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Sonntag, 21. April 2019

Wien: Libyscher Ex-Premier tot in Donau – er diente unter Gaddafi

Dass die neue libysche Führung auch vor Mord oder Folter nicht zurückschreckt und darin dem Gaddafi-Regime in einigem nicht nachsteht, hat sie in den vergangenen Monaten so manches Mal eindrucksvoll bewiesen.

Dass sie aber sogar im Ausland möglicherweise libysche ehemalige Regierende umbringen lässt, ist neu. Jetzt wurde die Leiche des ehemaligen libyschen Premiers in der Donau bei Wien herausgefischt. Auch wenn die Wiener Polizei mitteilte, man habe keine Fremdeinwirkungen bislang finden können: Fachleute halten einen Mord für die wahrscheinlichste Variante.

Nun solle eine Obduktion helfen, der Wahrheit ein bisschen näher zu kommen. Doch: Es gibt auch Morde, besonders von Geheimdiensten, bei denen selbst die besten Kriminologen Probleme haben, der Tat auf die Spur zu kommen.

Bislang ist so viel bekannt: Der ehemalige libysche Premier, Moh Shokri Ghanem, welcher unter dem von den libyschen Rebellen ermordeten langjährigen Diktator Muhammed al Gaddafi gedient hat, habe in der Donau bekleidet tot getrieben.

Mehrere Versionen kursieren derzeit: So weiß man, dass Ghanem in Wien eine Wohnung hatte. Er hat diese möglicherweise abends oder in der Nacht verlassen. Am frühen Morgen habe seine Tochter sein Verschwinden entdeckt.

Wiener Polizei-Mitteilung klingt naiv

Etwas naiv wirkt die offizielle Mitteilung der Wiener Polizei, die doch allen Ernstes mit den Worten in Medien zitiert wird: „Wir gehen jedenfalls nicht von einem politischen Hintergrund aus“. Diese Sichtweise ist umso naiver, als dass bekannt ist, dass Gaddafis Ex-Premier noch nicht einmal einen Abschiedsbrief hinterlassen habe. Ghanem war von 2003 bis 2006 neben seiner Tätigkeit als Premierminister auch libyscher Ölminister. Im Mai 2011 war er – das westliche Kriegsbündnis bombardierte schon kräftig – in Libyen verschwunden und plötzlich in Wien „aufgetaucht“. Es wird gesagt, er habe damals offiziell Gaddafi entsagt.

In Wien lebte Gaddafis Ölminister und Ex-Premier gemeinsam mit seinen beiden Töchtern sowie einem Sohn. Alle hatten die österreichische Staatsbürgerschaft. Da er als Ölminister Libyens die Branche so gut kennt, wie kaum ein anderer, hatte er gemeinsam mit anderen Ex-OPEC-Ölministern eine angesehene Beraterfirma für Ölkonzerne gegründet. Da damit gerade in den heutigen Zeiten der Energiekrise gutes Geld verdient werden kann, gibt es für einen Suizid jedenfalls keinen Grund.

Deshalb spricht zum derzeitigen Zeitpunkt erdrückend viel für Mord. Dabei bleiben eigentlich nur wenige Tatverdächtige: Die neue libysche Führung oder ihre verbündeten Staaten, welche mit Massenbombardements 2011 die Gaddafi-Regierung aus dem Amt gebombt hatten, ohne dass es dafür einen völkerrechtlich abgesegneten Auftrag gegeben hätte. Das wären primär: Frankreich, Großbritannien und die USA.

Die US-Regierung unter den „Demokraten“ scheint mittlerweile darauf spezialisiert tatsächliche oder vermeintliche Feinde weltweit massenhaft umbringen zu lassen. So schrieb das Wallstreet Journal, US-Präsident Barack Obama habe mehr oder weniger persönlich die Freigabe zu Massentötungen mittels den unbemannten Drohnen gegeben. So seien im Ausland alleine auf diesem Wege innerhalb der vergangenen drei Jahre über 2000 Menschen weltweit umgebracht worden.



Kommentare (1)


Milota 30. April 2012 um 8:28

War nicht gerade am Wochenende die Vermutung ausgesprochen worden, Sarkozi hätte eine Millionenwahlspende aus Libyen erhalten? Vielleicht weiss da jemand mehr dazu…

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