Gedenken an USA-Massenverbrechen Hiroshima Atombomben-Abwurf vor 70 Jahren in Japan

FOTO: Bing.com Maps / Microsoft

Es ist und bleibt eines der größten und teuflischsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte: Der vorsätzliche, brutale und menschenverachtende Abwurf zweier amerikanischer Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren.

Alleine beim Abwurf der amerikanischen Atombombe auf Hiroshima kamen in Minuten 80.000 Menschen um. Die Gesamtanzahl der Opfer von Hiroshima und Nagasaki ist bis heute auf über eine halbe Millionen Menschen gestiegen. Bis heute haben sich die USA für den Abwurf und vorsätzlichen Massenmord nicht entschuldigt. Dabei wäre er selbst kriegstechnisch nicht „notwendig“ gewesen, da der Zweite Weltkrieg (WW II) im August 1945 sowieso in den letzten Tagen war. Dies zeigte einmal mehr eine am Dienstagabend im deutsch-französischen Fernsehsender Arte ausgestrahlte Dokumentationsreihe zu den Atombombenabwürfen in Japan („Countdown in ein neues Zeitalter“).

Mit dem Gedenken an den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima vor 70 Jahren wurde gleichzeitig das traurige Signal gesetzt, dass es Atomwaffen überhaupt gibt. Dabei bleibt vielleicht die bemerkenswerteste Anekdote des durch die USA begangenen Massenmordes an so vielen Japanern: Dass der Täter eine Demokratie war, eben die USA.

In Japan hat man bis heute den Abwurf der Atombomben nicht überwunden und will es auch nicht. Japans Premierminister Shinzo Abe bekräftige dies auf der Zeremonie im Peace Memorial Park in Hiroshima. Wie immer, wenn die Japaner jährlich an den Abwurf der Atombomben gedenken, läutet eine Tempelglocke durch die drückende Stille in Hiroshima. Die Arte-Dokumentation zeigt, dass bis heute unzählige Menschen die amerikanischen Atombombenabwürfe als Hölle auf Erden erlebt haben und Tausende unter schlimmen Spätfolgen leiden.

Wenn man verstehen will, wie bösartig, sarkastisch und menschenverarchtend Teile der US-Militärs, aber auch der US-Regierung, damals in Japan agierten, muss man sich nur den Namen des Atombomben-Flugzeugs des Typs US-B-29-Bomber vor Augen führen: „Enola Gay“, was übersetzt „Lustige Enola“ heißt. Genau um 8.15 Uhr schmiss der amerikanische Bomber frühmorgens seine tödliche Last über Japans Hafenstadt Hiroshima ab. Es war damals, am 6. August 1945, die erste in der Menschheitsgeschichte eingesetzte Atombombe. Das Teufelswerk selber hatte nur 16 Kilogramm gewogen. An der Konstruktion war maßgeblich ein österreichisch-ungarischer Wissenschaftler beteiligt, der auch in Berlin studierte und sich jahrelang in den elitären Wissenschaftskreisen der Universität von Göttingen aufgehalten hatte: John von Neumann. Er soll bis zu letzt – und auch nach dem Zweiten Weltkrieg – für einen Einsatz von Atombomben plädiert haben.

Bis heute sind 140.000 Menschen an der Atombombe von Hiroshima gestorben, über die Hälfte von ihnen, rund 80.000, kamen durch den Atompilz und Atomregen sofort ums Leben. Auch im Jahr 2015 kämpfen noch Tauende Überlebende mit erheblichen körperlichen Schädigungen – Verbrennungen, Erblindungen, Krebs zum Beispiel.

Japan legt Wert darauf, und das sagte auch der konservative Ministerpräsident Shinzo Abe, wonach Japan als Opfer des ersten Atombombenabwurfs in der Menschheitsgeschichte es als „wichtige Mission“ empfinde zur nuklearen Abrüstung weltweit in allen Ländern beizutragen.

Im Publikum zur Trauerfreier saß auch die US-Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, sowie der US-Unterstaatssekretär für Rüstungskontrolle, Rose Gottemoeller.

