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Dienstag, 27. Oktober 2020

Karachi Flughafen: Flugzeugentführungen von Taliban und Al-Qaida-Terrornetzwerk angekündigt

Pakistan kommt nicht zur Ruhe. Nachdem bereits vor Tagen Terroristen der Al Qaeda (arabisch: القاعدة) sowie der Taliban – möglicherweise auch der Anti-Schiiten-Terrorgruppe Lashkar-e-Jhangvi – den wichtigsten Flughafen Pakistans, Karachi International Airport, welcher auch als „Jinnah International Airport“ bekannt ist, angegriffen haben, gehen die Anschläge derzeit möglicherweise weiter. Man wolle nun auch Flugzeuge entführen, teilten die Terroristen mit.

Die Regierung Pakistans behauptet derweil, sie habe die Situation angeblich im Griff. Doch schon jetzt haben die Terrorangriffe auf Karachis Flughafen 27 Tote erfordert. Derzeit fragen sich viele: Wie konnte es sein, dass zahlreiche Terroristen schwerbewaffnet überhaupt in die Nähe des wichtigsten Flughafens von Pakistan gelangen konnten? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, die sehr informative englischsprachige Biographie von Pervez Musharraf zu lesen:

Doch als ob Pakistan derzeit keine anderen Probleme hat, inszeniert die pakistanische aktuelle Regierung seit Monaten einen Showprozess gegen Pervez Musharraf, der als einer der fähigsten Führer Pakistans in den vergangenen Jahrzehnten gilt. Die aktuelle Regierung bedroht Musharraf mit lebenslanger Haft. In seiner bereits vor Jahren publizierten Biographie erklärt Musharraf, wie stark der Terrorismus das Land Pakistan in seinen Krallen hält, und dass auch er mehrmals haarscharf einem Mordanschlag zum Opfer gefallen wäre.

Dass Pakistan große Probleme im Umgang sowohl mit Al-Qaida wie auch den Taliban hat, ist seit Jahren bekannt. Die USA nehmen dieses gerne als Argument und Vorwand dafür, warum die USA in Pakistan nach Schätzungen mit den unbemannten Kampfflugzeugen, den Drohnen, in den vergangenen fünf Jahren weit über 3.000 Menschen durch Luft-Angriffe mit Raketen getötet haben. Darunter waren sowohl Terrorverdächtige als auch Hunderte Zivilisten.

Die pakistanische Regierung schwankt im Bereich der US-Drohnenangriffe auf pakistanischem Grund und Boden zwischen Äußerungen, wie „haben wir niemals erlaubt“ und stillschweigender Akzeptanz. Doch eines ist auch klar: Die Zivilbevölkerung Pakistans, die unmittelbar von den amerikanischen Drohnenangriffen betroffen ist, „hasst die USA für die Tausenden unschuldigen Toten“, sagt ein im pakistanischen Gebirge wohnender 23-Jähriger, dessen Familie dort seit Jahrhunderten als Farmer tätig ist.

Regierung Pakistans scheint Terror recht hilflos gegenüber zu stehen

Wie schwierig die Situation in Pakistan ist, das schreibt nicht nur der ehemalige pakistanische General Peres Musharraf, sondern auch der ehemalige pakistanische General Masood. Er sagt, er habe das Gefühl, dass die Regierung Pakistans letztlich dem Terror von Al-Qaida und der Taliban recht „hilflos gegenübersteht“.

Immerhin kann die pakistanische Regierung nun darauf verweisen, dass von den 25 bis 27 Toten an Pakistans Flughafen gut 10 direkt den Angreifern zuzuordnen seien. Doch ob das stimmt oder nicht, kann nicht überprüft werden. Denn für die Regierung von Pakistan wäre es eine weitere große Blöße und könnte zu einer weiteren ernsten Staatskrise ausufern, wenn sie zugeben müsste, dass sie einmal mehr nicht in der Lage war, für die Sicherheit der eigenen Bürger, aber auch von Touristen oder Geschäftsreisenden zu sorgen.

