Unterstützt Türkei Terrorismus gegen Syrien und spielt schmutziges Spiel mit den Bombenanschlägen?

Es war einer von unzähligen Bombenanschlägen während des Bürgerkrieges in Syrien. Die Ausnahme war nur: Er war dieses Mal in der Türkei, mitten in einem Flüchtlingslager syrischer Flüchtlinge. Seither schießen die Spekulationen ins Kraut: Wer waren die Urheber? Die türkische Regierung ist sicher: „Terrorbrigaden der syrischen Regierung“ seien die Täter oder der syrische Geheimdienst. Doch Syrien verwehrt sich gegen solche Verdächtigungen: Man habe mit den Anschlägen nichts zu tun, heißt es von dort. So sagte der syrische Informationsminister, Omran al-Zoubi, Syrien sehe den Bombenanschlag in der türkischen Stadt al-Rihaniya (auch: Reyhanli) als einen Akt von Terroristen, welchen Syrien am schärfsten moralisch und mit allen menschlichen Rechts-Standards verurteile. +++Update 22:37 Uhr: Ein türkischer Kampfjet ist im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgestüzt / Hintergründe gibt es noch keine+++

Gleichzeitig drückte der syrische Regierungssprecher den Türken Beileidswünsche aus. Man hoffe, so Syrien, das die Verletzten schnell genesen mögen. Der Bombenanschlag im türkisch-syrischen Grenzgebiet forderte 46 Menschenleben. Doch nicht wenige Indizien deuten auch darauf, dass die Türkei selber in die Anschläge involviert sein könnte.

Endschieden wehrt sich Syrien gegen Unterstellungen türkischer Politiker, wonach Syrien die Terroranschläge im türkisch-syrischen Grenzgebiet begangen hätte. So sagte der syrische Informationsminister al-Zoubi: „Jeglichen Anschuldigungen gegen Syrien in diversen Stellungnahmen, welche explizit oder implizit von türkischen Offiziellen gegen Syrien ausgesprochen wurden, widersprechen wir entschieden.“

Doch nicht nur das: Syrien bezichtigt den türkischen Ministerpräsidenten, Recep Tayyip Erdogan, in der Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien eben nicht nur syrischen Flüchtlingen Schutz zu gewähren, sondern längst eine Pufferzone für „internationale Terroristen“ geschaffen zu haben. So habe die türkische Regierung „Zivilhäuser, Bauernhäuser und andere Gebäude zu Schutzräumen von Terroristen“ eingerichtet.

Schon in der Vergangenheit hat es Berichte gegeben, wonach die Türkei Waffenlieferungen der terroristisch agierenden islamischen „Freien Syrischen Armee“ (FSA) nicht nur gewähre, sondern aktiv unterstützte. Auch gab es immer wieder Berichte, wonach die USA über die türkische Grenze die FSA logistisch und finanziell aktiv und nachhaltig unterstützten. So hat die FSA nach offiziellen Angaben schon in der Vergangenheit rund 200 Mio. Euro an finanzieller Unterstützung durch die USA erhalten.

Die syrische Regierung sagt, wonach die türkische Regierung die Möglichkeiten geschaffen habe, dass Waffen, explosives Kriegsgerät, Autobomben, Geld und Killer über die türkische Grenze nach Syrien gelängen. Weiter sagte der syrische Regierungssprecher: „Wir haben Probleme mit der Türkei seit hunderten Jahren. Aber: Syrien würde niemals so agieren, wie es uns die türkische Regierung nun im Zuge der Bombenanschläge unterstellt. Syrien hat niemals so agiert. Es ist nicht, weil wir nicht können, aber es ist, weil es uns unsere Moral, unsere Werte überhaupt nicht erlauben, so etwas zu tun.“

„Warum möchte die Türkei Syrien zerstören?“

Derweil fordert die syrische Regierung die türkische Regierungspartei Development Party und den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auf, die Anschläge aufzuklären. Der syrische Regierungssprecher Al-Zoubi sagte, es müssten große Fragen geklärt werden, diese würden besonders umschließen, welches Interesse die Türkei habe, Syrien zu zerstören. „Warum gehen sie soweit und bringen Menschen um und Zerstörung? Warum wurden die Bombenanschläge in al-Rihaniyeh jetzt durchgeführt?“

