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Sonntag, 18. November 2018

Francia Márquez: Morddrohungen in Kolumbien wegen illegaler Bergbauaktivitäten in La Toma

Menschenrechtler kämpfen gegen kriminelle Geschäftemacher in Kolumbien. Hier die Stadt Bogota.

In einem Schreiben von Amnesty International weist die Menschenrechtsorganisation darauf hin, dass im kolumbianischen Departamento de Cauca zahlreiche afro-kolumbianische AktivistInnen bedroht würden, da sie sich gegen illegale Bergbauaktivitäten wehrten und den Schutz ihrer territorialen Rechte forderten.

So habe am 28. April Francia Márquez, Sprecherin der afro-kolumbianischen Gemeinde La Toma im Verwaltungsbezirk Suárez im Departamento de Cauca, per SMS eine Morddrohung erhalten. In der Kurznachricht seien zudem zwei weitere SprecherInnen von La Toma bedroht worden.

In der SMS habe gestanden: „Also es ist Zeit, mit denen abzurechnen, die sich selbst Verteidiger von Territorien nennen, diese Hurensöhne Eduar Mina, Francia Márquez, Jhon Jairo Valverde. Wir wissen, wo ihr euch aufhaltet, der Befehl lautet euch zu töten, damit ihr der Entwicklung nicht im Weg steht. Ihr wurdet gewarnt, macht euch bereit. Unterschrieben BACRIN [sic]“.

Paramilitärische Gruppen, die nach wie vor häufig mit den Sicherheitskräften zusammenarbeiten würden, schreibt Amnesty weiter, würden von der kolumbianischen Regierung als kriminelle Banden bezeichnet, und das spanische Akronym hierfür sei BACRIM.

Francia Márquez und andere SprecherInnen von La Toma seien in der Vergangenheit wiederholt bedroht worden, weil sie forderten, dass die Rechte der Gemeinde auf ihr angestammtes Land geschützt werden und der Ressourcenabbau durch Bergbaufirmen – darunter internationale Goldförderunternehmen – verhindert wird.

Am 27. April hätten Angehörige der Gemeinde zwei unbekannte Männer gesehen, von denen mindestens einer sein Gesicht mit einem Schal verdeckt habe, wobei sie auf einem Motorrad ohne Nummernschild unterwegs gewesen seien, heißt es in dem Amnesty Bericht weiter. Sie hätten in Suárez, im Verwaltungsbezirk Suárez und im Weiler Yolombó von La Toma angehalten.

Berichten zufolge hätten sie wissen wollen, wo sich Alexa Leonor Mina und Mery Yein Mina aufhielten. Hierbei handele es sich um die Schwester und die Cousine von Francia Márquez. Beide Frauen sind Menschenrechtsverteidigerinnen und hatten am 25. April in Santander del Quilichao im Departamento de Cauca an einer Demonstration teilgenommen, um den Schutz ihrer Rechte auf Leben und angestammte Territorien einzufordern (Cuidado de la Vida y el Territorio Ancestral).

Berichten zufolge hätten Angehörige der Spezialeinheit Escuadrón Móvil Antidisturbios exzessive Gewalt hierbei gegen einige Demonstrierende angewandt.

Betroffen von den Morddrohungen seien unter anderem: Frau Francia Márquez, Herr Eduar Mina, Herr Jhon Jairo Valverde, Frau Alexa Leonor Mina, sowie Frau Mery Yein Mina.

Indigene und MenschenrechtsverteidigerInnen

Bei Indigene handelt es sich um afro-kolumbianische und kleinbäuerliche Gemeinschaften. Sowohl Indigene also auch MenschenrechtsverteidigerInnen sind nach Angaben von Amnesty International jene Gruppen, welche am stärksten unter dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in Kolumbien litten.

Zu den Konfliktparteien gehörten kolumbianischen Streitkräfte, welche entweder alleine oder im Einvernehmen mit den Paramilitärs agierten. Hinzu kämen verschiedenen Guerillagruppen, welche Menschenrechtsverstöße und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht begingen. Hierzu zählten Tötungen, sowie Verschwindenlassen und Verschleppung, Folter, Vertreibungen und Sexualstraftaten.

In den zurückliegenden Jahren hätten, heißt es in dem Bericht von Amnesty International weiter, SprecherInnen der Gemeinde La Toma wiederholt Morddrohungen erhalten – darunter von Paramilitärs -, weil sie sich für die Einhaltung der territorialen Rechte der Gemeinde und gegen den Goldabbau in La Toma durch nationale und internationale Bergbauunternehmen einsetzten. SprecherInnnen der Gemeinde La Toma forderten seit Längerem von den kolumbianischen Behörden, dass diese etwas gegen illegale Bergbauprojekte in der Umgebung unternehmen.

Am 11. Dezember 2014 hätten sich die Regierung und die Gemeinde darauf geeinigt, dass die illegalen Bergbauprojekte in La Toma beendet werden. Allerdings sei bisher diesbezüglich kaum ein Fortschritt zu verzeichnen.

Weitere Informationen unter www.amnesty.org/en/documents/amr23/2615/2015/en/



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