Skip to main content
Samstag, 15. Juni 2019

Bild des Tages: Die Millionen-Euro-Döner-Bude in Berlin mit dem angeblich besten Döner in Berlin

Wir wissen nicht, wie viel Umsatz diese Dönerbude in Berlin macht. Nur so viel: Sie wird in vielen Reiseführern als kulinarischer „Geheimtipp“ erwähnt – weltweit. Hier gäbe es Berlins „besten Döner“ schreiben international Dutzende Journalisten jedes Jahr in Zeitungsartikeln und teuren Reiseführern. Dabei dürfen wir annehmen, dass wahrscheinlich die wenigstens Journalisten jemals in Berlin an dieser Dönerbude einen Döner gegessen haben. Ist aber auch egal: Die Wahrheit interessiert die meisten Menschen sowieso nicht. Das gilt natürlich auch für einen Döner. Die Vorstellung, Teil eines großen Ganzen, Teil des besten Döners von Berlin, ja vielleicht sogar der Welt, zu sein, genügt.

Mit in Zeitungsartikeln und Reiseführern redaktionell empfohlenen Dönerbuden ist es, wie in der Kriegsberichterstattung: Niemand weiß es so ganz genau, aber alle schreiben voneinander ab. So kommt es, dass die Menschenschlange Hungernder vor dieser Dönerbude lang und länger wird. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man vorbeikommt: Immer stehen hier Menschenmengen – Deutsche, Italiener, Spanier, Amerikaner oder Briten. Mit einem seligen Blick stehen sie hier, im Winter bei minus 20 Grad genauso, wie im tristen Schmuddelwetter eines regnerischen Berliner Märzes. Sie alle wollen das Highlight ihres Lebens in Berlin nicht verpassen. Wir geben unumwunden zu: Vor dieser Berliner Dönerbude gibt es den wahrscheinlich weltweit einzigen Döner-Krieg. Gleichzeitig sind wir Zeuge wie mächtig und mobilisierend Journalismus – und sei er manchmal noch so einfältig – sein kann.

Dabei ist der dort angepriesene Döner sogar nur ein Gemüsedöner – für 2,50 Euro. kriegsberichterstattung.com hat sich den Spaß gemacht, einmal den Umsatz dieser Dönerbude auszurechnen: Bei angenommenen 1000 Käufern pro Tag, müsste ein schöner Umsatz von täglichen 2.500 Euro hängenbleiben (Getränke nicht mitgerechnet). Im Jahr sind das also knapp 1 Mio. Euro Umsatz. Dieser Dönerbuden-Inhaber dürfte also längst Multimillionär sein. Wir gratulieren. Für uns ist es das Bild des Tages. Aufgenommen wurde es übrigens am 31. März 2011. Wo genau diese Dönerbude steht, behalten wir für uns. Wir wollen nicht Bestandteil dieses Medienwahnsinns sein. Doch bei aller sachter Kritik – etwas Schönes dokumentiert dieses Bild: Die Menschen brauchen nicht Millionen um glücklich zu sein. Manchmal genügt auch schon ein öder Döner, empfohlen in einem Reiseführer oder Zeitungsartikel.



Kommentare (3)


Zombie 11. April 2012 um 12:21

endlich weiss ich warum sich die leute dort die beine in den bauch stehen, kann man prima beobachten wenn man ein paar meter weiter eine currywurst kauft…die ist übrigens sehr zu empfehlen, ist die zweitbeste in berlin! achso, wer das bild aufmerksam betrachtet bekommt schnell raus wo es ist, auch als nicht-berliner ist es mit google recht leicht…

Antworten

Döner 9. April 2012 um 9:30

Man nennt das Humor:)

Antworten

Frank Walter 9. April 2012 um 8:52

Seit wann muss vor Dönerbuden gewarnt werden ? Das ist doch keine Reisewarnung.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Mittwoch, 01. Mai 2019

Interessengemeinschaft Schiessen Schweiz will am 19. Mai gegen Verschärfung des Waffenrechts entsprechend EU-Vorgaben stimmen

