Kommentar – Es gibt nicht viele Plätze, an welchen sich homosexuelle Männer oder Frauen treffen können. Das ist weltweit so, aber auch in Berlin. Der Splash Club, beziehungsweise das Steam Works in Charlottenburg, ist eine seit Jahrzehnten von zehntausenden Schwulen aus der ganzen Welt angelaufene Institution. Seit 1981 ist die Sauna zudem als Apollo Sauna Berlin bekannt. Hier konnte man frei sein. Hier konnte man unter sich sein.

Diese Institution, die sich seit seiner Gründung vor bald 40 Jahren in der Kurfürstenstr. 101 in der Berlin City befindet direkt hinterm Kurfürstendamm Höhe des Berliner Zoos, nun dauerhaft zu schließen, wie es sich auf Grund von Äußerungen eines Grünen Politikers (Jörn Oltmann) andeutet, wäre für die Gay Szene in Berlin eine Katastrophe. Es würde aber auch die Schwulenszene in ganz Deutschland und der Welt sehr hart treffen. Man würde einen der ältesten Leuchttürme schwulen Lebens fällen.

Verfehlungen von Brandschutzvorrichtungen passieren in einer Stadt wie Berlin Tag für Tag. Doch dürfen solche Verfehlungen nicht zu dauerhaften Schließungen führen.

Deshalb ein Appell an die Verantwortlichen in der Berliner Politik und den Behörden, auch an den Oberbürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD):

Schaut den Schwulensaunen und sonstigen im Brandfall gefährdeten Berliner Schwulen-Läden zwar auf die Finger in Bezug auf Sicherheitsvorkehrungen des Brandschutzes. Schüttet aber nicht gleich das Kinde mit dem Bade aus. Auch nicht, wenn es, wie im Falle des Splash Club, nun drei Tote und einen Schwerverletzten durch möglicherweise mangelnde Brandschutzvorkehrungen gegeben hat (so lautet zumindest der vorläufige Vorwurf).

In Berlin gibt es nämlich eh nur zwei große Gay-Saunen: Das war in den vergangenen 40 Jahren der Splash Club, beziehungsweise die ehemaligen Apollo Sauna Berlin. Und das ist seit rund sechs Jahren, seit 2011, die ebenfalls sehr große Boiler-Sauna am Mehringdamm, betrieben von der „Boiler Berlin Sauna GmbH“.

Dass die Apollo, beziehungsweise der Splash Club oder das Steam Works, die einzige Schwulensauna war, die überhaupt in Berlin dauerhaft über Jahrzehnte betrieben werden konnte, zeigt: Der Markt von Schwulen-Läden ist selbst in Deutschlands größter Metropole Berlin eng.

Dies beruht auf zahlreichen Gründen. Einer davon ist aber sicherlich, dass Vermieter oftmals ungern an Restaurants, Discos oder eben Saunen vermieten, welche Hot-Spots von Schwulen oder Lesben sind oder werden könnten.

Offiziell wird dazu kein gewerblicher Vermieter eine Stellungnahme abgeben. Doch ist es ein offenes Geheimnis in allen deutschen Städten: Nicht selten sind solche Nicht-Vermietungen an schwule oder lesbische Unternehmer durchaus Bestandteil von Diskriminierungen.

Zudem: Es gibt in der Homosexuellen-Szene nicht Millionen heterosexuelle Bürger, die es als Zielpublikum einfacher machen würden, eine Disco, Sauna oder Restaurant dauerhaft zu halten. Es gibt nur die Minderheit von Schwulen oder Lesben für homosexuelle Szeneläden.

Deshalb ist ihr Schutz so überaus wichtig. Schutz, den eine Demokratie ihnen bieten muss. Erst Recht in Berlin, einem Siegelpunkt und Schmelzpunkt von jährlich zehntausenden auch jungen Schwulen. Sie suchen in Städten wie Berlin bis heute Zuflucht vom Land, um endlich frei und nicht mehr fremdbestimmt leben zu können.

Zum Schutz für Schwule und Lesben gehört selbstverständlich der Schutz von Szenenläden, in welchen sich Schwule oder Lesben durchaus auch diskret treffen können. Treffpunkte eben, wie es seit bald 40 Jahren die Apollo Sauna Berlin, der heutige Splash Club, sind.

