In Griechenland herrscht nach der Wahl pures Chaos. Viele sprechen bereits davon, die Griechen stünden vor den Trümmern ihres politischen Systems. Nicht ganz zu Unrecht: Volksparteien mutierten innerhalb weniger Monate zu Randgruppen. Kein Wunder, dass schon wenige Stunden nachdem die Wahllokale in Griechenland schlossen nun bekannt wurde: Der erste Versuch einer Regierungsbildung ist grandios gescheitert.

Die Griechen möchten es also wissen: Das Land steht vor dem kompletten politischen und wirtschaftlichen Showdown. Sie müssten noch mehr sparen, wollen aber nicht. Das Ganze in Jahrzehnten aufgebaute System aus Vetternwirtschaft, Lug und Trug, droht nun in einem einzigen gigantischen Tanz auf dem Hexenberg mit Mann und Maus in den Abgrund gezogen zu werden. Anders ist auch das Wahlergebnis, das zahlreiche Splittergruppen der Extreme ins Parlament spülte, nicht mehr zu erklären.

Mit 33 Abgeordneten völlig überraschend stark sind die ultra-nationalistischen „Unabhängigen Griechen“. In die gleiche Kategorie gehört die neofaschistische „Goldene Morgenröte“. Sie vereint 21 Mandate auf sich und verspricht den blühenden Aufgangs Griechenlands, der jedoch mit dieser Wahl in weitere Entfernung gerückt ist, denn je.

Was Wahlen in Krisenzeiten bedeuten können, lernten die Deutschen traumatisch in der Weimarer Republik kennen, als der Boden für die spätere Machtergreifung der Nationalsozialisten und Adolf Hitler gelegt wurde.

Auch jetzt wieder haben die Griechen brutal eine ihrer wichtigsten politischen Parteien in die Bedeutungslosigkeit katapultiert – die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok). Sie konnte noch vom Oktober 2009 bis November 2011 mit einer absoluten Mehrheit alleine regieren. Nun knallte sie von 46 Prozent auf lächerliche 13 Prozent ab. Ähnlich übel steht es um die konservative Nea Dimokratia (ND). Obwohl sie immer noch als zweitstärkste Partei in Griechenland gilt, konnte sie gerade einmal 19 Prozent auf sich vereinen.

Als einziger Sieger der griechischen Wahl kann sich Alexis Tsipras fühlen. Er ist mit erst 36 Jahren der Chef des „Bündnis der radikalen Linken“ (Syriza; 17 Prozent). Er droht nun endgültig Griechenland an den Abgrund zu manövrieren – durch einen Komplettbruch mit dem Kapital und der EU, damit auch mit dem Rettungsschirm.

Zwar behauptet er nach wie vor, er wolle Griechenland in der Währungsunion der EU halten, aber der Schuldendienst solle einseitig von Griechenland eingestellt werden. Dann bliebe Deutschland auf seinen 200 Mrd. Euro sitze, die ihnen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) großspurig in Aussicht gestellt hat. 8 von 10 Griechen lehnen den Sparkurs kategorisch ab. Sie wollen weiter prassen wie bisher.

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