Ein Kommentar über europäische Illoyalität, verweigerte Überflugrechte und das Ende einer Einbahnstraßen-Allianz

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  1. April 2026

Als Donald Trump die NATO als „Papiertiger“ bezeichnete und laut über einen Austritt der USA nachdachte, war der Aufschrei groß. Europäische Politiker sprachen von „unverantwortlicher Rhetorik“ und „Angriff auf die transatlantische Partnerschaft“. Doch was in den Wochen danach geschah, bestätigte Trumps These eindrucksvoller als jede Rede: Europäische NATO-Verbündete verweigerten den USA Überflugrechte, sperrten Militärbasen und lehnten jede Unterstützung im Iran-Konflikt ab — während sie gleichzeitig erwarten, dass Amerika sie im Ernstfall verteidigt.

Dieser Kommentar stellt die Frage, die in europäischen Hauptstädten niemand hören will: Warum sollten die USA überhaupt noch in der NATO bleiben?

1. Der Iran-Krieg als Offenbarungseid

Am 28. Februar 2026 begannen die USA und Israel militärische Operationen gegen Irans Nuklearinfrastruktur.[1] Man kann über die Weisheit dieses Krieges streiten. Was man nicht bestreiten kann: Als Washington seine europäischen Verbündeten um Unterstützung bat — nicht um Truppen, nicht um Kampfeinsätze, sondern um simple Logistik wie Überflugrechte und Basenzugang — lautete die Antwort von fast allen: Nein.

Spanien (NATO + EU) verbot nicht nur die Nutzung der gemeinsam betriebenen Militärbasen Rota und Morón bei Cádiz und Sevilla, sondern sperrte seinen gesamten Luftraum für sämtliche Flüge mit Bezug zum Iran-Krieg.[2] Trump drohte daraufhin mit dem Abbruch aller Handelsbeziehungen zu Spanien.

Italien (NATO + EU) verweigerte US-Bombern die Landung auf dem Luftwaffenstützpunkt Sigonella auf Sizilien. Die Flugpläne waren eingereicht worden, während die Maschinen bereits in der Luft waren — Italiens Militär lehnte sie ab.[3] Verteidigungsminister Guido Crosetto verantwortete die Entscheidung persönlich.

Frankreich (NATO + EU) verweigerte israelischen Flugzeugen, die amerikanische Militärgüter transportierten, den Überflug.[4] Die französische Vize-Verteidigungsministerin (Ministre déléguée) Alice Rufo erklärte, eine NATO-Operation in der Straße von Hormus würde „das Völkerrecht nicht respektieren“.

Deutschland (NATO + EU) — die größte Volkswirtschaft Europas und angeblich engster Verbündeter der USA — lehnte jede Beteiligung an einer Marine-Mission zur Öffnung der Straße von Hormus ab. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte wörtlich: „Wir werden uns nicht an der militärischen Sicherung der Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen.“[5]

Österreich (EU, kein NATO-Mitglied) verweigerte Überflugrechte unter Berufung auf seine verfassungsrechtliche Neutralität.[6] Die Schweiz (weder NATO noch EU) lehnte 7 von 11 US-Überfluganträgen ab — ebenfalls unter Verweis auf das Neutralitätsgesetz.[7]

Griechenland (NATO + EU), das Vereinigte Königreich (NATO, kein EU-Mitglied) und Polen (NATO + EU) lehnten zunächst die Entsendung von Kriegsschiffen zur Straße von Hormus ab.[8] Das UK initiierte später eine eigene 40-Nationen-Koalition unter Premierminister Starmer — aber die anfängliche Verweigerung gegenüber Washington bleibt dokumentiert.

Wohlgemerkt: Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran betrifft 20% des globalen Ölhandels. Die Energiepreise in Europa stiegen um bis zu 60%.[9] Und trotzdem: zunächst kein einziges europäisches Kriegsschiff.

2. Wer regiert die Verweigerer? Eine politische Bestandsaufnahme

Die Verweigerungshaltung der europäischen Staaten ist kein Zufall — sie spiegelt die politische Zusammensetzung ihrer Regierungen wider. Die folgende Tabelle zeigt, wer diese Länder regiert, welcher politischen Richtung die Regierungskoalitionen zuzuordnen sind — und ob sie NATO- und/oder EU-Mitglied sind.

