufhalten wegen eines Projekts.

Meine Frage besteht die Möglichkeit ein Termin in Mailand zu vereinbaren ich möchte Sie Einladen zu einen Kaufgespräch wir würden uns im Zentrum von Mailand treffen gemeinsam etwas Essen und Trinken und alles in Ruhe besprechen wie wir das Geschäft über die Bühne bringen.

Erforderlich sind die Unterlagen wie Grundbuch,Expose ,Fotos und Pläne der Immobilie. Sobald wir die Einzelheiten und Zahlungsmodalitäten besprechen und wir uns einigen bin ich bereit eine Anzahlung für die Immobilie zu leisten .

Meine Vertrauensperson kommt zu ihnen und alles wir bei einen Notar vor Ort abgewickelt.

Wir können kurzfristig einen Termin verreinbaren bitte kontaktieren Sie meine Sekretärin zwecks Termin verreinbarung. Ich Danke im vorraus. Mit freundlichen Grüßen… Mohammed xxx… 3306-Dubai – Sekretärin M.B. Tel.0039/xxxxxxxx E-Mail:(…… @yahoo.com)“.

Das schrieb uns die Sekretärin

Auf unserer E-Mail vom 22. Oktober 2017 an die E-Mail-Schreiberin, wo wir wissen wollten, ob es sich bei dem Namen der Sekretärin um einen Fake-Namen handelt, oder nicht, schrieb sie uns am 22. Oktober 2017 das Folgende:

„Hallo ich habe gesagt lassen Sie mich in Ruhe bin niemanden Rechenschaft schuldig vorallem nicht ihnen das kann ihnen so scheiss egal sein was wollen Sie damit erreichen im prinzip erreichen Sie gar nichts wollen Sie vielleicht eine Passkopie von mir hahaha fuer wie bloed halten Sie mich ???? Schreiben Sie mir nicht mehr und lassen Sie mich in Ruhe habe keine Zeit fuer Sie habe besseres zu tun als mit einen Idioten zu schreiben ich habe gesagt machen Sie was Sie wollen ist mir scheiss egal auch mit der Polizei mir zu drohen hilft ihnen nicht habe keine Angst vor niemanden machen Sie was Sie fuer richtig halten wer sind Sie das ich mich ihnen ausweisse wer ich bin so bloede Leute gibt es heute zu Tage noch“.  (Anmerkung: Weitere eMails von Frau „Maria“ an uns finden Sie am Textende). 

Unsere Redaktionsmail an Frau „B.“ lautete zuvor ebenfalls am 22. Oktober 2017:

„Sehr geehrte Frau B.,

bitte weisen Sie sich klar aus, dass der von Ihnen verwendete Name „MB“ auch tatsächlich ihrer ist und nicht ein Betrugsname ist. Wenn Sie uns bis Dienstag den 24.10.2017 um 11 Uhr keinen Beleg zusenden, dass Sie wirklich MB heißen, gehen wir davon aus, dass der Name betrügerisch verwendet wird und Sie in Wirklichkeit anders heißen. Damit verfiele dann Ihr Persönlichkeitsrecht an diesem Namen und den von Ihnen verwendeten Kontaktdaten, da es unseren Verdacht bestärken würden, dass es sich leider schlicht um Betrug, Fake handelt. Das deutsche Gesetz schützt aber keine Fake-Identitäten im Internet. Entsprechend sehen wir einer möglichen
rechtlichen Auseinandersetzung mit Ihnen gerne entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

kriegsberichterstattung.com“

Immowelt weist in einer Stellungnahme zum Thema Rip Deal auf das Folgende hin:

„Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihre Immobilie in einer Zeitung oder in einem Immobilienportal wie Immowelt inseriert. Ein Interessent ruft an. Er will das Objekt kaufen, schnell, keine Besichtigung, zum ausgeschriebenen Preis, ohne Verhandlungen. Er klingt freundlich und seriös. Ungewöhnlich, aber besser kann es ja nicht laufen. Dass Rip-Deals so ihren Anfang nehmen, daran denkt der arglose Verkäufer zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der freundliche Anrufer gibt sich meist als Vermittler eines ausländischen Geschäftsmanns aus, der die Immobilie erwerben will, derzeit aber nicht nach Deutschland reisen kann. Deshalb soll das Geschäft im Ausland abgewickelt werden.

