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Montag, 25. März 2019

Nigeria: Präsident Buhari habe im Humor gesagt Frau gehöre in die Küche

Frauen gehören in die Küche: Das sagen Männer gerne mal im Spaß - aber eher nicht auf der öffentlichen Bühne. Hier versucht sich in einem Tweet der Regierungssprecher von Nigeria vor seinen Chef zu stellen.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari gilt als äußert beliebt in dem von Boko Haram zerrissenen Land. Doch auf einer Pressekonferenz in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ging wohl sein Humor mit ihm durch, sagt nun Nigerias Regierungssprecher Garba Shehu. Grund:

Ausgerechnet in Nachbarschaft einer der mächtigen Frauen der Welt, von Deutschland Kanzlerin Dr. Angela Merkel, sagte Nigerias Präsident Muhammadu Buhari seine Frau und Nigerias First Lady, Aisha Buhari, gehöre in die Küche, ins Wohnzimmer oder in sonstige Räume seines Hauses, aber – und das sagte er nicht direkt – wohl eher nicht in die Politik. Damit konterkarierte er sein eigenes Tun:

Denn immerhin ist seine Frau Aisha Buhari in seiner Regierung Finanzministerin. Wer ihn nicht kennt, wittert einen großen Skandal in seinen Äußerungen. Wer ihn kennt und das sagen auch Nigerianer selber, meint: Das sei ein typisches Liebesgeplänkel eines mächtigen Mannes gewesen, der selbstverständlich Frauen schätze und fördere. Ihr Argument: Sonst hätte er seine Frau nicht zur Finanzministerin gemacht und auf einen der mächtigsten Posten im Land gesetzt.

Dennoch sorgt die Äußerung von Nigerias Präsident Muhammadu Buhari weltweit für Erstaunen. Denn Humor in Worten lässt sich bekanntlich schwer für Außenstehende begreifen – zumal wenn der Humor aus einem anderen Kulturkreis kommt, in dem Fall aus Afrika.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari kam erstmals in den 1980er Jahren durch einen Militärputsch an die Macht, wird aber seit zwölf Jahren in ganz normalen Wahlen als Präsident gewählt und bestätigt.

In einem Interview mit AP sagte ein Nigerianerin, für sie sei Buhari so etwas wie ein Großvater, ein strenger Großvater. So hatte Buhari einmal eine Kampagne gefahren, wonach die Nigerianer ihr Haus erst verlassen sollten, wenn sie diszipliniert dieses geputzt und in Ordnung gehalten hätten. Doch Buhari sei durchaus beliebt im Land.

Kritiker der Regierungszustände unter Nigerias Präsident Muhammadu Buhari werfen der Regierung vor, es müsse endlich top to down die in Nigeria die ausufernde und alles beherrschende Korruption ausgemerzt werden. Auch seine Frau hatte dies in einem BBC-Interview gefordert und ihren Mann damit öffentlich kritisiert.

Millionen Nigerianer sitzen abends im Dunkeln oder bei Kerzenschein, da Strom fehlt

Das nächste große Thema sei „Energie“. So säßen Millionen Nigerianer abends immer noch im Dunkeln, beziehungsweise bei Kerzenschein, da es immer noch nicht flächendeckend Elektrizität in Nigeria gebe. Selbst in Krankenhäusern falle der Strom sehr oft aus, so dass Operationen unter Kerzenschein in Nigeria immer noch an der Tagesordnung wären. Hier forderten die Nigerianer, dass es zu einem Mindeststandard gehören müsse, dass ein Land mit Energie versorgt werde.

Als weiteres Problem gilt pure Armut im Land. Nach Berichten könnten 2017 bis zu 75.000 Kinder in Nigeria an Unterernährung und Armut sterben. So wohnen beispielsweise in dem Camp Monguno zehntausende Menschen, die auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, welche aber oft einfach nicht ankomme. Das Kinderhilfswerk UNICEF kritisiert, wonach in der nigerianischen Region Borno eine humanitäre Katastrophe unter drei Millionen Menschen drohe, die in dem Gebiet wohnten.

Das alles muss man wissen, um die offene Kritik der Frist Lady und Finanzministerin an Nigerias Präsident Muhammadu Buhari zu verstehen. Denn sie hatte in dem Interview in BBC ihren Mann zuvor offen angegriffen und ihm angedroht, sie würde als Finanzministerin ihren Mann künftig nicht mehr unterstützten, wenn er nicht endlich aufräume. Worte, die man wohl nur dann zu einem Ehemann und Präsidenten sagen darf, wenn die Liebe groß ist.

„Weiß nicht, welcher Partei meine Frau angehört“

Dennoch haben es auch die Worte des nigerianische Präsidenten Buhari in sich, der auf die öffentliche Kritik seiner Frau an ihm und seiner Gefolgschaft mit dem Küchen-Hinweis tapsig reagierte. Auf eine Frage eines Berliner Journalisten während der Berliner Pressekonferenz mit Angela Merkel (CDU), was er zur Kritik seiner Frau sage, hatte Buhari eben erklärt: „Ich weiß nicht, welcher Partei meine Frau gehört, aber sie gehört zu meiner Küche, ins Wohnzimmer oder in sonstige Zimmer.“

Trotz seiner immer noch großen Beliebtheit sinke angesichts der in Nigeria immer weiter um sich greifenden Rezession die Popularität von Buhari, schreibt CNN.

Die Ehefrau von Buhari ist nicht nur Finanzministerin, sondern machte zuvor eine Karriere als Geschäftsfrau und gilt als Vorzeige-Powerfrau und Feministin in Nigeria. Ihre BBC-Kritik an ihrem Mann dürfte ihm stark zugesetzt haben, immerhin steht er derzeit im Wahlkampf und kann Querschläge aus dem eigenen Familienbereich und dem eigenen Kabinett am wenigsten gebrauchen.

Zur Irritation mancher anwesender Journalisten zeigte sich Angela Merkel angesichts der von einigen als sexistisch titulierten Äußerungen des Präsidenten von Nigeria nicht berührt. Entsprechend kommentierte sie die Äußerungen von Buhari während der Berliner Pressekonferenz nicht.

Auf Twitter nahm Präsidentensprecher Garba Shehu seinen Chef in Schutz und sagte, seine Äußerungen auf der Pressekonferenz in Berlin seien vielmehr ein „Geplänkel“ gewesen:

„Politik sollte manchmal mit Humor gewürzt werden“, twitterte er. Zudem:

„Diejenigen von uns, die um ihn sind, wissen, dass es nie einen langweiligen Moment mit ihm gibt.“

Zudem schrieb er auf Twitter: Es sei ein klarer Vertrauensbeweis in Frauen, dass der um seine vierte Wiederwahl kämpfende Nigerianische Präsident seiner Frau einen der sensibelsten Posten in Nigeria, nämlich den der Finanzministerin, anvertraut habe.

Kritiker von Buhari schreiben auf Social Media Portalen, wonach es nicht darum gehen könne, dass ein Präsident provokative Äußerungen oder öffentliches Geplänkel mit seiner Frau mache, sondern es gehe um eine generelle Frage des Respekts der Frau gegenüber.

Afrika gilt bis heute als eine stark von Männern geprägte Gesellschaft in der Frauen eher in der zweiten Reihe zu sein haben, als in der ersten. Dennoch gibt es immer wieder afrikanische Frauen, die in den Regierungen mächtige Positionen innehaben.



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