Land Regierungschef Koalition / Partei Pol. Richtung NATO EU
Spanien Pedro Sánchez PSOE + Sumar Mitte-Links Ja Ja
Italien Giorgia Meloni FdI + Lega + FI Mitte-Rechts Ja Ja
Frankreich Präs. Macron Renaissance + LR Mitte / Mitte-R. Ja Ja
Deutschland Friedrich Merz CDU/CSU + SPD Rechts-Links Ja Ja
Österreich Christian Stocker ÖVP + SPÖ + NEOS Mitte bis M.-L. Nein Ja
Schweiz Bundesrat (Kolleg.) Zauberformel (4 Part.) Konkordanz Nein Nein
Griechenland K. Mitsotakis Nea Dimokratia Mitte-Rechts Ja Ja
Polen Donald Tusk KO + PL2050 + PSL + NL Mitte bis M.-L. Ja Ja
UK Keir Starmer Labour (Alleinreg.) Mitte-Links Ja Nein

 

[10][11][12][13][14]

Auffällig: Die Verweigerung zieht sich durch das gesamte politische Spektrum. Melonis rechte Regierung in Italien verweigerte ebenso wie Sánchez’ Linksregierung in Spanien. Macrons Zentrumsregierung in Frankreich ebenso wie Starmers Labour in London. Die Anti-US-Haltung im Iran-Konflikt ist kein linkes oder rechtes Phänomen — sie ist ein europäischer Konsens.

Bemerkenswert: Sieben der neun Verweigerer sind NATO-Mitglieder. Acht von neun sind EU-Mitglieder oder eng mit der EU assoziiert (Schweiz). Das Bündnis wurde also nicht von Außenstehenden sabotiert, sondern von seinen eigenen Kernmitgliedern.

3. Historischer Undank: Was Amerika für Europa opferte

Die Illoyalität der europäischen Verbündeten wiegt besonders schwer, wenn man sich vor Augen führt, was die USA im 20. Jahrhundert für diese Länder geopfert haben.

Land WW1: US-Beitrag WW2: US-Beitrag Marshallplan (1948–52)
Frankreich AEF 1917–18: ~53.400 US-Gefallene im Kampf, Großteil auf franz. Boden D-Day 1944: ~73.000 US-Soldaten beteiligt; ~29.000 US-Gefallene in der Normandie-Kampagne $2,30 Mrd. (≈$29,7 Mrd. heute)
Italien Verbündeter (Entente) US-Invasion Sizilien/Salerno/Anzio 1943–45; über 23.000 US-Gefallene $1,20 Mrd. (≈$15,5 Mrd. heute)
Deutschland Kriegsgegner Kriegsgegner — aber: USA finanzierte Wiederaufbau, Berliner Luftbrücke 1948/49 $1,45 Mrd. (≈$18,8 Mrd. heute)
UK US-Eintritt 1917 rettete die Westfront; ~53.400 US-Gefallene im Kampf (WW1 ges.) Lend-Lease: $31,4 Mrd. an UK; gemeinsame Normandie-Invasion $3,19 Mrd. (≈$41,2 Mrd. heute)
Griechenland Keine direkte US-Rolle Truman-Doktrin 1947: $400 Mio. gegen kommunistische Machtergreifung $366 Mio. (≈$4,7 Mrd. heute)
Polen Wilson forderte polnische Unabhängigkeit (14 Punkte) Polnische Exilregierung von USA unterstützt; nach 1945 von Stalin annektiert Kein Marshallplan (Ostblock)
Österreich Kriegsgegner (Österr.-Ungarn) 1945 von US-Truppen befreit; Staatsvertrag 1955 durch US-Diplomatie $488 Mio. (≈$6,3 Mrd. heute)
Spanien Neutral Neutral (Franco) — aber: US-Wirtschaftshilfe ab 1953, Basen-Abkommen Kein Marshallplan (Franco-Diktatur)
Schweiz Neutral Neutral — profitierte wirtschaftlich von US-Nachkriegsordnung Kein Marshallplan (Eigenfinanz.)

