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Erpressen

Homosexuelle Zürich und Grindr: Heimlichen Sexaufnahmen, Slamen und Lehrer

Grindr: Auch hier ist nicht alles gold was glänzt. Niemand - wirklich niemand - auf diesem Screenshot hat etwas mit den hier geschilderten Fällen zu tun. Wir haben die Profile aus Schutz für die Betroffenen massiv verfremdet.

Homosexuelle Zürich | Homosexuelle Schweiz – Mit Zürich und der sonstigen Schweiz verbinden viele, Wohlstand, Anstand, gutes Verhalten. Doch wer in der chinesischen gay Dating App Grindr sich umschaut, entdeckt auch die andere Seite der Schweiz. Zahlreiche gleichgeschlechtlich liebende tragen ein in der Schweiz weit verbreitetes Verhalten zur Schau:

Massiver Drogenkonsum verbunden mit Sex. Im Fachjargon ist die Rede von Chems-Konsum oder „Chemslovern“. Zudem kommt es bei Sexdates immer wieder zu heimlichen Fotoaufnahmen oder Videoaufnahmen, um die Opfer zu erpressen. Ein solcher Fall aus Zürich wurde jetzt an unsere Redaktion herangetragen. 

Besonders weit verbreitet ist in der Schweiz das Slamen. Doch was ist slamen eigentlich? Selbst im Nachbarland Deutschland ist das Wort slamen kaum bekannt. 2013 schrieb die deutsche Aidshilfe: „Slamming“ sei „Sex nur mit der Spritze“.[1] Besonders beliebt ist es in der Schweiz, Crystal Meth („Tina“) zu spritzen. Bei Tausenden verbreitet ist auch das in einigen Ländern legale Aufputschmittel MM3 (3-MMC). 

Es wird entweder geschnieft oder ebenfalls „geslamt“. Seit Jahren ein Drogen-Klassiker in der Schwulenszene weltweit ist das „G“, was für „Gammahydroxibuttersäure“ seht. Beziehungsweise für GHB oder KO-Tropen. Es macht nicht abhängig, kann dafür in zu hohen Dosen genutzt zu einem Kreislaufkollaps mit Todesfolge führen. Weltweit sind wegen übertrieben hohem G-Konsum nach Schätzungen schon Hunderte gestorben. 

Die Bandbreite des Konsums ist groß, aber nicht alles überall illegal

Zu 3MMC schreibt Wikipedia wiederum [2], diese Art von Droge oder Aufputschmittel sei 2012 erstmals in Schweden aufgetaucht. In anderen Portalen heißt es, im Gegensatz zu anderen Drogen könnten Konsumenten danach in der Regel schlafen und der Körper baue es ganz gut wieder ab. Seit Oktober 2015 sei, so Wikipedia, „3-MMC eine kontrollierte Substanz in China“. 

Nach einer kritischen Überprüfung vom Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sei 3MMC, das zur Gruppe der Cathinone zählt, in vielen Ländern nicht verboten. Dazu gehörten auch die Niederlande, wo es nach dem niederländischen Opiumgesetz derzeit legal sei. Hingegen sei es in der Tschechischen Republik verboten. 

Das Slamen von „Tina“, also Crystal Meth, ist deshalb besonders gefährlich, da es schnell zu einer Steigerung der Dosis führt und bei vielen sehr schnell zu einer Abhängigkeit. Einige können den Konsum gar nicht mehr kontrollieren und spritzen sich diese gefährliche Droge oft in tagelangen Exzessen in die Venen, bis es zu einem lebensgefährlichen Totalzusammenbruch kommt. 

Konsom um Rauschmitteln, Genussmitteln und Drogen in der Schweiz. Quelle: https://www.infodrog.ch/files/content/corona/freizeitdrogenkonsum-covid-zwischenbericht20200508%40OLD.pdf

Die Beine und der Kreislauf versagen komplett. Die Arme sind blau und grün von den Nadelstichen. Viele fangen mit Dosen um die 0,10 an, vermischen das mit heißem oder lauwarmem Leitungswasser, beziehungsweise destilliertem Wasser. Dann steigern sie die Drogendosis im Laufe der Zeit auf teils über 0,25 pro Spritze. Eine Dosis, welche die meisten in ein komplettes gefährliches Dillirium versetzt. 

