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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Foltercamps Sinai Halbinsel von Beduinen in Ägypten: „Im Reich des Todes“

Beduinen haben eigentlich in der arabischen Welt einen relativ guten Ruf: Sie gelten als genügsam und für Fremde aufgeschlossen. Doch nicht alle sind so: Ohne Schulbildung, ohne Einbindung an die moderne Welt, leben viele seit Jahrtausenden bis heute in düsteren Verhältnissen steinzeitlichen zwischenmenschlichen Verhaltens mit entsprechenden Auswirkungen: So sollen brutale Beduinen auf der Sinai Halbinsel in Ägypten Tausende afrikanische Migranten beispielsweise aus Eritrea foltern und verstümmeln.

Ihr Ziel: selbst im Vergleich zu deutschen Durchschnitts-Einkommen sehr hohe Lösegeld-Zahlungen von den Angehörigen erpressen, schrieb bereits vor Monaten das Süddeutsche Zeitung Magazin unter dem Titel „Im Reich des Todes“ (Autor: Michael Obert; Fotos: Moises Saman; Heft 29/2013). Einen ähnlichen Artikel verbreitete im Februar 2014 die britische Zeitung Guardian („Hundreds of Eritreans enslaved in torture camps in Sudan and Egypt“) unter Bezugnahme auf einen 89-seitigen Report der internationalen Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch (HRW), welcher unter dem Titel „‚I Wanted to Lie Down and Die‘: Trafficking and Torture of Eritreans in Sudan and Egypt“ publiziert wurde. Das pazifistische Portal kriegsberichterstattung.com möchte deshalb das Thema Folter, Entführungen, Morde und Menschenhandel auf der Sinai Halbinsel an dieser Stelle noch einmal aufgreifen:

Denn mehrere Ägypten-Kenner berichten derzeit, wonach sich das Problem der Beduinen-Foltercamps auf der Sinai Halbinsel durch die instabile Lage in Ägypten eher verschärft habe. So gibt es Berichte von grausamen Verstümmelungen, welche die Beduinen auf der Sinai Halbinsel Gefangenen angetan hätten.

Diese Berichte über die Foltercamps von Beduinen auf der ägyptischen Sinai Halbinsel decken sich exakt mit dem, was das Magazin der Süddeutschen Zeitung berichtet hatte. Über ein Opfer schrieb das SZ Magazin: „Der Großteil seiner Handfläche ist weggerissen. Nur der Daumen und ein halber Zeigefinger sind noch übrig, eine Zange aus Knochen und Haut… ‚Sie haben mich an Eisenketten an der Decke aufgehängt‘, sagt Selomon leise. ‚Vier Tage lang, an einem Haken wie ein geschlachtetes Tier‘.“

Doch das, was hier berichtet wird über grausame Beduinen auf der Sinai Halbinsel in Ägypten, ist kein Einzelfall. Jährlich sollen Tausende afrikanische Flüchtlinge oder Migranten in die Lager der Beduinen verschleppt werden, um dort gefoltert zu werden, bis man ihnen Lösegeld bezahlt. Verbrechen unerlässlichen Ausmaßes geschehen nördlich von Sharm el Sheikh, jenem Taucherparadies, in das auch Deutsche gerne zwischen Oktober und April zum Urlauben fahren.

Doch ist die Sinai Halbinsel, jenes umstrittene Gebiet zwischen Ägypten und Israel, schon seit Jahrhunderten auch ein beliebter grausamer Ort für den Handel mit Sklaven, Menschen. Menschen werden, schrieb beispielsweise das Magazin der Süddeutschen Zeitung, in Afrika gekidnappt und dorthin verschleppt. So berichtete das Magazin von einem 28-Jährigen Eritreer, dem es so erging:

„Doch dann wird er im Ostsudan von lokalen Räuberbanden gekidnappt, die ihn an ein international operierendes Netzwerk von Menschenhändlern verkaufen. Diese verschleppen Selomon über die Grenze nach Ägypten und weiter auf die Sinai-Halbinsel – in ein Foltercamp der hier lebenden Beduinen, arabische Viehzüchter mit nomadischen Wurzeln“. Gegenüber dem SZ-Magazin sagt Selomon: „Das sind blutrünstige Bestien“.

Opfer: Entführte oder zahlende Flüchtlinge nach Israel

Doch nicht nur Gekidnappte sind Opfer der Foltercamps der Beduinen auf der Sinai Halbinsel. So schreibt die kleine Menschenrechtsorganisation auf der Sinai Halbinsel, die „New Generation Foundation For Human Rights“, wonach viele Opfer Asylsuchende aus Eritrea oder dem Sudan seien, welche 3.000 Dollar dafür bezahlt hätten, dass man sie heimlich über die israelische Grenze bringe: „Most of the hostages are Eritrean and Sudanese asylum seekers who paid $3,000 each to the gangs to get them to the Israeli border.“

Insgesamt gut 300.000 Beduinen wohnen auf der Sinai Halbinsel – doch welche der dortigen Volksstämme mit Kidnapping und Folter ihr Dasein finanzieren, ist selbst für Kenner Ägyptens sehr schwer zu sagen. Doch gehen Schätzungen von einigen Tausend Beduinen aus, welche an Folterungen, Verstümmelungen und Erpressungen von Afrikanern beteiligt sind.

