700.000 Tote: 70. Jahrestag der Schlacht von Stalingrad / Russland trauert

Russland gedenkt dem 70. Jahrestag des Endes der sowohl für die Russen wie Deutschen schrecklichen „Schlacht von Stalingrad“. Offiziell ist die Rede vom „70th anniversary of the Red Army’s victory over Nazi Germany troops in the Battle of Stalingrad“, also dem 70. Jahrestag des Sieges der Roten Armee über die Deutsche Wehrmacht. In dem Krieg verloren nach Schätzungen 700.000 Menschen ihr Leben – die meisten darunter waren Russen. Aber auch von den rund 230.000 deutschen Wehrmachts-Soldaten überlebten nur rund 6.000 die schlimmste Kriegsschlacht seit Menschen gedenken.

Seit 1961 heißt Stalingrad Wolgograd. Dass die Russen die Deutsche Wehrmacht im kalten Winter 1943 besiegen konnte, lag an ihrer Einkesselungs-Taktik und den für die Deutschen nicht gewohnten eisigen Temperaturen. Das Deutsche Reich hatte den Deutsch-Sowjetischen Krieg mit seiner 6. Armee im Juni 1941 begonnen, wobei Stalingrad im Sommer und Herbst 1942 mit über 230.000 deutschen Soldaten der Wehrmacht angegriffen worden war. Bereits im November hatte die Rote Armee die Deutschen eingekesselt.

Rund 110.000 deutsche Soldaten sowie Verbündete kamen 1943 in russische Gefangenschaft – die meisten wurden nach Sibirien verfrachtet oder standrechtlich umgebracht. Nur 6.000 der gefangenen Soldaten überlebten die traumatischen Erlebnisse.


Foto: State Historical and Memorial Museum The Battle of Stalingrad on Mamayev Hill / Presidential Press and Information Office.

Im Gedenken an die hunderttausenden Toten empfing der Russische Präsident Vladimir Putin nun im Moskauer Kreml alte Kriegsveteranen (Great Patriotic War veterans and participants in the Battle of Stalingrad). In Russland werden die Kriegsveteranen als „Heroes of the Soviet Union“, also Helden der Sowjet Union, bezeichnet und gefeiert. Neben den Soldaten der Roten Armee empfing Putin auch Künstler der jahrzehntelang in Russland hoch gehaltenen „Kunst des Real existierenden Sozialismus“.

Wie jährlich üblich, zitierte der russische Präsident außerdem von älteren Veröffentlichungen der in den Jahren 1941 bis 1961 mächtigen russischen Nachrichtenagentur „Sovinformburo“ (Soviet Information Bureau bzw. Советское информационное бюро). Besonders lobte Putin den in der Schlacht von Stalingrad kämpfenden russischen Junior Sergeant Ivan Filatov. kriegsberichterstattung.com gibt die Rede des russischen Präsidenten Vladimir Putin hier wider:
Liebe Veteranen, Freunde,
„Ich gratuliere Euch zum 70. Jahrestag unseres Sieges in der Schlacht von Stalingrad. Es ist ein Sieg der sich in die Weltgeschichte hineingeschrieben hat als ein Drehpunkt im Krieg gegen die Nazis. Die Schlacht hatte 200 Tage gedauert und endete in der endgültigen Niederschlagung der größten feindlichen Armee. Der gesamte World War II (2. Weltkrieg) hat sich um den Volga River abgespielt. Und es waren unsere Menschen, die Soviet Soldaten, welche das taten und Frieden nach Europa brachten und die Welt von der Zerstörung (durch die Deutschen) und Sklaverei bewahrten.

Wir müssen alles tun um sicherzustellen, dass die Wahrheit über Stalingrad und die Erinnerung daran niemals verlorengeht. Wie haben die Möglichkeiten die Geschehnisse in World War II, also dem Zweiten Weltkrieg, niemals vergessen zu machen und zu verhindern, dass die Geschichte missbraucht wird für populistische Zwecke und schamlose Versuche, die Welt vergessen zu machen, was zentrale reale Geschichte ist.