„Fast gestorben“

Ein Schweizer bisexueller Konsument, Vater von zwei Kindern, berichtete uns dazu: „Ein Freund aus Zürich hatte mir das mitgebracht. Wir fingen Donnerstagabend an und spritzen es uns bis Freitagnachmittag. Gegen 15 Uhr ging der Bekannte dann zurück nach Zürich. Ich verlor die Kontrolle und spritze es mir noch die ganze Freitagnacht, da ich nicht stoppen konnte“. 

Morgens sei es zu einem lebensgefährlichen Zusammenbruch gekommen. „Ich dachte ich sterbe jetzt“, berichtet er. „Tina zu spritzen“ sei „Teufelszeug“. Er sei so außer Kontrolle gewesen, dass er psychopathischen Verfolgungswahn erlitten habe und seine eigene Wohnungstüre eingetreten habe. „Wenn mir jemand begegnet wäre, hätte ich den vielleicht umgebracht“. Er habe sich nun „fest vorgenommen das nie wieder anzurühren“. 

Etwas ganz anderes erlebte ein Zürcher. Er war über Grindr in Kontakt mit einem Mann aus der bekannten Breitensteinstraße in 8037 Zürich geraten. Man hatte sich zu einem Sexdate treffen wollen. Corona hatte einsam gemacht.

„Zunächst bestellt er mich an einem Tag zu einem Haus in der Breitensteinstraße in Zürich. Ich wartete dort vor dem Haus in der Kälte 30 Minuten und der Mann vertrötstete mich über Grindr ständig, er komme gleich, müsse noch was holen.“ Nach den 30 Minuten sei er dann gegangen „ich fühlte mich total verarscht“. Vor allem auch, da der Mann ihn gebeten habe, ob er nicht „für das Date ein paar Drogen von jemandem holen“ könne. Er kenne da jemanden.

Eine Falle die der Schweizer Homosexuelle seinem Grindr-Date gestellt hat. Denn schnell ist man da dann Drogenkurier, worauf in der Schweiz bis zu drei Jahre Haft auf Bewährung stehen. Ganz abgesehen davon, würde man so etwas mit dem Auto machen und dabei in eine Kontrolle geraten, wäre sofort der Führerschein weg, das Auto bliebe stehen und man hätte zwei Jahre nur noch Rennereien zum Gericht, zur Polizei, zu Drogenkontrollen. Bis zu 8000 Franken Strafe oder mehr können folgen. Bösartiger gehen Dates kaum.

Falsche Adresse

Tage später sei es dann über Grindr mit dem Mann aus der Zürcher Breitensteinstraße  erneut zu einer Verabredung gekommen. „Er machte eigentlich einen ganz netten Eindruck“, sagt das Opfer. Dieses Mal habe der schwiizerdütsch sprechende Mann, der behauptete Lehrer in Zürich sein, ihn ein Haus weiter bestellt. Ein einfaches Mehrfamilienhaus. Die Verwandten, behauptet der bärtige dunkelhaarige angebliche Züricher Lehrer in den 30ern, seien halb türkisch, halb schweizerisch. „Das heißt, er hatte mich ursprünglich bewusst zu einer falschen Adresse gelotst“. Wahrscheinlich um sein Opfer auszuspionieren, vielleicht zu filmen. Dieses Mal habe die Adresse aber gestimmt.

Er sei zu dem Mann in die Wohnung gegangen und habe sich „nicht so richtig wohl gefühlt“, erklärt uns das Opfer später. Der Mann habe gewirkt „als hätte er irgendwas genommen“. Lust habe er „schon keine mehr gehabt“. Aus „Einsamkeit und Naivität“ habe er sich aber schließlich doch etwas näher auf das Treffen eingelassen. „Der Mann begann sich Crystal Meth zu spritzen“ – in eine Vene, die bereits von anderen Stichen stark in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Er habe ihn noch versucht davon abzuhalten, was aber nicht gegangen sei. Plötzlich habe der Mann davon geredet, man könne ja den gemeinsamen Sex jetzt filmen und aufnehmen. Doch das hatte das Opfer abgelehnt.