 

Marshallplan: Kaufkraftumrechnung in heutige Dollar

Land Nominal (1948–52) Anteil am Plan In 2025-Dollar Inflationsfaktor
UK $3,19 Mrd. 24,0% $41,2 Mrd. ×12,93
Frankreich $2,30 Mrd. 20,4% $29,7 Mrd. ×12,93
Italien $1,20 Mrd. 11,4% $15,5 Mrd. ×12,93
Westdeutschland $1,45 Mrd. 10,5% $18,8 Mrd. ×12,93
Österreich $488 Mio. 5,1% $6,3 Mrd. ×12,93
Griechenland $366 Mio. 5,3% $4,7 Mrd. ×12,93
GESAMT (17 Länder) $13,3 Mrd. 100% $171,9 Mrd. ×12,93

 

[15][16][17][18][20]

Methodik der Kaufkraftumrechnung: Die Umrechnung in heutige Dollar basiert auf dem US Consumer Price Index für alle städtischen Verbraucher (CPI-U), veröffentlicht vom Bureau of Labor Statistics (BLS). Der CPI-Jahresdurchschnitt 1948–1952 beträgt 24,9 (Basisjahr 1983=100). Der CPI für 2025 beträgt 321,9. Daraus ergibt sich: Inflationsfaktor = 321,9 ÷ 24,9 = 12,93. Jeder Dollar von 1950 entspricht somit $12,93 in 2025.[19]

Die Zahlen sprechen für sich: Über 116.000 amerikanische Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, über 250.000 im europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs. Der Marshallplan pumpte über $13,3 Milliarden (kaufkraftbereinigt $171,9 Milliarden in 2025-Dollar) in den Wiederaufbau Europas.[16] Ohne die USA gäbe es die Bundesrepublik Deutschland nicht. Ohne die USA wäre Frankreich vielleicht noch immer besetzt. Ohne die Truman-Doktrin wäre Griechenland kommunistisch geworden.

Und die Antwort dieser Länder, als Amerika um simple Überflugrechte bittet? Nein.

4. Die Einbahnstraße: Amerika zahlt, Europa profitiert

Das transatlantische Bündnis war immer eine asymmetrische Beziehung. Aber die Asymmetrie hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr tragbar ist.

Die USA geben jährlich über 900 Milliarden Dollar für Verteidigung aus — mehr als die nächsten zehn Länder zusammen.[20] Das europäische NATO-Gesamtbudget liegt bei circa 482 Milliarden Dollar.[21] Aber die europäischen Volkswirtschaften erwirtschaften zusammen über 17 Billionen Dollar BIP.[22] Es fehlt nicht an Geld. Es fehlt am politischen Willen.

Erst 2025 — elf Jahre nach dem Wales-Gipfel von 2014 — erreichten zum ersten Mal alle 32 NATO-Mitglieder das 2%-Ziel.[23][24] Und selbst das ist eine Mogelpackung: 16 Mitglieder liegen zwischen 2,0% und 2,1% — also gerade eben über der Schwelle.[25]

Deutschlands 2,4% wurden nur durch den Einmal-Sondertopf von 100 Milliarden Euro erreicht — kein nachhaltiges Budget, sondern ein Strohfeuer.[26] Das neue NATO-Ziel vom Haager Gipfel (Juni 2025) lautet 5% bis 2035 (3,5% Kernverteidigung + 1,5% Sicherheit). Europa brauchte 20 Jahre für 2%. Wie soll es in 10 Jahren 5% erreichen?

5. Europas politische Kultur: Friedensdividende als Dogma

In großen Teilen Westeuropas gilt erhöhte Militärausgabe als politisch toxisch. Friedenspolitik wird als moralische Überlegenheit verstanden, während militärische Stärke als „militaristisch“ diffamiert wird.

In Deutschland, Belgien und den Niederlanden sind weniger als ein Drittel der Bevölkerung bereit, ihr Land militärisch zu verteidigen.[27][28] In Spanien besteht eine tief verwurzelte Abneigung gegen militärische Einsätze. Frankreichs linke Parteien — La France Insoumise und die Kommunistische Partei — fordern offen den NATO-Austritt.[29]

Das Ergebnis: eine Allianz, in der der amerikanische Steuerzahler die Sicherheit von Völkern finanziert, die sich selbst nicht verteidigen wollen. Während Polen 4,48% seines BIP für Verteidigung ausgibt und die baltischen Staaten konsequent aufrüsten,[25] sehen viele Westeuropäer militärische Stärke als Provokation.

