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Donnerstag, 17. Januar 2019

DNA-Probe bestätigt Skelett Kriegerkönig Richard III. / Michael Ibsen ist Neffe in 17. Generation

Es gibt wenige Könige die die Brutalität eines Schreckensherrschers besser verkörpern, als Richard III., der bucklige britische König. Geboren wurde er am 2. Oktober 1452 auf Fotheringhay Castle in Northamptonshire. Verstorben ist er am 22. August 1485 bei Market Bosworth in Leicestershire. Richard III. ist Historikern wie Literatur-Interessierten besonders durch die Shakespeare-Dramen bekannt. Jetzt wurde sein Skelett auf dem Gebiet eines ehemaligen Klosters in der britischen Stadt Leicester gefunden – auf dem Parkplatz eines heutigen Sozialamtes. Die Identifizierung gelang mit einem lebenden Kanadier – einem Neffen in 17. Generation der heute im Norden Londons bescheiden als Tischler lebt: Michael Ibsen, 55. Eine DNA-Probe hatte bewiesen, dass das gefundene Skelett auch tatsächlich die sterblichen Überreste des berühmten Kriegerkönigs Richard III. von Großbritannien sind.

Die Geschichte Richards III. ist die Geschichte eines Mannes der bis heute im Verdacht steht, seine beiden kleinen Neffen grausam im Tower in London hat umbringen lassen. Er selbst, der unter einem Buckel litt, starb als letzter britischer König persönlich im Jahr 1485 auf dem Schlachtfeld. Daraus hatten alle folgenden britischen Könige die Lehre gezogen und sich fortan von der Kriegsfront in Schlachten möglichst weit fern in Sicherheit gehalten.

William Shakespeares Urteile über Richard III. sind bis heute in fast jedem Theater dieser Welt zu hören: Missgeburt („monstrous“), giftgeschwollner Molch, bauchige Spinne. So wird beispielsweise im 2. Akt QUEEN MARGARET mit den folgenden Worten im Drama „Richard III“ zitiert: „Poor painted queen, vain flourish of my fortune! Why strew’st thou sugar on that bottled spider…“. Und an anderer Stelle beschimft sie ihn mit den Worten „To help thee curse that poisonous bunchback’d toad“ (wobei „poisonous bunchback’d toad“ im Deutschen etwas verzerrend mit „giftschwollener Molch“ übersetzt worden ist).

Im Deutschen wurde der berühmte menschliche Verriss Richard III. durch Königin Margareta mit folgenden Worten übersetzt: „MARGARETA.
Gemalte Kön’gin! Scheinbild meines Glücks!
Was streust du Zucker auf die bauch’ge Spinne,
Die dich mit tödlichem Geweb‘ umstrickt?
Törin! Du schärfst ein Messer, das dich würgt;
… Es kommt der Tag, wo du herbei mich wünschest
Zum Fluchen auf den giftgeschwollnen Molch.“

Es ist Shakespeare, der mit solchen Bezeichnungen bis heute ein Schaudern verursacht beim Gedanken an Richard III. Dabei ist es bemerkenswert, in welchem Umfang die Briten ihren Literaten schon vor Jahrhunderten nahezu komplette Pressefreiheit gewährten. Denn in keinem anderen Land wäre es damals – und oft auch heute – möglich gewesen, Könige dermaßen mit Ekel beladen zu bezeichnen – weder lebende noch verstorbene. In Thailand steht es noch heute unter Strafe den König zu beleidigen. Dabei entscheiden die Richter, was jeweils bereits als „Beleidigung“ zu werten ist.

Auch in Belgien fand man sterbliche Überreste – möglicherweise von Richards Schwester Margaret

Dass die britischen Behörden überhaupt in der Lage waren, eine Verwandtschaft zwischen Michael Ibsen und dem gruseligen Briten-König herzustellen, lag primär am historischen Interesse seiner Mutter, Joy Ibsen, die als Journalistin gearbeitet hatte. Sie war viele Jahre in der eigenen Stammbaum-Forschung aktiv. Aber erst im Jahr 2004 hatte der britische Buchautor John Ashdown-Hill Kontakt mit ihr aufgenommen und sie darüber informiert, dass in ihrer Familie möglicherweise eine direkte Ahnen-Linie zu Richard III. bestehen könnte. Bereits in Belgien waren die Gebeine einer Frau gefunden worden, die im Verdacht stand möglicherweise eine Schwester Richard III. zu sein. Es hatte sich um Margaret gehandelt.

Der Fund der Leiche Richard III., ist auch für an der eigenen Geschichte stark interessierte Briten eine kleine Sensation. Denn bis vor kurzem wusste niemand, wo möglicherweise die sterblichen Überreste Richard III. sich befinden könnten. Das mag auch daran liegen, dass keiner mit einem solchen Schauer-König gerne in Verbindung gebracht werden wollte. Ausfindig machte die sterblichen Überreste schließlich tatsächlich der Autor Ashdown-Hill. Er hatte unzählige historische Bücher und Schriften gelesen und auf diesem Wege gelang es ihm schließlich, den Hinweis zu finden, wonach die Leiche des in der Schlacht gefallenen Königs höchstwahrscheinlich von Franziskanermönchen vom Schlachtfeld in Bosworth in die kleine Stadt Leicester gebracht worden war. Also dorthin, wo sich einst das Kloster der Franziskaner befunden hatte.

Schließlich konnte Ashdown-Hill die Stadt Leicester und die Richard-III-Society für Ausgrabungs-Unterstützungen gewinnen. Erst am 3. Februar 2013 gelang es schließlich mittels der von Michael Ibsen abgegebenen Speichel-DNA-Probe eindeutig zu belegen: Man hatte auf dem Parkplatz des Sozialamtes der Stadt Leicester tatsächlich die sterblichen Überreste von Richard III. gefunden.

Dass Richard III. überhaupt von Shakespeare so negativ inszeniert wurde, lag auch am neuen Königsgeschlecht in Britannien: Die Tudor-Dynastie hatte alles Interesse daran, die Linie der Vor-Könige möglichst negativ und abschreckend im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Insofern war auch William Shakespeare möglicherweise ein Gehilfe der Herrschenden – ganz so, wie es die Pharaonen in Ägypten und andere altvorderen Königsgeschlechte in vielen Ländern der Welt mit Literaten gerne machten. Ibsen selbst wird in einer Reportage der „Frankfurter Rundschau“ in der Wochenendausgabe vom 23. Februar 2013 (S. 40) mit den Worten zitiert, wonach er nicht glaube, dass Richard III. wirklich schlimmer als die anderen Könige gewesen sei: „Aber bei der Verwandtschaft hofft man natürlich immer das Beste“, lässt die FR Ibsen zu Wort kommen.



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