Im Laufe der Gespräche stellt sich heraus: Der Immobilienkauf könne nur stattfinden, wenn vorher Geld getauscht werde. Grund: Der vermeintliche Investor verfüge über Schwarzgeld. Ein Ködergeschäft wird eingefädelt, bei dem zuerst eine kleine Summe Schweizer Franken in Euro umgetauscht wird. Das spätere Opfer macht bei seinem ersten Besuch im Ausland zunächst einen Gewinn, schöpft so Vertrauen. Dann wird ihm ein größerer Deal angeboten: Oft geht es um sechsstellige Summen. Genau darum geht es den Betrügern bei einem Rip-Deal:

Das Opfer reist erneut ins Ausland. Im Gepäck: ein Koffer voller Geld. Der Übergabeort: ein Luxushotel. Dort herrscht hektisches Treiben – das gehört zur Taktik der Betrüger. Sie dient dazu, dem Opfer blitzschnell im Austausch gegen echtes Geld einen Koffer mit Faksimile-Noten unterzuschieben, also mit Falschgeld das mit dem Aufdruck „Faksimile“ als solches gekennzeichnet ist. Schöpft das Opfer Verdacht, wird der Koffer mit dem echten Geld notfalls mit Gewalt entwendet. Sobald die Täter ihre Beute haben, verschwinden sie blitzschnell – die Rip-Deal-Falle hat zugeschlagen…“ (1)

Zumindest der Auslandsaspekt des Treffpunkts, auch der Hinweis vom Geschäftsmann im Ausland, wie es Immowelt hier anspricht, kommt in der uns vorliegenden Mail vor.

Trotz Bitte unsererseits, Stellung zum Betrugsverdacht zu nehmen, kam von der Schreiberin der E-Mail, welche über Immobilienscout24 an einen Hausverkäufer abgesetzt worden ist, außer Beschimpfungen gegen uns (unten) nicht viel.

Aktenzeichen XY… ungelöst hat im ZDF erst kürzlich vor Rip Deal-Gangstern gewarnt

Doch wer kürzlich beispielsweise „Aktenzeichen XY… ungelöst“ im ZDF angeschaut hat (2), weiß: Auslandstreffpunkte bei Immobilienverkäufen in Deutschland sind immer mit Vorsicht zu beurteilen und die Chance auf einen Rip Deal, ein Betrugsgeschäft hereinzufallen, ist sehr groß.

In der Regel werden Rip Deals von Sinti oder Roma abgesetzt, also von Mitgliedern der umgangssprachlich häufig als Zigeuner-Clans bezeichneten Familienverbünde.

„So zockte uns eine Roma-Bande ab“

Wir verweisen an dieser Stelle unter anderem auf den Artikel: „Aargauer Ehepaar packt aus« So zockte uns die Roma-Bande ab». Mit einem miesen Trick, einem sogenannten Rip-Deal, verlor ein Ehepaar aus dem Aargau 15’000 Franken. Der Schwindel war gut inszeniert“:

„Roma-Banden zocken gutgläubige Hausverkäufer mit hinterlistigen Devisengeschäften ab. Allein im Kanton Zürich verloren Geschädigte bei sogenannten Rip-Deals über eine Million Franken. (Blick.ch berichtete).

Auch Elisabeth Kummer* (72) und ihr Lebenspartner Heinz (77) aus dem Kanton Aargau können ein Liedchen von den Roma-Gaunern singen. Blick.ch sprach mit dem Ehepaar, das aus Scham seinen richtigen Namen nicht preisgeben möchte.

