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Freitag, 23. Oktober 2020

Männer-Phobie bei Ursula von der Leyen beim G36? „Wir haben nie rechts gezielt und links getroffen“

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Kommentar: Es wird langsam eine Schlammschlacht und knietief drinnen ist eine Frau, die gerne Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin beerben möchte und es gut gebrauchen kann, wenn sie es der dreckigen Männerwelt bei der Deutschen Bundeswehr, aber auch der deutschen Industrie einmal richtig zeigen kann: Kriegsministerin Ursula von der Leyen (CDU) – die Frau mit der taffen geföhnten Sturmhaube.

Da ein Gewehr geradezu symbolisch eine Männlichkeit verkörpert, übertreibt man wohl nicht, wenn man sich erlaubt zu sagen, dass man sich nicht wundern muss, warum sich nun ausgerechnet eine Frau auf das Gewehr G36 so einschießt. Nur: Egal welche seriösen Tageszeitungen man aufschlägt: Es kommen immer größere Zweifel an der Glaubhaftigkeit dessen, was von der Leyen sagt: Nämlich, dass es ihr beim G36 vor allem um Sicherheitsbedenken für die Soldaten gehe.

Am Sonntag schrieb bereits die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) in einer bemerkenswerten Analyse, dass seltsamerweise weltweit das G36 von Heckler & Koch in Umlauf sei, aber es bis heute in anderen Ländern keine Beschwerden gegeben habe. Auch könne von der Leyen bis heute keine glaubhaften Kausalzusammenhänge auf den Tisch legen, die belegen könnten, dass das G36 Sturmgewehr wirklich schief schießt. So schrieb PETER CARSTENS in der FAS (am 19. April 2015, S. 3):

„Von der Leyen will unbedingt beweisen, dass sie bei der Bundeswehr aufräumen kann. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern. Sie will es allen zeigen – der Generalswirtschaft im Ministerium, der Industrie und wohl auch den Wählerinnen und Wählern, die sie irgendwann zur Kanzlerin machen können. Und da ist es von besonderem Publikumsvorteil, wenn man gegen ein mittelgroßes Unternehmen vorgeht, das ohnehin keiner leiden kann. So gesehen, ist Heckler & Koch das beinahe ideale Objekt einer politischen Dressur: fiese Produkte, mieses Auftreten, undurchsichtige Führung. Perfekt!“

Landauf landab hört man in der Bundeswehr: Dass es mit dem Gewehr G36 eigentlich nie große Probleme gegeben habe. Klar, wenn man stundenlang bei brütender Hitze ballert, 300 Schuss die Minute, könne es immer zu schwierigen Situationen kommen. Doch wer will allen Ernstes mit einem Sturmgewehr des Kalibers des G36 bei 300 Schüssen die Minute alle auf einen Nagelkopf treffen? Gewehr schuld oder Mann – das ist hier die Frage.

Wer spinnt denn nun? Von der Leyen oder die Soldaten?

Jedenfalls legte am Mittwoch LORENZ HEMICKER in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nach, indem er schreib:

„Verteidigungsministerin von der Leyen nennt das G36 unbrauchbar. Soldaten, die mit dem Sturmgewehr im Gefecht standen, halten die Kritik für Unsinn – trotz bekannter Mängel. Sie vermuten andere Interessen hinter der Debatte.“

Des Weiteren zitiert die FAZ einen Soldaten, welcher selbst als Bundeswehrsoldat 2010 in der Nähe von Kundus im Afghanistan-Krieg mit dem Sturmgewehr G36 in Gefechten verwickelt gewesen sei: „Wir haben in Feuerkämpfen keine signifikanten Abweichungen festgestellt“, sagt der Oberfeldwebel.

Immerhin gilt das Gefecht der Bundeswehr am Karfreitag 2010, an welchem deutsche Soldaten auf Grund mangelnder Hightech-Ausrüstung (Drohnen etc.), aber nicht mangels des G36 umkamen, als das schwerste und blutigste Gefecht der Bundeswehr in Afghanistan überhaupt.

Damals war eine deutsche Bundeswehr-Patrouille in der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geschliddert. Dem folgte ein zehn-stündiges Dauergefecht, bei welchem vier deutsche Soldaten der Bundeswehr ums Leben kamen und andere schwer verletzt wurden. Sie sollen bis heute unter Behinderungen leiden. Insgesamt kostete der deutsche Krieg in Afghanistan – von der CDU-Bundesregierung, also von der Partei Ursula von der Leyens befördert – über 50 deutschen Soldaten das Leben.

Für Dauerfeuer gibt es zudem das MG3 oder MG4

Das G36 ist ein Schnellschuss-Gewehr. Ein durchschnittlicher Bundeswehrsoldat verschoss in Afghanistan während dem berüchtigten Taliban-Überfall zwischen sechs und acht Magazine je Waffe, wobei ein Magazin 30 Patronen enthält. Wir sprechen also von rund 180 bis 300 Schuss – bei über 40 Grad, unter gleisender Sonne. Wer will da noch exakt auf eine Stecknadel treffen? Die FAZ zitiert hier einen Fallschirmjäger: „Wir haben nie rechts gezielt und links getroffen.“ Weiter schreibt das Blatt: „Während der Feuerkämpfe sei es stets möglich gewesen, den Gegner auf den typischen Gefechtsentfernungen zwischen 300 und 400 Metern auch bei großer Hitze zielgenau zu bekämpfen.“

Zudem führt die FAZ aus, wonach „die in den vergangenen Monaten öffentlich geäußerte Kritik“ wohl auf „falschen Annahmen“ basiere. Denn das G36 „wie ein Maschinengewehr zum Niederhalten des Gegners einzusetzen“, sei Schwachsinn, zitiert die FAZ einen Hauptfeldwebel. Das G36 sei „nie dafür gebaut worden, binnen Minuten hunderte Schüsse abzugeben“.

Vielmehr gebe es für solche Dauergefechtsstellungen in brütender Hitze andere Maschinengewehre – wie das MG3 oder das MG4. Setze man aber, schreibt FAZ weiter, das G36 wie ein Maschinengewehr ein, sei eine physische Verformung „inklusive der in den jüngsten Tests beobachteten Präzisionsmängel bei dem Sturmgewehr so vorhersehbar wie bei vergleichbaren Fabrikaten anderer Hersteller auch.“



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