Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau peinlich NATO-hörig

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Die ARD ist eine qualitativ angesehene Fernsehanstalt. Ihr Programm ist immer wieder von großartigen Reportagen und kontroversen Talkshows, aber auch künstlerisch anspruchsvollen Spielfilmen geprägt. Umso peinlicher, wenn ihr erhebliche Fehltritte passieren – beispielsweise auf dem eigenen Onlineportal, wie jetzt wieder, ausgerechnet unter tagesschau.de – der Onlineausgabe der bekannten ARD-TAGESSCHAU.

Während alle Welt längst täglich sieht, dass die NATO eben nicht nur die Zivilbevölkerung in Libyen schützten möchte, sondern aktiv und brutalst dort die Vorreiterrolle eingenommen hat, um das Gaddafi-Regime zu stürzen, schwadroniert eine Mitarbeiterin der ARD-Tagesschau unter tagesschau.de in peinlichst pubertären Schönmalerei-Phrasen über einen angeblichen Gutmenschen-Krieg. Kleine Kostprobe des journalistischen Tiefflug-Stücks:

„Kampfeinsätze nur zum Schutz von Zivilisten“. Im Text heißt es dann weiter: „Der NATO-Einsatz in Libyen geht weiter, auch wenn das Regime von Machthaber Gaddafi vor dem endgültigen Kollaps steht. Es soll beim Grundsatz bleiben: Kampfeinsätze sollen Zivilisten schützen.“

Dann wird unreflektiert Roland Lavoie, Sprecher der Libyen-Mission der NATO, mit den Worten zitiert: „Wann immer es notwendig ist, die Zivilisten vor Gewalt zu schützen, werden wir Kampfeinsätze fliegen.“ Normalerweise müssten kritische Journalisten spätestens an diesem Punkt beispielsweise einmal einen Kritiker der NATO-Bombardements zu Wort kommen lassen, da die Aussage des NATO-Missions-Sprechers ja offensichtlich in dieser Pauschalität unzutreffend ist. Das hält aber die Brüsseler BR-Mitarbeiterin, die den Beitrag verfasst hat, nicht einmal ansatzweise für nötig.

Leser wird manipuliert

Stattdessen manipuliert tagesschau.de den Leser, indem man ihm einredet, dass die NATO in der Tat ja nur und ausschließlich Zivilisten schütze. So schreibt tagesschau.de, die NATO fliege nur dann Bombenangriffe, wenn sie sich gezwungen sehe, Zivilisten zu schützen: „Gewalt gegen Zivilisten wohlgemerkt – das ist für die NATO das entscheidende Kriterium. Dabei hat sie immer das Mandat der Vereinten Nationen im Blick.

Deswegen darf es auch nicht darum gehen, sich auf eine Seite zu schlagen und sich mit den Rebellen abzustimmen oder sie gezielt aus der Luft zu unterstützen.“ Wo lebt die ARD-Tagesschau-Autorin eigentlich??? Auf dem Ponyhof? Sie schreibt genau das Gegenteil von dem, was täglich in Libyen die NATO tut, ganz so, als sei sie die Redenschreiberin des umstrittenen NATO-Generalsekretärs. Doch für unkritische Ponyhof-Beiträge bezahlen die Deutschen nicht jährlich sechs Milliarden Euro Zwangsgebühren an die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender.

Unerwähnt bleibt in dem tagesschau.de-Beitrag auch, dass die NATO von Anfang an massiv gegen die UNO-Auflagen verstoßen hat, indem sie eben nicht nur eine Flugverbotszone eingerichtet hat und sich ausschließlich auf den Schutz von Zivilisten beschränkte. Ausgeblendet wird zudem, dass die NATO seit Monaten aktiv den Gaddafi-Gegnern den Weg nach Tripolis – und nicht nur dorthin – freibombt.

Nicht genannt wird obendrein, dass die NATO bereits mehr als 10.000 Bomben abgeworfen haben dürfte mit wahrscheinlich weit über 30.000 toten Soldaten und zivilen Gaddafi-Anhängern. Wie überhaupt die deutschen Medien fast nie von Toten sprechen, die die NATO-Angriffe mit sich bringen.

