Skip to main content
Donnerstag, 22. April 2021

Staatsanwalt fordert Todesstrafe für früheren Machthaber Mubarak

Seit 1981 war der einstige ägyptische Volksheld Husni Mubarak an der Macht in Ägypten. 30 Jahre. Viel Zeit, um im Guten wie Schlechten zu wirken. Mubarak tat beides.

Er machte das Land zum wichtigsten Touristenziel in Afrika. Gut 25 Prozent der Ägypter leben mittlerweile vom  Tourismus. Millionen Familien könnten ohne Touristen aus Deutschland oder anderen Ländern nicht mehr leben. Sie bringen die nötigen Devisen, sie bringen das nötige Einkommen.

Gleichzeitig stand Mubarak aber einem Staat vor, den er wie ein europäischer absolutistischer Monarch führte. Korruption, Amtsmissbrauch, menschenverachtendes Verhalten von Staatsoberen gegenüber normalen Bürgern – all das war Alltag. Für jede kleinste behördliche Genehmigung in Kairo, Luxor oder Hurghada musste Schmiergeld bezahlt werden. Recht war nur dann Recht, wenn es die Staats- oder Behördenspitze wollte. In 30 Jahren kann so etwas viel Wut und Hass bei den Ohnmächtigen auslösen.

Im Frühjahr 2011 entludt sich dieser Hass auf den ägyptischen Staat und Mubarak musste schließlich nach wochenlangen gewalttätigen Demonstrationen zurücktreten. Die Rede vom „Arabischen Frühling“ machte die Runde. Über 800 Tote hatten die Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Staatseinheiten gekostet.

800 Tote, für die Mubarak nun nach dem Willen eines ägyptischen Staatsanwalts selbst bezahlen soll: Mit seinem eigenen Leben. Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe. Grund: Mubarak soll höchstpersönlich den Befehl zum kriegerischen Einsatz gegen die zahlreichen Demonstranten auf dem Tahir Platz in Kairo gegeben haben. Ebenfalls eine Todesstrafe beantrage der Staatsanwalt gegen den damaligen Innenminister.

Die Angeklagten weisen die Vorwürfe jedoch zurück. Aktiv verteidigt sich Mubarak allerdings nicht – das übernimmt sein Anwalt. Seit Monaten verfolgt er die Gerichtsverhandlungen nur noch aus dem Krankenbett. Der Gesundheitszustand des 83-Jährigen soll sehr schlecht sein.

Anklage wuchert mit 2000 Zeugen

Die Anklage stützt sich auf Aussagen von 2000 Zeugen, die zumindest gesehen haben wollen, wie die Demonstranten getötet wurden. Ob dabei auch Zeugen sind, die tatächlich belegen können, dass Mubarak und sein Innenminister persönlich die Anweisung zur Tötung von Demonstranten gaben, ist derzeit nicht bekannt. Geheimdienste und andere ägyptische Sicherheitsorgane hatten eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bislang verweigert.

Sollte Mubarak tatsächlich hingerichtet werden, würde das für den Westen, besonders die USA, den Verlust eines weiteren jahrzehntelangen engsten Verbündeten bedeuten. Es zeigt aber auch einmal mehr: Die USA sind nie ein Freund der in guten wie schlechten Zeiten zu seinen Verbündeten steht, sondern er verändert permanent sein Verhalten. Das hätte eigentlich Mubarak wissen müssen, bevor er sich für eine jahrzehntelange Loyalität gegenüber den USA entschied.

USA ließen Mubarak wie eine heiße Kartoffel fallen – Nach 30 Jahren

Denn genauso schnell, wie die USA sich für ein Bündnis mit Mubarak vor Jahrzehnten entschieden, ließ das Land Mubarak nun gnadenlos ins Bodenlose fallen. Dass Mubarak jahrzehntelang für Stabilität in der Region und eine Aussöhnung mit Israel kämpfte, spielt nun keine Rolle mehr. Dabei gibt es nicht wenige Beobachter die es durchaus für möglich halten, dass Mubarak den Schießbefehl gegen die 800 Demonstranten gar nicht persönlich gab. Der U.S.-Präsident Barack Obama (Demokraten), sowieso nicht bekannt für große staatstragende Loyalitäten, hat sich bislang mit nicht einem guten Wort zu Mubarak geäußert. Mubarak ist also schon jetzt von allen verlassen.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Donnerstag, 22. April 2021