Bei den Kummers, die ebenfalls über ein Inserat ihr Haus (750’000 Franken) verkaufen wollten, legten die Betrüger noch einen Gang zu. Sie beauftragten einen Architekten, das Haus zu schätzen.

«Das Kuriose war, dass wir den Architekten kannten. Er kam dann bei uns vorbei und gab seinen Auftraggebern die Einschätzung weiter», erinnert sich Elisabeth Kummer. «Tatsächlich rief uns ein paar Tage später ein Stefan Lindenberg von Weinman Investment London an. Er sei derzeit in Rom ob wir ihn dort zu einem Vorgespräch treffen könnten. Er würde alle Spesen übernehmen.»“ (3)

Dass Rip Deals Bestandteil der hohen Organisierten Kriminalität sind, das zeigt sich auch in einem Artikel  des STANDARD, einer führende Tageszeitung aus Österreich, die bereits 2010 schrieb:

„Linz – Das Landeskriminalamt Oberösterreich hat eine Betrügerbande zerschlagen, die mit sogenannten Rip Deals 2,4 Mio. Euro Schaden angerichtet hat. Gegen 22 Verdächtige laufen Strafverfahren, acht davon wurden festgenommen. Der Kopf der Gruppe, ein 52-jähriger in Frankreich lebender Serbe, wurde vom Landesgericht Innsbruck bereits zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, so das Landeskriminalamt (LKA) Oberösterreich.

Als Rip Deal bezeichnen die Kriminalisten einen Vorauszahlungsbetrug. Von den Opfern wird im Vorhinein eine Provision für Immobilienverkäufe oder Kredite verlangt. Die Täter treten meist sehr seriös auf und locken ihr Opfer zur Zahlungsabwicklung ins Ausland – Österreicher meist nach Mailand (Italien), Deutsche in die Niederlande oder nach Belgien. Dort wird ihnen das mitgebrachte Geld abgenommen, und der Geschäftspartner verschwindet spurlos, charakterisiert Oberst Friedrich Benda vom LKA im APA-Gespräch dieses Delikt.“ (4)

Wir betonen aber nochmals, dass wir auf Grund der uns vorliegenden E-Mail aus Mailand lediglich von einem Verdacht ausgehen, dass auch im Falle des 800.000 Hausverkaufes, welcher über Immobilienscout24 angeboten wurde, nicht alles mit rechten Dingen ablaufen könnte. 

Mitglieder der schweren Organisierten Rip Deal-Kriminalität sprechen gut deutsch

Die Mitglieder von Rip Deal-Familien, eben meist Zigeunerclans, sprechen in der Regel  deutsch oder gebrochen deutsch. Das ist der wichtigste Grund, warum sie perfekt grenzüberschreitend aus dem sicheren Ausland operieren können. Mails auf Englisch oder in einer anderen Fremdsprache würden bei den meisten Opfern sofort im Mülleimer landen.

Die eloquente Sprach-Eigenschaft öffnet erst die Türen bei den Opfern, die als „Idioten“ angesehen werden, wie diverse Mails von Maria an uns belegen.

Auch Respekt vor der Polizei, Richtern oder Staatsanwälten haben die Täter oder Tatverdächtigen offensichtlich nicht. Vielmehr haben wir es offensichtlich mit einem mafiösen rechtsfreien Raum zu tun.

Auch darauf weisen die zahlreichen E-Mails hin, welche wir im Zuge unserer Recherche im aktuellen Immobilienscout-Fall erhalten haben.

Video-Verweis: Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug! vom 4. Oktober 2017, von Jonas Dog auf YouTubev.com 17.10.2017.

Rip Deals, auch genannt als Vorschussgeschäft, Vorschussbetrug oder Geldwechselgeschäft (10), laufen immer ähnlich ab: Mal soll man als Unternehmer oder Privatmann eine Kreditausfallversicherung für einen Kredit abschließen und eine Bargeldanzahlung für einen Kredit in touristisch attraktiven Ländern wie Italien, Slowenien, Kroatien, Spanien, der Türkei oder Griechenland leisten.