Es wäre für die Schwulenszene in Berlin deshalb eine Katastrophe, würden die Behörden dauerhaft den Splash Club, beziehungsweise das Steam Works, also die ehemalige Apollo Sauna, geschlossen halten. Man würde der gleichgeschlechtlich orientierten Szene von Berlin damit Freiräume nehmen, die über Jahrzehnte hart erkämpft worden sind und die es nur in sehr begrenztem Maße überhaupt gibt.

Ein Freiraum für Homosexuelle muss auch in Bezug auf die Möglichkeit von Sexanbahnungen gelten, wozu der Splash Club, also das Steam Works, nun einmal gehört, da er nicht nur als schöner zentraler Spa-Bereich in bester City-Lage von Berlin gedacht ist.

Schwule gehören wie Lesben ins Zentrum einer Stadt, nicht an den Rand gedrückt. Auch deshalb ist die ehemalige Apollo Sauna ebenso symbolisch von so unermesslichem Wert für den Kampf der Schwulen und Lesben um Akzeptanz im Zentrum der Gesellschaft.

Neben dem Splash Club, beziehungsweise dem Steam Works, welches nun vorerst von den Behörden wegen des tragischen Brandes geschlossen worden ist, gibt es nur noch den Der Boiler als ähnliche Einrichtung in Berlin.

Der Boiler beherbergt an Feiertagen schon einmal geschätzt über 300 Gäste. Kein Wunder: Zieht sich die neue Größe in der Berliner Schwulenszene, eben der Boiler, in unmittelbarer Nähe des U-Bahnhofs Mehringdamm gleich über drei Stockwerke.

Neben zwei Trockensaunen und einer großen Dampfsauna gibt es im Boiler ein großzügiges Restaurant und eine daran angeschlossene Terrasse. Eine Putzeinheit soll ständig für die Reinigung der Kabinen im Erdgeschoss sorgen, welche vor allem für Sexanbahnungen genutzt werden.

Würde der Splash Club, beziehungsweise das Steam Works, nun dauerhaft geschlossen, wie es derzeit zu befürchten steht, verbliebe den Schwulen von Berlin, aber auch den Hunderttausenden schwulen Touristen, die Berlin jährlich aufsuchen, nur noch eine wichtige Sauna: Der Boiler.

So wenig Wettbewerb ist immer Mist und es ist einer Weltmetropole wie Berlin nicht würdig. In Berlin muss auch künftig Platz für mindestens zwei große Schwulensaunen sein.

„Die Apollo Sauna, das heutige Steam Works, ist ein Leuchtturm der Berliner Homosexuellen-Szene und muss erhalten bleiben“

Der Splash Club, also das Steam Works, sowie die Boiler Sauna, sind beides äußerst erfolgreiche Einheiten der Berliner Gay Szene. Und sie sind fester Bestandteil davon. Sie dauerhaft anzutasten ist ein Angriff auf die Schwulen und damit letztlich auch auf die Lesben in Berlin.

Es ist auch ein Angriff auf gelebte Berliner Toleranz und Liberalität. Nicht einmal die CDU-Regierung wagte es bislang, die Apollo Sauna oder sonstige Berliner Leuchttürme schwulen Lebens anzutasten. Dabei waren Leute wie der langjährige CDU-Oberbürgermeister Eberhard Diepgen nun alles andere als  große Liberale, welche schwules Leben in Berlin offensiv gefördert hätten.

Und nun also ausgerechnet ein von der SPD, den LINKEN und GRÜNEN dominierter Senat soll das Fallbeil für schwule Traditions-Betrieben in Berlin werden? Es wäre ein Skandal.

Wie wirtschaftlich erfolgreich Berliner Gay-Läden betrieben werden können, zeigt beispielsweise Der Boiler Berlin. In der veröffentlichten aktuellen Jahresbilanz lesen wir zur „Boiler Berlin Sauna GmbH“:

„Die Geschäftsführung schlägt vor, aus dem Bilanzgewinn zum 31.12.2015 in Höhe von 394.122,38 €, bestehend aus dem Jahresüberschuss 2015 in Höhe von 294.111,79 € zuzüglich des Gewinnvortrags in Höhe von 100.010,59 €, eine Ausschüttung in Höhe von 160.000,00 € vorzunehmen und den Restbetrag in Höhe von 234.122,38 € auf neue Rechnung vorzutragen.“

In den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte zwar die in die Jahre gekommene Splash Club Sauna, also das Steam Works.

