Skandal: ZDF heute journal betreibt verfälschende Kriegspropaganda zum Yarmouk Palästinenser Camp Syrien

Haben die ZDF-Nachrichten (ZDF heute journal) bewusst oder mangels Kenntnis verfälschende – da einseitige – Nachrichten über Yarmouk gesendet? Diese Frage stellen sich derzeit viele Beobachter des Syrien-Konflikts. Yarmouk wurde 1957 in Syrien als größtes Flüchtlingscamp der Palästinenser gegründet („Palestinian refugee camp“).

Bis vor wenigen Monaten wohnten in Yarmouk, einem heutigen Stadtteil von Damaskus, über 100.000 Palästinenser. Doch in einem über 2-minütigen Beitrag der ZDF Nachrichten von vergangener Woche bekommt der Zuschauer einen ganz anderen Eindruck vermittelt, man könnte auch sagen, einen verfälschenden und äußerst bedenklichen.

Im ZDF mutiert Yarmouk zu einem einfachen Viertel, das von Assads Armee hinterhältig belagert werde. Dass zuvor tausende Palästinenser von der terroristischen FSA ermordet worden waren, erfährt der Zuschauer nicht. Auch nicht, dass Assads Armee in diesem Fall den Palästinensern zu Hilfe kommen wollte und deshalb Yarmouk belagert. Das Antikriegsportal kriegsberichtersattung.com geht in diesem Text ausführlicher auf die Tragödie von Yarmouk und den ZDF-Beitrag zu Yarmouk ein:

Bereits am 4. August 2013 berichtete das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com unter der Überschrift „Yarmouk Camp Syrien: 2.800 Palästinenser von FSA ermordet“ über unhaltbare Zustände des Menschenabschlachtens durch die vom ZDF im Beitrag verharmlosend als „Kämpfer“ bezeichneten FSA-Terroristen. Zitat des Artikels auf kriegsberichterstattung.com vom 4. August 2013:

„Massenmord an Palästinensern in Syrien im Yarmouk Flüchtlingslager – Die besonders von den USA, Israel und Katar mit hunderten Millionen Euro finanzierte oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) habe nach zahlreichen Augenzeugenberichten möglicherweise gemeinsam mit der Terrororganisation Al-Kaida und der Al-Nusra-Front nach Schätzungen allein im Zeitraum Dezember 2012 bis April 2013 bis zu 2.800 Palästinenser im einst von rund 100.000 bis 200.000 Palästinensern bewohnten Yarmouk Camp (Al-Yarmouk refugee camp, Flüchtlingslager Palästinenser, arabic: مخيم اليرموك‎) in Syrien ermordet. Die Massenhinrichtungen im Flüchtlingslager, das auch als Mukhayyam al-Yarmouk bekannt ist, würden seit dem 20. Dezember 2012 – also seit über einem halben Jahr – bis heute durchgeführt.“

(Querverweis: Weitere Informationen und Youtube-Videos zum Thema Massaker an Palästinensern durch die FSA finden sich im Artikel „Was war los im Yarmouk-Camp? Das Camp wird von Terroristen überfallen“.)

Geschichtsfälschung Syrien-Konflikt im ZDF?

Doch davon erfährt man nun im ZDF-Beitrag zu Yarmouk von vergangener Woche („Belagerung von Yarmouk“) nichts oder nicht viel. Stattdessen berichten die ZDF Nachrichten sinngemäß (kein Anspruch auf eine exakte Wort-zu-Wort-Widergabe):

„In Yarmouk, einem Viertel in der Nähe von Damaskus, wird die noch verbliebene Bevölkerung belagert und systematisch ausgehungert. Die Ärzte können nicht helfen, da sie sonst beschossen werden…. Von einst 120.000 Menschen sind 20.000 geblieben. Seit 80 Tagen werden sie belagert, systematisch ausgehungert.“ Dann zeigt das ZDF eine ältere Frau, die auf „unsere Kinder“ verweist. Weiter hört man im ZDF-Beitrag: „Was haben sie verbrochen. Kinder sterben an Unterernährung. Nur Raketen und Splitterbomben kommen in Yarmouk an.“

