Warum wir den Flüchtlingen helfen müssen und Donald Trump mit Kritik an Angela Merkel falsch liegt

Kommentar – Die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei „wahnsinnig“ sagt der amerikanische Präsidentschaftskandidat für die Republikaner, Donald Trump. Dabei blendet Trump aus, dass die Flüchtlinge aus Gebieten kommen – vorwiegend dem Irak und Syrien – welche vor allem Dank eines Landes als Staatseinheiten gekippt sind: Dank den USA.

Denn es waren die USA, die diese Länder nachhaltig destabilisiert haben und in den Reigen der Gefallen Staaten befördert haben. Dass der amerikanische Leitgedanke war, den Menschen in diesen Ländern helfen zu wollen, sei dabei unbestritten. Doch das Wollen und Können hat seine Schranken.

Und wer glaubt mit militärischen Mitteln unliebsame Politiker und Diktatoren von der Macht bomben zu können – wie es längst eine Staatsdoktrin der USA und der NATO geworden ist -, der irrt. Er vergisst vor allem, dass jeder Diktator, der über einen langen Zeitraum an der Macht ist, einen großen Stab und Leuten und Clans hat, die ihn stützen. Diese Leute sind nicht mit einem Bombenkrieg zu vernichten. Das lehrt uns der Irak, das leert uns Syrien.

Wer die Welt durch Kriege destabilisiert muss sich über Flüchtlinge nicht wundern

Hilfe bringt dann nichts, wenn sie fanatisch in komplizierte Staatsgebilde eingreift, sie zerstört und als Absatz einer gescheiterten interventionistischen Außenpolitik des Westens Terror, Krieg, Hunderttausende Tote und Verstümmelte und Millionen Flüchtlinge übrig bleiben. Die Gefahr für den Weltfrieden kommt nicht vom Russland, sondern vom Westen selber, von der NATO. Die Krim ist ein Feigenblatt des Westens, um der Weltöffentlichkeit einzureden, ein anderer sei der Teufel, der Destabilisator der Welt.

Deutschland nimmt die Flüchtlinge auf, die wir letztlich einer wahnsinnigen und vor allem größenwahnsinnig-manischen Außenpolitik der USA im Verbund seines five eye-Prinzips (Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Australien) zu verdanken haben. Dabei liegt die Hauptschulschuld nicht an Barack Obama, dem Präsidenten der USA, sondern bei Georg Bush jr., seinem Vorgänger. Und der war wiederum Republikaner. Obama ist vielmehr damit beschäftigt, die Scherben der Außenpolitik von George Bush und seinem Gefolge einzusammeln.

Dass Bush in einem Art Schockzustand nach 9/11 zurückschlagen wollte, ist verständlich. Doch darf auch nicht vergessen werden, dass es zu vorderst einmal mehr die USA mit ihren kriegsfreudigen Verbündeten in der NATO – vor allem Großbritanniens und Frankreichs – waren, die die Weltöffentlichkeit über Jahre hinweg mit einem angeblichen Atombombenbau des Iraks angelogen haben. Damit haben sie den fanatischen Nährboden in westlichen Medien und Politik, ja der gesamten Öffentlichkeit gelegt, um ihren frenetischen Kriegsfeldzug gegen Iraks Diktator Saddam Hussein führen zu können.

Die Bilanz der USA und des sonstigen Westens ist im Irak erschütternd

Doch die Bilanz der USA und des sonstigen Westens vor allem im Irak ist nicht nur erschütternd, sondern reicht selbst an eine Aneinanderreihung von Verbrechen, Kriegsverbrechen, ja Verbrechen an der Menschheit.

Dass die USA und Frankreich bislang Syrien – ein Land, in dem die USA durch Aufrüstung von Isis und anderen Warlords an den Abgrund gebracht haben – ist Wahnsinn. Es ist Wahnsinn, was die USA im Irak angerichtet haben.

Deshalb: Deutschland versucht Wunden zu heilen, die amerikanische Kriege geschlagen haben. Das ist nicht Wahnsinn, sondern ein Akt der Nächstenliebe, ja der Mitmenschlichkeit, erst Recht der christlichen Nächstenliebe.

Dass hier einiges noch viel besser in Deutschland, in der Europäischen Union laufen muss, ist klar. Dass es dauerhaft nicht sein kann, dass den Kindern Turnhallen genommen werden und den Hartz IV-Bedürftigen günstiger Wohnraum, ist auch klar.

Main-Taunus Landreis: Der peinliche „Katastrophenfall“

Doch eines geht auch nicht: Dass stinkreiche Landkreise wie der Main-Taunus Landkreis sich ihrer Verantwortung für Flüchtlinge dadurch entziehen, dass sie den „Katastrophenfall“ ausrufen. Das ist peinlich, unfair, billig und unpassend.

Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sowieso, aber auch später. Es ist nicht die erste Flüchtlingswelle, die über Deutschland hereinbricht und nicht die letzte. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Flüchtlingswellen. Neu ist die Wucht, die traurige Verzweifeltheit der Menschen, mit welcher sie versuchen sich in Sicherheit zu bringen: vor Krieg, Terror, dem Verhungern.

Alleine das ostdeutsche Bundesland Sachsen hat in den vergangenen Jahren über eine Millionen Einwohner verloren. Warum Bitteschön soll es dann nicht möglich sein, eine Millionen Flüchtlinge in Gesamtdeutschland aufzunehmen, sie zu integrieren, ihnen ernsthaft eine Zukunft zu geben?

Deutschland ist schon heute komplett überaltert

Lieber Donald Trump: So erfrischend deine politischen Einlassungen immer wieder sind, aber da liegst du falsch: Der Wahnsinn ist nicht die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel – die auch für jene der SPD unter Führung von Sigmar Gabriel steht – sondern das seit ihr US-Regierenden selber in eurer verfehlten und teils auch fanatisch kriegsfreudigen Außenpolitik.

Ganz abgesehen davon: In Deutschland ist schon heute, 2015, jeder vierte Bürger ein Rentner. Wir sind komplett überaltert. Dieses Problem spitzt sich zu. Es ist doch schön, wenn wir nun durch die Flüchtlinge Hunderttausende junge, oft auch gebildete und attraktive Menschen bekommen. Menschen, die Kämpfer sind, aus ihrem Leben etwas machen wollen.

Denn wer kein Kämpfer ist, der nimmt nicht die Hölle auf Erden in Kauf, um einem Krieg oder dem Verhungern zu entkommen. Deutschland werden die vielen jungen Menschen unterm Strich gut tun, wenn wir sie richtig integrieren. Dann bieten die Flüchtlinge nicht nur sich selbst eine Zukunft, sondern vor allem auch uns selber, uns Deutschen.

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.