Allerdings hatte sie gerade durch liebevolle Umbauten versucht mit der Moderne Schritt zu halten und Tradition und Moderne zu verbinden. Deshalb konnte sie vor allem auf Grund der dezenten Umbaumaßnahmen deutlich an Attraktivität in der Schwulenszene wieder zulegen.

Umso schlimmer, dass ausgerechnet diese nicht von der zuständigen Behörde genehmigten Umbauten – die vor allem Sanierungen waren – nun zum Bumerang und Henkerbeil werden könnten.

Denn Fakt ist: Gerade die rund 60 mit Matratzen und Fernsehern ausgestatteten Kabinen, welche sich im Kellergeschoss befinden und wo der Brand ausbrach, sind faktisch seit über 30 Jahren so gut wie unangetastet geblieben. Umgebaut worden sind allenfalls die Spa-Bereiche etwas, vor allem wurden sie modernisiert – mit neuen Duschen, neuen Kacheln und neuen besser ausgestatteten Ruheräumen.

Völliger Unsinn ist es, dass jemals Leute in der Steam Works Sauna dauerhaft gewohnt hätten. Erst seit kurzem bietet die Sauna eine 24-Stunden-Öffnung, um sich schwulem Leben vor allem am Wochenende besser anpassen zu können.

Die Sicherheit und Grundsubstanz der Saune wurde trotz Umbauten faktisch seit 1981 nicht verändert. Warum die Betreiber vor einiger Zeit großspurig davon sprachen, man habe alles entkernt und neu gestaltet, scheint eher dem Marketing als der Realität zu entsprechen.

Im Gegenteil: Viele Kunden ärgerten sich eher darüber, dass die Sauna erst ab 2011 überhaupt angefangen hat, mal etwas Erneuerungen zu bieten. Also ab dem Jahr, als Konkurrenz mit dem Boiler kam.

Dass die Modernisierungen auf die Bilanz der „ASG APOLLO SAUNA GMBH“ geschlagen ist, lässt sich in der Bilanz mit Stichtag 21. April 2016 verfolgen:

„Die Eigenkapitalposition wird mit vollständiger Ergebnisverwendung dargestellt. Der darin enthaltene Verlustvortragvortrag beträgt 277.378,04 Euro (Vorjahr: 272.784,61 Euro). Die sonstigen Rückstellungen sind voraussichtlich ausreichend hoch bemessen.Die Verbindlichkeiten wurden zum Erfüllungsbetrag angesetzt. Die Höhe der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr beträgt 416.510,81 Euro (Vorjahr: 386.897,37 Euro). Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als 5 Jahren sind nicht vorhanden (Vorjahr: 0,00 Euro).“

Dass Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als 5 Jahren nicht vorhanden sind, bescheinigt dem Splash Club, dass er wirtschaftlich auf der richtigen Fahrbahn ist. Dennoch heißt es weiter in der Bilanz der ASG APOLLO SAUNA GMBH:

„Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern bestanden zum Ende des Geschäftsjahres in Höhe von 155.678,80 Euro (Vorjahr: 87.190,80 Euro). Der Kapitalfehlbetrag wird rechnerisch ausgeglichen durch den für Verbindlichkeiten vereinbarten Schuldbeitritt der Gesellschafter und den für die daraus ggf. erwachsenen Rückgriffsrechte und für Gesellschafterdarlehen erklärten Rangrücktritt.“

Im Rahmen der Verschönerungsmaßnahmen und Renovierungen der Splash Club-Sauna wurde unter anderem der Ruheraum im Obergeschoss mit schönem Schiefer ausgestaltet . Zudem wurde an der Decke des Ruheraums mit Hilfe von dezentem Licht eine abendliche Horizontatmosphäre geschaffen.

Bei Berliner Behörden umstritten ist scheinbar, schreiben Berliner Medien, dass im Kellergeschoss des Splash Club, also Steam Works, ein großer Whirlpool eingebaut worden ist. Im Zuge dieser Maßnahmen hätten wohl Bauarbeiter geschlampt und den sonst immer offenen Fluchtweg versperrt, wird behauptet.