6. Regulierung als Waffe: Die EU gegen amerikanische Unternehmen

Die EU hat ein ganzes Arsenal regulatorischer Instrumente entwickelt, die gezielt amerikanische Technologieunternehmen treffen. Die DSGVO, der Digital Markets Act (DMA), der Digital Services Act (DSA) und der AI Act belasten überproportional US-Tech-Firmen.[30]

Die Bußgelder gegen US-Technologiekonzerne beliefen sich 2024 auf $6,7 Milliarden — fast ein Fünftel der gesamten EU-Zolleinnahmen, gegenüber 6% im Jahr 2023.[30] De facto handelt es sich um ein Tarifsystem unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes.

Gleichzeitig erließ die EU 2018 ein „Blocking Statute“, das europäische Unternehmen ausdrücklich vor der Wirkung amerikanischer Iran-Sanktionen schützen sollte[31] — eine direkte Sabotage amerikanischer Außenpolitik durch den angeblichen Verbündeten.

Hinzu kommen die Vergeltungszölle auf amerikanische Güter als Reaktion auf Stahlzölle.[32] Verbündete? Das klingt nach Handelskrieg.

7. Die Straße von Hormus: Europas Feigheit im Brennglas

Der Iran blockiert die Straße von Hormus — die Lebensader des globalen Energiehandels. Durch diese Meerenge fließen täglich 21 Millionen Barrel Öl. Der Iran verlangt von Schiffen bis zu 2 Millionen Dollar Durchfahrtsgebühr.[9]

Europa, das massiv vom freien Ölhandel profitiert, verweigerte zunächst jede militärische Beteiligung an der Öffnung der Passage.[8] Deutschlands Argument: „Das ist nicht unser Krieg.“[5] Frankreichs Argument: Eine NATO-Operation dort wäre völkerrechtswidrig.[4]

Secretary of State Marco Rubio brachte es auf den Punkt: Die NATO sei zu einer „Einbahnstraße geworden, in der Amerika Europa verteidigt — aber wenn wir die Hilfe unserer Verbündeten brauchen, verweigern sie uns Stationierungsrechte und Überflugrechte.“[33]

8. Das europäische Intrigantenstadl: Komplettübersicht

Land NATO EU Aktion gegen die USA (2026) Regierung Richtung
Spanien Ja Ja Basen gesperrt, Luftraum geschlossen Sánchez Links
Italien Ja Ja Sigonella verweigert, Bomber abgewiesen Meloni Rechts
Frankreich Ja Ja Überflug verweigert, Hormus abgelehnt Macron Mitte
Deutschland Ja Ja Hormus-Mission abgelehnt Merz Rechts-Links
Österreich Nein Ja Überflugrechte verweigert Stocker M.-L.
Schweiz Nein Nein 7/11 Überflüge abgelehnt Bundesrat Konk.
Griechenland Ja Ja Hormus-Koalition abgelehnt Mitsotakis M.-R.
Polen Ja Ja Patriot-Verlegung abgelehnt Tusk M.-L.
UK Ja Nein Hormus-Koalition zunächst abgelehnt* Starmer Links

 

* Das Vereinigte Königreich initiierte später eine eigene 40-Nationen-Koalition unter Starmer.

Das Muster ist über alle politischen Richtungen hinweg gleich: Ob linke, rechte oder zentristische Regierung — wenn Washington ruft, hört Europa weg.

9. Artikel 5: Das leere Versprechen

Die NATO lebt von Artikel 5: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle. Aber was passiert, wenn „alle“ beschließen, dass sie keine Lust haben zu helfen?

Der Bündnisfall wurde in der Geschichte der NATO genau einmal ausgelöst: am 12. September 2001, nach den Anschlägen vom 11. September. Die europäischen Beiträge zum Afghanistan-Einsatz waren bescheiden — mit nationalen Vorbehalten (Caveats), die den Einsatzwert der Truppen oft auf null reduzierten.[34]

Wenn europäische Nationen schon bei logistischer Unterstützung kneifen — Überflugrechte, Basenzugang —, wie glaubwürdig ist das Versprechen, im Ernstfall mit Truppen beizustehen?