Zudem behauptet das ZDF, wonach „diese Art der Kriegsführung“ Assad bereits „in Aleppo und in Homs angewendet“ habe. Weiter sagt der ZDF-Reporter: „Hat die Zivilbevölkerung kein Essen, bricht auch die Versorgung der Kämpfer irgendwann zusammen, so das Assad-Kalkül.“

Weiter heißt es im ZDF: „1 Kilo Reis kostete in Yarmouk mittlerweile 100 Euro. Hilfe für die eingekesselten Menschen ist nicht in Sicht“. Zudem versuche die Organisation „Roter Halbmond“ den Menschen in Yarmouk Medikamente und Essen auszuliefern: „Das Regime hat nicht den Willen Hilfslieferungen zu ermöglichen und es gibt kaum internationalen Druck auf Assad“, heißt es abschließend in den ZDF-Nachrichten.

Palästinenser zeichnen ein ganz anderes Bild von Yarmouk als das ZDF

Doch das, was das ZDF prominent seinen Millionen Zuschauern in seinen ZDF-Nachrichten vergangene Woche präsentierte, reicht nicht aus, um sich als Zuschauer ein Bild von der Lage in Yarmouk zu machen. Im Gegenteil: Das ZDF trägt durch erhebliche Nachrichten-Unterschlagung massiv zu einer falschen Meinungsbildung zum Konflikt in Yarmouk bei.

Ein wesentlich differenzierteres und angemessenes Bild als die ZDF Nachrichten zeichnet hingegen die unabhängige Organisation „United States Palestinian Community Network“ (USPCN) zum Yarmouk Flüchtlingslager in Syrien. Die dort publizierte Stellungnahme bieten wir hier in einer von uns durchgeführten deutschen Übersetzung.

Auch die USPCN fordert zwar die syrische Regierung auf, die Belagerung des Camps aufzugeben, doch erfahren wir wesentlich mehr. So fordert die USPCN sowohl die Armee von Assad wie die FSA (oppositionelle Freie Syrische Armee) auf, Yarmouk zu verlassen:

„Beenden Sie die Belagerung des Yarmouk Flüchtlingslagers in Syrien: Der Konflikt im Yarmouk Flüchtlingslager in Syrien geht nun bereits in den 200. Tag. Deshalb drückt das United States Palestinian Community Network große Besorgnis über die Eskalation der Krise aus. USPCN fordert alle Parteien auf, Hilfe für das Lager zu ermöglichen, um die humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge dort zu verbessern. Wir fordern ein Ende der Feindseligkeiten im Lager und die Ermöglichung für Lebensmittel-Transporte und eine medizinische Versorgung. Das muss sofort an die Bedürftigen ausgeliefert werden.

Unsere palästinensischen Landsleute wurden im laufenden syrischen Konflikt gefangen genommen (Anmerkung: Von der FSA) und zahlen dafür mit ihrem Leben. Über 30 sind (Anmerkung: in den vergangenen Tagen) bereits an Unterernährung und Kälte gestorben. Wir dürfen unsere Flüchtlinge nicht vergessen, noch, warum sie in Yarmouk von Anfang an sind:

Die ethnische Säuberung und Vertreibung in den Händen der israelischen Regierung, die die Palästinenser gezwungen hat, ihre rechtmäßige und ursprüngliche Heimat im Jahr 1948 und erneut im Jahr 1967 per Flucht zu verlassen. Wir halten Israel für die Situation der Bewohner von Yarmouk als zentral verantwortlich. Denn es ist die israelische Politik, die letztlich den Palästinensern ihr Recht auf Rückkehr zu den ursprünglichen Häusern und auf ihr Land verweigert, aus dem sie zur Flucht gezwungen worden sind. Und wir fordern dieses Recht für Yarmouk und alle palästinensischen Flüchtlinge auf der ganzen Welt.

