Hells Angels Berlin: Zeugen zum Mordanschlag auf André S. gesucht

kriegsberichterstattung.com

Die Berliner Mordkommission sucht jetzt fieberhaft nach weiteren Zeugen, die das Blutbad in der Zechner Straße in Berlin-Hohenschönhausen in der Sonntagnacht gegen 3.00 Uhr gesehen haben oder sachdienliche Hinweise zu auffälligen männlichen Personen machen können. Nach einem Streit zwischen dem Berliner Hells-Angels-Chef, von einigen als ‚Graue Eminenz‘ bezeichnet, und einem anderen Mann, feuerte der Mörder plötzlich circa fünf Schüsse ab. Einer traf André S., 47, mitten ins Herz. Es wird spekuliert, der Rockerkrieg, beziehungsweise Bandenkrieg, zwischen den Hells Angels und Bandidos, beides Motorradclubs, könne nun wieder aufbrechen und weitere Verbrechen nach sich ziehen.

Für die Motorradfahrer in Kutte tragisch: Tausende friedliche und unschuldige Motorradfahrer und Motorradrocker werden von den Medien in Kollektivhaft genommen. Dabei zeigten die vergangenen deutschlandweiten Razzien in Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in rund 200 Wohnungen: Die allermeisten Rocker sind friedliche Genossen. Wirklich überwältigend waren die Untersuchungsergebnisse der involvierten rund 3000 Polizisten bislang nicht. Auch von der Aufklärung um den Tod eines Türken in Kiel scheint die Polizei noch weit entfernt zu sein.

Es deutet sich immer mehr an, dass er nicht Opfer der Hells Angels geworden sein könnte, sondern Opfer von drogenhandelnden Kurden. Denn die hatten wohl ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Bislang hieß es immer, der möglicherweise ermordete Türke könne in einem Betonboden einer Lagerhalle einbetoniert worden sein. Doch gefunden wurde trotz umfangreicher Sucharbeiten bislang nichts. Ein Kronzeuge der Berliner Staatsanwaltschaft, den Gerichtsreporter eher als dubios schildern, hatte behauptet, Hells Angels hätten den Türken übelst gefoltert, dann erschossen und schließlich einbetoniert.

In Berlin und Brandenburg wurde von 900 geschätzten Bandidos-Mitgliedern gerade einmal gegen neun, also ein Prozent, auf Grund der Razzia von vergangener Woche, Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf: Drogengeschäfte, Menschenhandel (Prostitution), Waffengeschäfte.

Derweil kämpft der Berliner Rocker-Boss, André S., weiter im künstlichen Koma um sein Leben. Er liegt bewacht auf der Intensivstation des ehrwürdigen Berliner Krankenhauses Charité. Seine Chancen den Lebenskampf zu überstehen, stehen nicht gut. Doch selbst wenn: Erhebliche lebenslange Schäden würden wahrscheinlich nach so einem Anschlag bleiben, sagte ein Arzt dem pazifistischen Magazin kriegsberichterstattung.com.

Allerdings hofft die Berliner Mordkommission doch noch auf ein Wunder. Würde Andre S. aufwachen, bliebe für die Beamten immer noch die Hoffnung, dass S. spricht. Dass er – im Gegensatz zu sonstigen Ermittlungsverfahren in die er schon einmal involviert war – nun im Angesicht des Todes wenigstens den Täter, den brutalen Mörder nennt. Der Mordanschlag geschah angeblich in der Nähe der Kneipe „Germanenhof“ in Berlin. Er gilt nach Medienspekulationen auch als Treffpunkt einer eher rechts politisch angesiedelten Szene. Manche sprechen von einem Treffpunkt von Rechtsextremen. Ob das so ist oder nicht, konnte nicht überprüft werden. Es wird spekuliert, André S sei Betreiber dieses Lokals.

Der Mordanschlag auf den Rocker sorgt derzeit bei tausenden Motorradfahrern für Entsetzen. Der in Lebensgefahr schwebende André S war Präsident der „Nomads“. Es war eine örtliche Berliner Gruppierung des Motorradclubs Hells Angels. Der Club wurde aus militärischen Einheiten aus den US-Militärs heraus im Zweiten Weltkrieg in den USA gegründet. Weltweit gibt es über 350 Mitgliedsverbände. Alleine in Deutschland sind einige Tausend Kuttenträger bei den Hells Angels engagiert. Die meisten genießen die Gemeinschaft und sind auch friedlich.