Dann wieder sollen private oder geschäftliche Verkäufer von Immobilien, Pferden, Antiquitäten, Autos, Booten, Schmuck oder Edelsteinen, ins Ausland kommen, beispielsweise nach Italien, Kroatien, die Schweiz oder Slowenien.

Dort, im für die Gangster sicheren, da häufig korrupten Ausland, werden die Opfer in andere Geschäfte verwickelt, welche meist mit Geldtauschgeschäften zu tun haben, wo das Opfer manchmal beim ersten Mal mit einem Gewinn herausgeht – aber nicht immer. Manchmal werden die Opfer auch sofort kriminell um Hab und Gut gebracht.

Am Ende läuft es nicht selten darauf hinaus, dass man zu einem zweiten Termin mit den gut aussehenden jungen oder älteren Männern und Frauen Bargeld mitbringen soll. Oft sind die „Geschäftspartner“ scheinbar alleine. Auch das soll den Opfern Sicherheit in dem mafiösen Theaterstück, das auf höchstem schauspielerischen und organisatorischen Niveau abläuft, bringen.

Doch wahr ist: Die Kriminellen sind Mitglieder der schweren Organisierten Kriminalität. Es geht um systematischen schweren Betrug, wo die Opfer, welche aus Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein oder Österreich stammen, jährlich nach Schätzungen um Hunderte Millionen Euro gebracht werden.

Bargeld das man für die Geschäftsanbahnung ins Ausland bringen soll oder Wertgegenstände, werden einem fast immer entwendet.

Video-Verweis: Warnung vor neuer Betrugsmasche Vorschussbetrug, von Peter Auch, auf: YouTube vom 29.12.2016.

Entweder man gibt das mitgebrachte Bargeld freiwillig und erhält das versprechen, man erhalte für eine Anzahlung von beispielsweise 100.000 Euro beispielsweise eine Millionen Euro zurück.

Oder das Geld wird einem unterm Tisch geklaut oder auf dem Stuhl. Oder es wird einem weisgemacht, man könne beispielsweise Rolex-Uhren oder sonstigen teuren Schmuck, wie Edelsteine, die sonst eine Millionen Euro auf dem freien Markt kosteten, ausnahmsweise für nur 80.000 Euro erhalten und mache damit das Geschäft seines Lebens.

Weit verbreitet sind solche sogenannten Rip Deals (Fußnoten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10,11)  auch, wie unser aktueller Fall zeigt, in der Immobilienbranche.

Die Immobilienportale könnten ihre Kunden besser vor Rip Deals warnen

Der Skandal ist allerdings, dass es technisch automatisiert für die Immobilienportale erkennbar wäre, wenn Mails, die über Portale wie Immobilienscout24 oder Immonet an Immobilienverkäufer geschickt werden, wahrscheinlich kriminellen Inhalts sind.

Hierzu müssten Immobilienportale wie Immobilienscout24, Immowelt, Immonet, markt.de, oder Kalaydo, einfach nur Mails, welche über ihre Systeme an die Immobilienverkäufer geschickt werden, parallel auf bestimmte verdächtige Keywords abscannen.

Technisch könnten die Portale ab einer bestimmten Dichte von verdächtigen Wörtern eine Warnung aussprechen. Beispielsweise könnte eine solche Mail wie folgt lauten:

„Achtung, diese E-Mail könnte betrügerischen Inhalts sein, wo Sie um Ihr Vermögen gebracht werden könnten. Wir bitten Sie eindringlich, bevor Sie ins Ausland fahren oder sich auf eine solche Geschäftsanfrage einlassen, mit der Polizei Rücksprache zu halten.“

Verdächtige Keywords, also Schlüsselwörter bei Immobilienbetrügern oder Kreditbetrügern oder sonstigen Internetbetrügern, sind immer:

  • Sie sollen ins Ausland kommen, um einen Deal zu machen.
  • Der Interessent oder die Interessentin sei angeblich reich.
  • Der Interessent sei ein Diamantenhändler, zum Beispiel aus Israel.
  • Der Interessent sei ein sehr diskreter Millionär, Multimillionär oder Milliardär.
  • Der Inserent habe einen ausgefallenen Namen, beispielsweise Levy Vass.
  • Der Interessent sei ein reicher Jude, beziehungsweise stamme aus Israel.
  • Der angebliche Käufer sei ein reicher Araber, Amerikaner, Brite oder stamme aus einem reichen afrikanischen oder südamerikanischen Geschlecht.
  • Der Interessent wolle das Geschäft in klassischen Touristenregionen abwickeln im Ausland. 
  • Der Treffpunkt soll dort an Stadträndern oder in den touristisch viel frequentierten attraktiven Innenstädten wie von Mailand, Venedig, Rom, Ljubljana (Slowenien), Split (Kroatien), Milan (Milano), Athen, Wien, Salzburg, Innsbruck, Graz, Basel, Zürich, Bozen oder Liechtenstein sein.
  • Man solle Bargeld mitbringen.
  • Man solle Euros gegen beispielsweise Schweizer Franken tauschen.
  • Man solle überhaupt ein Tauschgeschäft machen.
  • Man solle einen angeblichen Kreditvertrag unterschreiben oder einen Immobilienverkaufsvertrag und diesen ins Ausland mitbringen oder dort unterschreiben.
  • Man solle im Ausland zum Notar oder zur Bank, um dort das Geschäft abzuwickeln oder dort Geld einzuzahlen.
  • Man solle sich in einem Luxushotel, Restaurant, auf einem Hotelparkplatz, einem Einkaufszentrum, dem Flughafen oder gar in der Nähe einer Autobahnauffahrt treffen (die Gangster suchen sich gerne Treffpunkte aus, wo sie innerhalb von Sekunden abtauchen und wegfahren können).
  • Im Fokus der Gangster stehen oft ländliche Gebiete, wo beispielsweise ein Haus oder eine Wohnung verkauft werden soll. Aber auch Großstädter werden gezielt angeschrieben.
  • Je unwahrscheinlicher ein Angebot klingt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es das in der Realität auch ist.

Zudem: Auch wenn der vermeintliche Geschäftspartner angeblich alleine zum vereinbarten Geschäftstermin kommt, so ist dies falsch.

Rip Deals, wo die Opfer über den Tisch gezogen und ausgeraubt werden, ziehen die Kriminellen von a bis zu perfekt organisiert ab.

Vorsicht wenn der Täter alleine kommt

Die Perfektion von Rip Deals beruht auf dem Umstand, dass es ein kriminelles Geschäftsfeld ist, das seit über 20 Jahren in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten sehr erfolgreich von den Gangstern bedient wird.

Am Treffpunkt im Ausland sind die Banden meist mit bis zu sieben Leuten, Bandenmitgliedern, vor Ort, die sich aber verstecken und verborgen halten.

Nur der Täter selber erscheint – meist perfekt und teuer gekleidet. Oft fährt er in einem Luxusauto vor.

Die Absicherung des Treffpunktes mit versteckt gehaltenen Bandenmitgliedern soll sicherstellen, dass nicht die Polizei mit zum Verhandlungstisch kommt. Es soll sichergestellt werden, dass man ehrlich ist und nicht behauptet, man komme zu zweit, obwohl man zu viert kommt. Es soll sichergestellt werden, dass man ein möglichst naives Opfer ist.

Deshalb werden bereits am Flughafen und dem vereinbarten Treffpunkt Spione positioniert, die mit Handys oder Funkgeräten ausgestattet sind und an den Haupt-Operator signalisieren sollen:

Die Luft ist rein, oder das Opfer ist vorbereitet und trifft mit Polizei- oder Detektei-Begleitung oder Freunden ein, die sich möglicherweise ihrerseits verstecken.

Fakt ist: Die örtlichen Polizeibehörden in Italien werden in der Regel von den Gangstern geschmiert, ebenso die Restaurantmitarbeiter oder Hotelmitarbeiter. Hilfe von dort kann man in keinem Fall erwarten.

Beliebt ist es deshalb, dass die Täter sich mit den Bediensteten in den Treffpunkten dutzen, ganz so, als sei man ein alter Bekannter, was de Fakt ja auch der Fall ist.

Zum Spiel gehört zudem, dass die Kriminellen ihre Handys in den ersten Stunden oder Tagen nach dem Schurkenstück anlassen und mit ihren Opfern Katz- und Maus spielen. Ganz so, als habe man doch noch eine Chance, sein Geld oder sein Vermögen zurückzubekommen.

Im Falle unseres E-Mail-Verdachtsbeispiels aus Italien gab die Absenderin, eine angebliche Maria B., auf Immobilienscout24 weitere folgende Daten an.

So wolle man das Haus, welches in Baden-Württemberg zu 800.000 Euro zum Verkauf steht, angeblich „Als Kapitalanlage“ nutzen.

Das Anstellungsverhältnis sei: Selbständige(r)
Das Haushaltsnettoeinkommen liege bei: über 5.000€
Das Eigenkapital betrage: über 200.000€
Bewerbungsunterlagen seien: nicht vorhanden

Als Kontaktdaten zum Interessenten wird angegeben:
Anrede: Frau
Vorname: M.
Nachname: B.
Telefon: 0039/xxxxxxx
E-Mail:
…….@nachrichten.immobilienscout24.de

Dubai, 0039/xxxxxxxx, xxx… @yahoo.com.

Die Warnung, welche Immobilienscout24 in dem uns vorliegenden E-Mail-Fall aussprach, war lediglich, wonach man am besten über „sichere E-Mail antworten“ solle:

Warnung vor E-Mails

So schreibt das Immobilienportal: „Durch die Nutzung der sicheren E-Mail schützen Sie Ihre Identität und die Ihrer Interessenten im Netz.“

Über den Nachrichten-Manager von Immobilienscout kommuniziere man „automatisch mit einer sicheren E-Mail-Adresse“ und dadurch verschlüsselt mit dem Kunden.

Doch das wichtigste, wovor Immobilienscout24 in dem uns vorliegenden und hier publizierten Fall den Kunden parallel zur Mail hätte warnen können, habe Immobilienscout unterlassen, beklagt der Immobilienscout-Kunde:

„Nämlich eine weitere Mail, eine weitere Nachricht, dass der vermeintliche Interessent aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, welcher angeblich eine scheinbar deutsche Sekretärin mit dem Namen Maria B. vorschickt, möglicherweise ein Betrüger sein kann, ein Rip Deal-Gangster“.

Dabei hilft auch nicht, dass es die von der angeblichen „Maria B.“ angegebene Adresse (montenapoleone) in „2 milano“ durchaus gibt.

Beim Blick in Google Earth stellen wir fest: Die richtige Schreibweise dieser Adresse würde allerdings lauten auf „Via Monte Napoleone“ Milano.

Doch ob nun „montenapoleone“ oder „Via Monte Napoleone“ in Milan, beziehungsweise Milano oder eben auf deutsch in Mailand: Auch das gehört zu kriminellen Betrugsmaschen, dass die Opfer glauben sollen, alles sei echt – bis hin zur Adresse, die ja vermeintlich da sei.

Der Immobilienverkäufer aus Baden-Württemberg sagte uns:

„Ich hätte mir sehr gewünscht, dass mich Immobilienscout24 darauf hinweist, dass eine Mail, wie ich sie bekam, krimineller Natur sein kann“.

Nur auf Grund des Hinweises eines Freundes, der Rip Deals aus Medienberichten kenne, habe schlimmeres verhindert werden können, ist das mögliche Opfer sicher.