Wir haben grandios unseren Feind überwältigt und die Macht des (deutschen) Blitzkrieges erheblich geschwächt und zwar mit solch unbändiger Gewalt, als ob damals die gesamte russische Nation sich dafür stark gemacht hat, Stalingrad zu verteidigen.


Foto: State Historical and Memorial Museum The Battle of Stalingrad on Mamayev Hill / Presidential Press and Information Office.

Die Stadt Stalingrad wurde eine wahre Legende, ein Symbol für den starken Widerstand. Es ist auch ein Symbol für unsere spirituellen Stärke und die Einheit unserer multi-ethnischen Bevölkerung, den unbändigen Willen unserer Bevölkerung extreme und unmenschliche Leiden zu überstehen, um das Vaterland zu retten.

Die Helden von Stalingrad taten mehr als nur ihr Heimatland zu verteidigen. Sie suchten die Wahrheit, die Ehre, die Würde und Liebe für ihr Vaterland in einem Ausmaß, welches nicht mehr geschlagen werden kann.

Der triumphale Sieg in dieser Schlacht hat die Moral der Soviet-Soldaten enorm gestärkt und den Glauben unserer Bürger noch stärker gemacht. Der Sieg hat auch jene inspiriert, welche selbstlos an der Verteidigung gearbeitet haben – auch in guerrilla regiments, im Untergrund und in den occupied territories, also den (von den Deutschen) besetzten Gebieten. Es hat den Sieg über Nazi Deutschland durch die ganze Welt getragen und zwar auf einem ganz neuen Level.
Stalingrad war – und zwar ohne Zweifel – ein Wendepunkt im Glauben aller Nationen und Millionen von Menschen. Es war von hieraus – von Stalingrad – also von jener Stadt, die nicht (von den Deutschen) eingenommen werden konnte, dass unsere Truppen ihre Reise nach Berlin starten konnten.

Den Feind zu schlagen nach dem Vorbild der Stalingrad Schlacht, bekam ein Motto für jeden, der unser Vaterland verteidigte. Und dieser unbändige Wille bewahrte uns davor, dass der Feind seine strategischen Ziele (gegen Russland) weiter verfolgte.
Es ist auch ein Symbol, dass General Paulus (Anmerkung: Gemeint ist General Friedrich Paulus, den Oberbefehlshaber der 6. deutschen Armee im Russland-Feldzug), welcher die Operation Barbarossa plante – ein unaussprechlicher Akt von Aggression gegen die Soviet Union – ebenfalls in der Nähe von Stalingrad (von uns) gefangen genommen wurde.
Wir müssen alles tun um sicherzustellen, dass die Wahrheit von Stalingrad und die Erinnerung daran niemals in Vergessenheit gerät. Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, die Erinnerungen an World War II, also den Zweiten Weltkrieg, stets im Bewusstsein zu halten, also die Geschichte uns präsent zu machen und uns gegen opportunistische politische Ziele zu wehren….

Helden leben so lange, so lange man sich ihrer erinnert. Die Verbindung von Mut und Patriotismus ist das größte Erbe des Battle of Stalingrad, also der Schlacht von Stalingrad. Und egal, wie viele Jahre noch vorbeigehen werden, so werden wir niemals aufhören unsere Soldaten zu ehren und zu verehren.

Die einfache Wahrheit zum Sieg dieser großen Schlacht ist, dass er durch die Befehlshaber und einfachen Soldaten des Soviet-Militärs errungen werden konnte. Ihr Mut und ihr bedingungsloser Durchhaltewillen hat die ganze Welt gerettet. Diese einfachen aber absolut passenden Worte wurden am Mamayev Hill für alle Ewigkeit in Granit gemeißelt: „Waren die Menschen, die uns angriffen, nicht auch sterblich?“

Heute würde ich gerne all jenen Veteranen des Great Patriotic War, also des großen patriotischen Krieges, danken – also all jenen, welche mutig gegen die Nazis kämpften, deren Leben durch die harten Kriegszeiten ausgelöscht wurden und welche die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Nation verteidigten. Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit und all das Beste. Schöne Ferien!“

Anmerkung:Im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden widmet sich derzeit eine Sonderausstellung den Hintergründen der Schlacht um Stalingrad.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.