Hintergrund Rip Deal Scam Tauschhandel

Eine solche Mail wurde von einer im Verdacht stehenden Betrügerin an einen Hausverkäufer auf Immobilienscout24 im Herbst 2017 gesendet. (Bild: st)

Ein Rip Deal ist eine Betrugsform, die überwiegend von Zigeunerbanden in Europa, von Sinti und Roma, im Rahmen der Schweren Organisierten Kriminalität grenzüberschreitend durchgeführt wird. In diesem Hintergrund-Artikel erfahren Sie alles rund um Rip Deals, also das Geschäft mit dem Betrugstausch, wozu auch eine Bargeldanzahlung für einen Kredit gehört oder dubiose Geschäfte rund um Immobilien, Edelsteine wie Diamanten, teure Pferde, Boote oder Autos.

Was ist ein Rip und wie erkennt Sie das?

Ein Rip Deal, auch „ripped bargain“ genannt , ist eine betrügerische Tauschhandlung, beziehungsweise eine betrügerische Tauschoperationen.

Das Bundesamtes für Polizei der Schweizerischen Eidgenossenschaft („Ufficio Federale di Polizia della Confederazione Svizzera“) umschreibt Rip Deals wie folgt: (1)

Rip-Deal (oder Geldwechselbetrug): Worum geht es?

Beim Rip-Deal handelt es sich um ein betrügerisches Devisentauschgeschäft. Den Opfern wird ein hoher Gewinn in Aussicht gestellt. Anstelle eines Gewinns werden sie aber bei der Geldübergabe auf unterschiedliche Art um ihr Geld betrogen. Der Begriff „Rip-Deal“ stammt aus dem Englischen; „to rip“ (entreissen) und „deal“ (Geschäft).

Die Betrüger arbeiten meistens von Italien oder Frankreich aus. Oft verwenden sie jüdisch, italienisch oder arabisch anmutende Namen, akademische Titel und geben sich beispielsweise als Scheichs aus. Sie operieren in Gruppen mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Oft sind die Personen, welche die Geschäfte initiieren, bei der Geldübergabe gar nicht dabei.

Die Betrüger suchen sich ihre Opfer meistens über Anzeigen aus, welche die Opfer selbst aufgegeben haben (z. B. Immobilienanzeigen, Fahrzeugverkauf, Uhren, Pferde, Schmuck, Kunstgegenstände, Geschäftsübernahme).

Die Treffen finden vornehmlich im Ausland statt, hauptsächlich in Norditalien, aber auch in Frankreich, Spanien, in der Türkei oder in den Benelux-Staaten (Anmerkung von kriegsberichtersatttung.com: oder in Slovenien, Serbien, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Rumänien etc.).

Bei der ersten Unterredung interessieren sich die Betrüger gar nicht, oder nur am Rande, für das in der Anzeige erwähnte Objekt, sondern lenken das Gespräch geschickt in Richtung Geldwechsel oder Bargeldtransaktionen.

Danach werden dem Opfer im luxuriösen Ambiente von Grand Hotels Bargeldtransaktionen mit hohen Summen angeboten. Anmerkung kriegsberichterstattung.com-Redaktion: Treffpunkte sind auch Restaurants, Hotelparkplätze, Einkaufszentren, Fußgängerzonen, Marktplätze etc..

In der Regel bieten die Betrüger Euros im Tausch gegen Schweizer Franken an oder umgekehrt, vereinzelt auch US-Dollars.

Anmerkung kriegsberichterstattung.com-Redaktion: Dies bringt für das Opfer obendrein den schweren Tatbestand der Geldwäsche, was es später deutlich schwieriger macht, gegen die Täter Anzeige zu erstatten, da man leider selber nun in eine Straftat verwickelt wurde (was durchaus zum Plan der Zigeuner-Rip-Deal-Banden gehört).

Es kommt auch vor, dass die Betrüger vorgeben, es handle sich um illegal erworbenes Geld oder um Schwarzgeld.

Wie erkenne ich, dass es sich um einen Rip-Deal handeln könnte?

Einige Hinweise erlauben es Ihnen, jede Art von Rip-Deal-Betrug zu erkennen:

  1. Wenn Sie als Verkäufer Bargeld (Provision, Vermittlungsgebühren etc.) entrichten sollen.
  2. Das Geschäft in Bargeld abgewickelt werden soll.
  3. Erwartungsgemäß hohe Erträge werden versprochen.
  4. Wenn für die Geldübergabe Treffpunkte in öffentlichen Lokalen, vorzugsweise im Ausland gewählt werden.
  5. Wenn der Ort und die Uhrzeit des Spiels in letzter Minute geändert wird.
  6. Der Kaufpreis wird ohne Betrachtung oder Überprüfung des Artikels akzeptiert.
  7. Neben dem ursprünglich vorgesehenen Verkauf wird vorgeschlagen, andere Geschäfte abzuschließen, insbesondere Tauschgeschäfte, Geldwechselgeschäfte.

Bezüglich der modi operandi sind der Fantasie der Täter kaum Grenzen gesetzt. Die Palette der Tricks reicht von der Übergabe von Falschgeld oder Faksimile-Geldscheinen über raffinierte Geldkoffer-Umtauschaktionen bis hin zu einzelnen, mit echten Geldscheinen präparierten Papierbündeln. Es gibt aber auch schwarz gefärbte Scheine, die angeblich mit speziellen Chemikalien wieder verwendbar gemacht werden können. Auch vor Gewalt schrecken die Täter bisweilen nicht zurück.

Wie reagieren?

Wenn jemand an Sie herantritt und ein Geschäft vorschlägt, das Kriterien aufweist, die wir hier genannt haben, lassen Sie die Finger davon.

Das gilt auch für angebliche Millionen-Darlehen, welche man ihnen in einem angeblich hieb und stichfesten Darlehensvertrag versprochen hat, das aber eines oder mehrere der genannten Charakteristiken aufweist und vorher von ihrem eigenen Anwalt geprüft worden ist (Hintergründe, hier klicken).

Wenn Sie im Ausland Opfer eines solchen Betrugs geworden sind, erstatten Sie bei der örtlichen Polizei Anzeige. Lassen Sie sich ein Doppel der Anzeige geben.

Vorsicht! Die Einfuhr von Bargeld unterliegt in vielen Ländern Restriktionen. Die Einfuhr eines grösseren Bargeldbetrages ist deklarationspflichtig. Nach dem Gesetz einiger Länder erfüllt die Einfuhr von grossen Summen Bargeld den Tatbestand der Geldwäscherei.

Anmerkung kriegsberichterstattung.com-Redaktion: Den Geldwäsche-Umstand kennen die Rip Deal-Gangster. Deshalb kam es schon vor, dass Rip-Deal-Kreditvermittler, die Deutsche sein können, Schweizer oder Österreicher und dafür eine Provision erhalten, für Sie ein privates Flugzeug chartern, da sie ihnen einreden, damit könne man das Geld umbemerkt transportieren.

Doch Fakt ist. Privatflugzeuge von Unternehmern, die in Italien, der Schweiz oder in Österreich im Rahmen eines Rip Deals um Hunderttausende oder Millionen Euro abgezogen wurden, stürzten so manches Mal dann urplötzlich ab und haben ihre Insassen unter dubiosen und nie aufgeklärten Fällen in den Tod gerissen (Hintergrund hier anklicken).

Das Bundesamt für Polizei der Schweiz rät:

Seien Sie vorsichtig, wenn Unbekannte an Sie herantreten und ein Geschäft mit ungewöhnlich hohem Gewinn vorschlagen.

Anmerkung kriegsberichtersattung.com: Seien Sie selbst dann vorsichtig, wenn solche Geschäfte Ihnen aus ihrem privatesten oder beruflichen Umfeld angeboten oder vermittelt werden – selbst dann, wenn die Vermittler ehemalige Bankmanager sind, andere Unternehmer, Architekten, Kreditvermittler oder Anwälte. Es kam auch schon vor, dass Rip Deals über mehrere Ketten eingetütet worden sind, da die Vermittler dafür viel Geld erhalten, teils über 500.000 Euro.

Vorsicht ist auch geboten, wenn Ihnen jemand Geld geben will, das angeblich für gute Zwecke investiert werden soll.

Vorsicht auch bei Kreditvergabe zu branchenunüblichen Zinsen.

Anmerkung kriegsberichterstattung.com: Vorsicht ist auch geboten, wenn im Darlehensvertrag steht, der Gerichtsstand bleibe angeblich dort, wo man selber sei, sein Unternehmen habe oder eben in Deutschland, der Schweiz oder Österreich, also nicht z.B. dort, wo die Geldübergabe stattfindet, also zum Beispiel in Italien. All das ist Bestandteil des Betruges.

  • Senden Sie Unbekannten nie einen Kostenvorschuss oder eine Vermittlungsgebühr.
  • Informieren Sie sich in jedem Fall zuerst bei einer branchenkundigen Stelle über die Seriosität und den Ruf von Personen und Einrichtungen, bevor Sie diesen Geld überweisen.
  • Anmerkung kriegsberichterstattung.com: Ansprechpartner können auch Handelsregister-Auskünfte sein, Wirtschaftsdetekteien, die Handelskammern, Handwerkskammern oder Journalisten (z.B. Info an: redaktion@kriegsberichterstattung.com), die sich mit Rip Deals bereits beschäftigt haben.
  • Antworten Sie nicht auf Mitteilungen, die mit Lotteriespielen in Zusammenhang stehen, an denen Sie nicht teilgenommen haben.
  • Reagieren Sie nicht auf Benachrichtigungen oder Mahnungen bezüglich irgendwelcher Artikel, die Sie nicht bestellt haben.
  • Antworten Sie nicht auf Mitteilungen von Personen und Einrichtungen, die Sie nicht kennen.
  • Geben Sie nie Angaben zur Ihrer Person oder über Ihr Bankkonto heraus, die zu Ihrem Nachteil verwendet werden könnten.
  • Lassen Sie sich nicht durch die Umstände unter Druck setzten, dass es angeblich um hohe Summen geht (meistens ist die Rede von mehreren Millionen US-Dollars), dass die Angelegenheit „dringend“ und „vertraulich“ ist oder dass hochrangige Personen des öffentlichen Lebens mit illustren Titeln involviert sind.
  • Vorsicht wenn Ihnen angeblich versehentlich Geld überwiesen worden ist und man Sie dann bittet, es über ein Geldtransfer-Institut unbekannten Dritten zu überweisen.

Wenn Sie den Verdacht hegen, Hinweise auf betrügerische Machenschaften oder Geldwäsche zu haben, wenden Sie sich an die Kriminalpolizei in Ihrem Kanton oder Bundesland.

Lassen Sie die Finger von dem Geschäft, wenn Sie mindestens einen der oben beschriebenen Hinweise finden.

WAS TUN WENN ES PASSIERT IST?

Wenn der Betrug im Ausland stattgefunden hat, reichen Sie sofort eine Anzeige bei der örtlichen Polizei, also zum Beispiel in Italien ein, und fordern Sie eine Kopie des Dokuments an.

Machen Sie sich aber nich zu viele Hoffnungen. Die Polizeibehörden in Italien kennen Rip Deal Betrügereien und machen, da die Opfer Ausländer sind, fast gar nichts.

Achtung: In vielen Ländern unterliegt die Einfuhr von Bargeld Beschränkungen und die hohen Beträge müssen deklariert werden.

Darüber hinaus wird gemäß der Gesetzgebung einiger Länder, bei dem Im- oder Export ausländischen Geldes (zum Beispiel Schweizer Franken) ab einer erheblichen Menge eine große Straftat gesehen, welche nach dem Geldwäschegesetz mit Gefängnis geahndet wird. (2)

Einzelnachweise

(1) Il rip-deal (o operazioni di cambio fraudolento), übersetzt: Rip-Deal (oder Geldwechselbetrug), von: Ufficio Federale di Polizia della Confederazione Svizzera, beziehungsweise Bundesamtes für Polizei der Schweizerischen Eidgenossenschaft, in: fedpol.admin.ch.

(2) Truffa del Rip Deal, la nuova frontiera della truffa: cos’è e come si riconosce, übersetzt: Der Rip-Deal, die neue Grenze des Betrugs: Was ist und wie es erkannt wird, in: Roma Today, Italien, vom 25.09.2013. Abgerufen am 23.10.2017.

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