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Dienstag, 21. Mai 2019

Seltsamer Knall in Berlin: BILD-Zeitung war im Knall-Zentrum

Reisewarnungen – Dass einige in Berlin einen Knall haben, ist bekannt und man sieht es ja auch täglich in den Nachrichten: Ob im Bundestag, beim S-Bahnfahren oder Opfer von Bettelattacken von angeblich humpelnden Rumänen am Brandenburger Tor: Immer öfters denkt man – die haben doch alle nen Knall.

Doch jetzt wird es offiziell bestätigt: Zumindest Anwohner der Berliner Regionen und Stadtteile rund um Prenzlauer Berg, Bornholmer Brücke und Gesundbrunnen haben einen Knall am Hacken. Erstmals berichteten darüber die „Prenzlauer Berg Nachrichten“ (Wochenzeitung). Doch jetzt hat auch die BILD-Berlin es offiziell bestätigt: Jemand oder etwas hat in Berlin einen Knall:

Bis zu vier Mal des Nachts gebe es in der deutschen Hauptstadt Berlin einen seltsamen mysteriösen lauten Knall, berichtet BILD-Berlin. Die Anwohner seien beunruhigt, schreibt die Zeitung genüsslich. Alle Welt rätselt nun: Was, um Gottes Willen, hat es mit dem Knall in Berlin auf sich? Doch die BILD wäre nicht die BILD, wollte sie nicht so nah wie möglich ins Zentrum des Knalls. Dabei hat die BILD einmal mehr vorgemacht, dass guter Journalismus mehr ist, als nur Nachkauen von Geschichten: BILD war direkt im Knall dabei, gewissermaßen im Zentrum des Knalls, im Urknall.

Um das erleben zu können, engagierte LUCAS NEGRONI von BILD-Berlin einen speziellen Hightech-Knall-Experten: Den Toningenieur und Visuell-Effekts-Mann Benjamin Vonrhein (29). Der Job von Toningenieur Benjamin V. im Auftrag der BILD-Berlin: Die BILD so nah wie möglich ins Zentrum des Knalls einzuschleusen. BILD wollte nicht nur dabei sein, sondern mittendrin im Knall-Zentrum.

Die BILD-Berlin schreibt: „Es ist Benjamin Vonrhein (29) von der Firma gfai tech. Mit seiner akustischen Kamera (48 Mikrofone, Spannweite 3,40 Meter) kann er Geräusche bildlich darstellen. Am vergangenen Mittwoch harren wir stundenlang auf einem Balkon im neunten Stock eines Hochhauses in der Behmstraße aus. Dann, um 22.57 Uhr, zerreißt plötzlich ein lautes Grollen die Stille. Der Knall!“

Tags darauf fieberte die BILD der Analyse des mysteriösen Knalls entgegen. Die Erkenntnis, die Benjamin Vonrhein dem wahrscheinlich fiebrig wartenden Journalisten lieferte: Die BILD war dem Zentrum des Knalls sehr Nahe – geschätzte 80 Meter. Das ist eine beachtliche Leistung. Entsprechen spekuliert die BILD-Zeitung aus Berlin weiter, was denn die Ursache des seltsamen Knalls in Berlin sein könnte. Der mysteriöse Knall könne, schreibt die Zeitung, „von einer unterirdischen Detonation stammen oder von einem großen schweren Gegenstand, der auf etwas prallt.“

Hm? Nun wurden in dem Gebiet Prenzlauer Berg, Gesundbrunnen, Bornholmer Brücke, bekanntlich zu DDR-Zeiten einige Tunnel für die Flucht aus dem östlichen Gebiet der Stadt gebaut. Ob einer dieser Tunnel nun zusammenbricht? Immerhin waren das Gebiet um die Kopenhagener Straße im Prenzlauer Berg, Mauerpark, Gesundbrunnen und Bornholmer Brücke einst ein umfangreiches Sperrgebiet. Nur spezielle staatstreue Bürger, STASI-geprüft, durften sich in einigen Gebieten dort aufhalten und dort wohnen. Holt die Berliner in dem Gebiet nun also ihre dunkle Vergangenheit ein?

Die BILD-Berlin spart sich einen solch weiten Rückblick. Stattdessen spekuliert sie: „Es gibt viele (nicht immer ernst gemeinte) Vermutungen über die Ursache: ein unterirdisches Drogenlabor, Tunnelräuber, Bauarbeiten … Nichts hat sich bislang bestätigt.“

Beängstigend: Weder das Bezirks- noch das Ordnungsamt wollen derzeit etwas von dem seltsamen Knall in dem Berliner Gebiet wissen, sagt zumindest BIlD. Die Frage drängt sich auf: Wird hier etwas verheimlicht?

Man könnte es aber auch nüchtern betrachten: Das Ordnungsamt hat den Job Tag und Nacht Autofahrer im Gebiet Prenzlauer Berg abzukassieren – wie Ballast kleben sie an den Schuhen der vermeintlichen Falschparker – besonders gerne an der bekannten Kopenhagener Straße. Das Abkassieren von nicht zahlenden Parkern ist ein Millionengeschäft für Berlin geworden. Jede kleine Lücke wird plötzlich zu einem hoheitlichen Staatsgebiet erkoren, das nur noch kostenpflichtig mobil betreten werden darf. Wie soll man da noch Zeit haben als Ordnungsamt einem Berliner Knaller auf die Schliche zu kommen?

Immerhin stellten nun auch die Berliner Verkehrsbetriebe, die BVG fest: Man habe, teilten sie via BILD mit, bereits mehrere Anfragen zum Berliner Knall gehabt, und daraufhin „unsere Schienen in der Gegend geprüft“. Aber nichts. Niente. Auch die BVG habe keinen Knall. Eine weitere These: Es könnten auch billige Silvester-Kracher sein, die ein Witzbold regelmäßig zündet, um den Berlinern ihren Knall mit schöner Regelmäßigkeit vor Augen zu führen. Ein Sadist also!

Derzeit bleibt den Anwohnern der betroffenen Berliner Bezirke nur übrig: Ängstlich verharren, wann der Knall sich zu erkennen gibt und was das dann für die Bewohner bedeutet. Einige rechnen mit dem Schlimmsten – einstürzende Gebäude, Straßen, ganze Stadtteile. Wenig tröstlich ist da denn auch das Versprechen der BILD-Berlin: „BILD bleibt weiter am Knall-Rätsel dran!“ Wenn das mal gut geht…



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