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Jetzt wird es peinlich: Israel verhängt Einreiseverbot gegen Günter Grass, den deutschen Literaturnobelpreisträger

Das israelische Innenministerium hat gegen den weltberühmten deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein Einreiseverbot verhängt. Er dürfe nicht mehr in den jüdischen Staat reisen. Damit setzt Israel Günter Grass auf eine Ebene mit palästinensischen Terroristen.

Politische Beobachter sprechen von einer peinlichen israelischen Aktion. Es ist das Gegenteil dessen, wofür eine Demokratie stehen sollte: Für die Meinungsfreit. Die Freiheit der Rede ist in Deutschland grundgesetzlich garantiert und wird auch in den USA als höchstes Gut anerkannt.

Nun erklärt Israel einen der größten deutschen Literaturstars zur Persona non grata. Grass hatte Israel in einem am Mittwoch in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Text, der in vielen deutschen Medien als „Gedicht“ bezeichnet wird, vorgeworfen, durch seine Pläne, den Iran militärisch anzugreifen, hart kritisiert. Der Iran ist ein altes Kulturland, das islamisch und nicht basisdemokratisch regiert wird. In den israelischen Angriffsplänen sieht Grass eine Gefahr für den Weltfrieden. Damit steht Grass jedoch nicht alleine. Ähnlich hatte sich auch schon der deutsche Krisengebiets-Experte Jürgen Todenhöfer geäußert.

Israel sieht sich durch den Iran bedroht

Israel wiederum sieht sich durch die angeblichen Pläne des Iran, eine Atombombe zu bauen, in seiner Existenz gefährdet. Offiziell streitet der Iran jedoch ab, eine Atombombe bauen zu wollen. Dennoch ließ der israelische Geheimdienst Mossad mit diversen Autobomben-Anschlägen mehrere Atomwissenschaftler im Iran umbringen. Darüber hatte unter anderem das deutsche Magazin DER SPIEGEL vor gut einem Jahr in einer umfangreichen Titelgeschichte berichtet. Heikel: Israel selbst gilt als Atombomben-Macht.

Das israelische Innenministerium sagte nun, Grass ziele darauf ab, „das Feuer des Hasses auf den Staat Israel und das Volk Israel anzufachen“. Das Ziel von Günter Grass sei es, so „die Idee“ weiterzubringen, „die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform offen unterstützt“ habe.

Günter Grass, der mit vielem seines umfangreichen Schaffens (z.B. „Die Blechtrommel) nicht nur für Generationen von deutschen Schülern und Studenten ein literarisches Vorbild ist, sondern für Schüler und Studenten weltweit, bekommt nun öffentlich auch vom deutschen ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, Wolf Biermann, Stärkung.

So sagte Biermann in der aktuellen Ausgabe der WELT AM SONNTAG, er verteidige Grass zwar „im Namen der Meinungsfreiheit“. Allerdings sei Grass „Israel-Gedicht“ eine „literarische Todsünde“. Weiter führte Biermann aus, dass Grass noch lange kein „Nazi“ sei, nur weil ihn Neonazis nun für seine Israel-Kritik lobten.

Zudem schließe Biermann definitiv aus, dass Grass jemals, auch nicht als junger SS-Mann, ein Faschist gewesen sei. „Also ist alles nicht so wild, alles nicht so schlimm“, schreibt Biermann. Dennoch urteilt der ehemalige Bürgerrechtler, der sich gerade in Israel aufhält, hart über das Grass-Gedicht, indem er in der WAMS schreibt:

„Nun werden alle über ihn herfallen, die Journalisten, weil sie Auflage schinden müssen, die Politiker, weil sie wiedergewählt werden wollen, seine Kollegen aus echtem Neid und echter Empörung. Sogar seine Bewunderer werden sich schauernd von Grass abwenden. Und er wird sich rotzig verteidigen und trotzig einbunkern in seinen Nobelruhm. Aber der schlimmsten Strafe entgeht Günter Grass nicht: Die Muse der Dichtung, die schöne Erato, krümmt sich vor Lachen und vor Schmerz über diesen dumpfbackigen Polit-Kitsch.“

Die BILD-Zeitung hatte einige Auszüge aus dem weltweit viel diskutierten israel-kritischen Grass-Text abgedruckt. Wir geben das hier wider (Quelle: Bild-Zeitung v. 5.4.2012):

„Ich schweige nicht mehr…“ / Von Günther Grass, Nobelpreisträger

Warum schweige ich, verschweige zu lange, (…)
Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren – wenn auch geheim gehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist? (…)
Jetzt aber, weil aus meinem Land (…) ein weiteres U-Bott nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist…
Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss, was schon morgen zu spät sein könnte: auch weil wir – als Deutsche belastet genug – Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das vorausschaubar ist (…)
Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern (…)



Kommentare (1)


Stefan Wehmeier 8. April 2012 um 23:54

1) Der kämpfende Pazifist, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst ist, wird keinen Unterschied machen zwischen Bürger- und Völkerkrieg, zwischen äußeren und inneren Feinden. Für ihn gibt es nur einen Krieg, nur einen Frieden. Mit gleicher Macht erstrebt er den Frieden nach innen wie nach außen.

2) Der Pazifist, der tiefer in die Beweggründe der Kriege schaut, geht noch einen Schritt weiter in der Beurteilung des Bürger- und Völkerfriedens und sagt, der Kriegsgeist, der Geist der Gewalt, ist ein Kind des chronischen bürgerlichen Kriegszustandes, der die Eingeweide aller Kulturvölker zerreißt. Wer diesen Geist bekämpfen will, muss ihn in erster Linie als Bürger im eigenen Lande bekämpfen. Der Weg zum Völkerfrieden geht über den Weg des Bürgerfriedens und nicht umgekehrt.

3) Das, was die Völker und Volksklassen in Waffen gegeneinander treibt und immer getrieben hat, sind Dinge wirtschaftlicher Natur, die Notzustände schaffen oder vorherrschen lassen, und für diese Zustände gilt das Gesetz: NOT KENNT KEIN GEBOT. Die Not bricht nicht nur Eisen, sondern auch Verfassungen, Verträge und Bündnisse und setzt sich über alle moralischen, ethischen und religiösen Hemmungen hinweg. Nichts ist schließlich der Not heilig als der Kampf gegen ihre Ursachen.

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