Bürgermeister von Hiroshima: „Atomwaffen sind die absolute Unmenschlichkeit und das absolut Böse“

Zum Abschluss seiner Trauerrede legte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe einen Kranz für die Opfer der Atombombenabwürfe nieder. Auch der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, sagte, er erwarte gerade von der US-Regierung dass sie sich nachdrücklich für keine weitere Verbreitung von Atombomben auf der Welt einsetze. Gleichzeitig appellierte er an den US-Präsidenten Barack Obama, er solle sich seiner Wort entsinnen, mit welchen er 2008 an die Regierung kam:

Nämlich, dass Obama damals versprochen hatte, die Welt von den Atombomben zu befreien. Doch davon sind wir Lichtjahre entfernt. Statt abzurüsten haben die USA weiter aufgerüstet und sind in unzählige Kriege verwickelt. Wofür Obama damals den Friedensnobelpreis erhalten hat, das fragen sich heute weltweit Millionen Menschen. Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, sagte, Atomwaffen seien die „absolute Unmenschlichkeit und das absolut Böse“. Er kritisierte, dass es bis heute keinen weltweit geltenden Rechtsrahmen gebe, einschließlich einer Atomwaffenkonvention. Denn nach wie vor sind weder die USA, Frankreich, Großbritannien, China oder Russland – die wichtigsten Atomwaffenmächte – bereit, ihre Atomwaffen zu vernichten.

Einer der an der Trauerfeier von Hiroshima teilnehmenden Überlebenden des Atomwaffen-Abwurfs war Akira Nishimats. Im Friedenspark von Hiroshima sind nun weitere 5.359 dokumentiert, die alleine 2012 an den Spätfolgen der Atombombenabwürfe gestorben sind. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Todesopfer der zwei Atombombenabwürfe auf 297.684. Die beiden amerikanischen Soldaten, die diese mit größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangenen hatten, die Piloten, ließen ihre Taten noch Jahre später in US-Talkshows feiern. Dies zeigte ebenso die spannende Dokumentation zum Atombombenabwurf auf dem TV-Sender Arte. Reue sollen sie bis zu letzte keine gehabt haben.

Der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hielt sich geradezu peinlich in seiner Note zum Gedenktag an 70 Jahre Atombombenabwurf in Japan zurück. Er sagte in seiner nach Japan gesendeten Botschaft lediglich, er bedankte sich bei den Menschen von Hiroshima dafür, dass sie für Abrüstung eintreten würden. Gleichzeitig versuchte er das große Verbrechen der Amerikaner mit blumigen Worten vergessen zu machen: „In den Monaten nach der Bombardierung hieß es, dass Bäume und andere Pflanzen die nächsten 75 Jahren nicht mehr wachsen“ würden. Heute, sieben Jahrzehnte später, sei deutlich, dass „diese pulsierende Stadt ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit der Menschen und ein Denkmal für den unbeugsamen Geist der Menschheit“ sei.

Aus dem Westen kamen von Regierungschefs faktisch keine Beileid sendenden Worte nach Japan. Weder hatte sich die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU), noch der britische Premierminister David Cameron kritisch zu den Atombombenabwürfen geäußert. Dafür reiben sie sich aber seit Jahren an der angeblichen Atomgefahr Iran. Das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com möchte zum Gedenken an den amerikanischen Atombomben-Massenmord in Japan mit dem folgenden Gedicht der deutschen Dichterin Marie Luise Kaschnitz erinnern:

„Hiroshima. Der den Tod auf Hiroshima warf Ging ins Kloster, läutete dort die Glocken. Der den Tod auf Hiroshima warf Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich. Der den Tod auf Hiroshima warf Fiel in Wahnsinn, wehrte Gespenster ab. Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich Auferstanden aus Staub für ihn. Nichts von alledem ist wahr. Erst vor kurzem sah ich ihn Im Garten seines Hauses vor der Stadt. Die Hecken waren noch jung und die Rosenbüsche zierlich. Das wächst nicht so schnell, dass sich einer verbergen könnte Im Wald des Vergessens. Gut zu sehen war Das nackte Vorstadthaus, die junge Frau Die neben ihm stand im Blumenkleid Das kleine Mädchen an ihrer Hand Der Knabe der auf seinem Rücken saß Und über seinem Kopf die Peitsche schwang. Sehr gut erkennbar war er selbst Vierbeinig auf dem Grasplatz, das Gesicht Verzerrt vor Lachen, weil der Photograph Hinter der Hecke stand, das Auge der Welt.“

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