Demonstration Paris: 1 Mio. Franzosen demonstrieren gegen Terror

In einem bewegenden Akt der Menschlichkeit und Solidarität demonstrierten am Sonntag nach ersten Schätzungen über eine Millionen Menschen in Paris gegen die Ermordungen von 10 Satire-Journalisten des französischen Magazins Charlie Hebdo, zweier Polizisten und vier jüdischer Mitbürger.

Der Trauermarsch wurde weltweit live von zahlreichen Fernsehsendern ausgestrahlt – unter anderem vom deutschen nationalen Fernsehsender ARD, oder dem amerikanischen Nachrichtensender CNN, ebenso vom deutschen Nachrichtensender N24 oder dem französische Sender TV5 Direct:

Zudem blendet bereits seit Tagen der deutsch-französische TV-Sender „arte“ links unter dem Logo den Schlachtruf der Demokraten, „Je Suis Charlie“ ein. Der internationale amerikanische Nachrichtensender CNN ist bereits seit Tagen mit geradezu exzessiv engagierter Berichterstattung in Paris vor Ort und zwar mit zahlreichen seiner besten Reporter – unter anderem: Jake Tapper, Frederik Pleitgen, Hala Gorani, Jim Bittermann und Christiane Amanpour.

Die Demonstranten in Paris versammelten sich auf dem Place de la Republique, um von dort aus ihren Trauermarsch in der Pariser Innenstadt zu starten. Zum Trauermarsch kamen zahlreiche Staatschef zusammen – unter anderem:

Der französische Präsident François Hollande, die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, der russische Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow, der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, der Präsident der Palästinenser, Mahmud Abbas (arabisch: محمود عباس ‎), der Präsident der Europäischen Kommission der Europäischen Union (EU), Jean-Claude Juncker, der Premierminister von Großbritannien, David Cameron, der Präsident der Ukraine, Petro Poroshenko, oder der Präsident von Mali, Ibrahim Boubacar Keita.

GRÜNE: Terroranschläge von Paris dürfen nicht als Vorwand für weitere Eliminierung von Bürgerrechten genutzt werden

In einem Interview mit N24 sagte Simone Peters, die Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die ebenfalls in Paris gegen Terror demonstrierte, sie warne ausdrücklich davor, die Anschläge gegen Menschen in Paris nun dazu zu verwenden, um Bürgerrechte unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung weiter außer Kraft zu setzen oder einzuschränken.

Vor wenigen Tagen hatten zwei algerische Immigranten in Paris zehn Journalisten des Satiremagazins Charlie Hebdo in einem Terrorakt mit Maschinengewehren während einer Redaktionssitzung erschossen, ebenso zwei Polizisten, die herangeeilt waren. Kurz darauf hatte es eine tödliche Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt gegeben – mit vier Getöteten. Wobei sich viele anschließend vor allem in Deutschland verwundert fragten, warum Juden denn ihren eigenen Supermarkt benötigten. Von dem Terroranschlag betroffen war der Pariser Supermarkt „Hyper Cacher“.

Jedenfalls bezeichnet beide Verbrechen die französische Polizei als Terrorakte gegen die französische Zivilgesellschaft.

Gleichzeitig sagten viele, die Demonstrationen seien ein klares Bekenntnis zu den Urwerten einer demokratischen Gesellschaft. Auf CNN erklärte der französische Intellektuelle Bernard-Henri Lévy, wonach „die Demonstration von Paris ein klares Bekenntnis zur Demokratie“ sei, ja „die Demokratie“ sei „zurück, die zivilen Werte“ seien zurück. Weiter sagte Lévy, Frankreich sei nach der Demonstration nicht das gleiche, wie zuvor.

60% aller Gefängnis-Insassen in Frankreich sind islamisch, aber nur 10% der Bewohner Frankreichs sind Muslime

Kurz nach den Anschlägen vor wenigen Tagen war aber auch bekannt geworden, dass in Frankreich 60% aller Gefängnisinsassen islamisch sind, obgleich der Anteil islamischer Bürger in Frankreich sich lediglich bei 10% bewegt (5 Millionen Bürger). Viele werfen deshalb der französischen Justiz vor, indirekt zu der Aggressivität zwischen ethisch unterschiedlichen Bürgern beigetragen zu haben.

Gleichzeitig gibt es massive Vorwürfe gegen die politische Elite in Frankreich, zu wenig für die Integration der Millionen Bürger in Frankreich zu tun, die einen Immigrationshintergrund haben. Millionen dieser Menschen leben in Frankreich in Armut, ohne Chance jemals beruflich Fuß fassen zu können. Die beiden algerischen Attentäter sagten, sie würden Werte der islamischen Gesellschaft verteidigen.

Aber selbst der Vorsitzende der islamischen umstrittenen Organisation der libanesischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, erklärte, die Terroranschläge von Paris seien als menschenverachtend zutiefst zu verurteilen und seien verabscheuenswürdig. Dies alles habe nichts mit dem Islam zu tun und keiner könne sich darauf berufen, hier irgendetwas im Namen des Islam zu tun.

Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo hatte seit Jahren zahlreiche islam-kritische Karikaturen veröffentlicht, was immer wieder weltweit zu Protesten unter Muslimen geführt hatte. Zahlreiche amerikanische Massenmedien, darunter CNN, hatten bereits vor 40 Jahren festgelegt, dass Karikaturen, die ethische Gruppen satirisch verächtlich oder lächerlich machen könnten, nicht im Fernsehprogramm ausgestrahlt werden. Diese Richtlinie betrifft aber nicht nur religiöse Bildnisse, sondern auch beispielsweise sexistische:

CNN erklärte nach den Terroranschlägen von Paris, man werde diese Richtlinie weiterhin befolgen, tue dies aber auch aus der tiefen Überzeugung, niemanden durch Berichterstattung in seinen Überzeugungen verletzten zu wollen.

Zudem gehe die Sicherheit des Senders und der für den Sender tätigen Reporter vor. Auch zahlreiche andere US-Medien verfolgen seit Jahren, teils seit Jahrzehnten, diese publizistische Richtung. Spiegel TV berichtete auf RTL am Sonntagabend, dem 11. Januar, wonach Spott und Beleidigungen durchaus zum Stammarsenal von Charlie Hebdo gehört hätten in dem Magazin, welchem „im wahrsten Sinne des Wortes nichts heilig war“. Eine Ausgabe im Jahr 2011 sei sogar fast ausschließlich dem Islam gewidmet gewesen.

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