Am nächsten Tage habe aber der Mann ihn über Grindr wieder kontaktiert, er wolle nur nochmal kurz über eine Grindr-Videocam ihn anrufen und müsse noch kurz „etwas klären“. 

„Ich kannte solche Grindr-Videocalls aber nicht, da ich erst wenige Monate in Grindr war und habe deshalb diesen Videoanruf über Grindr nicht angenommen“, sagt er. Schließlich habe der Mann ihn normal telefonisch erreicht und habe von ihm wissen wollen, warum er ihn befragt habe zu seinem Drogenkonsum. Er habe ihm geantwortet, da er es immer für schlecht halte, wenn Dinge exzessiv und nicht mehr kontrolliert gemacht würden. Außerdem habe er irgendwie Sympathien für ihn als etwas „verlorene Seele“ gehabt.

Perfider Videocall über Grindr um zu erpressen

Der Zürcher gay habe darauf geantwortet, er sei vielleicht gar keine verlorene Seele sondern eine sehr intelligente. Immer wieder war dem Opfer aufgefallen, dass der Mann ihn in Drogengespräche verwickeln habe wollen. Dies habe er zu verhindern versucht, „indem ich es abwürgte“. Schließlich habe der Zürcher das Gespräch beendet mit den Worten „dieses Telefonat ist mitgenschnitten worden“ und habe aufgelegt. Auf Rückrufe habe er nicht mehr reagiert. 

Schließlich habe der Schweizer ihn über Grindr für Sekunden wieder kontaktiert und ihm ein Foto geschickt, auf dem er nackt zu sehen gewesen war. Er sagte, er habe das heimlich aufgenommen und gefilmt. Es bleibe bei ihm, wenn er nichts über ihn sage. 

Das Opfer sei „außer sich gewesen“. Ich wollte umgehend Strafantrag bei der Zürcher Stadtpolizei stellen und überlege sich das bis heute. Er habe aber vor allem eines gelernt: „Grindr ist auch ein scheiß App, die einen zu Dates verleitet, die man hinterher bereut“. Er habe das „als Warnschuss“ erlebt und überlege sich, die App nun „ganz zu löschen“. Solche „widerlichen Dates sind alles nicht das, was ich suche“, sagte er.

Zudem erinnere er sich zurück, dass der kriminelle Täter während des Dates sein Smartphone kurz auf ihn gerichtet habe und behauptet hatte, er würde nur kurz  angeblich „noch WhatsApp-Nachricht checken“. Währenddessen sei es wohl zur Aufnahme gekommen. Möglicherweise aber auch über andere Cams.

„Absolut nicht das, was ich suche und will“

Rückblickend stelle er zudem fest: Der Zürcher hatte während des Treffens immer wieder behauptet, er höre Stimmen. Zudem hatte er behauptet, die Polizei sei in seinem Haus über seiner Wohnung gewesen als auch unter seiner Wohnung und das ganze Haus werde nun rund um die Uhr überwacht. Nur in seiner Wohnung sei noch niemand gewesen: 

„Da hätte mir klar sein müssen: Der hat durch seinen massiven Drogenmissbrauch eine Psychose mit Verfolgungswahn“. Es sei absolut gruselig gewesen und er mache sich heute „schwere Vorwürfe, mich überhaupt auf so ein Date bei so einem Typen eingelassen zu haben“.

Das sei „absolut nicht das, was ich suche und will“, sagt er. Am Ende gehe es ihm darum, seine Einsamkeit zu lindern, nicht aber „mit solchen schrecklichen Erfahrungen“. Zudem wolle er „nicht wissen, wie viele Dutzend andere Männer durch solche Typen in Zürich erpresst werden“. Dass so jemand noch angeblich Lehrer sei, sei „besonders perfide“.

Einzelnachweise

[1] Slamming: in: Aufklärungspapier der Deutschen Aidshilfe, 2013.

[2] 3-MMC, in: Wikipedia. Abgerufen am 10.3.2021.



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