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Samstag, 24. Oktober 2020

Lufthansa-Piloten Streik: Schmeißt die Streikenden raus!

Lufthansa B 747-400 (ABVX) Foto: Ingrid Friedl Lufthansa: 01.2006 060124_747VX_01

Es ist unfassbar: Die Lufthansa-Belegschaft sorgt sich Jahr für Jahr aufs Neue, ob es unter der zunehmenden Last aus Billigkonkurrenz aus dem Nahen Osten, der in nur fünf Jahren verdoppelten Kerosin-Kosten sowie der von der CDU/CSU und FDP vor Jahren eingeführten Luftverkehrssteuer noch eine Zukunft für die Lufthansa gibt und ob das Jahr mit einem Plus oder Minus in der Lufthansa-Bilanz abgeschlossen werden kann.

Doch dessen ungeachtet, nehmen nun ausgerechnet die Top-Verdiener im Lufthansa-Konzern, die 5.400 Piloten und Pilotinnen, ihre Kolleginnen und Kollegen, den ganzen Lufthansa-Konzern, Flughäfen und Millionen Reisende in Geiselhaft. Ihr Ziel: Mehr Geld und nach wie vor eine Frührente mit 55 Jahren unter Abschlägen. Gleich drei volle Tage (von Mittwoch um null Uhr bis Freitag um 24 Uhr) möchten die Piloten und Pilotinnen der Lufthansa nächste Woche europaweit streiken.

Schon heute sollen die Lufthansa-Piloten angeblich im Schnitt zwischen 75.000 und 250.000 Euro im Jahr verdienen. Es heißt, wonach auch die Billigfluglinie, die Lufthansa-Tochter Germanwings, in den Streik der Piloten einbezogen werden solle.
Bereits am Donnerstag gab es gleich an sieben deutschen Flughäfen Streiks – allerdings nicht durch Piloten, aber Flughafenmitarbeiter. Bei den Piloten geht es um höhere Gehälter und eine spätere betriebsinterne Rente (statt mit 55 Jahren unter Abschlägen in die Rente gehen, erst mit 65).

Der Warnstreik auf sieben deutschen Flughäfen am vergangenen Donnerstag war nur ein Vorspiel zu dem, was nun ab Mittwoch auf die Flugpassagiere zukommt.

Derzeit lässt die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ erklären, wonach man bislang keine „Annäherung“ zwischen Streikenden Piloten und Pilotinnen und der Lufthansa habe erzielen können.

Schon heute ist klar: Die Lufthansa-Piloten verüben in einem Ausmaß einen wirtschaftlichen Schaden am eigenen Unternehmen, den man nur noch als Krieg gegen das eigene Unternehmen bezeichnen kann.

So liege der Schaden, errechnen Fachleute, bei geschätzten 30 bis 50 Millionen Euro. Und das, wo Tausende Stellen seit Jahren im Lufthansa-Konzern abgebaut werden, um Personalkosten zu sparen. „Wir mussten 20% der Stellen in unserer Abteilung abbauen, damit das, was wir nun erspart haben, sich unsere eigenen verehrten Kolleginnen und Kollegen in den Cockpits in die Taschen stecken können“ empört sich ein Lufthansa-ITler.

Kommentar:

Bei allem Verständnis für gutes Geld für gute Arbeit: Aber es gehört auch Anstand zum Geschäft, dass man Maß halten kann. Das was die Piloten und Pilotinnen jetzt im Lufthansa-Konzern vollziehen, geht weit über einen Kampf für übliche soziale Standards der eigenen Klientel hinaus. Es ist unverantwortlich.

Hinzu kommt die zunehmende Diskrepanz im Piloten-Beruf. So gibt es Billigairlines in Deutschland, die ihre Piloten zu Dumpinglöhnen beschäftigen und ihnen frech ins Gesicht sagen, sie sollten froh sein, dass sie überhaupt ihre Flugstunden für ein Butter und ein Ei bei ihnen ableisten dürften. Und das, wo sie täglich Hunderte Menschen durch die Luft fliegen. So liege das Gehalt einiger Nicht-Lufthansa-Piloten mitterweile bei um die 1.500 Euro brutto monatlich, behauptet zumindest ein Pilot einer Airline in Deutschland gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com.

Dabei ist klar: Solche Lohndumpings für Piloten will niemand – dafür ist ihre Verantwortung gegenüber hunderten Fluggästen zu groß.

Das kann aber im Umkehrschluss auch nicht bedeuten, dass Gehälter für Pilotinnen und Piloten die Gehälter vergleichbarer Berufsgruppen ungezügelt übersteigen. Es muss Gerechtigkeit geben – und Gerechtigkeit kann nicht bedeuten, dass man sich das erzwingt, was man selbst als „gerecht“ ansieht, sondern dass man seine Ansprüche in einen gesellschaftlichen Kontext stellt und in den Kontext der Situation des eigenen Arbeitgebers. Im konkreten Fall also den der Lufthansa. Dabei wissen wir alle: Die Lufthansa muss um ihr langfristiges Überleben als eigenständige Airline kämpfen.

Wenn wir die Lufthansa als nationales Gut in Deutschland behalten möchten, können wir nicht unterstützen, wenn einzelne Berufsgruppen ihre starke strategische Position ausnutzen, um einen ganzen Konzern, an dem hunderttausende Existenzen hängen, in eine nachhaltige Schieflage bringen.

Deshalb sehen wir nur eine Möglichkeit für die Lufthansa: Schmeißt die Erpresser in den nächsten Jahren Stück für Stück raus. Es geht um das Gemeinwohl der Lufthansa langfristig – und nicht das ausschließliche Wohl der Piloten und Pilotinnen.



Kommentare (2)


Georg 31. März 2014 um 15:57

Klasse Bericht, sehe ich in allen Punkten genauso.
Ich halte es außerdem für eine maßlose Frechheit, dass die Streiks in die Osterferien von Niedersachsen und Bremen gelegt werden, also zusätzlich zur absolut überzogenen Dauer auch noch komplett der falsche Zeitpunkt.
Ein echtes Armutszeugnis für die Piloten und noch mehr für die Cockpit Gewerkschaft.

Antworten

mo 29. März 2014 um 0:35

wenn dann korrekt berichten.
es haben am Donnerstag keine Piloten gestreikt!!
vollkommen verdrehter bericht, mehr als peinlich

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