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Dienstag, 16. Oktober 2018

Auschwitz: Nazi-Jäger Thomas Walther Rache-Justiz wegen Verhaftung des 89-Jährigen Johann Hans Breyer vorgeworfen / Rechtssystematik wird geändert

Immer mehr deutsche Staatsanwaltschaften und Gerichte verändern derzeit die Rechtsprechung in Bezug auf die Verbrechen im nationalsozialistischen Deutschland: Galt über Jahrzehnte, dass jedem vermeintlichen Täter die individuelle Schuld durch die Staatsanwaltschaft und das Gericht nachgewiesen werden musste, verkehren immer mehr deutsche Staatsanwälte und Gerichte das rechtsstaatliche Prinzip des Nachweises individueller Schuld:

Man setzt zunehmend auf die kollektive Schuld aller, die für ein nationalsozialistisches Konzentrationslager jemals arbeiteten. Doch das stößt zunehmend vor allem in den USA auf Kritik – wie jetzt wieder im Falle der Verhaftung des 89-Jährigen US-Bürgers Johann Hans Breyer (auch: Johann Breyer) aus Philadelphia: Der Vorwurf durch den Vertreter der süddeutschen Justiz, von Nazi-Jäger Thomas Walther:

Hans Breyer habe durch seine Tätigkeit in einem Nazi-Camp unmittelbar Mitschuld an der Ermordung von 216.000 Juden, Frauen und Kindern, da er im Nazi-Vernichtungslager Auschwitz im Zweiten Weltkrieg als Aufpasser tätig gewesen sei.
Deshalb habe die süddeutsche Staatsanwaltschaft über ein Gericht in den USA die Verhaftung des 89-Jährigen erreicht, schreiben US-Medien. Die Nacht vom 17. auf den 18. Juni 2014 habe Breyer in U-Haft verbracht, berichten diese.

Dabei hatte bereits im Jahr 2003 ein US-Gericht gesagt, dass es keine genügend Beweise gegenüber Hans (John) Breyer sehe, zumal er in Bezug auf seine Tätigkeit in Auschwitz-Birkenau unter das Minderjährigen-Gesetz falle, denn damals sei er gerade einmal 17 Jahre alt gewesen.

Dennoch behauptet nun das Distrikt-Gericht von Weiden, einer bayerischen Stadt, man habe neue Beweise, wonach Breyer in 158 Fällen sich der Komplizenschaft des Mordes im deutschen Vernichtungslager Auschwitz während der Nazi-Terrorherrschaft schuldig gemacht habe.

Doch kommt in den USA immer stärker Kritik an dem Vorgehen der deutschen Behörden in Bayern hoch. So fragt zum Beispiel CNN legal analyst Jeffrey Toobin: „One of the core issues, how can the German government or any government charge someone with a crime so long after the actual crime?… How can you have the evidence? How can you put on witnesses? How can you prove what happened in the 1940s?“.

Jedenfalls sagt der Verteidiger von Johann Hans Breyer, wonach sein Klient unschuldig sei: „Herr Breyer ist keine Gefahr für niemanden“, sagte er. Außerdem sehe er keine Verdunkelungsgefahr für seinen 89-Jährigen Klienten, was eine Verhaftung notwendig mache oder notwendig gemacht habe.

Des Weiteren schreiben US-Medien, wonach Thomas Walther, „a former federal prosecutor with the special office that investigates Nazi war crimes in Germany“, Familien repräsentiere, deren Angehörige in Ausschwitz umgekommen seien. Zudem zitieren US-Medien Walther mit den Worten, wonach man auch heute noch Gerechtigkeit finden müsse für die Opfer, deren Söhne und Töchter.

Thomas Walther hatte bereits vor rund fünf Jahren die Verhaftung des damals 89-jährigen John Demjanjuk in den USA wegen seiner Tätigkeit in einem Nazi-Konzentrationslager maßgeblich vorangetrieben.

Liest man sich nun die über 7.100 Kommentare durch, die alleine auf CNN zu der Verhaftung Breyers veröffentlich wurden, scheint die breite Masse der Amerikaner die Verhaftung des 89-Jährigen Johann Hans Breyer eher kritisch bis ablehnenden zu sehen:

So schreibt beispielsweise James Bruins in seinem Kommentar auf CNN: „There is a difference between justice and vengeance. Arresting an 89-yr old man who was an insignificant prison guard when he was 17, a boy who was taught to take orders, a boy who was in no position of authority or command….that is vengeance, not justice.“

Übersetzt heißt das: „Es gibt einen Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Rache. Die Verhaftung eines 89 Jahre alten Mannes, der ein unbedeutender Gefängniswärter war, als er 17 Jahre alt war, ein Junge also, der für die Bestellannahme unterrichtet wurde, ein Junge, der nicht in der Position des Auftraggebers oder Befehlgebers war… war – das ist Rache, nicht Gerechtigkeit.“

Ähnlich äußerte sich eine Amerikanerin gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com: „Das was der deutsche Nazijäger Thomas Walther macht, ist doch Rache-Justiz und weniger eine Justiz der wirklichen Gerechtigkeit gegenüber den Opfern. Denn die eigentlichen Täter sind doch längst tot und die wurden oftmals auch verschont – vor allem wenn sie in hohen Positionen im Nachkriegs-Deutschland saßen. Mir kommt das nun so vor: Die Kleinen hängt man, die Großen hat man zu oft laufen lassen.“



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