Sind Sie Opfer? Schreiben Sie uns!

Sind Sie Opfer von Rip Deals? Haben Sie Erfahrungen mit dem uns hier vorliegenden Fall? Schreiben Sie uns per Mail (redaktion@kriegsberichterstattung.com) oder hinterlassen Sie einen Kommentar. Nur wenn wir alle Aufklärung betreiben, können weitere Opfer verhindert werden.

Selbstverständlich haben wir Frau B. im aktuellen Fall gebeten, uns eine Stellungnahmen zu den  hier geäußerten Verdachtsmomenten zukommen zu lassen. Leider erhielten wir aber bislang,  bis 22. Oktober 2017, keine substantiellen Antworten, bis auf diese hier:

Update 21.10.2017: Antworten von Maria B. 

Mittlerweile haben uns am 21. Oktober 2017 mehrere E-Mails von Maria B. erreicht. Sie schrieb uns:

„Löschen Sie sofort diesen Artikel Sie haben das Recht nicht meine Daten und meine Schreiben zu benutzen und einen Artikel darüber zu schreiben und uns zu verurteilen bis Montag 12 Uhr ist die Seite gelöscht ansonsten haben Sie Probleme werde Sie Anzeigen und bringe Sie vor Gericht haben Sie verstanden Sie haben das Recht nicht dazu Was wollen Sie und wer zum Teufel sind Sie ich Raten ihnen das Sie mich in Ruhe lassen und diesen Artikel löschen .“

Zudem schrieb sie:

„Hallo , wer sind Sie und was moechten Sie ? ich brauche keine Stellungsnahme gegen ueber ihnen
und kein Ultimatum bis Montag so ein bloedsinn lassen Sie mich in Ruhe und belaestigen Sie mich nicht haben Sie verstanden sonst erstatte ich Anzeige !!!!“

In einer zweiten Mail schrieb sie: „kriegsberichtersttatung ????? was wollen Sie wir führen keinen Krieg sind Sie krank ????????“

Zudem schrieb sie: „Löschen Sie sofort diese Seite Sie haben das Recht nicht dazu scheiss Journalisten
Ich werde Anzeige erstatten ich habe ihre ganzen Daten.“

Mail vom 21.10.2017 20:37

„Löschen Sie sofort diesen Scheiss Artikel scheiss Kriegsberichterstattung und Propaganda. Du hast Zeit bis Montag 12 Uhr diesen Artikel zu löschen Hurensohn“.

Zudem erreichte uns von Maria B. am 22.10.2017 folgende Mail:

„Ich habe keine Zeit fuer Sie meine Zeit ist viel zu kostbar um ihnen Interview zu geben schalten Sie wenn Sie wollen kuemmert mich nicht in Zukunft lassen Sie mich in Ruhe und schreiben mir nicht mehr ich bin niemanden Rechenschaft schuldig „

Einzelnachweise

(1) Rip-Deals – eine Gefahr für Immobilienverkäufer, Warnung von Immowelt auf: schutz-vor-immobilienbetrug.de.

(2) „Rip-Deal“ – Showdown in Mailand Betrüger locken Opfer ins Ausland, in Aktenzeichen XY… ungelöst im ZDF vom 04.10.2017.

(3) Aargauer Ehepaar packt aus «So zockte uns die Roma-Bande ab», von Viktor Dammann, in BLICK, Schweiz vom 13.09.2014. Abgerufen am 22.10.2017.

(4) 2,4 Millionen Schaden durch „Rip Deals“, in: DER STANDARD, Österreich vom 30.09.2010. Abgerufen am 22.10.2017.

(5) Rip-Deal, Warnung der Polizei Bayern vom 28.06.2017. Abgerufen am 21.10.2017.

(6) Die Mailänder Betrugsmasche – ein Hamburger erzählt, von Kathrin Fichtel, in: Hamburger Abendblatt Online vom 16.11.2010. Abgerufen am 21.10.2017.

