Ein Spielfilm auf RTL II hat es am Freitag Mitte September schön auf den Punkt gebracht: Die FARC ist die reichste und am besten militärisch ausgerüstete Terrororganisation der Welt. Ihr Geld macht sie mit Kokain, Erpressungen, Entführungen, Morden. Tausende wurden von ihr ermordet, Hunderte entführt. Und was macht der UNO-Sicherheitsrat oder die politischen Großmäuler aus Frankreich oder Großbritannien, die immer nur in Ölländern einmarschieren möchten - wie Libyen, Syrien, Iran? Nichts. Bislang könnte der Kampf zwischen der linksgerichteten FARC und der Regierung Kolumbiens nach Schätzungen bis zu 200.000 Tote in den vergangenen 50 Jahren gekostet haben.
Das Stillhalten hat zahlreiche Gründe: Zum einen ist Kolumbien geopolitisch einfach zu uninteressant. Zum anderen ist es kein wichtiges Ölland. Und zum Dritten bezeichnet zwar die Europäische Union (EU), ebenso wie die USA oder Kanada, die FARC als Terrororganisation, aber aus EU-Sicht scheint der Terror denn doch nicht so umfangreich zu sein, als dass man das westliche Kriegsbündnis NATO hier einmal wieder bemühen möchte. Dabei hat die FARC wesentlich mehr Menschen auf dem Gewissen, als beispielsweise der mit Hilfe der NATO im Jahr 2011 von islamischen "Rebellen" ermordete langjährige libysche Staatschef Muhammed al Gaddafi.
Ein weiterer Grund, warum die internationale Gemeinschaft, die sich zu regelmäßigen Meinungsaustauschen in der UNO in New York trifft, die FARC bislang mehr oder weniger in Ruhe gelassen hat, mag darin liegen, dass die FARC keine Terrororganisation ohne demokratischen Ziele wäre. Vielmehr sieht sich die FARC als marxistische militärische Untergrundorganisation, die auch zum Wohle des Volkes kämpfe.
Das tat sie zwar auch immer mal wieder - indem sie Hunderte Millionen Euro spendete, aber oft waren die Spenden an Bedingungen geknüpft: Geld gegen Stillschweigen. Geld gegen totale Unterwerfung. Dass das funktionierte, lag wiederum am absoluten wirtschaftlichen und sozialen Versagen des kolumbianischen Staates. Ihm sind Sozialgesetzte egal. Die Armut bekommt die kolumbianische Regierung seit Jahrzehnten nicht in den Griff. Das war einer der Gründungs-Ursprünge für die FARC.
Hinzu kommt: Die kolumbianische Führungselite aus Politik und Wirtschaft, auch innerhalb der Militärs, ist berühmt-berüchtigt - besonders dafür, dass viele an den Schalthebeln Kolumbiens korrupt seien. Der Kampf gegen die Korruption ist aber auch ein Ziel der FARC. Doch längst ist aus einer einstigen sozialen Kriegs-Bewegung eine geworden, der man nachsagt, dass sie vor allem im Drogenhandel mit Kokain zentrale Fäden ziehe. Doch den Drogenhandel benötigt sie wiederum, um ihre militärische, soziale und politische Struktur finanzieren zu können. Zudem leben zehntausende Familien von den Drogen-Einnahmen der FARC.
Und auch die kolumbianischen Militärs haben Zehntausende unschuldige Zivilisten in den vergangenen Jahren während ihres Kampfes gegen die FARC, die sich selbst als "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" sieht, brutal umgebracht - oft auch mit Luftangriffen.
All das macht die FARC zu einer komplexen politischen Herausforderung. Zwar unterstützen die USA das kolumbianische Militär jährlich mit rund einer Mrd. US-Dollar, doch ist das bei weitem zu wenig, um Kolumbien militärisch Zwangs zu befrieden. Doch vielleicht möchte man das auch gar nicht, ebenso wie die EU keinen NATO-Eingriff im strategisch eher unwichtigen Land Kolumbien möchte. Zwar ist auch Syrien ein eher kleines Land aus Sicht der NATO, der EU und der USA - doch es ist direkt an der europäischen Grenze, genauer gesagt, an der türkischen Grenze. Zudem war Syrien einst französische Kolonie und steht traditionell stärker im Fokus Europas.
Obendrein ist es ein Ölland und ein enger Verbündeter der einstigen Erzfeinde des Westens, Russlands sowie Chinas und obendrein des Irans. Syrien ist sozialistisch und es gab zu Zeiten des West- und Ostblocks vor 1990 auch sehr enge Beziehungen zwischen der DDR und Syrien. So gibt es aus dieser Zeit heraus noch sehr enge Kontakte zwischen vielen Ost-Deutschen und Syrien. In Leipzig gibt es beispielsweise eine syrische Gemeinde. Aus Sicht des Westens ist aber alles Sozialistische suspekt. Auch Libyen war ein reiches Ölland (das reichste in Afrika) und obendrein sozialistisch angehaucht. Die Ablehnung gegenüber allem Westlichen gipfelte in Libyen darin, dass sogar englisch verboten war und an den Schulen nicht grundsätzlich gelehrt wurde.
Das alles trifft aber auf Länder wie Kolumbien nicht zu. Das heißt: Es geht dem Westen in seiner neuen Tendenz, kriegerisch in andere Länder, überwiegend islamische Länder, gewaltsam zu intervenieren, in der Regel nicht wirklich um die Einführung von Demokratie, sondern um die gewaltsame Begleichung alter offener Rechnungen. Das wird aber offen nie angesprochen. Doch es hilft, zu verstehen, warum es den mächtigen West-Politikern letztlich völlig egal ist, dass in kriegerischen Kämpfen zwischen der sozialistischen FARC und der Regierung Kolumbiens wesentlich mehr Menschen umkamen, als im bisherigen syrischen Bürgerkrieg (der maßgeblich von der islamischen Terrororganisation "Freie Syrische Armee" geführt wird). UNTEN KLICKEN ZUM WEITERLESEN




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