Man reibt sich verwundert die Augen: Zwei Jahre Lagerhaft für drei russischen Mädchen der bislang im Westen komplett unbekannten Band "Pussy Riot" für einen aus Sicht der Kleriker Russlands unakzeptablen Läster-Auftritt gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Das ist das Thema der Weltpresse – zumindest im Westen. Kriegsberichterstattung.com wirft einen Blick auf die Titelseiten der Tageszeitungen.
Wir möchten vorweg sagen: In Saudi-Arabien oder der Türkei hätten Auftritte, die die Regierenden in einer Moschee der Veralberung preisgegeben hätten, für ähnlich harte oder noch härtere Urteile gesorgt. Interessant ist: Warum jucken harte Urteile gegen Regierungskritiker in diesen Ländern niemanden in den West-Medien, in Russland aber schon? Blick in die Presse zur Welt-Pussy-Krise.
Schlägt man derzeit die West-Presse auf, glaubt man, wichtiger als alle Finanzkrisen der Welt, sei das als zu hart empfundene Urteil gegen eine feministische Mädchenband aus Russland, die ja schon in Namen deutlich macht, für was sie steht: Für Aufruhr, für Provokation, für das "Wir zeigen es den Arschlöchern da oben". Jedenfalls ist ein Bandname mit den Worten "Pussy Riot" eine klare Kampfansage.
Dieser Aspekt geht in den westlichen Medien komplett unter. Auch, dass die Mädchen ihre Kritik ja eben nicht auf einem Konzert kundtaten, sondern ausgerechnet eine der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirchen in Moskau stürmten, um dort auf der Empore den Betenden ihre sarkastische Anti-Putin-Litanei kundzutun. Das hatte aber weniger Putin verärgert, als vielmehr die mächtige Russische Kirche und Millionen russischer Gläubiger. Dass das Urteil dennoch völlig überzogen ist, dieser Meinung schließt sich kriegsberichterstattung.com, das pazifistische Online-Magazin, an.
Das Resultat des Urteils kennen wir: Auf fast allen Titelseiten der westlichen Tagespresse erfahren wir die Geschichte von drei Mädchen, die letztlich grinsend auf einer Anklagebank im Russischen Gerichtssaal sitzen und frech und keck der russischen Justiz zeigen: Wir haben keine Angst vor Euch. Wir machen weiter. Und die letztlich dafür nun ein sehr hartes Urteil bekommen haben – von der russischen Justiz, nicht von Putin.
So machte der "Berliner Tagesspiegel" am Wochenende seine Zeitung mit der Schlagzeile auf, "Zwei Jahre Lagerhaft für Pussy Riot" (einspaltig). Daneben wird ein dreispaltiges Foto von den Pussys abgedruckt. Alles ist im Berliner Tagesspiegel über Bund abgedruckt. So nennt man das Platzieren von Artikeln direkt auf der oberen Zeitungsseiten-Hälfte.
Auch die sonst nicht über Pussys schreibende Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ist mit einer vierspaltigen Titelseiten-Geschichte dabei, inklusive großem Foto. Keine Titelseitengeschichte erreicht das Urteil aus Russland auf der US-Zeitung "The Wall Street Journal" des Medientycons Rupert Murdoch. Hier beschäftigen sich die Redakteure mit einer Schießerei in einer Miene in Südafrika ("South Africa Laber Unrest Spurs Deadly Gun Battle").




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