„Palästinenser sollen in ihre Heimat zurückkehren dürfen – Israel hat Mitschuld an Yarmouk“

Bis das Rückkehrrecht für die palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen realisiert wird, fordern wir, dass die Sicherheit und das Wohlbefinden von allen eingehalten wird, wo immer sie auch leben mögen…. Wir appellieren an alle Beteiligten, sofort die Palästinenser in Yarmouk selbst zu befragen:

Dass die versteckten bewaffneten Gruppen (Anmerkung: der oppositionellen Freien Syrischen Armee) ihre Aufenthaltsorte im Lager verlassen müssen und dass die Belagerung des Lagers (Anmerkung: Durch Assads Armee) sofort zu beenden ist. Darüber hinaus fordern wir eine angemessene Unterstützung durch die Vereinten Nationen, um einen sicheren Korridor für die sofortige Einführung von Lebensmitteln, Hilfsgütern und Medikamenten in das Lager zu gewährleisten. Und natürlich sehen wir die schrecklichen Kosten der gegenwärtigen Kämpfe, die unserem geliebten syrischen Volk bezahlen muss.

Wie während der gesamten Syrien-Krise unterstützt die USPCN eine diplomatische Lösung und fordert einen sofortigen Waffenstillstand und ein Ende der Intervention durch die USA und anderer ausländischer Mächte in den Konflikt.
Schließlich beweist die Tragödie des Yarmouk wieder einmal, dass das Abbas-Regime (Anmerkung: In den palästinensischen Autonomiegebieten in Israel) der Palästinensischen Autonomiebehörde und auch die Palästinensische Befreiungsorganisation (die Abbas auch nominell steuert als Vorsitzender) nicht in der Lage sind, effektiv zu funktionieren, um die Interessen der Menschen, die sie angeblich vertreten, zu schützen.

Wie wir alle in dringenden Situationen wie diesen wissen, bedeutet Schweigen eine Form der Duldung. Untätigkeit ist eine Form der Ungerechtigkeit. Anstatt die Sicherheit und das Wohlergehen der Palästinenser überall zu gewährleisten und dafür zu kämpfen, verharrt Abbas ohne Legitimation oder die Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung. Stattdessen verfolgt er weiterhin eine verfehlte Politik der Verhandlungen mit Israel. Wir bekräftigen unsere Forderung nach einem sofortigen Ende der Verhandlungen, und die Einrichtung einer umgeformten und legitimen PLO, einen wirklich repräsentativen Körper für das palästinensische Volk, welcher unsere Rechte schützt und in unserem Interesse arbeitet“.

Kommentar ZDF Nachrichten zu Yarmouk in Syrien

Es ist keine Information, sondern eine verfälschende Desinformation, was sich das ZDF mit dem Beitrag über Yarmouk geleistet hat. Man kann über die Krise im Damaskus-Viertel Yarmouk in Syrien nicht berichten, wenn man nicht darüber spricht, dass Yarmouk als Flüchtlingslager für zehntausende Palästinenser schon vor Jahrzehnten eingerichtet worden ist – und über die Jahrzehnten vom Assad-Regime beschützt wurden.

Man kann über das Verhungern der Menschen in Yarmouk nicht berichten, wenn man nicht darüber berichtet, dass es unzählige Videos und Augenzeugenberichte seit Monaten gibt, die belegen, wie brutal und rücksichtslos die Terroristen der FSA die Palästinenser in Yarmouk abgemetzelt haben und abmetzeln und vertreiben. Die Belege und Videos existieren – sie werden nur in den Massenmedien des Westens ignoriert, nicht gesendet, den Rezipienten von Massenmedien vorenthalten. Das nennt man Kriegspropaganda.

Doch: Die Millionen GEZ-Zahler haben aber ein Anrecht auf einwandfrei recherchierte Nachrichten – gerade auch aus Krisengebieten. Das ZDF verliert jeglichen Anspruch auf GEZ-Gebühren, wenn es gerade in den Nachrichten aus Kriegsgebieten nicht versucht neutral und geschichtlich richtig zu berichten.

Persönliche emotionale Verbundenheit von Reportern mit den Menschen in den Krisengebieten, über die sie berichten, ist privat verständlich. Es darf aber nicht dazu führen, einseitig unter Weglassung elementarer weiterer Hintergründe falsche Bilder aus Kriegsgebieten zu vermitteln. Doch genau das ist das nicht verzeihliche Problem an dem ZDF-Nachrichtenbeitrag zu Yarmouk. Das ZDF muss hier zeitnah eine Korrektur senden und auf die eigene Fehlleistung gebührend hinweisen. Eine entsprechende Anfrage wurde der Pressestelle des ZDF übermittelt. Das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com wird Sie weiter über diesen ZDF-Nachrichtenskandal in Folgeartikeln informieren.

 

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