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Freitag, 30. Oktober 2020

Verbrecherstaat Mexiko: 43 Studenten ermordet, Polizisten Mittäter in Iguala

Die immer mysteriöseren Umstände um die 43 seit Wochen vermissten Studenten und Studentinnen aus Mexiko sind einigermaßen aufgeklärt. Die Studenten seien nach bisheriger Erkenntnis von Polizisten während einer Busfahrt oder Demonstration festgehalten und nach einer scheinheiligen Kontrolle angeblich gekidnappt und an Gangster übergeben worden. Auftraggeber soll das örtliche Bürgermeister-Ehepaar gewesen sein.

Drei angebliche Tatbeteiligten hätten nun gestanden. Das sagte Mexikos Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam. Sie hätten die Studenten nach der Bus-Entführung im südlichen Bundesstaat von Mexiko, in Guerrero, in der Nähe eines „municipal garbage dump“ (kommunale Mülldeponie) erschossen. Anschließend hätten sie die Leichen in einem gigantischen Höllenfeuer verbrannt und die Überreste in den Fluss San Juan in Cocula, einer Stadt in der Nähe von Iguala, gekippt. Diese neue Erkenntnis dürfte unter Millionen Mexikanern – einem seit Jahren von blutigsten Drogenkriegen gebeutelten Land – einmal mehr die Seele aufreißen. Seit Wochen gingen Tausende auf die Straßen und hatten für die Studenten gebetet:

In unzähligen Videos und Fotos hatte Mexikos Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam vor unzähligen versammelten Journalisten Hunderte Bilder gezeigt von Körperresten, Knochen, Zähnen. Die menschlichen Überreste hatten die Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden in Hundertschaften aus dem Fluss und den Rändern des Flussbettes gefischt.

Die jungen Opfer

Schwierig sei es nun, erklärte Mexikos oberster Staatsanwalt, die menschlichen Überreste eines nach derzeitigem Stand bestialischen Massenmordes mittels der DNA-Technik den zahlreichen unzähligen jungen Opfern namentlich zuzuordnen. Insgesamt 14 quälende Stunden habe nach bisheriger Erkenntnis die bestialische Hinrichtung der – nach allem was man annehmen darf – verzweifelten und wehrlosen Studenten gedauert.

„Ich weiß, dass diese Informationen ihren Familien enormen Schmerz bereiten werden, genauso, wie wir alle sehr leiden“, erklärte Chef-Ankläger Karam. Zur Aufklärung würden nun, so Karam, internationale Experten hinzugezogen.

Bislang stehen 74 Menschen unter Verdacht, in die Entführung und den anschließenden Massenmord in Mexiko – einer von unzähligen in den vergangenen Jahren – verwickelt gewesen zu sein. Dabei ist nicht klar, wer wie viel wusste. Vor allem ist nicht klar, ob auch den Polizisten – die wohl auf Anweisung des Bürgermeister-Ehepaares, das in Drogengeschäfte verwickelt war – gehandelt hatten, wussten, dass sie die Vorhut zur Hölle für die Studenten waren.

Im Glauben auf staatlichen Schutz waren sie den Polizisten gefolgt

Die Polizisten hatten angeblich am 26. September Studenten, die zu einer Demonstration fahren wollten oder bereits auf einer Demonstration waren, „attackiert“. Was unter „attackiert“ zu verstehen ist, ist bislang nicht klar, da die Informationslage nach wie vor diffus ist. Zunächst hatte es bereits vor Wochen geheißen, die Polizisten hätten einen Bus mit den Studenten kontrolliert und diese dann in eine falsche Richtung fahren lassen.

Jetzt heißt es, die Polizisten hätten 49 demonstrierende Studenten und Studentinnen in der mexikanischen Stadt Iguala umstellt und attackiert und angeblich bereits an Ort und Stelle 6 Studenten getötet und 43 Studenten und Studentinnen anschließend weggebracht. Diese waren wahrscheinlich zunächst im Glauben, es geschehe alles unter dem Schutze des Staates von Mexiko, den Polizisten gefolgt. Handyanrufe waren zu diesem Zeitpunkt wohl schon nicht mehr möglich, so dass auch keine Notanrufe verzeichnet wurden.

