Skip to main content

Auschwitz: Nazi-Jäger Thomas Walther Rache-Justiz wegen Verhaftung des 89-Jährigen Johann Hans Breyer vorgeworfen / Rechtssystematik wird geändert

Immer mehr deutsche Staatsanwaltschaften und Gerichte verändern derzeit die Rechtsprechung in Bezug auf die Verbrechen im nationalsozialistischen Deutschland: Galt über Jahrzehnte, dass jedem vermeintlichen Täter die individuelle Schuld durch die Staatsanwaltschaft und das Gericht nachgewiesen werden musste, verkehren immer mehr deutsche Staatsanwälte und Gerichte das rechtsstaatliche Prinzip des Nachweises individueller Schuld:

Man setzt zunehmend auf die kollektive Schuld aller, die für ein nationalsozialistisches Konzentrationslager jemals arbeiteten. Doch das stößt zunehmend vor allem in den USA auf Kritik – wie jetzt wieder im Falle der Verhaftung des 89-Jährigen US-Bürgers Johann Hans Breyer (auch: Johann Breyer) aus Philadelphia: Der Vorwurf durch den Vertreter der süddeutschen Justiz, von Nazi-Jäger Thomas Walther:

Hans Breyer habe durch seine Tätigkeit in einem Nazi-Camp unmittelbar Mitschuld an der Ermordung von 216.000 Juden, Frauen und Kindern, da er im Nazi-Vernichtungslager Auschwitz im Zweiten Weltkrieg als Aufpasser tätig gewesen sei.
Deshalb habe die süddeutsche Staatsanwaltschaft über ein Gericht in den USA die Verhaftung des 89-Jährigen erreicht, schreiben US-Medien. Die Nacht vom 17. auf den 18. Juni 2014 habe Breyer in U-Haft verbracht, berichten diese.

Dabei hatte bereits im Jahr 2003 ein US-Gericht gesagt, dass es keine genügend Beweise gegenüber Hans (John) Breyer sehe, zumal er in Bezug auf seine Tätigkeit in Auschwitz-Birkenau unter das Minderjährigen-Gesetz falle, denn damals sei er gerade einmal 17 Jahre alt gewesen.

Dennoch behauptet nun das Distrikt-Gericht von Weiden, einer bayerischen Stadt, man habe neue Beweise, wonach Breyer in 158 Fällen sich der Komplizenschaft des Mordes im deutschen Vernichtungslager Auschwitz während der Nazi-Terrorherrschaft schuldig gemacht habe.

Doch kommt in den USA immer stärker Kritik an dem Vorgehen der deutschen Behörden in Bayern hoch. So fragt zum Beispiel CNN legal analyst Jeffrey Toobin: „One of the core issues, how can the German government or any government charge someone with a crime so long after the actual crime?… How can you have the evidence? How can you put on witnesses? How can you prove what happened in the 1940s?“.

Jedenfalls sagt der Verteidiger von Johann Hans Breyer, wonach sein Klient unschuldig sei: „Herr Breyer ist keine Gefahr für niemanden“, sagte er. Außerdem sehe er keine Verdunkelungsgefahr für seinen 89-Jährigen Klienten, was eine Verhaftung notwendig mache oder notwendig gemacht habe.

Des Weiteren schreiben US-Medien, wonach Thomas Walther, „a former federal prosecutor with the special office that investigates Nazi war crimes in Germany“, Familien repräsentiere, deren Angehörige in Ausschwitz umgekommen seien. Zudem zitieren US-Medien Walther mit den Worten, wonach man auch heute noch Gerechtigkeit finden müsse für die Opfer, deren Söhne und Töchter.

Thomas Walther hatte bereits vor rund fünf Jahren die Verhaftung des damals 89-jährigen John Demjanjuk in den USA wegen seiner Tätigkeit in einem Nazi-Konzentrationslager maßgeblich vorangetrieben.

Liest man sich nun die über 7.100 Kommentare durch, die alleine auf CNN zu der Verhaftung Breyers veröffentlich wurden, scheint die breite Masse der Amerikaner die Verhaftung des 89-Jährigen Johann Hans Breyer eher kritisch bis ablehnenden zu sehen:

So schreibt beispielsweise James Bruins in seinem Kommentar auf CNN: „There is a difference between justice and vengeance. Arresting an 89-yr old man who was an insignificant prison guard when he was 17, a boy who was taught to take orders, a boy who was in no position of authority or command….that is vengeance, not justice.“

Übersetzt heißt das: „Es gibt einen Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Rache. Die Verhaftung eines 89 Jahre alten Mannes, der ein unbedeutender Gefängniswärter war, als er 17 Jahre alt war, ein Junge also, der für die Bestellannahme unterrichtet wurde, ein Junge, der nicht in der Position des Auftraggebers oder Befehlgebers war… war – das ist Rache, nicht Gerechtigkeit.“

