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Montag, 22. Juli 2019

Russland: Zwei Jahre Haft für Pussy Riot – ein Sympol für den steinigen Demokratie-Weg

Es war mit großer Spannung erwartet wurden. Das Urteil gegen die Aktivistinnen der russischen Mädchenband Pussy Riot, die in einer Kirche in Russland ihren Unmut über Wladimir Putin geäußert hatten. Am Freitag wurden sie zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Doch welches schlimme Vergehen haben sie begangen? Sie haben in einer, wenn auch ungewöhnlichen Gebetsform, die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin attackiert.

Viele kritisieren nun das harte Urteil und stellen sich die Frage: Wie demokratisch ist eigentlich Russland und wie unabhängig sind die staatlichen Stellen, auch die Justiz? Können in Russland nur Menschen ein vernünftiges Leben führen, die von Putins Gnaden den Segen haben?

Er ist der Alleinherrscher, keine Behörde oder Institution ist unabhängig. Ein normales Leben ist schwer möglich, erst Recht für Oppositionelle nicht.

Die Proteste wurden immer lauter und auch ausländische Medien berichteten immer mehr über das nicht immer demokratisch anmutende Verhalten des ehemaligen Geheimdienstagenten Putin.

Das aktuelle Urteil erweckt den Anschein, als diene es primär der Abschreckung anderer Aktionen und Bündnisse gegen Putins Regierungsmannschaft. Für einen Auftritt, der nur Sekunden andauerte, müssen die Musikerinnen nun volle 24 Monate ins Gefängnis. Möglich wären sogar bis zu sieben Jahre gewesen.

Doch Putins Gnade, er sagte zu Monatsbeginn, man solle die Musikerinnen nicht zu hart bestrafen, verhalf ihnen zu nur zwei Jahren Gefangenschaft. Aber alleine, dass Putin sich öffentlich über das Ausmaß des Strafmaßes äußerte, zeigt, dass der russische Präsident überall seine Finger drin hat.

Die Freiheit in Russland, ob nun die allgemeine oder die Freiheit der öffentlichen Meinung oder der Presse, ist beschnitten. Weltweiter Protest bleibt ungehört und Putin regiert sein Reich mit kühler strategischer Macht.

Das große Land im Osten wird nie frei sein, solange Putins Leute an der Macht sind. Der unbedingte Machtanspruch Putins, besonders das Denken, dass nur akzeptabel ist, was Putin für akzeptabel hält, muss aufhören, sonst ist kein Wandel möglich. Es liegt auch an den westlichen Staaten öffentlich Protest zu äußern und nicht einfach so zuzuschauen.

Dabei sollte man jedoch eines nicht vergessen – und das wissen Russlandkenner: Es gibt nicht wenige Russen, die hinter Putin stehen. Sie sind der Meinung: Der Weg hin zu Russland als Demokratie ist nach fast 80 Jahren kommunistischer Herrschaft und davor Jahrhunderter langer Diktatur von Zaren ein weiter Weg und ein steiniger Weg.

Und auch das wird man im Westen nicht gerne hören: Die Band Pussy Riot hat sich bewusst in einer russischen Kirche über den russischen Präsidenten lustig gemacht – und zwar unter Anspielung auf religiöse Gebets-Litanei. Dass das zu Protesten führen musste im russischen Etablishment war klar. Und damit ist nicht nur Putin gemeint, sondern auch die mächtige orthodoxe Russische Kirche. Das wäre aber nicht anders, als wenn ein Türke in einer Moschee in Istanbul sich ähnlich lusitig machen würde über den türkischen Ministerpräsidenten.

Dennoch: Das Urteil gegen die Mädchenband ist zu hart. Es ist und bleibt kein gutes Zeichen für Russland.



Kommentare (1)


geronimo 27. November 2015 um 14:02

Bei uns hätten sie eine Geldstrafe bekommen.Das hätte es auch getan.Das Urteil ist extrem hart.Aber überrascht das wen?!

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