(7) Unister-Prozess – Kreditschwindel wird mit Gefängnis-Strafe quittiert, von Dirk Stein, in Versicherungsbote vom 28.03.2017. Abgerufen am 21.10.2017.

(8) KRIMINALITÄT. Revolver im Koffer, von Carsten Holm, in DER SPIEGEL 41/2004.

(9) RIP-DEALS. So prellten Betrüger den Unister-Chef um Millionen, von Anette Dowideit, Annelie Naumann, in: DIE WELT vom 25.07.2016. Abgerufen am 21.10.2017.

(10) Jagd nach Levy Vass. Die Masche des Unister-Täuschers, von Isabell Hülsen, Nicolai Kwasniewski, Andreas Ulrich, in: DER SPIEGEL Ausgabe 35/2016.

(11) Mieser «Rip Deal»: Tessiner Polizei ertappt Falschgeldbetrüger in flagranti, in DER BLICK, Schweiz, vom 09.10.2017. Abgerufen am 21.10.2017.

Video-Verweis: Aktenzeichen XY ungelöst – Betrug Spezial vom 26.10.16 – Ausschnitt, von Gerald V. auf: YouTube vom 27.10.2017.

2 Replies to “Immobilienscout24 tue nicht genug gegen Immobilienbetrug ‚Rip Deal’ aus Italien”

  1. Hallo, 2014 wurde ich Opfer eines Ripdeals (56‘000 CHF, kein Schwarzgeld, sondern hart erarbeitetes). Ich habe in Mailand Anzeige erstattet und führte aufwendige Korrespondenz mit der schweizerischen und auch mit der österreichischen Polizei und gab umfangreiche Täterbeschreibungen. Anfänglich wurde ich als „selbst schuld“ abgewimmelt, später immerhin angehört. Die deutsche Polizei wimmelte ab, als ich auf die Ethnie dieser Täter hinwies, da dies ein Tabuthema sei, welches unmöglich ausgesprochen werden könne!

    Aber obschon etliche Täter sowohl in Deutschland, als auch in Italien und in der Schweiz festgenommen wurden, wurde ich noch nie aufgefordert, einen zu identifizieren!

    Wenn es um Terror geht funktioniert die internationale Fahndung (mindestens laut Medienberichten) innerhalb von Stunden. Laut Infos von der Polizei sind auch die meisten dieser Ripdeal-Täter bekannt. Warum werden diese Täter nicht gefasst, vor den Opfern zur Identifikation vorgeführt und bestraft?
    Das sind mentale Terroristen und verletzen genauso oder noch schlimmer, als wenn Blut fliesst!
    Dieses Ereignis war und ist für mich immer noch lebensverändernd in sehr negativer Weise – und schadet letztlich auch dem Staat, da ich viel früher auf Hilfe angewiesen sein werde. So auch viele der anderen Opfer.
    Auch wenn viele Opfer aus den bekannten Gründen nicht Anzeige erstatten, sind trotzdem genügend solche bekannt, welche diese Täter identifizieren könnten. Was sind die wahren Gründe, weswegen der Staat nicht oder nur so lau reagiert?

    1. @ Sehr geehrte Leserin: Das tut uns sehr leid. Können Sie uns bitte an redaktion@kriegsberichterstattung.com weitere Unterlagen und Belege zur Verfügung stellen?

      Wir gehen damit vertraulich um, würden das aber für weitere Artikel gerne in Rücksprache mit Ihnen nutzen.

      Wir möchten uns aktiv an der Aufklärung gegen diese Verbrecherbanden beteiligen, da wir auch der Meinung sind, dass die Immobilienportale, aber auch die Justiz in Deutschland, in Österreich oder der Schweiz viel zu wenig gegen diese Betrügerbanden tun.

      Schreiben Sie uns bitte auch, welche Polizeidienststelle für Sie zuständig war, damit wir hier nachfragen können, warum es bis heute keine Tätergegenüberstellung gab. Danke!

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