Recht

Drogen online kaufen: Telegram Drogenshop ist Betrug, auch angebliche 210 Euro DHL-Nachforderung für die Paketzustellung

Ein Leser, der gerne Joints raucht, macht uns auf einen Onlineshop aufmerksam, der in einer Telegram Gruppe auf Kundenfang geht. Denn nicht nur im Dark Net bewegen sich solche Shops, sondern auch in Messenger-Gruppen. Da ist Telegram keine Ausnahme. Der Name des Drogenshops: „Germany Drogen Dr…“. Eine Deutschlandflagge soll die Kunden von Joints, Kokain, Crystal Meth (umgangssprachlich auch: „Tina“), einer […]

Samstag, 13. März 2021

EU

Corona Impfkatastrophe – Politiker sollten haftbar gemacht werden wie Geschäftsführer

Kommentar – Eigentlich wollten wir uns zu dem Thema Corona an dieser Stelle gar nicht äußern. Doch so langsam sehen wir uns gezwungen, bei dem Thema doch mit einzusteigen. Grund: Die Corona-Impf-Katastrophe der EU unter der EU-Kommission und der deutschen Bundesregierung aus CDU | CSU und SPD-Chaoskoalition. Fakt ist: Jeder Vorstandsvorsitzende, jeder Geschäftsführer der in einem solchen Ausmaß Gesellschaftsvermögen beschädigt […]

Mittwoch, 10. März 2021

Erpressen

Homosexuelle Zürich und Grindr: Heimlichen Sexaufnahmen, Slamen und Lehrer

Homosexuelle Zürich | Homosexuelle Schweiz – Mit Zürich und der sonstigen Schweiz verbinden viele, Wohlstand, Anstand, gutes Verhalten. Doch wer in der chinesischen gay Dating App Grindr sich umschaut, entdeckt auch die andere Seite der Schweiz. Zahlreiche gleichgeschlechtlich liebende tragen ein in der Schweiz weit verbreitetes Verhalten zur Schau: Massiver Drogenkonsum verbunden mit Sex. Im Fachjargon ist die Rede von […]

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Vorwürfe

Abdullah Khalifa Al Marri: Dubai und Abu Dhabi sollen willkürlich Touristen oder Gastarbeiter wegen angeblichem Drogenhandel verhaften

Es ist der Nightmare von jedem Tourist oder Gastarbeiter: In einem entfernten Land verhaftet werden mit dem Vorwurf: Drogenbesitz oder Drogenhandel. So geschehen nun in Dubai. Das berichtet Lethu Nxumalo, Autor des mit 11 Millionen Lesern führende südafrikanische Nachrichtenportals „Independent Online“, kurz IOL. Demnach habe in Dubai ein Mitbewohner einer Wohngemeinschaft seinen südafrikanischen Mitbewohner, einen Gastarbeiter, bei der Polizei von […]

Sonntag, 29. November 2020

USA

Amnesty International weist Antisemitismus-Verunglimpfung der Trump-Regierung als absurd zurück

Kommentar – Jeder, der sich bei Amnesty International (AI) engagiert, wie auch einige unter uns, ist leider immer wieder mit Israel beschäftigt. Denn Israel besetzt seit Jahrzehnten völkerrechtlich illegal Land und Siedlungsgebiete, welche den Palästinensern gehören. Jetzt sieht sich Amnesty International genötigt, absurden Vorwürfen durch die US-Regierung, man sei angeblich antisemitisch, zurückzuweisen. Israel interniert seit Jahrzehnten Millionen Palästinenser, verhaftet oft […]

Mittwoch, 25. November 2020

Fußballstar

Argentinien verfügt drei Tage Staatstrauer um Maradona

Argentinien weint um seinen größten Weltstar: Das Fußballgenie Maradona starb am Mittwoch mit nur 60 Jahren. Die Fahnen hängen in ganz Argentinien auf Halbmast. Maradona ist eine der einflussreichsten argentinischen Persönlichkeiten in der Geschichte. Diego Armando Maradonas Tod wird mit einer Herzdekompensation angegeben. Die Staatstrauer gab Argentiniens Präsident Alberto Fernández am Mittwoch bekannt. Zuvor war bekannt geworden, dass mehrere Krankenwagen […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »