Droht Krieg Türkei-Syrien?

Syrien stimmt angeblich Pufferzone Türkei zu Syrien zu / Erneut Kriegshandlungen Türkei gegen Syrien

2.Teil: Besonnenheit von Bundeskanlzerin Angela Merkel, CDU, gefordert

06.10.2012 , Autor Ringo Later , mehr zum Thema Krisenherde

ila 2012
Wird Deutschland über die NATO in einen weiteren Krieg zusätzlich zu Afghanistan hineingerissen?

Längst ist der Bürgerkrieg in Syrien zu einem kaum verständlichen Wirrwarr aus unterschiedlichsten Interessenlagen ausgeweitet. Während am Anfang des Konfliktes tatsächlich eine Demokratiebewegung im Zentrum stand, ist die "syrische Opposition" mittlerweile einem Sammelsurium aus erzkonservativen islamischen Sunniten, Söldnern, Terroristen und westlichen und arabischen Geheimdiensten gewichen.

So unterstützten allein die USA die syrische Opposition, auch die Freie Syrische Armee, mit bislang rund 180 Mio. Euro. Hinzu kommen logistische und militärische Unterstützungen – auch von Saudi-Arabien und Qatar.

Es ist primär ein religiöser Bürgerkrieg zwischen unterschiedlichen islamischen Gruppierungen in Syrien. Außerdem geht es um Macht in der Region: Der Westen möchte unbedingt dem Iran seinen engen Verbündeten, Syrien, aus der Hand schlagen. Gleichzeitig würde der Westen - insbesondere angetrieben durch die einstigen Kolonialmächte in der Region, Frankreich und Großbritannien, Russland schaden. Denn auch Russland verfügt traditionell über starke Beziehungen zum sozialistischen Syrien. Obendrein hat die russische Kirche sehr enge Beziehungen zu den Christen in Syrien.

Bislang hatte sich das westliche Kriegsbündnis NATO aus dem Hexenkessel Syrien herausgehalten. Das lag aber vor allem auch am Veto von Russland und China im UN-Sicherheitsrat. 2.000 Tote der US-Armee und gut 60 tote deutsche Bundeswehrsoldaten alleine im Afghanistan-Krieg sollten eigentlich auch genug sein. Dennoch gibt es im Westen Kriegstreiber, die ehemalige Kolonien - wie Libyen oder Syrien - immer noch wie Eigentum ansehen, das ihnen irrtümlich abhandengekommen ist. Heißt: Solche Kräfte würden lieber heute als morgen Syrien militärisch besetzen.

Türkisches Parlament gibt Freifahrtschein für Militär

Zudem hat das türkische Parlament am Donnerstag der türkischen Regierung mehr oder weniger einen Freifahrtschein für militärische Operationen gegen Syrien gegeben. Offiziell heißt es verlogen, man "verteidige nur die türkische Grenze". Immerhin sagte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan, der schon seit bald 15 Jahren an der Macht ist, er sei nicht an einem Krieg mit Syrien interessiert, aber es sei auch nicht mehr weit davon entfernt.

Erdogan träumt von der Wiederbelebung eines osmanischen Großreiches und nutzt regionale Konflikte seiner Nachbarstaaten, um unter dem Deckmantel des Westens und dem Schutz des westlichen Kriegsbündnisses NATO, das auch mit deutschen Steuergeldern jährlich mit Milliarden Euro finanziert wird, seine Großmannsträume realisieren zu können. Mit jedem Konflikt in der islamischen Welt kann sich die Türkei als der große Schlichter oder das starke militärische Invasionsland der Weltöffentlichkeit präsentieren.

Derweil ruft die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Besonnenheit auf. Sie warnte ausdrücklich vor überhitzten gegenseitigen Kriegserklärungen - sowohl auf Seiten der Türkei wie auf Seiten Syriens. Bislang konnte der UN-Sicherheitsrat sich zu keiner gemeinsamen tiefergreifenden Erklärung zum türkisch-syrischen Kriegsscharmützel durchringen.

Vor allem Russland und China sehen die Komplexität des Bürgerkrieges in Syrien und weigern sich, einseitige Schuldzuweisungen gegen die syrische Regierung durchzuwinken. Viele Beobachter meinen: Das ist gut so. Denn vielen Politikern im Westen geht es, wie so häufig in der Geschichte, nicht primär um die Ebnung einer Demokratiebewegung, sondern um reine Machtspielchen in der Region.

Immerhin erklärte nach einem Anschlag in der syrischen antiken Stadt Aleppo der UN-Sicherheitsrat, man lehne Terrorismus in all seinen Formen ab. Bei dem Terroranschlag in Aleppo waren 34 Menschen gestorben. So sagte der UN-Sicherheitsrat: "Alle terroristischen Aktionen sind Verbrechen... unabhängig vom Motiv, wo auch immer, wann auch immer, von wem auch immer verübt."

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