Die Geschichte von Jesus Christus ist die Geschichte der Menschheit, des Lebens: Die unbedingte Liebe und Hingabe an etwas – an das, was man landläufig als Glaube umschreibt. Doch was ist Glaube? Glaube ist das individuellste, das es im Leben gibt. Glaube ist allumfassend. Es kann der Glaube an die Liebe des Lebens sein. Es kann der Glaube an unterschiedliche Energiefelder – also dem, was man als Gut und Böse umschreibt – sein. Es kann der Glaube an sich selbst, der Glaube an andere, der Glaube sein, dass es eine höhere Gerechtigkeit gibt, die Unrecht sühnt und dem Recht zum Durchbruch verhilft. Als das verkörpert Weihnachten.

Ein Mensch muss nicht in die Kirche gehen, die Moschee, die Synagoge, den Tempel, um glauben zu können. Weihnachten erinnert zumindest die Milliarden Christen auf diesem Globus, dass Glaube auch Aufopferung bedeutet. Wer nicht bedingungslos hingeben kann, der glaubt auch nicht. Weihnachten – das ist der weltbekannte Spruch: „Christus ist auferstanden.“ Doch vor der Auferstehung steht auch das „Gelitten unter Pontius Pilatus“. Christen wissen: Das Leiden Jesus wird im Apostolischen Glaubensbekenntnis zu Papier gebracht – sage und schreibe 500 Jahre nach Chrisi Geburt. Pontius Pilatus steht für das Schlechte im Menschen: Verrat, Neid, Mord, Hinrichtung. Es ist der Mann mit dem eigentlich niemand etwas zu tun haben möchte.

Auch heute gibt es noch solche Menschen. Sie verkörpern das Böse, laufen häufig herum, als seien sie die Gutmenschen: Sie grinsen, spielen harmlose Familienwelt und sind doch Abgrund schlecht. Das zieht sich durch alle Berufsgruppen: Es können Köche sein, genauso wie Anwälte oder Straßenbahnfahrer. Es können aber auch Polizisten sein oder der engste Freund der böses im Schilde führt.

Gekreuzigt, gestorben, in das Reich des Todes hinabgestiegen – aber auch wieder auferstanden

Pontius Pilatus steht für ur-menschliche wölfische Instinkte: Die Zerstörung dessen, wofür es sich eigentlich zu leben lohnt. Es ist Anfang und Ende des Weltenlaufs. Keine Neugeburt ohne Tod. Christus ist gekreuzigt, gestorben, in das Reich des Todes hinabgestiegen.

Wofür fragen sich viele? Wofür hat Christus das auf sich genommen? Die Antwort ist simpel: Für die Menschheit, für das Leben, für die Welt. Es gibt keine tiefere Symbolik als die Leiden Christi. Sie sind gleichzeitig für uns alle Vorbild: Wer nicht leidet und bereit ist, Leid für andere zu ertragen, der lebt nicht. Ein berühmter Schlagersatz von Udo Jürgens lautet: „Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden“. Doch: Wünschen wir das wirklich? Was wäre denn das Leben, wenn es nicht ab und an auch Leiden gebe? So singt denn auch Udo Jürgens weiter: „Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden. Und daß dir nie die Hoffnung fehlt. Und daß dir deine Träume bleiben…“.

Darum geht es: Dass wir die Hoffnung auch im Leid nicht verlieren. Die Hoffnung ist die stärkste Kraft im Leben. Die Hoffnung ist die stärkste Kraft der Mutigen. Sie ist die Kraft, die die Welt nach vorne bringt, die die Menschheit nach vorne bringt. Ohne Visionen lässt sich nichts aufbauen. Menschen, die Visionen haben, sind das Glück dieser Welt. Pontius Pilatus ist letztlich ein Außenseiter. Er ist es seit 2000 Jahren und wird es immer bleiben. Denn egal, was diese Pontius Pilatus-Typen in der Welt versuchen: Letztlich zeigen wir ihnen jedes Jahr aufs Neue an Weihnachten: Die Bejahung des Lebens, der Gemeinschaft, des Nach-Vorne-Strebens triumphiert letztlich über die Boshaften auf dieser Welt.

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