Die Drohnen der USA – sie killen zwar in Pakistan Terroristen und auch viele Zivilisten, auch im Jemen oder dem Irak oder Afghanistan – doch die Terrorgruppen der Beduinen auf der Sinai Halbinsel lässt man in Ruhe. Sie vergehen sich ja „nur“ an Afrikanern aus rohstoffarmen Ländern. Neben dem armen Eritrea gelten auch der Sudan, Äthiopien oder Somalia als klassische Länder für Kidnapping und Sklavenhandel – seit Jahrtausenden und bis heute.

Das Süddeutsche Zeitung Magazin schreibt: „Die Kidnapper drücken ihren Opfern Zigaretten in den Gesichtern aus, brandmarken sie mit glühendem Metall, überschütten sie mit kochendem Wasser. Sie umwickeln ihre Finger mit Kabeln und drücken sie in die Steckdose, bis das Fleisch schwarz wird, oder sie gießen ihnen Diesel über den Kopf und zünden sie an, während die Angehörigen der Gefolterten daheim ihre Schreie über Handy mit anhören müssen.“

Organhändler auf der Sinai Halbinsel, die Menschen Nieren, Augen entreißen?

Dabei machten die Beduinen auf der Sinai Halbinsel weder vor Frauen noch Männern halt und fordern auch für arme Afrikaner völlig utopische Lösegeldsummen. Das SZ Magazin spricht in einem Fall von 30.00 Dollar:

„Gelingt es den Kidnappern mit ihren Foltermethoden nicht, das Lösegeld zu erpressen, dann töten sie ihre Geiseln. Oder schneiden die Nieren, Leber, Herz und Augen heraus und verkaufen sie an Organhändler.“

Als Zentrum von Foltercamps gilt beispielsweise das Umfeld des Städtchens Al-Arish im Nordsinai. Hier agiert unter anderem auch die relativ gut abgesicherte kleine Menschenrechtsorganisation „New Generation Foundation for Human Rights“. Diese Organisation hat auch eine Webseite – http://ngf-humanrights.org/. Die Menschenrechtsorganisation bezeichnet sich selbst als NGO und lebt von Spenden (an: Mr Hamdy Al-Azazy, New Generation Foundation For Human Rights, 22 Osman Bin Afan Street, P.O. Box 100, Arish, North Sinai, Egypt 45111).

Dort, schreibt das Süddeutsche Zeitung Magazin, habe man grausames gesehen: „Auf seinem Bildschirm zeigt uns Al-Azazi noch grausamere Fotos: Körper von Verstorbenen mit aufgesägten, leeren Brustkörben; andere sind in der Mitte oder an den Seiten mit großen Stichen zugenäht… Nieren, Leber, Herz, Augenlinsen… Organhändler sollen sie herausgeschnitten haben.“ Dabei seien durchaus „Professionelle“ am Werk gewesen – also Menschen, die wissen, wie man chirurgisch an anderen Menschen arbeitet.

Leider sehen wir aber weder auf der Homepage der Menschenrechtsorganisation „New Generation Foundation for Human Rights“ noch in dem Artikel des Magazins der Süddeutschen Zeitung allzu viele Fotos von solchen angeblichen Verstümmelungen, so dass wir mehr oder weniger auf Berichte sowohl von Menschenrechtsorganisationen als auch von anderen Medien angewiesen sind und diesen Glauben schenken mögen.

Fahren Ärzte von Kairo auf das Sinai um illegal Organe an Gekidnappten zu entnehmen?

Angeblich, schreibt das Süddeutsche Zeitung Magazin weiter, sollen auch „Ärzte mit schweren Geländewagen aus Kairo in die Wüste des Sinai reisen, um afrikanischen Flüchtlingen in Operationszelten ihre Organe zu rauben, diese in Kühlschränken nach Kairo zu bringen und sie dort zu implantieren.“ Doch könne man von solchen Horrorgeschichten nur vom Hörensagen erzählen, so das SZ Magazin sinngemäß.

Die israelische Organisation „Physicians for Human Rights“ (PHR; „Ärzte für Menschenrechte“), eine israelische NGO aus Tel Aviv, berichtet, wonach in Israel wohl um die 60.000 afrikanische Migranten lebten, welche es illegal über die ägyptische Grenze nach Israel geschafft hätten. Rund 7.000 von ihnen seien nach Schätzungen von kriminellen Terror-Beduinen grausam gefoltert oder verstümmelt worden.

Nach bisherigen Schätzungen hätten alleine in den vergangenen Jahren über 4.000 Afrikaner die Torturen der Beduinen nicht überlebt und man lasse ihre Leichen im Wüstensand verrotten. Wie viele derzeit in Gefangenschaft der Beduinen sind, ist schwer zu schätzen. Das Süddeutsche Zeitung Magazin berichtete von rund 1.000.

1.000 Menschen, die um ihr Leben, ihre Gesundheit, ihre Freiheit zittern – auf der Sinai Halbinsel nördlich des Urlaubsortes Sharm el Shake, in dem jedes Jahr auch Tausende Deutsche Sonne, Meer und Strand genießen. Und was tut die Staatengemeinschaft? Nichts. Sie kümmert sich um die Krim. Dort gab es immerhin einen gewaltsamen Toten – während der Diskussion um die Vereinigung der Krim mit Russland. Mittlerweile hat sich auch das Menschenrechts-Komitee der UNO dem Thema Folterungen und Entführungen auf der Sinai Halbinsel angenommen. So schreibt die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch:

„Members of the UN Human Rights Council called on Egypt and Sudan on March 14, 2014, to investigate and prosecute traffickers for kidnapping, torturing, and killing refugees in the Sinai Peninsula. The 24 countries sponsoring the German-led statement also called on both countries to identify and prosecute any security officials who may have colluded with traffickers.“



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