Bekannt ist bislang auch, dass nicht alle verbliebenen 43 jungen Studenten erschossen, verbrannt und in den Fluss gekippt worden waren. Einige der wochenlang verschwundenen Studenten habe man auch in „clandestine graves“, also versteckten Gräbern, gefunden. Die Gräber sollen von Frauen und Männer, welche in die wahrscheinlichen Morde im August verwickelt gewesen sein sollen, gescharrt worden sein.

Zweifel, ob auch der Generalstaatsanwalt alles sagt oder alles weiß

Derweil gibt es nach wie vor Zweifel daran, dass die Generalstaatsanwaltschaft von Mexiko wirklich die ganze Wahrheit bislang mitgeteilt hat oder in der Lage war, diese zu ermitteln. Denn der Massenmord war offensichtlich von ganz oben angeordnet worden. Ob die obersten Auftraggeber tatsächlich „nur“ das örtliche Bürgermeisterpaar waren, ist ebenfalls bislang ungeklärt. Gerade in Ländern wie Mexiko wird niemand Bürgermeister, ohne einen entsprechenden Rückhalt in der sonstigen regionalen oder überregionalen, oft auch nationalen Elite.

Dies zeigt einmal mehr, wie tief auch Mexikos Elite in Drogengeschäfte verwickelt ist. Seit Jahren kursieren in Mexiko Gerüchte, dass in Mexiko selbst bekannteste Milliardärsfamilien durch solche Geschäfte megareich geworden seien.

Unter Anklage steht derzeit unter anderem der ehemalige Bürgermeister von Iguala, Jose Luis Abarca sowie seine Frau, Maria de los Angeles Pinesa. Sie waren am Dienstag beim Versuch, im kaum überschaubaren Randgebiet von Mexiko City unterzutauchen, verhaftet worden.

Was bleibt, sind nun trauernde Eltern, Bekannte, Freunde, Mitschüler der bestialisch und menschenverachtend ermordeten Studenten der betroffenen Schule – der Rural Normal School of Ayotzinapa. Sie hatten seit zwei Monaten vor der Schule gecampt und bis zu Letzt auf die Freilassung der gekidnappten Jugendlichen gehofft.

Kommentar Massenmord in Mexiko:

Mexikos Staatsführung kann offensichtlich oder will nicht, mit aller Härte gegen Korruption, Drogengeschäfte und Massenmorde vorgehen. Anders sind diese perversen und grauenvollen Entführungen und der Massenmord nicht zu erklären. Es muss einfach zu viele Mitwisser, Mit-Organisatoren geben, als dass man hier zu einer Tagesordnung normaler Ermittlungsarbeit übergehen könnte.

Der erneute Massenmord ist ein Skandal höchster Güte und wirft auf Mexiko den Schatten eines übelst geführten Landes, das längst die Mafia in allen Ebenen an Bord hat. Gegen Mexiko scheinen selbst Mörder- und Erpresserorganisationen wie die Cosa Nostra aus Italien „gemäßigt“.

Mexiko steht immer mehr im Verdacht, ein durch und durch von der Mafia durchzogener Verbrecher-Staat zu sein. Man fragt sich: Wie nur konnte es soweit kommen? Dass Mexikos Staatsführung bislang immer wieder versucht hat, dem täglichen Grauen von Massenmorden und Einzelhinrichtungen Herr zu werden, ist bekannt.

Doch ganz offensichtlich genügen die Gesetze und bisherigen Maßnahmen nicht. Wenn Mexikos Staatschef jetzt nicht endlich deutlich und mit aller Härte handelt, gehört auch ein Land wie Mexiko auf eine Liste, auf der Kriegsverbrecher-Staaten stehen. Dieser erneute Massenmord an wehrlosen Jugendlichen hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht.



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