10. Europas militärische Bankrotterklärung

Selbst wenn Europa wollte — es könnte gar nicht:

Null strategische Bomber. Kein einziges europäisches NATO-Land besitzt strategische Bomber.[35][36]

Keine Hyperschallwaffen. Kein Programm, kein Prototyp, kein Zeitplan.[37]

Munitionsmangel. Russland produziert 4,2 Millionen Artilleriegranaten pro Jahr. Die gesamte NATO etwa 3 Millionen.[38][39]

Einsatzbereitschaft. Die Bundeswehr meldet 76% durchschnittliche Einsatzbereitschaft; beim NH90-Hubschrauber sind es 20%.[40]

Belgiens Armee hat weniger Panzer als die Berliner Polizei Wasserwerfer. Die Niederlande schafften ihre gesamte Panzerflotte ab.[41]

11. Strategischer Pivot nach Asien: Europa ist nicht mehr relevant

Chinas Aufstieg zur militärischen Supermacht ist die zentrale sicherheitspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts. China unterhält 2,04 Millionen aktive Soldaten, fast 7.000 Kampfpanzer, knapp 3.000 Kampfflugzeuge, drei Flugzeugträger und ein wachsendes Hyperschall-Arsenal.[35] Jeder Dollar, den die USA in Europa binden, fehlt im Indo-Pazifik.

Die National Security Strategy von 2025 behandelt Europa nicht mehr als strategische Priorität, sondern in transaktionalen Begriffen.[42] Die logische Konsequenz: Die USA müssen sich aus europäischen Verpflichtungen lösen.

12. Fazit: Es ist Zeit zu gehen

Die NATO wurde 1949 gegründet, um Westeuropa vor der Sowjetunion zu schützen. Die Sowjetunion existiert seit 35 Jahren nicht mehr. Was geblieben ist, ist ein Bündnis, in dem die USA die Hauptlast tragen, während Europa die Friedensdividende kassiert und Amerika bei Bedarf den Rücken kehrt.

Der Iran-Krieg 2026 hat die Fassade endgültig zum Einsturz gebracht. Nicht ein einziges europäisches NATO-Land war bereit, den USA auch nur logistische Unterstützung zu leisten. Keine Überflugrechte. Keine Basen. Keine Schiffe. Keine Solidarität.

Dieselben Länder, für die über 250.000 amerikanische Soldaten in zwei Weltkriegen starben. Dieselben Länder, die über $13 Milliarden Marshallplan-Hilfe erhielten. Dieselben Länder, die heute unter Amerikas nuklearem Schutzschirm leben.

Die USA sollten die NATO verlassen. Nicht aus Trotz, nicht aus Isolation, sondern aus rationaler Kalkulation:

Erstens: Die europäischen Verbündeten haben bewiesen, dass sie im Ernstfall nicht bereit sind zu helfen. Ein Bündnis ohne Gegenseitigkeit ist keines.

Zweitens: Die USA brauchen ihre Ressourcen im Indo-Pazifik, wo die tatsächliche strategische Bedrohung liegt.

Drittens: Ein NATO-Austritt würde Europa zwingen, endlich selbst Verantwortung für seine Sicherheit zu übernehmen — was langfristig auch im Interesse Europas läge.

Viertens: Wer seinen Verbündeten Überflugrechte verweigert, EU-Regulierung als Handelswaffe einsetzt und die Iran-Sanktionen sabotiert, ist kein Verbündeter mehr.

„Sie waren nicht für uns da“, sagte Trump.[43] Er hat Recht. Und die Konsequenz muss lauten: Die USA waren lange genug für Europa da. Jetzt ist es Zeit, dass Europa für sich selbst sorgt.

 

Endnoten & Quellen

[1]  NBC News / Al Jazeera – USA und Israel beginnen Militäroperationen gegen Iran, 28. Februar 2026. nbcnews.com / aljazeera.com

[2]  Euronews / Washington Times / Military.com – Spanien sperrt Luftraum für US-Militärflüge im Iran-Krieg; Basen Rota und Morón geschlossen. Außenminister Albares: „Spanien sollte nichts tun, was den Konflikt eskalieren könnte.“ euronews.com / washingtontimes.com / military.com

[3]  Newsweek / Defense News / Washington Post – Italien verweigert US-Militärflugzeugen Zugang zur Sigonella-Basis auf Sizilien. Verteidigungsminister Crosetto verantwortlich. newsweek.com / defensenews.com / washingtonpost.com

