Skip to main content
Monday, 09. December 2019

Nigeria: Präsident Buhari habe im Humor gesagt Frau gehöre in die Küche

Bild:
Frauen gehören in die Küche: Das sagen Männer gerne mal im Spaß - aber eher nicht auf der öffentlichen Bühne. Hier versucht sich in einem Tweet der Regierungssprecher von Nigeria vor seinen Chef zu stellen.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari gilt als äußert beliebt in dem von Boko Haram zerrissenen Land. Doch auf einer Pressekonferenz in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ging wohl sein Humor mit ihm durch, sagt nun Nigerias Regierungssprecher Garba Shehu. Grund:

Ausgerechnet in Nachbarschaft einer der mächtigen Frauen der Welt, von Deutschland Kanzlerin Dr. Angela Merkel, sagte Nigerias Präsident Muhammadu Buhari seine Frau und Nigerias First Lady, Aisha Buhari, gehöre in die Küche, ins Wohnzimmer oder in sonstige Räume seines Hauses, aber – und das sagte er nicht direkt – wohl eher nicht in die Politik. Damit konterkarierte er sein eigenes Tun:

Denn immerhin ist seine Frau Aisha Buhari in seiner Regierung Finanzministerin. Wer ihn nicht kennt, wittert einen großen Skandal in seinen Äußerungen. Wer ihn kennt und das sagen auch Nigerianer selber, meint: Das sei ein typisches Liebesgeplänkel eines mächtigen Mannes gewesen, der selbstverständlich Frauen schätze und fördere. Ihr Argument: Sonst hätte er seine Frau nicht zur Finanzministerin gemacht und auf einen der mächtigsten Posten im Land gesetzt.

Dennoch sorgt die Äußerung von Nigerias Präsident Muhammadu Buhari weltweit für Erstaunen. Denn Humor in Worten lässt sich bekanntlich schwer für Außenstehende begreifen – zumal wenn der Humor aus einem anderen Kulturkreis kommt, in dem Fall aus Afrika.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari kam erstmals in den 1980er Jahren durch einen Militärputsch an die Macht, wird aber seit zwölf Jahren in ganz normalen Wahlen als Präsident gewählt und bestätigt.

In einem Interview mit AP sagte ein Nigerianerin, für sie sei Buhari so etwas wie ein Großvater, ein strenger Großvater. So hatte Buhari einmal eine Kampagne gefahren, wonach die Nigerianer ihr Haus erst verlassen sollten, wenn sie diszipliniert dieses geputzt und in Ordnung gehalten hätten. Doch Buhari sei durchaus beliebt im Land.

Kritiker der Regierungszustände unter Nigerias Präsident Muhammadu Buhari werfen der Regierung vor, es müsse endlich top to down die in Nigeria die ausufernde und alles beherrschende Korruption ausgemerzt werden. Auch seine Frau hatte dies in einem BBC-Interview gefordert und ihren Mann damit öffentlich kritisiert.

Millionen Nigerianer sitzen abends im Dunkeln oder bei Kerzenschein, da Strom fehlt

Das nächste große Thema sei “Energie”. So säßen Millionen Nigerianer abends immer noch im Dunkeln, beziehungsweise bei Kerzenschein, da es immer noch nicht flächendeckend Elektrizität in Nigeria gebe. Selbst in Krankenhäusern falle der Strom sehr oft aus, so dass Operationen unter Kerzenschein in Nigeria immer noch an der Tagesordnung wären. Hier forderten die Nigerianer, dass es zu einem Mindeststandard gehören müsse, dass ein Land mit Energie versorgt werde.

Als weiteres Problem gilt pure Armut im Land. Nach Berichten könnten 2017 bis zu 75.000 Kinder in Nigeria an Unterernährung und Armut sterben. So wohnen beispielsweise in dem Camp Monguno zehntausende Menschen, die auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, welche aber oft einfach nicht ankomme. Das Kinderhilfswerk UNICEF kritisiert, wonach in der nigerianischen Region Borno eine humanitäre Katastrophe unter drei Millionen Menschen drohe, die in dem Gebiet wohnten.

Das alles muss man wissen, um die offene Kritik der Frist Lady und Finanzministerin an Nigerias Präsident Muhammadu Buhari zu verstehen. Denn sie hatte in dem Interview in BBC ihren Mann zuvor offen angegriffen und ihm angedroht, sie würde als Finanzministerin ihren Mann künftig nicht mehr unterstützten, wenn er nicht endlich aufräume. Worte, die man wohl nur dann zu einem Ehemann und Präsidenten sagen darf, wenn die Liebe groß ist.

“Weiß nicht, welcher Partei meine Frau angehört”

Dennoch haben es auch die Worte des nigerianische Präsidenten Buhari in sich, der auf die öffentliche Kritik seiner Frau an ihm und seiner Gefolgschaft mit dem Küchen-Hinweis tapsig reagierte. Auf eine Frage eines Berliner Journalisten während der Berliner Pressekonferenz mit Angela Merkel (CDU), was er zur Kritik seiner Frau sage, hatte Buhari eben erklärt: “Ich weiß nicht, welcher Partei meine Frau gehört, aber sie gehört zu meiner Küche, ins Wohnzimmer oder in sonstige Zimmer.”

Trotz seiner immer noch großen Beliebtheit sinke angesichts der in Nigeria immer weiter um sich greifenden Rezession die Popularität von Buhari, schreibt CNN.

Die Ehefrau von Buhari ist nicht nur Finanzministerin, sondern machte zuvor eine Karriere als Geschäftsfrau und gilt als Vorzeige-Powerfrau und Feministin in Nigeria. Ihre BBC-Kritik an ihrem Mann dürfte ihm stark zugesetzt haben, immerhin steht er derzeit im Wahlkampf und kann Querschläge aus dem eigenen Familienbereich und dem eigenen Kabinett am wenigsten gebrauchen.

Zur Irritation mancher anwesender Journalisten zeigte sich Angela Merkel angesichts der von einigen als sexistisch titulierten Äußerungen des Präsidenten von Nigeria nicht berührt. Entsprechend kommentierte sie die Äußerungen von Buhari während der Berliner Pressekonferenz nicht.

Auf Twitter nahm Präsidentensprecher Garba Shehu seinen Chef in Schutz und sagte, seine Äußerungen auf der Pressekonferenz in Berlin seien vielmehr ein “Geplänkel” gewesen:

“Politik sollte manchmal mit Humor gewürzt werden”, twitterte er. Zudem:

“Diejenigen von uns, die um ihn sind, wissen, dass es nie einen langweiligen Moment mit ihm gibt.”

Zudem schrieb er auf Twitter: Es sei ein klarer Vertrauensbeweis in Frauen, dass der um seine vierte Wiederwahl kämpfende Nigerianische Präsident seiner Frau einen der sensibelsten Posten in Nigeria, nämlich den der Finanzministerin, anvertraut habe.

Kritiker von Buhari schreiben auf Social Media Portalen, wonach es nicht darum gehen könne, dass ein Präsident provokative Äußerungen oder öffentliches Geplänkel mit seiner Frau mache, sondern es gehe um eine generelle Frage des Respekts der Frau gegenüber.

Afrika gilt bis heute als eine stark von Männern geprägte Gesellschaft in der Frauen eher in der zweiten Reihe zu sein haben, als in der ersten. Dennoch gibt es immer wieder afrikanische Frauen, die in den Regierungen mächtige Positionen innehaben.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Friday, 11. October 2019

Menschenrechte

Kasachstan lässt Serikzhan Bilasham frei: Er darf China aber nicht mehr kritisieren

Egal ob in entlegensten Ortschaften in Afrika oder eben im russischen Nachbarland Kasachstan: China ist überall und macht überall Geschäfte. Das hat nun auch Serikzhan Bilasham zu spüren gekommen. Er war verhaftet worden, da er öffentlich zu laut in Kasachstan die mangelnden Menschenrechte in China anprangerte. Fünf lange Monate hielt man den Menschenrechtler per «Hausarrest» in einem anonymen Haus im […]

Saturday, 28. September 2019

US-Politik pervers

Joe Bidens Sohn kassierte 45.000 Euro monatlich in Ukraine und Trump soll Amtsenthoben werden

Welcher Normalsterbliche schafft es in seinem Leben auf einen Monatslohn von rund 45.000 Euro, was umgerechnet 540.000 Euro in einem Jahr wäre? So viel Geld wird oft nicht einmal an deutsche Geschäftsführer bezahlt. Die Chefs von Unternehmen mit über 2000 Mitarbeitern bekommen hierzulande häufig Gehälter zwischen 300.000 und 350.000 Euro im Jahr – maximal. Doch ausgerechnet der Sohn des demokratischen […]

Friday, 06. September 2019

Vertreiber

Diktator Robert Mugabe, Schlächter der Weißen, ist in Simbabwe mit 95 gestorben

Simbabwes Diktator, Robert Mugabe, ist tot. Er starb mit 95 Jahren in seinem Heimatland. Er galt für viele Schwarze als Ikone des Freiheitskampfes. So war er einer von Hunderttausenden, die vor allem in den 1970er Jahren für die Unabhängigkeit Simbabwes von der brutalen Kolonialmacht Großbritannien kämpften. Erst 1980 konnte das Ziel erreicht werden und Simbabwe erlangte seine Unabhängigkeit. Simbabwe liegt […]

Thursday, 15. August 2019

Verweigerung?

Kramp-Karrenbauer scheint Nationalhymne nicht beim Großen Zapfenstreich gesungen zu haben

Beim Großen Zapfenstreich angesichts der Verabschiedung von Ursula von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin hatte man den Eindruck als ob Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), genannt AKK, in Berlin das Singen der Nationalhymne (Deutschlandhymne, Deutschlandlied) verweigerte. Die CDU-Vorsitzende AKK stand gegen 22.15 Uhr stumm, etwas um den Mund zuckend, neben von der Leyen, die mit den Soldaten des Großen Zapfenstreichs die Deutschlandhymne sang. […]

Saturday, 03. August 2019

Peking

Chinas Ex Premier Li Peng mit 91 gestorben – er ließ 1989 den Aufstand auf dem Tian’anmen-Platz niederschlagen

Er war über viele Jahre das Gesicht Chinas in der Welt: Premierminister Li Peng. Jetzt starb er auf Grund einer Krankheit mit 91 Jahren in Peking. Das schreibt die auch an deutschen Flughäfen kostenlos ausliegende englischsprachige China Daily Tageszeitung. Li Peng sei bereits am 22. Juli 2019 um 11.11 Uhr verstorben. Er sei, heißt es in klassischer kommunistisch sozialistischer Staatssprache, […]

Friday, 05. July 2019

Öltanker

Großbritanniens Piraterie in Gibraltar gegen Iran und Syrien ist völkerrechtlich krimineller Akt

Kommentar – Großbritannien hat in einem Akt internationaler Piraterie auf Bitte der rechtspopulistischen Regierung der USA einen Öltanker militärisch aufgerieben und festgehalten. Der Öltanker hatte in der Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer vorstoßen wollte. Angeblich gehöre der Öltanker zum Iran, der Öl nach Syrien habe transportieren wollen. Sowohl das Mittelmeer als auch die Straße von Gibraltar sind öffentlich zugängliche Gewässer, […]