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Wie gefährlich agiert die Europäische Zentralbank mit Euro-Wechselkurs-Manipulationen?

Wer derzeit Urlaub in den USA macht, oder auf Geschäftsreise dort ist, traut seinen Augen nicht: Es ist gut sechs Jahre her, dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, also 2008, als der Euro im Wechselkurs zum Dollar bei um die 1,20 Euro stand. Das bedeutet: So teuer wie im November 2014, war ein Aufenthalt in den USA für Deutsche oder andere Bürger der Euro-Mitgliedsländer schon lange nicht mehr.

Noch im Mai 2014 lag der Wechselkurs bei 1,40. Was ist geschehen, fragen sich viele? Bereits Anfang Oktober 2014 widmete das Münchner Nachrichtenmagazin Focus dem Thema zwei ganze Seiten unter der Schlagzeile „Die Weichmacher“. Autoren waren Wassilios Aswestopoulos, Eva Kallinger, Tanja Kuchenbecker, Henning Lohse, Hans-Jürgen Moritz, Frank Thewes und Alexander Wendt. Der Vorwurf: Der Chef der Europäischen Zentralbank, der Italiener Mario Draghi, habe die EZB zu einem Spielball der Politik in den Euro-Krisenländern gemacht. Dies habe, schreibt der Focus, „fatale Folgen für die Währung und die deutschen Sparer“:

Zum Zeitpunkt dieser Focus-Geschichte Anfang Oktober 2014 lag der Wechselkurs Euro gegen Dollar noch bei 1,25 Euro. Jetzt, nur einen Monat später, liegt er bei nur noch 1,20. Das deutet vor allem auf eines hin: Hier sind nicht die natürlichen Kräfte der Finanzmärkte am Spiel, sondern hier wird handfeste fiskalische Politik gemacht: Die EZB drückt den Euro bewusst massiv nach unten, möchte damit Exporte ermöglichen und Kredite billiger an die Banken vergeben können.

Ein riskantes Manöver, für das einer der Väter des Euro, der deutsche ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus (Autor: Frank Thewes) bereits vor vier Wochen nur ein Wort übrig hatte: Das Weichklopfen des Euros durch die EZB sei ein „unerhörter Vorgang“.

Risiken der Euro-Kursmanipulation durch die EZB

Weiter hatte Stark dem Focus gesagt, wonach der Versuch der EZB, den Euro im Verhältnis zum Dollar weiter zu schwächen, „ein Akt der Verzweiflung“ sei, wobei er sicher sei, dass das gewünschte Ergebnis nicht erzielt werde: „Denn die wahren Probleme des Euro-Raums liegen nicht in einer zu restriktiven Geldpolitik. Sie liegen in den versteinerten wirtschaftlichen Strukturen einzelner großer Euro-Länder, die das wirtschaftliche Wachstum hemmen, und in der äußerst zögerlichen Bereinigung der Bankbilanzen. Die EZB demonstriert nicht Führung, sondern gibt den Erwartungen der Finanzmärkte als auch politischem Druck aus Frankreich und Italien nach“.

Weiter sagte er: „Diese Art der Wechselkursmanipulation empfinde ich als einen schockierenden Vorgang.“ Kritisch sieht Jürgen Stark auch den massenhaften Aufkauf von offensichtlichen staatlichen Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank: „Die EZB nimmt mit diesen Papieren unkalkulierbare Risiken auf ihre Bilanz. Dafür müssen die Steuerzahler des Euro-Gebiets im Fall von Verlusten haften“. Dieses wiederum könne „zu erheblichen Umverteilungseffekten zwischen den Mitgliedsstaaten führen“. Doch genau dafür habe die Europäische Zentralbank „keine demokratische Legitimation“, lautet der Vorwurf von Stark.

Deutsche sollen im Krisenfall wieder für die EU blechen, aber die EZB-Webseite gibt es noch nicht einmal auf deutsch

Übersetzt man diese Worte zu den Taten der EZB, heißt dies nichts anderes, als: Es werden wohl die deutschen Steuerzahler sein, welche die größten Zahlmeister einer möglicherweise fehlgeleiteten teuren Finanzpolitik durch den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sind. Schon heute müssen die Deutschen rund 20% des EU-Nettohaushaltes im Jahr bezahlen, verfügen aber nur über rund 13% der Stimmrechte im EU-Parlament.

Kein anderes EU-Land steuert so viel bei wie Deutschland. Hinzu kommt: Dass sich die Berliner Politik peinlich und geradezu lächerlich devot gegenüber EU-Institutionen verhält, zeigt sich auch daran, dass es die EZB-Webseite nur in Englisch und nicht einmal in Deutsch gibt. Nach dem Motto: Die Masse der Deutschen soll zwar blechen, aber verstehen, was die Europäische Zentralbank auf ihrer Webseite veröffentlicht, sollen sie es nicht. Wozu die EZB-Politik der Niedrigzins-Politik und Währungsmanipulation führt, errechnete beispielhaft Focus:

Nach Berechnungen des Magazins Focus würde bei dem derzeitigen durch die EZB herbeigeführten niedrigsten Zins-Niveau (0,5 bis 2%) in zehn Jahren aus 10.000 Euro unter Berücksichtigung der jährlichen Inflation von rund 2% gerade noch ein Kaufkraft-Gegenwert von 8.170,73 Euro bis 9.043,82 Euro vorhanden sein.

Das bedeutet für den Sparer einen Verlust von bis zu fast 2.000 Euro Nettogeld vom angelegten Nettogeld. Hinzu kommt: In einer Altersvorsorge angespart, kassiert der deutsche Staat später sogar noch einmal rund 25% Steuern von diesem Geld.



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