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Der Westen säht Gewalt, deshalb erntet er Gewalt

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30.000 Menschen hat der Westen mit seinem Kriegsbündnis NATO im Libyen-Krieg umgebracht – entgegen jeglichen Völkerrechts. Deshalb wurde die NATO von bösen Zungen in Leserbriefen beispielsweise auf WELT.de als „Nordatlantische Terror-Organisation“ sarkastisch bezeichnet.

Gestört oder gar bedauert haben die NATO-Tötungen in Libyen weder die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), noch den deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Auch die Briten, Franzosen oder Amerikaner, haben bis heute kein Wort des Bedauerns für diese vom Westen gegen jegliches Völkerrecht durchgeführten Massentötungen geäußert.

Ist ja auch klar: Gewalt ausüben, das darf nur der Westen. Das zeigt sich jetzt einmal mehr in der Iran-Krise: Mehr als 500 Studenten haben die britische Botschaft in Teheran gestürmt, nachdem der Westen seit Jahren ein Hexenkessel-Treiben gegen das souveräne Land betreibt, das nicht nur in westlichen Cyber-Angriffen gipfelte, sondern auch in der Ermordungen von iranischen Wissenschaftlern durch den israelische Geheimdienst, möglicherweise mit Unterstützung des U.S.-Geheimdienstes

Klar, man wolle, hieß es, den Bau einer Atombombe durch den Iran verhindern. Ähnliches äußert der Westen immer, geht es um unliebsame Staaten: Irak, Libyen, Syrien, Pakistan – die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Dass in den meisten Fällen überhaupt nichts dran war am Atomwaffenbau, spielt meist keine Rolle. Zudem: Wer sagt eigentlich, dass Gewaltausübungen ein Monopol des Westens zu sein haben? Wer so viel Gewalt international ausübt, wie der Westen es in den vergangenen zehn Jahren getan hat – und nicht immer nur zum Schutze der Zivilisten wie in Afghanistan – der darf sich nicht wundern, wenn sich andere Länder bedroht fühlen und zwar in ihrer grundsätzlichen Existenz.

Sobald es ein nicht-westliches Land wagt, auch nur für kurze Zeit den Kopf über Wasser zu strecken, beginnt der Westen reflexartig mit den üblichen oft völlig übersteigerten Drohungen: Sanktionen, Botschafts-Schließungen, Krieg, Ermordung der Staatsführer (das wird natürlich stets netter umschrieben), Einreiseverbote für die Landeselite, Einfrierung sämtlicher Vermögen.
Was dabei gerne vergessen wird: Alles hat seine Ursachen. Dass iranische Studenten nun die Britische Botschaft in Teheran verwüsteten, empfinden selbst viele Briten, mit denen man sich dieser Tage unterhält, als nicht ganz ungerechtfertigt. Ist das Land doch unter seinem größenwahnsinnigen Premier David Cameron zu einer internationalen Aggressionsmaschine mutiert, die sich aufführt wie in guten alten Kolonialzeiten. Auch damals verübten die Briten Massenmorde an politisch unliebsamen Volksstämmen.

Das Prinzip ist dabei häufig das gleiche: Wer nicht spurt, wird besetzt oder liquidiert – wie Muhammed al Gaddafi nun in Libyen oder Saddam Hussein im Irak. Klar, in beiden Fällen traf es gewiss keine harmlosen Gestalten, sondern üble Despoten. Doch: Hat der Westen das Recht über Leben und Tot zu entscheiden? Nein, gewiss nicht. Und: Wer, wie der Westen, Tötungen anderer Menschen mehr oder weniger als Kollateralschäden kleinredet und schnell wieder vergisst – wie jetzt in Pakistan, wo die NATO „versehentlich“ 25 pakistanische Soldaten zerfetzte und umbrachte – sollte sich nicht wundern, dass, wer Gewalt säht, Gewalt erntet. Umgekehrt gilt: Wer Frieden sähet, erntet Frieden.

Diese alte christliche biblische Weisheit hat bis heute Gültigkeit. Der Westen säht Gewalt und erntet Gewalt. Die moralischen Entrüstungen des Westen, auch des deutschen Außenministers Guido Westerwelle, angesichts der Verwüstung der Britischen Botschaft im Iran, sind lächerlich und peinlich. Vielleicht sollte der eine oder andere westliche Politiker einmal wieder die Bibel studieren. Dort sind zahlreiche Weisheiten für ein gutes Miteinander geschrieben. Du sollst nicht töten lautet davon eine. Du sollst nicht lügen, eine andere. Beides tut der Westen aber – und nicht nur in Libyen sondern auch in der Iran-Politik. Das moralische Recht des Westens über andere zu richtigen, ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich geringer geworden. Das spüren auch die Menschen in den Ländern, die nicht so frei sind, wie unsere.
Foto: © istockphoto/tunart



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