Auch wenn es in der EU zahlreiche Gegner von Waffen in privaten Händen gibt: In der Schweiz wollen am 19. Mai in einer Volksabstimmung zahlreiche Bürger nach wie vor für ihr Waffenrecht stimmen. Dabei gibt es aber hitzige Diskussionen ob das alte Waffenrecht erhalten bleiben soll oder ob es entsprechend des Schengener Euro-Abkommens überarbeitet, also verschärft werden soll. Die Anhänger […]

Freitag, 26. April 2019

Trauer

Asylsuchende aus Pakistan und Afghanistan werden in Sri Lanka wegen Terroranschlägen von verzweifelten Christen bedroht

Kommentar – Nach den Terroranschlägen von Sri Lanka, denen am höchsten Fest der Christen, dem Ostersonntag, rund 250 bis 300 Menschen zum Opfer fielen, kommen weitere Details ans Tageslicht. Alleine in der christlichen Kirche St. Sebastians in der Katuwapitiya Straße im sri-lankischen Städtchen Negombo[i] sollen 93 betende Christen von den Terroristen massakriert worden sein. Unter den in der alten Kirche […]

Sonntag, 07. April 2019

Deutsch Ostafrika

Ehemalige deutsche Kolonie Ruanda – 800.000 Menschen wurden 1994 ermordet

Es ist einer der schlimmsten Völkermorde auf dem afrikanischen Kontinent: Jener, den fanatische Hutu 1994 an rund 800.000 Menschen in Ruanda, einer ehemaligen deutschen Kolonie (Deutsch-Ostafrika) begangen haben sollen. Noch heute erinnert man sich beispielsweise in der Ortschaft Mabare an den April 1994. Es war der Beginn vor der langen Regenzeit. Die Berghänge, schreibt Al Jazeera auf seinem Onlineportal aljazeera.com, hätten […]

Montag, 25. März 2019

Israel lässt Ayman Nasser seit 30 Jahren regelmäßig im Gefängnis schmoren

Amnesty International berichtet, wonach am 10. März 2019 ein israelische Militärgericht in den besetzten palästinensischen Gebieten eine Haftverlängerung für den NGO-Mitarbeiter Ayman Nasser angeordnet habe. Die Haft gegen Ayman Nasser werde um lange weitere sechs Monate aufgestockt. Die Haft setzt eine lange Kette von vorherigen Verhaftungen des Menschenrechtlers in den vergangenen 25 Jahre fort. Amnesty moniert, dass der NGO-Mitarbeiter bereits […]

Mittwoch, 16. Januar 2019

Prozess, Alfamir Castillo

Schüsse auf Aktivistin in Kolumbien wegen Armee-Mordvorwürfen

Am 11. Januar 2019 hätten zwei Unbekannte in der Gemeinde Pradera im Süden von Kolumbien auf das Auto der Aktivistin Alfamir Castillo geschossen. Der Täter habe von einem Motorrad aus geschossen. Das berichtet nun Amnesty International Deutschland. Das Anschlags-Opfer sei in Begleitung ihres Mannes und zweier LeibwächterInnen gewesen, welche von der „Behörde für Schutzmaßnahmen“, der „Unidad Nacional de Protección“ gestellt […]

Sonntag, 08. Juli 2018

Palästina, Israel

Hamas und Abas-Regierung sollen auf friedliche Demonstranten eingedroschen haben

Bereits Ende Juni veröffentlichte die deutsche Amnesty International-Sektion in Köln einen Bericht über ein angeblich massives Vorgehen bis hin zu Misshandlungen gegen Palästinenser. Dieses Mal aber nicht durch israelisches Militär, sondern unter anderem durch die palästinensische Hamas-Partei selber. Der Bericht stützt sich auf eine englischsprachige Version (1; vgl. zudem Fußnotenverweis 2). Das pazifistische Portal kriegsberichterstattung.com kann den AI-Bericht nicht verifizieren. […]