Ähnlich äußerte sich eine Amerikanerin gegenüber dem Antikriegsportal kriegsberichterstattung.com: „Das was der deutsche Nazijäger Thomas Walther macht, ist doch Rache-Justiz und weniger eine Justiz der wirklichen Gerechtigkeit gegenüber den Opfern. Denn die eigentlichen Täter sind doch längst tot und die wurden oftmals auch verschont – vor allem wenn sie in hohen Positionen im Nachkriegs-Deutschland saßen. Mir kommt das nun so vor: Die Kleinen hängt man, die Großen hat man zu oft laufen lassen.“



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Freitag, 04. März 2022

Kriege & Lügen

Flugverbotszone NATO in Ukraine hieß 26.000 Bombenangriffe der NATO auf Libyen

Kommentar – War da was? Flugverbotszone? Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja: Wir erinnern uns an das Jahr 2011 zurück. Damals stellte der Westen mit seinem „Verteidigungsbündnis“ vor dem UN-Sicherheitsrat schon einmal einen Antrag eine angebliche „Flugverbotszone“ einrichten zu wollen. Nur nicht über der Ukraine, sondern in Libyen. Man überzeugte damals, vor zehn Jahren, den UN-Sicherheitsrat, also auch Russland und […]

Dienstag, 01. März 2022

Krieg

Amnesty International kritisiert russische Invasion der Ukraine scharf: Menschenrechte und Menschenleben gefährdet

Die weltweit tätige Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert scharf den Angriffskrieg des Putin-Regimes, das seit gut 20 Russland regiert. So schreibt Amnesty International: Nachdem Russland begonnen habe, „die gesamte Ukraine anzugreifen“ rufe die größte Menschenrechtsorganisation der Welt „zur unbedingten Einhaltung der internationalen Menschenrechtsnormen und des humanitären Völkerrechts auf“. „Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Nach wochenlanger Eskalation hat eine russische Invasion […]

Dienstag, 01. März 2022

Trumpf

Nicola Leibinger-Kammüller zur Ukraine Krise: „allzu oft beiseite geschaut“

Die schwäbische Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller hat auf ihrem LinkedIn-Kanal sich zur aktuellen Ukraine-Krise geäußert. Wir geben ihre mahnende und weitblickende Stellungnahme ungekürzt zur Kenntnis: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei TRUMPF wir alle sehen an den Bildschirmen seit letzter Woche dramatische Bilder aus dem Osten Europas. Panzer und schwere Artillerie rollen auf den Straßen. Autoschlangen mit Zivilisten bewegen sich aus der […]

Dienstag, 07. September 2021

Terror

Taliban geben Afghanistan neuen Namen ‚Islamisches Emirat Afghanistan‘

Die muslimisch-terroristische Organisation der Taliban haben die Bildung einer neuen „Charakter“-Regierung in Afghanistan angekündigt. Nach Angaben des US-Polizeidienstes FBI handele es sich beim Taliban Regierungsanführer um einen Terroristen. Die Bildung einer Regierung unter der militanten Taliban Terror-Gruppe hatte sich zuvor verzögert. Sie soll zweimal versucht haben, eine neue Regierung zu bilden, nachdem sie mit Terroranschlägen und Terrorgewalt die alte Regierung […]

Samstag, 21. August 2021

Justiz

Forensischen Psychiatrie Münsterlingen in der Kritik wegen Psychopharmaka-Depotspritzen bei Gefangenen

Folter Psychatrien Kommentar – Ein Whistleblower:in der Forensische Abteilung der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen im Schweizerischen Kanton Thurgau ist Anlass dieser Berichterstattung. Demnach würden von Gerichten in die Psychiatrie Münsterlingen eingewiesene Straftäter angeblich mit Dreimonats-Psychopharmaka-Spritzen so ruhig gestellt, dass sie teils wie „Zombies“ tagelang dort herumliefen. Die Psychopharmaka-Orgien würden angeblich recht pauschal an den derzeit rund 30 Straftätern stattfinden, welche dort […]

Sonntag, 15. August 2021

Lukaschenka

Belarus: Aktivisten weiter in Untersuchungshaft in Weißrussland

Mit weiterhin brutaler Staatsgewalt geht der Staatsapparat des weißrussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka [auch: Lukaschenko] gegen Oppositionelle und Gegner vor. Immerhin berichtet nun Amnesty International, dass Nina Labkovich am 23. Juli 2021 freigelassen worden ist. Die Aktivisten Ales Bialiatski, Valyantsin Stefanovich und Uladzimir Labkovich befinden sich nach AI-Informationen aufgrund ihrer Arbeit im Menschenrechtszentrum Viasna weiterhin in Untersuchungshaft. Die strafrechtliche Verfolgung der […]

Du kannst das Setzen nicht funktionaler Cookies hiermit unterbinden. Hier klicken um dich auszutragen.
Translate »