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Gehts noch? Sachsen-Anhalt CDU-Prominenz Schwulen-Heiler Gesellschaft für Lebensorientierung LEO

Da machen weltweit prominente Sportler einen Freischlag für homosexuelle Männer und Frauen und fordern mehr Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen, schon sorgt eine Provinzposse von Mitgliedern aus Bundestag und Landtag der CDU in Sachsen-Anhalt für Kopfschütteln: Man will mit Hilfe des Vereins „Gesellschaft für Lebensorientierung LEO“ Homosexualität heilen. Ganz so als sei es eine Krankheit.

Zentraler intellektuell inspirierender Kopf des Vereins „LEO e.V. – Gesellschaft für Lebensorientierung“ ist nach Recherchen des Antikriegsportals kriegsberichterstattung.com der umstrittene niederländische Autor des Buches „Battle For Normality – A Guide for (Self-)Therapy for Homosexuality“, Prof. Dr. Gerard van den Aardweg.

Als „abstrus“ und „aus der alten Zeit“ bezeichnete denn auch Halles 45-jähriger CDU-Chef und Wissenschaftsstaatssekretär Marco Tullner die seltsamen Schwulen-Heilungs-Thesen des Parteifreundes Bernhard Ritter (63) und seiner sonstigen CDU-Vereins-Unterstützter. Ritter gehört zu den Initiatoren des Vereins LEO und wird auf der Webseite als Vorsitzender geführt. Der studierte „Pastoralpsychologe der evangelischen Kirche“ saß von 1990 bis 1998 für die CDU im Landtag Sachsen-Anhalt.

Nun versucht der Vater von angeblich 6 Kindern (laut Wikipedia) scheinbar die Welt entsprechend seiner Sichtweisen zu verbessern – und zwar über den Verein „Gesellschaft für Lebensorientierung“ (LEO). Die LEO habe, berichten zahlreiche Medien, ein Seminarangebot zur Heilung von Homosexualität angeboten und beschäftigt sich, darf man der Webseite glauben, auch sonst recht umfangreich mit dem Thema. Man spricht in solchen Zusammenhängen auch von einer Ex-Gay-Bewegung.

Besonders heikel ist, dass im Zusammenhang mit dem offensichtlichen Anti-Schwulen-Seminar nun auch Sachsen-Anhalts ehemaliger CDU-Ministerpräsident Chistoph Bergner (65) gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Jürgen Scharf (61) in die Schlagzeilen gerät. Bergner war in den Jahren 1993 und 1994 Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Gut zehn Jahre später, von 2005 bis 2013 war er zudem Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern.

Sie sollen die Sichtweisen von Leo „in der Öffentlichkeit mit tragen“

Sowohl Bergner wie Scharf sitzen im Kuratorium der „LEO e.V. – Gesellschaft für Lebensorientierung“. Dabei gelte nach Angaben der Leo-Webseite, wonach „die Kuratoren die Belange des Vereins in der Öffentlichkeit mit“ tragen würden. Im Kuratorium des „LEO e.V. – Gesellschaft für Lebensorientierung“ sitzt neben Landtagsmitgliedern mit Bergner auch ein Mitglied des Bundestages. So ist das Kuratorium nach Webseiten-Angabe von Leo besetzt:

Prof. Dr. Peter Heimann (Vorsitzender des Kuratoriums), Dr. Christoph Bergner (MdB; CDU), Hans-Jürgen Brackmann, Sybille Calame, Heinz Dräger, Marion Fischer (MdL, CDU), Christhardt Keilberg, Markus Kreye, Walter Remmers, Jürgen Scharf (MdL; CDU).

Im „Wissenschaftliche Beirat“ sitzen zudem: Prof. Dr. Gerard van den Aardweg, Dr. Konrad Breitenborn, Christa Meves, Dr. Samuel Pfeiffer, Reinhard Rüger und Dr. Christel Tettenborn.

Schnell für reinen Tisch sorgen möchte nun scheinbar Sachsen-Anhalts CDU-Fraktionschef André Schröder, 44. Er erwarte, sagte er, dass der LEO e.V. seine Positionen überdenke. So wird der mit den Worten zitiert: „Der Verein muss seine Position zunächst intern klären, bevor ich ihn unterstützen kann.“

Nach eigenen Angaben sei die Gesellschaft für Lebensorientierung LEO e.V. „eine überregionale Vereinigung von Christen verschiedener Konfessionen“. Der Verein sei am 23. März 1991 gegründet worden. Zweck des Vereins sei es, „im umfassenden Sinn Lebensorientierung und Unterstützung aus christlicher Verantwortung in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens zu fördern.“ Dabei wolle man zur „Stabilisierung orientierungs- und hilfesuchender Bürger […] zur aktiven Bewältigung ihres persönlichen Lebens, […] zur aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben; insbesondere die Überwindung von Identitäts- und Beziehungsstörungen… “ helfen. Ein besonderes Anliegen sei „die Förderung von Ehe, Familie und Jugend“.