Weiter führte der syrische Regierungssprecher aus: „Warum haben die Bombenattentate in der Türkei nur wenige Tage vor dem Treffen Erdogans mit Obama stattgefunden?…. Ist es, da Erdogan ihm zeigen möchte, dass die Türkei genug Power hat um in Syrien einzumarschieren? Möchte Erdogan die russisch-amerikanischen Bemühungen, eine internationale Syrien-Konferenz einzuberufen, untergraben?“

Scharf ins Gericht geht Syrien auch mit der türkischen Behauptung, die Türkei könne „sich selbst verteidigen“. Dazu sagte der syrische Regierungssprecher: „Gegen wen hat sich die Türkei selbst zu verteidigen? Hat es sich gegen Terrorismus und Terroristen zu verteidigen…. es hat sich gegen nichts anderes zu verteidigen, als das, was es selbst getan hat. Die Türkei trägt dafür ganz alleine die volle Verantwortung.“

Weiter führte der Regierungssprecher von Syrien aus: „Ich fordere Erdogan auf, zurückzutreten als ein Mörder… und ich sage zu ihm, dass er nicht das Recht hat, seine eigene Glorie darauf zu bauen, dass er Blut unter Türken und Syrer trägt“.
Wie schwierig sich die Westmedien tun, angesichts der unübersichtlichen Nachrichtenlage überhaupt noch über den türkisch-syrischen Konflikt zu berichten, zeigt sich an dem folgenden Satz, den zahlreiche Massenmedien im Westen derzeit verbreiten. So warne ein ominöser nicht näher bezeichneter „Menschenrechtler“ davor, dass es Racheakte gegen die Alawiten geben könnte, die man der Bombenanschläge in der Türkei bezichtige. Die Alawiten sind eine Fraktion innerhalb des Islams und stellen seit Jahrzehnten die Regierung in Syrien.

Derweil attackiert aber auch die türkische Opposition die türkische Regierung und wirft ihr vor, die Öffentlichkeit mit der Bezichtigung, Syrien sei für die Anschläge verantwortlich, vorsätzlich falsch zu informieren und zu belügen. So sei es nach Ansicht der türkischen Opposition recht offensichtlich, wonach die syrischen Rebellen mit Verbindungen zu Al Quaida für den Anschlag in der Türkei verantwortlich sei.

Kommentar:

Man muss kein Derrick-Dauerfan sein, um zu verstehen, wie ein Krimi aufgebaut ist: Es ist meist jener der Täter, von dem man meint, dass er es nicht ist. Und auch das gilt: Jeder Mord, jeder Anschlag, ist ohne ein Motiv undenkbar. Ein Motiv hat Syrien sicherlich nicht an einem Bombenanschlag auf türkischem Boden. Denn sie weiß, dass sie damit endgültig jegliche Hilfe und Unterstützung auch von Ländern wie Russland verlieren würde. Insofern kann die syrische Regierung als Täter ausgeschlossen werden.

Wie man es dreht und wendet: Die schrecklichen Bombenanschläge im türkisch-syrischen Grenzgebiet werfen einen äußerst dunklen Schatten auf die türkische Regierung. Allein das macht sie als Mitglied in der Europäischen Union (EU), wie es derzeit die deutsche Regierungspartei FDP fordert, als völlig inakzeptabel. Vor allem die äußerst zügige Behauptung der türkischen Regierung, der syrische Geheimdienst stecke hinter den aktuellen Bombenanschlägen im türkisch-syrischen Grenzgebiet, haben der Glaubwürdigkeit einer angeblich stets rechtsstaatlich agierenden Türkei massiv geschadet. Denn in einem Rechtsstaat werden erst einmal Ermittlungen abgeschlossen, ehe es eine Verurteilung gibt. Wer aber voreilig andere bezichtigt, möchte meist von anderen Dingen oder Tätern ablenken.

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