[4]  Anadolu Agency / Al-Monitor / Xinhua – Frankreich verweigert Überflugrechte; Ministre déléguée Alice Rufo: NATO-Operation in der Straße von Hormus würde „das Völkerrecht nicht respektieren.“ aa.com.tr / al-monitor.com / xinhua.net

[5]  gCaptain / Middle East Eye / Daily Sabah – Merz: „Wir werden uns nicht an der militärischen Sicherung der Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen.“ gcaptain.com / middleeasteye.net / dailysabah.com

[6]  Euronews / Newsweek / Anadolu Agency – Österreich verweigert US-Überflugrechte unter Berufung auf Neutralitätsgesetz. Oberst Michael Bauer: „Jede Anfrage, die ein kriegführendes Land betrifft, wird abgelehnt.“ euronews.com / newsweek.com / aa.com.tr

[7]  swissinfo.ch / Blue News – Schweiz lehnt 7 von 11 US-Überfluganträgen ab (5.–23. März 2026), 4 genehmigt, 1 zurückgezogen. Neutralitätsgesetz. swissinfo.ch / bluewin.ch

[8]  Al Jazeera / Middle East Eye – UK, Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, Polen lehnen Marine-Koalition zur Straße von Hormus zunächst ab. Später: UK-Initiative einer 40-Nationen-Koalition unter Starmer. aljazeera.com / middleeasteye.net

[9]  CNN / Bloomberg – Iran blockiert Straße von Hormus: Ölpreise steigen um bis zu 60%; Brent-Preis größter monatlicher Anstieg seit 1980er. Iran verlangt bis zu $2 Mio. Durchfahrtsgebühr. cnn.com / bloomberg.com

[10]  Wikipedia / Euronews – Spanien: PSOE (Mitte-Links) + Sumar (Links) unter Pedro Sánchez. euronews.com

[11]  Wikipedia / Euronews – Italien: Fratelli d’Italia + Lega + Forza Italia (Mitte-Rechts) unter Giorgia Meloni. euronews.com

[12]  Euronews / Al Jazeera – Österreich: ÖVP + SPÖ + NEOS (Mitte/Mitte-Links) unter Kanzler Christian Stocker (seit März 2025). euronews.com / aljazeera.com

[13]  Wikipedia / Bloomberg / New Statesman – UK: Labour-Alleinregierung (Mitte-Links) unter Keir Starmer. bloomberg.com

[14]  Wikipedia / GreekReporter – Griechenland: Nea Dimokratia (Mitte-Rechts) unter Kyriakos Mitsotakis. greekreporter.com

[15]  National WWII Museum / US Dept. of Defense / Library of Congress – US-Gefallenenzahlen: 53.402 Kampftote + 63.114 sonstige Tode = ~116.500 (WW1); ~250.000 im europäischen Kriegsschauplatz (WW2); ~29.000 US-Gefallene allein in der Normandie-Kampagne. nationalww2museum.org / loc.gov / britannica.com

[16]  Statista / US National Archives – Marshallplan 1948–1952: $13,3 Mrd. an 17 europäische Länder. UK: $3,19 Mrd. (24%), Frankreich: $2,30 Mrd. (20,4%), Italien: $1,20 Mrd. (11,4%), Westdeutschland: $1,45 Mrd. (10,5%), Griechenland: $366 Mio. (5,3%), Österreich: $488 Mio. (5,1%). statista.com / archives.gov

[17]  US State Department / Britannica – Truman-Doktrin 1947: $400 Mio. Soforthilfe für Griechenland und Türkei gegen kommunistische Expansion. history.state.gov / britannica.com

[18]  Britannica / HISTORY – D-Day 6. Juni 1944: 73.000 US-Soldaten landen in der Normandie. Berliner Luftbrücke 1948/49: 2,3 Mio. Tonnen Versorgungsgüter. britannica.com / history.com

[19]  Federal Reserve Bank of Minneapolis / US Bureau of Labor Statistics – Consumer Price Index (CPI-U), alle Güter: CPI-Durchschnitt 1948–1952 = 24,9; CPI 2025 = 321,9; Inflationsfaktor = 12,93. minneapolisfed.org / bls.gov

[20]  SIPRI Military Expenditure Database 2025 – USA Verteidigungshaushalt >$900 Mrd. sipri.org

[21]  NATO – Defence Expenditures of NATO Countries 2014–2025: Europäisches NATO-Budget ~$482 Mrd. nato.int

