Militäraufrüstung Russia Arms EXPO – Russland gibt 755 Milliarden Dollar für Armee

Auf Grund der zunehmenden Militärinterventionen, in die der Westen und die NATO verwickelt sind, greift nun auch Russland wieder stärker zum Mittel der Militäraufrüstung. In den nächsten Jahren möchte Russlands Präsident Vladimir Putin bis zu 755 Milliarden Dollar in die Aufrüstung seines Militärs stecken. Das wurde im Umfeld der jährlichen Militärmesse in Russland, der Russia Arms EXPO (9TH International Exhibition of Arms, Military Equipment and Ammunition), bekannt.

Dass die Russen, wie die Amerikaner, durchaus positiv gegenüber allem Militärischen stehen, lässt sich alljährlich auf der berühmten russischen Waffenmesse Russia Arms EXPO (25. bis 28. September 2013) in Nizhny Tagil im Ural sehen (auch: Nischni Tagil, beziehungsweise auf Russisch Ни́жний Таги́л). Hier stellen jährlich rund 400 Rüstungsfirmen aus 50 Ländern ihre Waffen und Waffensysteme vor.

Früher war Nischni Tagil unter dem deutschsprachigen Namen Ekaterinburg bekannt. Berühmt ist das Gebiet auch auf Grund der mächtigen und steinreichen alten Dynastie der Demidovs. Der russische Clan war einst größter Landbesitzer im Uralgebirge und Betreiber großer Minen und metallverarbeitender Fabriken. Man könnte sagen, diese Familie war für Russland und das Ural das, was die Krupps für Deutschland während des Zweiten Weltkriegs waren. Nach Jahren des Winterschlafs steht Nischni Tagil nun zunehmend wieder als Symbol für die neue militärische Stärke Russlands. Hier war es auch, wo Russland erstmals seine beiden russischen Drohnen, Forpost und Zastava (unmanned aerial vehicles UAVs), der Öffentlichkeit im Rahmen der Russia Arms EXPO 2013 nun vorgestellt hat.

Gebaut werden die russischen Drohnen von der Ural Works of Civil Aviation (UWCA). Die UWCA ist seit 2009 ein Mitglied der OBORONPROM Corporation (Russian Technologies State Corporation company). Die Russia Arms EXPO selbst findet jährlich auf dem Gelände des Nizhny Tagil Institute of Metal Testing statt. Allerdings sollte man sich von den Namen nicht irritieren lassen. Das „Institut“ ist eine der größten Waffenschmieden Russlands. Auf der Homepage heißt es, wonach man „Artillerie, Munition und ihre Bestandteile“ produziere und zwar für „das Land und Marine-Artillerie von mittleren und großen Kaliber“. Außerdem stelle man „Munition für Luftgewehre, Bomben, ungelenkte Raketen, Munition für mehrere Trägerrakete Systeme und Nahkampf-Waffen“ her.

Für Beachtung sorgte hier auch die Neuentwicklung des russischen High-Tech-Panzers, des „Uralvagonzavod(DC) – Tank Armata“. Zentrale Bedeutung in der militärischen Wiederaufrüstungs Russlands könnte auch der Sovetskii Voenno-Promyshlennyi Kompleks erhalten.

Dabei handelte es sich um eine jahrzehntelange Militärinstitution in der untergegangenen Sowjetunion UDSSR unter deren Dach die Aufrüstung der sowjetischen Armee organisiert und durchgeführt wurde. An dem Willen Russlands zur Remilitarisierung des Landes sollte man auch im Angesicht der Tatsache, dass der russische Staat erst kürzlich 49% an der berühmten Waffenschmiede, der Kalashnikov, an private Investoren verkauft hat, nicht zweifeln.

Russland rüstet auf und wird wohl 2013 insgesamt 68,8 Milliarden US-Dollar in seine Armee stecken und damit Großbritannien und Japan – zwei Nationen, die bislang auf Platz drei jener Staaten sind, welche die höchsten Etats für ihre Militärs weltweit bereitstellen, überholen. Auf den Plätzen eins sind die USA mit jährlich gigantischen 637,8 Milliarden US-Dollar Ausgaben für die Militärs sowie auf dem zweiten Platz mit deutlichem Abstand China mit 131,7 Milliarden US-Dollar Militärausgaben. Diese Etat-Schätzungen legt zumindest das Militärforschungs-Institut IHS vor. In den nächsten zehn Jahren möchte Russland rund 755 Milliarden Dollar in seine Militärs stecken.

20 Jahre lang hat Russland seine Investitionen in das Militär nahezu gestoppt. Der Staatshaushalt sei teils so klamm gewesen, schreibt die englische Tageszeitung Financial Times in einem ganzseitigen Artikel (2. Oktober 2013, S. 7), dass die russischen Soldaten manchmal angeblich mit „gherkins“ („Gewürzgurken“) bezahlt worden seien. Das ist zwar sicherlich übertrieben, dürfte aber die schlechte Situation der Soldaten im russischen Militär widergeben. Die Financial Times kommentiert die zunehmenden Investitionen des russischen Verteidigungsministeriums und damit der russischen Regierung mit den folgenden Worten:

„The rearmament, after 20 years of stagnant defense budgets, is part of a new effort to transform the military into a professional force similar to America’s or Britain’s, breaking the model of a conscript army designed for mass battles with Napoleon or Hitler.“

Die Russia Arms Expo wird von zahlreichen russischen staatlichen Stellen organisiert. Es sind dies: Ministry of Industry and Trade of the Russian Federation, Government of Sverdlovsk region, Ministry of Defense of the Russian Federation, Ministry of Foreign Affairs of the Russian Federation, Federal Service of Military-Technical Cooperation, Russian Academy of Missile and Artillery Sciences, Rosoboronexport, Sverdlovsk region defense industries enterprises union, City Administration of Nizhny Tagil, Research and Production Corporation Uralvagonzavod, Business Dialogue sowie dem Nizhny Tagil Institute of Metal Testing.

Webseiten zum Artikel: Ural Works of Civil Aviation (UWCA; http://en.uwca.ru/about/), Militär Epo Russland (http://rae2013.ru/en/expo/photoreport/), Nizhny Tagil Institute of Metal Testing (http://www.ntiim.ru/en_index.php)

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