Die Tausenden Toten der NATO-Angriffe kommen in Medien wie der ARD nicht vor

Stattdessen wird immer nur die neutrale Sprache der NATO übernommen: Man habe militärische Ziele eliminiert, man habe 20 schwergepanzerte Wagen zerstört, man habe Munitionslager weggebombt. Von Menschen ist nie die Rede. Von Menschen, die ja auch in den Militärfahrzeugen sitzen, die die NATO mit Sprengbomben zerfetzt.

Es ist nie die Rede davon, dass ja auch Menschen in den Gaddafi-Militäreinrichtungen leben, möglicherweise auch lachen und lieben. Menschen, die in vielen Fällen wahrscheinlich keine Kugel-Schutzwesten anhatten, wie die Rebellen, die diese Tausendfach von den Briten und Franzosen erhalten haben.

Es ist in der ARD, wie in fast allen deutschen Medien, fast nie die Rede von oft nur 20-Jährigen jungen Gaddafi-Soldaten, die auch nur ihren Job für wenig Geld machten. Ihren Job an der Waffe halt – genauso, wie es die Rebellen tun. Wenn einmal die Rede von Menschen im Gaddafi-Lager ist, dann in Form einer ungeprüften Übernahme von gossenartigen Aussagen aus dem NATO- und Rebellenlager. Dann ist die Rede von Gaddafi-Schergen, Gaddafi-Ratten, Gaddafi-Teufeln, Gaddafi-Henkern.

Opferberichterstattung gibt es in der ARD fast immer nur zu Gunsten der Rebellen

Opferberichterstattung gibt es in der ARD, wie auch im ZDF, fast immer nur zu Gunsten der Rebellen. So gut wie nie ist in der Kriegsberichterstattung die Rede von NATO-Opfern, von den Tausenden Opfern, die durch die schweren Waffen starben, die entgegen der UNO-Auflage den Rebellen geliefert wurden.

Selbst Amnesty International sieht bereits massive Kriegsverbrechen auch auf Seiten der Rebellen, nicht nur auf Seiten der Gaddafi-Kämpfer. Kritiker sehen Kriegsverbrechen erheblichen Ausmaßes auch auf Seiten der NATO – beispielsweise den vorsätzlichen Mord in einem zivilen Wohngebiet an einem der Gaddafi-Söhne, seiner Frau und seiner drei Kinder.

Die ARD-Tagesschau scheint zu einem zentralistischen Sprachrohr der NATO mutiert zu sein, so wie es Hunderte andere deutscher Medien auch sind. Das ist kein Journalismus mehr, sondern ein peinlichstes beschämendes Versagen einer ganzen Zunft. Es ist ähnlich wie es zu Zeiten des Irak-Krieges war.

Auch damals, vor bald zehn Jahren, berichteten fast alle US-Medien unkritisch über den Irak-Krieg. Erst Jahre später kam die kritische Aufbereitung des eigenen Versagens. Dann erst, als klar wurde: Im Irak gab es gar keine Massenvernichtungswaffen und erst dann als klar wurde: Das Leben ist halt nicht nur schwarz oder weiß, sondern besteht aus vielen Schattierungen.

Von behaupteten Folterungen und Behauptungs-Journalismus

Ach ja: Im ZDF heutejournal von heute (30.8.2011) war ein mehrminütiger Beitrag über einen Libyen-Rebell zu sehen, der angeblich in einem Gaddafi-Gefängnis eingesessen haben soll und dort gefoltert worden sein soll. Erst vor kurzem kam er wohl frei. Seltsam: Der Gefolterte sah sehr gut genährt aus und rundum gesund. Auch seine Augen waren voll von Leben. Zudem ist von den angeblich schlimmen Folterungen an seinem Körper in dem ZDF-Beitrag nichts zu sehen (von einem weißen Band um eine Hand einmal abgesehen).

Auffällig ist hingegen, dass der Zuschauer einen Reporter sieht, der begierig sein Mikro dem angeblichen Opfer hinhält, ohne Beweise für die dort geschilderten Folter-Behauptungen dem Zuschauer zu präsentieren. Das wohl einzige was er zu haben scheint, sind Behauptungen. Doch es ist genau der Behauptungs-Journalismus, der kein Qualitäts-Journalismus ist. Auch diese Erkenntnis wird vielleicht nach Kriegsende bei einigen Journalisten wieder präsent werden.