Der Anschlag auf den Berliner Motorradclub-Chef sorgt weltweit für ein großes Interesse. Das konnte auch das pazifistische Magazin kriegsberichterstattung.com feststellen: Auf seine diversen Hintergrundartikel zu dem Mordanschlag griffen weltweit aus über 150 Orten einige Tausend Personen zu, die meisten allerdings aus Deutschland. Dabei wird auch klar, dass es sich bei dem Clubchef um keinen Unbekannten handelt. Die meisten suchten direkt nach dem komplett ausgeschriebenen Namen des Opfers – was aber auch daran liegen kann, dass zunächst einige Medien seinen Namen ausgeschrieben hatten.

Aus datenschutzrechtlich problematischen Gründen haben wir uns für die abgekürzte Schreibweise des Opfernamens entschieden. Zwar wäre es im Fall von André S. umstritten, da das Opfer durchaus aus presserechtlicher Sicht als ein Zeitzeuge von öffentlichem Interesse angesehen werden kann. Aber so lange die meisten anderen Medien den Namen abkürzen, möchten wir auch aus Respekt vor einem Opfer eines solch brutalen Mordanschlags die abgekürzte Version des Namens erst einmal beibehalten.

Kommentar:
Sie werden wieder aus ihren Fenstern heraus rufen: Verbietet die Motorradclubs dieser Welt. Verbietet Gruppierungen wie die Hells Angels oder die Bandidos. Dabei gilt: Es ist mit demokratischen rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht vereinbar, Tausende Menschen, die friedlich sind, in eine Kollektivhaft zu nehmen.

Der Staat hat alle Möglichkeiten um gegen Kriminalität auch in Rockerclubs vorzugehen. Dabei sollte auch bedacht werden: Organisierter Kriminalität, die für die Bürger bedrohlich ist, kommt in Deutschland aus ganz anderen Richtungen als aus der Rockerszene. Das hat zum Beispiel auch eine Studie des Versicherungsvergleichsportals geld.de gezeigt. Demnach wird in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mittlerweile jährlich jede 154. Wohnung aufgebrochen und ausgeraubt.

Die Täter, sagten viele Polizeistationen, kämen überdurchschnittlich häufig aus Ost- oder Südeuropa. Also Ländern wie Bulgarien, Rumänien oder Albanien. Während in Deutschland offiziell in den Polizeistatistiken verschämt nur von „Bürgern nicht-deutscher Herkunft“ gesprochen wird, haben die Schweizer Polizeistationen kein Problem die Herkunft der Täter auch örtlich zu benennen. Auch sie sprechen von umfangreicher bandenmäßig organisierter Kriminalität. Von Hells Angels oder Bandidos als Tätergruppen ist zumindest in dieser Studie nicht die Rede, da sie auch als Täter nicht genannt wurden von den Polizeistationen. Auch in der Kriminalitätssendung des ZDF, in „Aktenzeichen xy ungelöst“ sind Hells Angels oder Bandidos bislang nicht sonderlich oder umfangreicher als kriminelle Tätergruppe in Erscheinung getreten.

Das heißt: Das „Betätigungsfeld“ einiger Rocker wurde ja auch von den Staatsanwaltschaften und ermittelnden Polizeibehörden genannt. Es seien Drogen, Prostitution (Menschenhandel) oder Waffenhandel. Es sind Bereiche, die mit der Masse an Bürgern also berührungsfremd sind. Es ist deshalb unseriös, jetzt so zu tun, als würde Deutschland von einer Hells-Angels-Mafia unterwandert. Fakt ist: Die Polizei ist bislang in den meisten Orten, auch in Berlin, noch nicht einmal im Stande, die Aufklärungsquote beispielsweise bei Wohnungseinbrüchen und Wohnungsrauben, auf über zehn Prozent zu heben. Sie tendiert in Deutschland, aber auch in Österreich oder der Schweiz gegen Null. Das betrifft auch andere Diebstähle, wie Autodiebstähle.

Jetzt gilt es, dass die Rockerclubs einzelne kriminelle Elemente selbst dingfest machen, hier mit der Polizei im eigenen Interesse zusammenarbeiten und dabei helfen, der Öffentlichkeit gegenüber klar zu machen: Ja, auch wir haben, wie einige anderen gesellschaftliche Gruppierungen, es vereinzelt mit Bürgern zu tun, die sich nicht immer an Recht und Gesetz halten. Aber die überwältigende Mehrheit von uns Rockern ist friedlich, besteht aus ganz normalen Steuerzahlern oder Familienvätern, auch Großvätern. Ein guter Ansatz ist ein Aufruf der Rockerunion. Er geht genau in diese Richtung. Mit solchem Engagement kann umfangreichen Verbotsszenarien ebenfalls wirksam entgegengetreten werden.

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