Grundlage von Leo ist Schwulen-Heiler Prof. Dr. Gerard van den Aardweg

Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Vereins liege dabei primär in der pastoral­psychologischen Seminar- und Beratungsarbeit: „Grundlage des therapeutischen Konzepts sind neben langjähriger Seelsorgepraxis die Analyse und Therapie des niederländischen Psychologen Prof. Dr. Gerard van den Aardweg“, heißt es auf der Leo-Webseite weiter. Wie das Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com herausfand, ist er der Autor des umstrittenen Buches: „Battle For Normality – A Guide for (Self-)Therapy for Homosexuality“.

Über das Buch ist auf dem Portal aquinasandmore.com zu lesen: „This book is primarily meant for those homosexuality afflicted persons who seek practical advice in order to change, or, at least, to constructively and responsibly deal with it. It is written with their needs, anxieties, and weaknesses in mind, as Dr. Van den Aardweg has learned them during more than 30 years of therapy with homosexual persons. There is a need for such a practical „guide“ because there are very few able therapists who want to help the well-intentioned homosexual to change, and because most existing works on homosexuality are about theory, not about every-day self-therapy.“



Kommentare (6)


StudiNWCom 18. Juni 2014 um 0:22

Solche polemischen Behautungen sollten Sie lieber an keiner seriösen Uni verlauten lassen! 🙁

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Jan 11. April 2014 um 3:10

Zitat: „An Herrn Ritter sind die Erkenntnisse der Sexualwissenschften der letzten 100 Jahre spurlos vorbeigegangen.“
So lange gibt es die Sexualwissenschaften noch gar nicht. Und bei genauerer Betrachtung würde ich mich an Ihrer Stelle auf gar keinen Fall darauf berufen, falls Ihnen Ihre Argumentation wichtig ist.

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farbenfroh 11. April 2014 um 3:07

Ja, Bernhard Ritter enthielt sich im ersten Moment der Stimme, da er nicht ad hoc für den ganzen Verein sprechen kann und darf – und schon gar nicht auf ein so unseriöses Überfallkommando, wie es der mdr geliefert hat! Und weil die Vorwürfe derart polemisch und irrational daherkamen, dass sie einfach jedes Vereinsmitglied völlig irritieren mussten, hüllte sich Pfr. Ritter zunächst in abwartendes Schweigen. Er glaubte an ein Missverständnis, was bald ausgeräumt werden würde.
Das ist bis heute nicht passiert und ich werde in der Beobachtung dieser „Hexenjagd“ zunehmend ärgerlicher. Ich habe kein Interesse an Streit, aber wenn von politischer Seite monatelang Gerüchte ventiliert werden statt sich echten Aufgaben zu stellen muss ich mich fragen, wofür meine Steuergelder verwendet werden?!

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immanuel 4. Februar 2014 um 0:30

Das Problem mit den Ansichten von Herrn Ritter ist doch nicht, dass seine Meinung „nicht ins politisch korrekte Bild“ passe, sondern dass das, was er und sein Verein äußert, wissenschaftlich gesehen Unsinn bzw. religiöse Wahnvorstellungen sind. Wenn jemand absoluten Unsinn denkt und sagt, dann darf man sich über solch einen Dorftrottel schon lustig machen.

An Herrn Ritter sind die Erkenntnisse der Sexualwissenschften der letzten 100 Jahre spurlos vorbeigegangen. Sein Stand der Wissenschaften ist der von vor 2000 Jahre.

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Redaktion 2. Februar 2014 um 11:51

@ Volker Schmidt: Wir haben selbstverständlich Bernhard Ritter um Stellungnahme gebeten und hätten seine Sicht der Dinge in dem Text auch berücksichtigt. Allerdings schrieb uns Herr Ritter, dass er zum jetzigen Zeitpunkt sich nicht weiter äußern wolle. Das akzeptieren wir.

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Volker Schmidt 31. Januar 2014 um 20:22

Es ist wirklich urkomisch, das über dieser Seite steht: Stellen Sie sich vor sie dürfen nicht sagen, was sie denken. Und darunter wird Pfarrer Bernhard Ritter durch den Dreck gezogen und seine Arbeit verfälschend dargestellt, weil er sagt, was er denkt und glaubt. Seine Meinung passt nicht ins politisch korrekte Bild.
Die Verfehlung von Bernhard Ritter ist, dass er Homosexuelle von seinen Seminaren nicht ausschließt. Jeder der an einem Seminar von Leo e. V. teilnimmt, tut das aus freien Stücken. Es wird niemand gezwungen bei diesem Verein für 150 € pro Woche incl. Unterkunft und Verpflegung in Seminar zu besuchen.
Der sogenannte Schwulen-Heiler tut was er tut auf den ausdrücklichen Wunsch seiner Klienten hin. Das ist sein Verbrechen – oder ist es in Deutschland inzwischen schon schlimm, wenn jemand nicht die Mehrheitsmeinung teilt?

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