Hier geht es zu dem Onlineartikel der ARD-Tagesschau: http://www.tagesschau.de/ausland/natolibyen104.html

31 Replies to “Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau peinlich NATO-hörig”

  1. wieso verliert er damit jede glaubwürdigkeit? also so grundsätzlich? nur weil er „u.a. für DIE WELT, Spiegel, Focus, Bild.“ geschrieben hat? oder weil er bei der axel springer ag gelernt hat? ich vermute mal, daß sich hinter maximus xy verbirgt. was er vorher gemacht hat bzw. derzeit macht (u. a. unister, H2 Media factory, netzwelt.de, verlegerverband BVDA) kann ich schlecht beurteilen. Ich bewerte primär nach dem inhalt und nicht nach dem absender.

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  3. Wenn ich an diese ganz Lügen denke wird mir ganz anders und schlecht. Ich muss mir erstmal den Mund waschen gehen. Ekelhaft. Irgendwann werden die alle, sollten wir es schaffen richtige Justiz zu bekommen, wegen ihrer Kriegsverbrechen angeklagt werden.

  4. Ich schau jeden morgen CNN mindestens 30 Minuten:) Die sind leider in ihrer Kriegs-Einseitigkeit fast nicht mehr zu überbieten. Für mich ist CNN kein kritischer Nachrichtensender mehr aus Kriegsgebieten, sondern dient primär westlicher Kriegspropaganda. Nur so erhalten sie wahrscheinlich exklusive Kriegsinfos von der NATO. Das ist zumindest meine Beobachtung. Danke aber für den interessanten Hinweis mit den 50.000 Toten – das sind leider noch mehr, als wir befürchtet hatten.

  5. moin, na ich hätte gedacht, daß wenn schon nicht CNN so doch die junge welt zu deiner lektüre gehört … dort wurde gestern berichtet, daß „nach Angaben des Rebellenkommandeurs Hischam Abu Hadscher in den vergangenen sechs Monaten mindestens 50000 Menschen getötet worden. Die vom US-Sender CNN verbreitete Zahl umfasse getötete Kämpfer wie auch zivile Opfer.“ (http://www.jungewelt.de/2011/09-01/097.php)

  6. Es ist himmelsschreiend, wie uns die Massenmedien belügen.
    Zumindest während des Kriegs. Nachher, ja nachher …. nachdem das Öl unter neuen Verträgen gefördert wird, nachdem der libysche Goldschatz abtransportiert ist …. werden auch kritische Töne erlaubt sein. Aber dann sind ja Fakten geschaffen.
    Also bitte, habt Mut und steigt aus dem GEZ-Zwangsgebühren System aus. Verweigert ZDF und ARD diesen monatlichen Lohn für ihre Dumm-Propaganda.
    Hab ich schon länger gemacht. Wenn Briefe kommen von der Gebührenzentrale,
    gleich ungelesen in den Papierkorb.
    An den Macher von ‚kriegsberichterstattung.com‘ …. Weiter so !

  7. Die Zahl 30.000 beruht vor allem auf Hochrechnungen der von der NATO angegebenen Anzahl an Bombenabwürfen und Flugeinsätzen. Basis für die geschätzte Anzahl der durch NATO-Einsätze Getöteten sind Erkenntnisse aus anderen Kriegen. Wir sind uns bewusst, dass das eine nicht gute Basis darstellt, erscheint uns aber in der jetzigen Situation die einzige Möglichkeit um überhaupt auf dieses Problem hinzuweisen. Wir bitten hier um Nachsehen, dass wir derzeit leider keine andere Möglichkeit sehen. Es zu verschweigen, hieße, der NATO-policy des Verschweigens und Manipulierens zu folgen. Doch genau das ist, was die meisten deutschen und internationalen Medien derzeit leider bereits viel zu umfangreich tun.

  8. es geht nicht um spekulationen, es geht darum, die eigenen zahlen belegen zu können. nur dann wirkt man glaubwürdig. bis jetzt ist auch die angabe „… mit wahrscheinlich weit über 30.000 toten Soldaten und zivilen Gaddafi-Anhängern.“ nicht so richtig belegt.
    nicht daß ein falscher eindruck entsteht – ich stimme sehr vielem der aussagen zu, aber anderen etwas vorzuwerfen und es gleichzeitig nicht besser zu machen (woher stammt die zahl 30000?), das ist es, was mich stört. auf die art macht man sich angreifbar.