[22]  SIPRI MILEX 2025 – Kumuliertes BIP europäischer NATO-Staaten >$17 Billionen. sipri.org

[23]  NATO – Wales Summit Declaration (2014): Defence Investment Pledge (2% des BIP). nato.int

[24]  NATO / Euractiv – Erstmals erreichen 2025 alle 32 NATO-Mitglieder das 2%-Ziel. nato.int / euractiv.com

[25]  ICDS / Atlantic Council – 16 NATO-Mitglieder zwischen 2,0% und 2,1%; Polen 4,48%, Litauen 4%, Lettland 3,73%. icds.ee / atlanticcouncil.org

[26]  Atlantic Council – Deutschland 2,4% dank Sondervermögen €100 Mrd. atlanticcouncil.org

[27]  Gallup World Poll / WIN International – Kampfbereitschaft: Westeuropa <30%, Osteuropa >60%; Deutschland 18%. gallup-international.com

[28]  WIN/Gallup International – Global Survey: Willingness to Fight (2023–2024). gallup.com

[29]  Pew Research Center 2024 – 54% der Franzosen sehen NATO positiv; LFI und KPF fordern NATO-Austritt. pewresearch.org

[30]  ITIF – EU Regulatory Actions Against US Tech Companies Are a De Facto Tariff System (April 2025): Bußgelder 2024 = $6,7 Mrd. = ~1/5 EU-Zolleinnahmen (2023: 6%). itif.org

[31]  EU-Kommission / EEAS – EU-Blocking-Statute zum Schutz europäischer Unternehmen vor US-Iran-Sanktionen, in Kraft seit 7. August 2018. ec.europa.eu / eeas.europa.eu

[32]  EU-Kommission / Europaparlament – EU-Vergeltungszölle auf US-Stahl und -Aluminium. europarl.europa.eu

[33]  Euronews / Brussels Signal / Newsweek – Rubio: „NATO ist eine Einbahnstraße, in der Amerika Europa verteidigt — aber wenn wir die Hilfe unserer Verbündeten brauchen, verweigern sie uns Stationierungsrechte und Überflugrechte.“ euronews.com / brusselssignal.eu

[34]  IISS – The Military Balance 2025: Afghanistan-Einsatz mit nationalen Vorbehalten (Caveats). iiss.org

[35]  Global Firepower Index 2025 – Militärische Stärkerankings: China 2,04 Mio. Soldaten, ~6.800 MBT, ~2.989 Kampfflugzeuge. globalfirepower.com

[36]  IISS – The Military Balance 2025: Null strategische Bomber bei europ. NATO-Staaten. iiss.org

[37]  CSIS – Hypersonic Weapons: Background and Issues; Europa: kein Programm, kein Prototyp. csis.org

[38]  RFE/RL – Russlands Waffenproduktion: ~4,2 Mio. Artilleriegranaten/Jahr (2025). rferl.org

[39]  Rheinmetall AG – Kapazität bis 700.000 Granaten/Jahr; NATO-Gesamt ~3 Mio. 155mm. rheinmetall.com

[40]  BMVg – Einsatzbereitschaftsbericht: 76% Durchschnitt, NH90 bei 20%. bmvg.de

[41]  ECFR – European military capabilities gap: Belgien, Niederlande Panzerflotte abgeschafft. ecfr.eu

[42]  Defense One / NSS 2025 – National Security Strategy behandelt Europa in transaktionalen Begriffen. defenseone.com

[43]  Salon / Time / CBS – Trump: „Sie waren nicht für uns da“; erwägt NATO-Austritt (April 2026). salon.com / time.com / cbsnews.com

 

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel ist ein Meinungskommentar und vertritt eine bewusst zugespitzte Position. Alle zitierten Fakten und Zahlen sind über Endnoten aus öffentlich verfügbaren Quellen (2024–2026) belegt. Die NATO/EU-Mitgliedschaften, Regierungskoalitionen und historischen Daten wurden auf Basis aktueller offizieller Quellen recherchiert. Eine umfassende Bewertung der transatlantischen Beziehungen erfordert die Berücksichtigung zusätzlicher Faktoren wie politische Kohäsion, gemeinsame Werte, Handelsbeziehungen und strategische Interessen aller Beteiligten.

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