Vor allem deshalb lässt sich in der Berliner Zeitung der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann von den Grünen, mit den Worten zitieren:

„Am Donnerstag waren Mitarbeiter der Bauaufsicht zusammen mit Polizei und Feuerwehr noch einmal vor Ort“. Dabei habe man den anwesenden Betreibern eine Nutzungsuntersagung erteilt. Faktisch bedeutet dies also vorerst eine komplette Schließung.

Eine Tragödie für die Apollo Sauna, für den Splash Club, beziehungsweise das Steam Works, ja für die ganze Berliner und deutsche Gay Szene. Denn das heutige Steam Works gehört seit Jahrzehnten zum Traditionsprogramm von schwulen Berlin-Touristen sowohl national wie international.

Vor der Schließung hatte das zuständige Berliner Bezirksamt die Vermutung geäußert, dass die Umbaumaßnahmen in der Sauna hätten genehmigt werden müssen. Im Fokus hätten dabei vor allem die Brandschutz-Gesichtspunkte  gegenüber den Gästen stehen müssen. Doch genau das hätten die Betreiber versäumt.

Ebenso hätten die Betreiber es versäumt, beispielsweise ein Rauchverbot in Nichtraucherzonen konsequent umzusetzen, lautet ein Vorwurf. Bis zuletzt befanden sich in den Kabinen Aschenbecher, was aber vor allem dem Schutz der Gäste selber entsprach: Denn irgendeiner raucht immer, selbst wenn es ein Verbot gibt. Besser ist es da, wenn wengisten Aschenbecher in den Einzelkabinen parat liegen.

Das Bezirksamt verweist darauf, dass die Betriebserlaubnis für die Sauna auf das Jahr 1981 zurückgehe. Dies sei grundsätzlich kein Problem. Wohl aber dann, wenn eben neue Bereiche in einer Sauna geschaffen würden, wozu umfangreiche Umbauten in einem Spa-Bereich im Kellergeschoss gehörten.

Es bleibt für die Schwulen in Berlin zu hoffen, dass sich die Berliner Politik und die Behörden ihrer Verantwortung für eine vitale Gay Szene in Berlin bewusst sind. Natürlich muss nach drei Toten, welche ein Brand im Splash Club erforderte, nun agiert werden.

Aber es sollte nicht als Freischein genommen werden, um hier gleich eine der wichtigsten Berliner Schwulen-Instituten dauerhaft platt zu machen.

Diese Politiker sind für GRÜNEN-Politik in Berlin und damit auch für die Belange der Schwulen-Szene verantwortlich

Da die Schließung der ehemaligen Apollo Sauna Berlin, also des Steam Works, durch einen Vertreter der GRÜNEN veranlasst worden ist, hier ein Hinweis darauf, wer die Grünen in Berlin führt. So sitzen im Vorstand der GRÜNEN von Berlin:

Antje Kapek (Fraktionsvorsitzende, Sprecherin für Stadtentwicklung), Silke Gebel (Fraktionsvorsitzende, Sprecherin für Europa), Anja Kofbinger (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Sprecherin für Frauen-, Gleichstellungs- und Queerpolitik Mitglied im Petitionsausschuss), Sebastian Walter (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Sprecher für Antidiskriminierungs- und Queerpolitik, Sprecher für Haushalt).

Ebenfalls im Berliner GRÜNEN-Vorstand sind: Stefan Gelbhaar (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Sprecher für Verkehrspolitik, Medien- und Netzpolitik) und Daniel Wesener (Parlamentarischer Geschäftsführer Sprecher für Kultur und Haushalt).

Als bisherige Geschäftsführer der ASG APOLLO SAUNA GMBH fungierten laut letztem Bundesanzeiger-Eintrag Marcel Maskos (Kaufmann) sowie Fabian Waldschock (Kaufmann).

Wie viele Schwule und Lesben in Berlin leben, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen aber von über 100.000 Bürgern aus. Gerade die GRÜNEN, aber auch die SPD sowie die LINKEN sollten alles tun, damit Schwule ihre Freiheitsräume in Berlin haben.

Das immer noch als Apollo Sauna bekannte Steam Works ist trotz ihres aktuellen Mankos in Bezug auf den Brandschutz ein fester Bestandteil des liberalen Berlins und sollte deshalb eine neue Chance bekommen. Die Stadt des jährlichen CSD muss auch ein Repräsentant von Weltoffenheit und Schwulenfreundlichkeit bleiben.

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