„Mitarbeiter machen gegen rigide Arbeitszeiten mobil“, lautete Anfang November eine Schlagzeile in der Leipziger Volkszeitung (LVZ). Über ganze vier spalten schildert Frank Johannsen im Wirtschaftsteil der LVZ, unter welch sklavenhaften Bedingungen die Leipziger Arbeiter beim US-Versandkonzern Amazon zu dienen haben. Keine Frage: Die Jobs bei Amazon sind einerseits begehrt, andererseits lässt die Mitarbeiterführung zu wünschen übrig. Es herrscht ein Klima wie im 19. Jahrhundert, berichten unzählige Mitarbeiter. Ganz so, als hätte es nie eine Sozialgesetzgebung gegeben.

So heißt es im LVZ-Text: „Wegen der weiten Wege in der 75.000 Quadratmeter großen (Amazon) Halle bleibe von der Pause am Ende kaum etwas übrig. Genau achteinhalb Stunden dauere eine Schicht. Die Frühschicht ab 6.30, die Spätschicht ab 15 Uhr. ‚Und es gibt genau zwei pausen, die erste 20, die zweite 25 Minuten‘.“ Wie in einer Schule klingle ein fieser Pausengong, ganz so, wie man es in den 80er Jahren in widerlichen Fabrikhallen ebenfalls kannte.

 

 

Besonders perfide Amazon-Sklaventreiberei: Sekundengenau müssen die Arbeiter vom Arbeitsplatz flitzen, wollen sie wirklich die läppischen 20 oder 25 Minuten Pause genießen. Grund: Die ellenlangen Wege fressen leicht fünf bis acht Minuten auf, schildern Amazon-Mitarbeiter. Auch halte die Sicherheitsschleuse weitere kostbare Zeit die Arbeiter auf.

Insgesamt arbeiten im Leipziger Amazon-Werk 1.900 Mitarbeiter fest. Rund 3000 Aushilfen sollen jetzt in der Weihnachtszeit die festen Mitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützen.

Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, hat jetzt die Gewerkschaft Verdi zur Aktion „Ich bin gegen Pausenklau“ bei Amazon aufgerufen. Schon rund 600 Unterstützer seien an Bord.

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