  9. Die Berichterstattung erinnert nicht nur an den Irak-Krieg, sie erinnert noch mehr an den Krieg in Jugoslawien – Stichwort „Hufeisenplan“. Erst nach Ende des Krieges gab es eine hervorragende Reportage in der ARD dazu, leider während der Behauptungen der NATO und des Ministers Scharping kein kritisches Hinterfragen.
    Leider fehlen auch hier die Quellen für die „Tausende von Opfern der NATO“ – nicht daß ich sie bestreite, aber es wäre gut, die Quellen dafür anzugeben (auch um den eigenen Vorwurf glaubwürdiger zu machen).

  10. Guter Hinweis. Entweder wir fangen an, das Eingreifen damals kritisch zu betrachten, oder müssen eben zugeben, dass der Zweck die Mittel (lies: zivilen Opfer) heiligt. Im letzteren Fall müssten wir dann entscheiden, wer wo die Grenze zieht, ob ein Krieg gerechtfertigt ist – und ob das bei den Nato-Angriffen gegeben ist.

  11. Was mich an der ganzen Geschichte immer sehr wundert, dass oft aufgerechnet wird, wie viele Tote z.B. Ghaddafi zu verantworten hat, was dann bezogen auf seine Regierungszeit ca. 30 – 50 Tote pro Jahr macht. Nicht aufgerechnet werden alle Kriegsopfer, egal ob Soldat oder Zivilist in Lybien pro Jahr oder gar pro Tag. Egal wie unmenschlich das Regime von Ghaddafi war, am Ende war es viel wahrscheinlicher durch einen Bombenangriff zu sterben.
    An dieser Stelle möchte ich gerne eine Buchempfehlung aussprechen: Jürgen Todenhöfer – Andy und Marwa. Das Buch spielt zwar im Irak, die Handlung dürfte aber universell sein. Andy ein junger, hoffnungsvoller US Soldat der das ganze Leben noch vor sich hatte stirbt völlig sinnlos bei einem Kampfeinsatz und hinterlässt eine nicht wieder zu schließende Lücke bei seiner Familie und seinen Freunden. Am selben Tag wird auch das Leben des irakischen Mädchens Marwa zerstört, als eine Bombe ihr Haus trifft und auch dort muss die Familie mit dem Verlust der Schwester von Marwa, Marwas Behinderung und der Trauer um ihr zerstörtes Leben klarkommen.
    Es spielt für die „normalen“ Beteiligten im Krieg auch gar keine Rolle ob sie auf der „guten“ oder „bösen“ Seite in diesem Kampf verwickelt waren. Alle Toten hinterlassen andere Menschen, die um sie trauern und alle verletzten tragen ihr Leben lang die Spuren des Kampfes mit sich herum. Man muss sich doch nur mal vorstellen, wie wir reagieren würden, wenn plötzlich unser Haus bombardiert wird, weil aus unserer Stadt dummerweise der „böse“ Regent des Landes stammt, und dann sind unsere Familienangehörigen tot oder verstümmelt. Würden wir dann nicht auch blutige Rache all denen schwören, die das verursacht haben? Nicht jeder hat die Größe eines Nelson Mandela, der Vergebung gelebt hat. Die Nato züchtet sich dort „Terroristen“ in großer Menge und treibt den radikalen Kräften die Anhänger in Scharen zu!!!

  12. Es stimmt, dass das eine Schwäche im Text ist. Die Toten sind Vermutungen auf Grund der hohen Anzahl an Bombardements und aus Erkenntnissen, wie viele Tote in vergangenen Kriegen eine bestimmte Anzahl an Bombenabwürfen mit sich brachten. Wir bleiben da am Ball und werden umgehend Korrekturen einfügen, sobald endlich glaubhaft die internationale Gemeinschaft diesen Krieg anfängt zu untersuchen – unter Anwesenheit von mehreren unabhängigen Organisationen wie amnesty international etc.

  13. Es ist erschreckend wie das in den Medien dargestellt wird!
    Es spielt ja auch eine große Rolle wie die Bevölkerung in DE diesen Krieg wahrnimmt.
    NATO Sprecher betonen immer wieder wie wichtig es doch ist die Menschen in DE bei „laune“ zu halten um Krieg zu führen, egal wo. An Respektbekundungen mangelt es der NATO aus der „Führung“ Deutschlands schon mal nicht. „Wer die Macht über die Bilder hat, der gewinnt den Krieg“ so nach dem Motto erklärt sich die NATO strategie.

  14. Danke für die konstruktive Kritik. Stimmt, an einigen Stellen müssen Vermutungen herhalten – das aber vor allem leider deshalb, da sich bislang niemand in der internationalen Gemeinschaft dafür stark gemacht hat, dass auch nur annähernd einmal recherchiert und untersucht wird, wie viele Tote tatsächlich existieren und wie viele davon die Gaddafi-Leute auf dem Gewissen haben und wie viele die NATO und die Rebellen. Wir bleiben bei diesem Thema dran…

  15. Danke für das Feedback… Friedliche Demonstranten sind das aber schon lange nicht mehr. Das sind hochaufgerüstete Kampftruppen – die zusammen mit der NATO tagtäglich nun selber Massaker anrichten. Wir können nicht mehr erkennen, was das mit friedlichen Kämpfen für einen demokratischen Staat zu tun haben soll…

  16. Das ist nicht nur bei der Tagesschau zu sehen, momentan sind ziemlich alle Medien kriegsgeil, selbst die linke taz von der ich das am wenigsten erwartet habe.

  17. Ich kann dem Artikel weithin zustimmen, nur macht er in Teilen dasselbe, was er ARD und ZDF vorwirft: Er verklärt eine Seite. Oder wie ist es zu verstehen, wenn von 20-jährigen Soldaten (Regierungssoldaten) gesprochen wird, die auch nur ihren Job tun, von in Panzern zerfetzten Menschen (sic). Aber diese armen Menschlein haben vorher Menschen zerfetzt, die anfänglich nur für Freiheit demonstriert haben.

  18. Buhuhu, warum redet nie jemand über die Tausenden Toten auf Seiten der Wehrmacht, die die Zerschlagung des Dritten Reiches mit sich brachte?

  19. Endlich jemand der diese unerträgliche Berichterstattung anprangert!
    Ein Auge muss auf N24 geworfen werden die noch perverser über diesen Krieg berichten.Bei denen sind die Rebellen die guten, die wenn sie einen gefangen haben, denjenigen etwas zum trinken und essen geben.
    Auch wird in den Medien immer von Gaddafi -Rebellen gesprochen; statt mal zu sagen das es die lybische Armee ist, die ihr Land verteidigen.
    Danke für diesen Bericht!

  20. Quellen?
    Erstens hat die Aussage, 20-jährige libysche Soldaten würden „nur ihren Job machen“ etwas ziemlich verzweifeltes. Das ist spätestens seit dem Ende des zweiten Weltkriegs kein Argument mehr. Zumal der Vergleich mit den Rebellen auch schwierig ist: Die Gaddafi-Soldaten mögen einen Job machen; aber ich habe ein Problem mit der Aussage „wie die Rebellen auch“. Bei wem sind denn die Rebellen „angestellt“, für wen arbeiten sie und von wem bekommen sie Geld? Nach dem, was man aus Libyen so hört, sind die Rebellen anscheinend ziemlich unorganisiert.
    Zweitens wäre es nett gewesen, wenn die angebliche Zahl von Toten mit Quellen unterlegt würde; am besten mit einer Aufsplittung in Zivilisten und Soldaten.
    Drittens suggeriert der Satz: „So gut wie nie ist in der Kriegsberichterstattung die Rede von NATO-Opfern, von den Tausenden Opfern, die durch die schweren Waffen starben, die entgegen der UNO-Auflage den Rebellen geliefert wurden.“, dass die NATO schweres Kriegsgerät an die Rebellen liefert. Auch dafür wäre eine Quelle schön gewesen, wenn er denn so gemeint sein sollte; ansonsten ist er zumindest missverständlich.
    Insgesamt liest sich der Kommentar, als hätte ihn ein verbitterter NATO-Gegner innerhalb weniger Minuten zusammengestellt. Viel Anti-Kriegs-Rhetorik ohne Quellen und mit wenig überzeugenden Argumenten. Dabei hatte der Artikel durchaus Potential und ist im Kern richtig: Die ARD-Berichterstattung ist erstaunlich unkritisch; es ist tatsächlich problematisch, dass die NATO den Rebellen den Weg nach Tripolis ebnete; die Toten sowohl auf der Seite Gadaffis als auch auf Seite der Zivilisten bekommen zu wenig Aufmerksamkeit; und es wird viel zu wenig über den Aufbau, die Ziele und die Gefahren der Rebellion berichtet.

  21. Das Dilemma, in dem sich die Medien befinden, ist durch das lange Andauern des Krieges entstanden.
    Anfangs waren auf westlicher Seite noch alle überzeugt, dass der Sturz der libyschen Regierung nur eine Frage von Tagen oder Wochen ist und man das Thema rasch als erledigt ablegen kann.
    Mittlerweile dauert der Krieg aber schon ein halbes Jahr an und es sind unleugbare Tatsachen bekannt geworden, die den NATO-Einsatz als „humanitäre Massnahme“ völlig desavouieren. Der Autor hat die illegalen Waffenlieferungen und die nur schlecht verhohlenene Kollaboration der NATO mit den sogenannten Freedom Fighters bereits erwähnt. Dazu kommt, dass ausländischen Söldner und jihadistische Terroristen die Avantgarde der Bewegung bilden. Plus die Greueltaten, die von den FF an regimetreuen Libyern und Menschen mit dunkler Hautfarbe verübt wurden.
    Das diplomatische Versagen, dass libysche Botschafter ohne trifftige Gründe ausgewiesen werden und stattdessen die Vertreter des NTC als Diplomaten anerkannt werden. Dass das NTC-Reich überhaupt als einzige Vertretung des libyschen Volkes anerkannt wird, obwohl dieses weder demokratisch legitimiert ist, noch über Merkmale von Staatlichkeit verfügt.
    Dazu kommt das komplette Ausblenden von diplomatischen Mitteln zur Beilegung des Konflikts und die Beflissenheit, mit der die Westmächte an das Auslandsvermögen des libyschen Staates kommen wollen. Es sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Westmächte Eigentümer dieser Gelder sein möchten. Das NTC-Libyen kriegt höchstens Teile davon zugeteilt.
    Die Wahrheit über diesen Krieg ist mittlerweile für die NATO und ihre assoziierten Medien unverkäuftlich geworden. Das spiegelt sich in deren Berichterstattung wider.

  22. Schönes Beispiel heute morgen im Morgenmagazin, es ging um die zerstörte Wasserpipeline aus der Wüste nach Tripolis. Der Reporter vor Ort wurde gefragt, wie es zu der prekären Trinkwasserverfügbarkeit kam, er wand sich, wollte sich nicht festlegen und verblieb dann bei der Aussage, dass diese bei den Kämpfen zerstört wurde und natürlich auch „Gaddafi-Schergen“ beteiligt waren. Kein Wort von den mittlerweise nachgewiesenen, gezielten NATO-Angriffen auf diese Pipeline…

  23. Ich möchte hier in keinster Weise die Intention des Artikels (das kenntlichmachen der notwendigen, aber fehlenden kritisch-objektiven Haltung gerade von öffentlich-rechtlichen Medien in einem kriegerischen Konflikt) kritisieren. Problematisch finde ich, dass keine Quellen angegeben sind, in denen die Schere zwischen Aufgabe und Vorgehen und die Folgen der NATO-Bombardements seriös beschrieben werden. Die Darstellung in diesem Artikel ist daher auch Behauptungsjournalismus. Die implizierte Selbstverständlichkeit Tausender Opfer bei Bombardements akzeptiere ich nicht (das gezielte Bombardements Opfer haben, sehr wohl).

  24. Es ist faszinierend wie viele Leute glauben (wollen?), dass es einen ’sauberen Krieg‘ geben könne. Selbst der ‚gerechte Krieg‘, den ich hier gegen ein Despotenregieme durchaus erkennen kann, trifft im Zweifel auch die Falschen. War schon immer so, wird immer so bleiben und geht halt nun mal mit dem einher, was man so Krieg nennt. Genau so faszinierend finde ich aber, dass es Leute gibt, die lieber ein sprichwörtlichen Schrecken ohne Ende herbeisehnen als das Ende mit Schrecken – irgendwelche Gutmenschen, die nicht weiter denken als bis zu dem Brett vor ihrem Kopf, finden es moralisch anscheinend viel vertretbarer, Konflike unnötig in die Länge zu ziehen.

  25. Hat sich alles sehr schön gelesen bis zu… „About Maximus“. Ein schlechteres Zeugnis kann ein „Journalist“ ja wohl nicht abgeben. Jede Glaubwürdigkeit verliert er damit auch,

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