Aktuell heißt es zudem, wonach wieder Landungen und Starts vom Flughafen in Karachi möglich seien. Von der Sicherheitslage vor Ort habe sich Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan persönlich ein Bild gemacht, welcher am Montag am Flughafen eingetroffen war.

Zwar kann Pakistans Premierminister Nawaz Sharif darauf verweisen, dass er im Jahr 2013 mit einer überwältigenden Mehrheit die Wahl gewonnen hatte und deshalb über eine stabile Regierungsmehrheit verfügt. Doch dürfte der hinterhältige Anschlag auf den für Pakistan so wichtigen Flughafen nachhaltig in der Bevölkerung das Misstrauen gegen die Fähigkeit der eigenen Regierung schüren. Viele Fragen sich nun: Wenn die Regierung noch nicht einmal einen solch wichtigen strategischen Punkt wie den Flughafen sichern kann, wie schaut es dann erst in ländlichen Gebieten und der sonstigen Sicherheit aus?

Zwar habe man, sagte Pakistans Regierungschef mehrmals, ausführliche Verhandlungen mit den Taliban über einen Waffenstillstand verhandelt – doch erfolgreich und zuverlässig scheinen die dünnen Abkommen offensichtlich nicht zu sein. Das mag auch daran liegen, dass die Taliban, wie Al-Qaida, ein loses Netzwerk von nicht direkt miteinander verbunden Terroristen ist. „Eine Horde Verrückter und Verblendeter bekommt man einfach nicht unter einen Hut“, sagt ein Pakistani gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com.

Mit jedem Drohnentoten werden der Hydra Taliban weitere Terroristen zugeführt

Doch erschwerend kommt hinzu, dass mit jedem Drohnenschlag, mit jedem Drohnentoten, welchen die USA im Rahmen ihres weltweiten Drohnenkrieges herbeiführen, der Hydra Taliban und Al-Qaida weitere neue Menschen zugeführt werden – darunter Zivilisten, die beispielsweise einen harmlosen zivilen Onkel, eine Tante, das eigene Kind, Oma oder den Vater verloren haben. Aus diesem Dilemma kommen die USA einfach nicht heraus.

Die Terroristen der Taliban oder Al-Qaida haben es aber längst nicht mehr nur auf strategisch wichtige Gebäude abgesehen. Im Fokus stehen alle möglichen Ziele: Politiker, Zivilisten, Soldaten, Polizisten, Menschenrechtler, Journalisten. Kürzlich traf es selbst einen der bekannten TV-Talker des Landes: Hamid Mir. Er überlebte einen Mordanschlag auf ihn in Karachi nur um Haaresbreite.

Die Taliban selbst sagten nun, ihr Ziel sei es, Pakistan komplett zu destabilisieren, dabei greife man auf jedes Terrormittel zurück. Hierzu gehörten auch Flugzeug-Entführungen und die Zerstörung staatlicher Institutionen, so Taliban-Sprecher Shahidullah Shahid gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Wie schwierig das Terror-Gemengelage in Pakistan ist, zeigt sich daran, dass bereits vor sieben Jahren, im Dezember 2007, sich 13 unterschiedlichste pakistanische Terrorgruppen unter dem Schirm der Terrororganisation „Tehrik-i-Taliban Pakistan“, kurz TTP, vereint hatten und seither auch unter den Namen „Pakistani Taliban“ im Land Woche für Woche Terroranschläge begehen.

Logistischer und intellektueller Führer der Terrorgruppe ist Baitullah Mehsud. Ihm wird zudem die Erschießung und Ermordung von Benazir Bhutto zugeschrieben, die während einer Wahlkampfveranstaltung in einem Auto erschossen worden war, während sie sich ungeschützt aus dem Auto gelehnt hatte. Zuvor hatten zahlreiche Sicherheits-Fachleute sie gewarnt, sie solle sich nicht ungeschützt der Menge zeigen.



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