Hart aber Fair, ARD: Syrien-Massaker und wie es Jürgen Todenhöfer sieht

In einer Debatte rund um Schuld und Unschuld im Bürgerkrieg in Syrien prallten am Montagabend in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ (Frank Plasberg) Weltbilder aufeinander, wie sie deutlicher kaum im Fernsehen zu Tage kommen können. Während Jürgen Todenhöfer, CDU-Politiker und Buchautor über Krisengebiete, bereits am Montag in einem ganzseitigen Artikel in der Bild-Zeitung über die schwierige Lage in Syrien berichtete und einräumte, dass schreckliche Massaker in Syrien eben auch von den Rebellen an der Zivilbevölkerung verübt worden waren (beispielsweise in Al-Hula), wollte ein vom Friedensprozess massiv enttäuschter Syrier das nicht gelten lassen.

Der in der Talkrunde anwesende Syrer, Ferhad Ahma, nach eigenen Angaben sei er Mitglied des umstrittenen Nationalen Syrischen Übergangsrats, gestaltete sich die Welt etwas arg einfach schwarz und weiß: Für ihn waren nur der syrische Präsident Baschar Hafiz al-Assad sowie seine Regierungstruppen Schuld an der Eskalation der Gewalt in Syrien.

Zu groß war seine Enttäuschung, dass es rund um Damaskus immer wieder zu militärischen Eingriffen der syrischen Regierung gegen seine Landsleute gekommen sei. Dabei seien auch Freunde von ihm gestorben. Für den Exil-Syrer ist klar: Der Westen müsse einmal mehr – koste es was es wolle – gewaltsam militärisch intervenieren. Dass bereits andere Interventionen – beispielsweise in Afghanistan, dem Irak, aber auch Libyen, Zehntausende Tote kosteten – das Morden also eher zu- als abnahm – ficht ihn nicht wirklich an. Von den über hundert Milliarden Euro an Kosten, die Interventionen kosten können, ganz zu schweigen.

 

Die GRÜNEN-Chefin Claudia Roth verfolgt nach wie vor ihren Weg der Meinungsfindung – und reist in die Länder, in denen Krieg und Unfrieden herrscht – ob nach Libyen oder den Irak und spricht dort mit Bürgern, Geschundenen, Vertriebenen. Sie glaubt nicht nur Geheimdiensten oder dem, was die deutsche Bundesregierung dem Parlament übermittelt. Sie zählte auf, dass man weitaus mehr in Syrien und anderen Krisenregionen machen könne, als bislang: Besonders im Bereich der humanitären Hilfe tute der Westen bislang zu wenig.

Roth zeigte sich differenziert in der Talkshow von Frank Plasberg. Beispielsweise erinnerte sie daran, wie die Christen im Irak von andersgläubigen fanatischen Islamisten verjagt, aber auch ermordet wurden. In Syrien, so Roth, drohe ein ähnliches Schicksal, wenn Assad stürze. Unter Assad genossen die Christen bislang einen gewissen Schutz.

Dennoch merkte man der Talkrund an, wie sehr es alle Teilnehmer innerlich fast zerrissen hat, Bilder von massakrierten Kindern, Frauen, Männern zu sehen. Berichte über Folter, Terror, Al Quaida, ausländische brutale Söldnertruppen (beispielsweise von Saudi-Arabien oder Quatar finanziert), recht willkürlich erscheinende Geheimdienst-Verhaftungen, setzten vielen zu.

Eines wurde am Montagabend in der ARD auch deutlich: Die friedlichen Demonstranten in Syrien sind längst Geschichte. Die „Rebellen“ stehen in ihrer Grausamkeit den Regierungstruppen, die häufig auch in Verteidigungsstellung sind, in vielem nichts nach. Im syrischen Ort Al Houla haben beispielsweise Bürger von Nachbardörfern ihre einstigen Freunde in der Umgebung massakriert und abgeschlachtet, da sie annahmen, sie seien zu einer anderen Religion übergegangen.

Darüber hatte auch sehr detailliert die russische Nachrichtenagentur ANNA-News (Link unten) berichtet. Zwar weisen die Rebellen eine Verantwortung an diesem Massaker zurück – doch die Belege sind recht eindeutig, dass wesentliche Teile des Massakers auf ihre Konten gehen, auch wenn der damalige UNO-Untersuchungsausschuss es bislang vermieden hat, den „Rebellen“ zu hart eine Mitschuld an Massakern zuzuschieben.

In der Talkrunde etwas unter ging der israelische ehemalige Botschafter, Avi Primor. Wofür er steht – man blieb etwas ratlos zurück. Jörg Armbruster, Korrespondent der ARD für den Nahen Osten, war deutlich anzusehen, wie schwer er sich tat, ein abschließendes Urteil über die Krise in Syrien, aber auch im Nahen Osten oder Ägypten, zu ziehen. Tendenziell scheint er aber den syrischen Staat stärker in die Pflicht zu nehmen als bewaffnete Terror-Gruppen der Opposition.

Als Fazit der ARD-Runde bleibt: Die meisten sind für einen politischen Dialog zwischen Regierung und Opposition unter Einschluss des bisherigen Präsidenten Assad. Das favorisiert auch der UNO-Sondergesandte Kofi Annan.

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Syrische Nachrichtenagentur Sana: http://www.sana.sy/index_eng.html

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